Deutscher Film I: Die Unberührbare (2000)

Februar 9, 2010 1 Kommentar

Der deutsche Film hats nicht unbedingt leicht. Der landläufigen Meinung nach werden in Deutschland keine guten Filme gedreht. Interessanterweise sorgt geradezu immer wieder ein Mann dazu, dass doch viele Zuschauer in deutsche Filme strömen, der weder schauspielern kann, noch sonst irgendein erkennbares Talent hat außer hübsche Kinder zu zeugen: Til Schweiger. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Ich mag Til Schweiger, weil er in einem verdrehten Filmbusiness immer ehrlich und offen, und auch insgesamt ein sympatischer Kerl ist. Nur Schauspielen sollte er lassen. Warum ich das hier alles erwähne?

Weil Schweiger und Leute wie Bully mit ihren Filmen für eine Art Anti-deutscher Film stehen: Die wirklich großen Werke der deutschen Kinokultur sind nämlich nicht die witzigen, harmlosen Komödien, sondern immer die erinnernden, mahnenden Filme: Immer sind es Werke über Kriege, Diktaturen, die DDR/3.Reich-Aufarbeitung oder psychologische Einzelthemen. Immer schön historisch, immer schön schwarz-weiß, immer etwas traurig. Und diese Filme haben gerade in den letzten Jahren mehr Zuspruch erfahren als jemals zuvor, das lässt sich schon an den Oscargewinnern der letzten Jahre festmachen:

Oscarnominierung für den besten fremdsprachigen Film 2005: Der Untergang (Regie: Oliver Hirschbiegel, 2004)

Oscarnominierung für den besten fremdsprachigen Film 2006: Sophie Scholl – Die letzten Tage (Regie: Marc Rothemund, 2005)

Oscargewinn für den besten fremdsprachigen Film 2007: Das Leben der Anderen (Regie: Florian Henckel von Donnersmarck, 2006)

Oscargewinn für den besten fremdsprachigen Film 2008: Die Fälscher (Regie: Stefan Ruzowitzky, 2007) – ein zumindest in deutscher Produktion entstandener Nazi-Film.

Oscarnominierung für den besten fremdsprachigen Film 2009: Der Baader-Meinhof-Komplex (Regie: Uli Edel, 2008)

Oscarnominierung für den besten fremdsprachigen Film 2010 und großer Favorit auf den Gewinn: Das weiße Band (Regie: Michael Haneke, 2009)

Noch Fragen?

Nie war der deutsche Film auch global gesehen erfolgreicher. Aber zu welchem Preis? Sind es nur noch die grauen, traurigen Produktionen, die unser Land weltweit repräsentieren? Der tontraegerhoerer hat zu diesem Thema mal einen sehr guten Beitrag im Zusammenhang mit Tarantinos Basterds gebloggt, den ich hier einfach mal aufgreifen muss. Denn zum Einen bin ich zwar seiner Meinung, dass deutsche Filme oftmals viel zu “grau” sind, und dass wir in diesem Land auch mal wieder etwas mehr Bewegung und Frische gebrauchen könnten, andererseits bin ich einer der Menschen, denen die düsteren, grauen, einsamen Filme gefallen. Ich mag die Authenzität dieser kleinen, deutschen Filme, wie man es bei den Hollywood-Streifen nur selten hat (Gran Torino war in letzter Zeit so eine kleine Perle!); vor allem wenn es nicht “ideenlos und langweilig” ist. (Dabei muss ich gestehen, dass ich Regisseure wie Schmid oder Petzold noch gar nicht kenne, nicht mal das viel gelobte “Yella“.)

Und einen dieser – sogar in schwarz-weiß gedrehten! – tristen Filme möchte ich heute vorstellen, weil er mir im Kopf geblieben ist und vielleicht mehr zum Nachdenken anregt als es ein toller Blockbuster macht: Die Unberührbare (Oscar Roehler, 2000), sogar in die Arthouse-Reihe der 50 größten deutschen Filme aufgenommen.

(Und wie man am Titel leicht erkennen kann: Ich nehme meine Gedanken zum deutschen Film mal zum Anlass öfter darüber zu bloggen. Schauen wir mal, ob da auch gute Unterhaltung dabei sein kann.)

Hannelore Elsner als Hanna Flanders

Hannelore Elsner spielt die einst gefeierte Schriftstellerin Hanna Flanders aus München, welche sich ein idealisiertes Traumbild der DDR geschaffen hatte, und deren Weltbild 1989 beim Fall der Mauer auf einen Schlag erschüttert wird. Spontan zieht sie nach Berlin, um dort einen Neuanfang zu starten, doch schnell merkt sie, wie ihre Umwelt sich für sie zu schnell verändert hat. Unfähig sich anderen zu öffnen und depressiv stellt sie fest, dass sie mit diesen gesellschaftlichen Hürden nicht mehr leben kann, leben will. (Die Geschichte basiert übrigens lose auf dem Leben  von Gisela Elsner, der Mutter des Regisseurs.)

Zynisch könnte man sagen: Da haben wir ja alles zusammen für einen erfolgreichen deutschen Film. Schwarz-weiß, eine bekannte Schauspielerin, ein tristes Drama um eine alternde Persönlichkeit und obendrein noch die typische DDR-Story.

Doch statt bekannten, oberflächlichen Kinoelementen erzählt Oscar Roehler diese Geschichte, dieses letztlich packende Drama auf eine irgendwie sperrige Art und Weise. Der Zugang zum Film ist nicht so gewohnt einfach, wie man es halt kennt in Deutschland. Schon die erste Kameraeinstellung des Filmes macht das deutlich: Eine Totale von Hanna Flanders, von Zigarettenrauch umnebelt, das Telefon am Ohr, zitternd, und dann die Worte: “Ich bring mich jetzt um.” Das ist großartig, und um nochmal auf die Basterds von Tarantino einzugehen: Genau wie dort eine perfekte Eingangssequenz. Im weiteren Filmverlauf sehen wir eine kaputte, von riesigen Selbstzweifeln geplagte Diva (mit weißem Dior-Mantel!) auf einer langen Reise; sie trifft alte Bekannte, Familienmitglieder und Fremde. Immer gefangen in ihrer eigenen Unsicherheit, ihrem eigenen Scheitern.  Am Ende dieser 100 Minuten Filmlänge reicht ihre Kraft nur noch, um sich fallen zu lassen. In den Tod. Am Ende ist alles gesagt, und alles offen. Nachdenken erwünscht.

Hannelore Elsner hat in einem Interview mal gesagt (welches ich gerade leider nicht mehr finde), dass dies ihre beste und wichtigste Rolle gewesen sei. Und man möchte dies sofort unterstreichen: Elsner ist es zu verdanken, dass man auf diesem vorgezeichneten Weg des Todes nicht die Lust verspürt auszuschalten. Sie spielt Hanna Flanders mit einer unglaublichen Präsenz, in der all die Würde, all der Schmerz und die Verzweifelung zum Ausdruck kommen. Oscar Roehler ist mit diesem Film ein unglaublich beeindruckendes – wenn auch schwieriges – Frauenporträt geglückt, und zweifellos gehört der Film trotz einiger Längen zum Besten, was ich im deutschen Film gesehen habe. Fremd und traurig, grau und trist, und doch auf eine nahezu unbestimmte Weise schön und einzigartig. Für Freunde des Programmkinos absolut zu empfehlen!

Die Unberührbare (Oscar Roehler, 2000) in der imdb. Mehr Infos: http://www.hannelore-elsner.de/filmkino.htm

Mainz hat seinen Sohn wieder

“Zwei Jahre war er krank, nun ist er bestens erholt wieder zurück hier in Mainz.”

Zufällig war ich in der Innenstadt, als Oberbürgermeister Beutel mit diesen Worten den doch beträchtlichen Menschenauflauf an diesem eher launigen Februar-Nachmittag auf dem Gutenbergplatz begrüßt. Um wen es geht, ist klar: Das 2m große und 2,5 Tonnen schwere Denkmal von Johannes Gutenberg, DEM Sohn der Stadt Mainz, und überhaupt einer der wichtigsten Deutschen überhaupt. (Noch gestern zu seinem 542. Todestag gab es kuriose Ideen zu Gutenberg heute.)

Für die Mainzer ist dieses Denkmal nicht nur das Standbild eines berühmten Mannes, es ist prägend für das Stadtbild, es gehört zum Mainzer Lebensgefühl dazu. Ganz deutlich wird dies in Zeiten der Fassenacht, an der Gutenberg eine typische Mainzer Fassenachts-Mütze erhält, oder in sportlichen Glanzzeiten, zu denen er auch schon mal in riesigem Trikot den Gutenbergplatz verschönerte. Kurzum: Mainz ohne Gutenbergdenkmal geht nicht, und daher waren die knapp 2 Jahre Restaurierung für die Mainzer auch knapp 2 Jahre zuviel des Guten(bergs).

Nun ist das 205.000 € (!) teure Projekt endlich abgeschlossen, und auch die letzten Fassenachtswitze über die Dauer der Restaurierung können eingestellt werden. Nach den langweiligen Reden von wichtigen Menschen und dem Spielen des Staatsorchesters (WTF!) konnte das Denkmal also hoch in die Lüfte steigen. Nicht bevor eine Spiegelreflex aufwendig über dem Kopf angebracht wurde, um auch wirklich alle Perspektiven aufnehmen zu können:

Moderner Turban

Befestigung der Kamera

Danach konnte es endlich losgehen, und Herr Gutenberg wurde sanft emporgezogen. Noch einige Aufnahmen meinerseits, alle Bilder per Klick in Großansicht!

Mainz hat seinen Sohn wieder, und ich hab gelernt, wie lange es dauert, eine 2,5 Tonnen schwere Statue zu erneuern und sie mit großem Pompöse wieder aufzutellen. Darauf ein dreifach donnerndes: Helau!

Alles über Spickzettel?

Das ein Lehrer auf die Idee kommt, in seinem Arbeitsleben alle gefundenen Spickzettel zu sammeln und zu kategorisieren, halte ich grundsätzlich für eine ganz phantastische Idee. Zeigt dies doch auch eine ganz sicherlich spannende Subkultur der Schulzeit, die in den wissenschaftlichen Abhandlungen über Unterricht und Pädagogik so nicht zu Wort kommt, die aber doch jeder (ehemalige) Schüler kennt, und die allermeisten auch selbst aktiv betrieben haben.

Broschierte Ausgabe

Günther F. Hessenauer hat genau dies getan: 5000 Spickzettel aller Arten, aller Fächer und diverse andere Briefchen, Karikaturen und Sprüche hat er in seinem Lehrerleben gesammelt, und diese nun nach seiner Pensionierung zu einem Buch verarbeitet. Das ist für mich als angehenden Lehrer, und natürlich mindestens genauso als erfolgreichen ehemaligen Spicker, sehr interessant: Gestern hab ich das Buch Büchlein durchgelesen, bzw. die zahlreichen Spicker angeschaut. Das ist innerhalb einer Stunde geschehen, und insgesamt gesehen ein schöner Spaß.

Hessenauer stellt hier verschiedene Kategorien von Spickzetteln vor, bewertet sie nach ihrem zeitlichen und technischen Aufwand und beurteilt ihren pädagogischen Wert, und ironisch auch die Herausforderung an den Schüler.

Da bekommen vom einfachen Handspicker bis zum kompliziert hergestellten Flaschen-Etikett-Spicker alle Varianten ihren Platz. Dies ist durchaus witzig zu lesen und zu betrachten, vor allem natürlich, wenn man wie ich mit allen Spickervarianten vertraut ist. Zudem gibt es zuweilen amüsante Anekdoten zu den Spickertypen. Genau hier liegt aber auch der größte Fehler von Hessenauer: Er versucht alle Kategorien mit einer vermeintlich lustigen Story beginnen zu lassen. Dies wirkt deplatziert, ist langweilig und wäre vor allem nicht nötig gewesen. Eine breitere Palette von “Spickern”, mit den augenzwinkernden  Anmerkungen zu Herausforderung und pädagogischem Werten wäre hier der bessere Weg gewesen. So bleibt am Ende neben dem vielen Schmunzeln vor allem die Frage, ob man nun wirklich alles über Spickzettel weiß, und die Antwort lautet klar: nein. Mir fallen spontan einige weitere ein, die Hessenauer nicht mal erwähnt hat, ganz zu schweigen zu Täuschungsversuchen, die letztlich gar nichts mit “Spickern” zu tun haben.

Trotzdem: Man merkt Hessenauer an, dass er ein Lehrer mit voller Kraft war und seine Schüler auch ernst genommen hat, und sie mit dem Thema “Spicken” auch konfrontiert hat. Zwei Briefe am Schluss dokumentieren dies in sehr guter Art und Weise. Und dies nehme ich auch für mich aus diesem kleinen Buch für zwischendurch mit: Respektvoll den Schülern gegenüber, das Thema Spicken immer ironisch-augenzwinkernd betrachten, aber auch nie aus den Augen verlieren.

Außerdem finde ich die Idee des Spickzettel-Sammelns hervorrragend. Ich werde anfangen.

Naschen mit Mr.TrailMix

Februar 2, 2010 4 Kommentare

Heute ausnahmsweise mal mit einer Studentenfutter TrailMix-Kritik:

Sieht lecker aus, oder?

Ist es auch. Es handelt sich hier um die “Seelentröster”-Packung (verschärft) von Mr.TrailMix. Mr.TrailMix ist ein neues Start-Up-Unternehmen aus Bremen, welches ab sofort “Nüsse, Früchtchen und kleine Sünden” deutschlandweit verschickt und dabei die bekannten Trailmixe aus den USA als Vorbild nimmt: Ähnlich dem Studentenfutter, nur wesentlich variabler und vor allem gesünder, denn großteils biologisch. Ein weiterer Vorteil ist die Selbstständigkeit des Bestellens im Blog: Die Zutaten können per “Drag and drop” in eine Tüte gezogen werden. Schöne Shoplösung!

Und ich durfte im Vorfeld des Onlineshops an einer Testaktion teilnehmen, mit der Bitte doch später darüber zu bloggen. Fair enough, würde der Ami sagen. Gezielte Werbung auf der einen Seite, aber auch mögliche offene Kritik – und für mich vor allem eine Packung gratis. Alle Seiten gewinnen ;) (Normalerweile stehe ich solchen Testangeboten eher ablehnend gegenüber, aber hier stimmt vor allem der Webauftritt: sympatisch, lesenswerter Blog und alles sehr charmant. Kurzum: das Projekt von Tobias Singer hatte eine Chance verdient und da lasse ich mich doch nicht lumpen.)

Und nun sitze ich also knabbernd und futternd vor dem Laptop und genieße die TrailMix-Packung. Soviel sei auch schon verraten: Wirklich sehr gut!

Passenderweise gabs auch noch ein verschließbares Etui für unterwegs dazu, tolle Idee:

Nehm ich mir doch mal die einzelnen Zutaten meiner verschärften Testpackung vor:

Wasabi-Erdnüsse: Wow! Hot! Wirklich sehr schön, diese grünen Nüsse. Genau mein Geschmack. Immer wieder.

Erdnüsse gesalzen: Erdnüsse halt. Kein Unterschied feststellbar zu herkömmlichen Erdnüssen. Gewohnt lecker.

Hot-Chili-Cracker: zweite scharfe Zutat, und genauso lecker: knusprig, chipsig, mit interessantem Abgang. Sehr gut.

Grüne Pistazien: Meiner Meinung nach etwas fad. Gehen in dieser Mischung etwas unter.

Mango: Die schwächste Zutat. Die Früchtchen sind nicht mein Ding, zu zäh, zu wenig Mangogeschmack.

Bunte Schokolinsen: Gut, aber letztlich kein Unterschied zu M&Ms, etc. Diese würde ich wohl bei einer Einzelzusammenstellung weglassen. Andererseits gemischt mit den scharfen Zutaten interessante Geschmackskombination.

Cranberries: Noch ein Früchtchen. Schmeckt etwas nach Rosine, also etwas langweilig.

Schoko-Erdnüsse: Sehr lecker. Diese Sünden könnte ich ohne Unterbrechung in mich reinschieben.

Fazit: Nüsse und kleine Sünden sind genau mein Ding, auf die Früchtchen kann ich gerne verzichten. Es überwiegt der positive Geschmack, und die nicht enden wollende 400gr-Packung. (Diese sollte es vielleicht in Zukunft noch in anderen Größen geben!) Insgesamt sehr, sehr lecker und ein absolutes “Sucht-Faktor”-Potential. Ähnlich wie Chips und co kann man nicht aufhören… ;)

Daher meine Empfehlung: Schaut doch mal rein bei Mr.TrailMix und guckt, ob für Euch was dabei ist. Eine 400gr-Packung liegt bei etwa 7-9 €, zuviel für das wirkliche Studentenleben, aber vielleicht genau richtig für einen besonderen Abend oder eine Geschenkidee.

Schlittenhunderennen in Liebenscheid

Februar 1, 2010 2 Kommentare

Winter im Westerwald.

An einem überaus anstrengenden und eher stressigen Wochenende wollte ich dann doch zumindest mal kurz raus in die weiße Winterpracht des Westerwaldes. Soviel Schnee hatte ich zumindest hier lange nicht mehr gesehen, und daher schnappte ich mir am Sonntag Morgen spontan die neue Kompakte und fuhr zum Schlittenhunderennen nach Liebenscheid.

Aufgrund weiterer Termine war ich nur sehr kurz da, und habe leider unter anderem auch die interessanten 8er- und 10er-Gespanne am Nachmittag verpasst. Überhaupt war ich wohl insgesamt länger unterwegs als vor Ort, ganz zu schweigen von Parkgebühr und Eintritt, aber die kalte Luft, der tiefe Schnee, und natürlich auch die Rennen haben sich gelohnt. Hier einige meiner Impressionen meiner Stunde in Liebenscheid (Klick aufs Bild für Großansicht.)

Schön wars. Und auch die Organisation des Rennens war hervorragend, auch wenn der Weg vom Parkplatz zum Rennen für Kurzbesucher wie mich schon arg weit war. Gut gemacht, vor allem bei diesem Wetter und den Fahrkünsten mancher Besucher!

Verbesserungswürdig aber in allen Bereichen ist die Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere der “Homepage der Feuerwehr Liebenscheid“.  Erinnert mich etwas an die ersten Gehversuche der Webpräsenzen Mitte bis Ende der Neunziger ;)

Fazit: So ein Ausflug in die Natur tut gut,auch wenns nur kurz ist.

13 Semester. Oder von Autobahnausfahrten.

Januar 27, 2010 3 Kommentare

In den letzten Wochen haben mich sehr viele angesprochen, dass ja bald “mein” Film laufen würde. Jeder in meinem Bekanntenkreis machte früher oder später mal ‘nen dummen Spruch zu “13 Semester“, dem Spielfilmdebüt von Frieder Wittich (übrigens komplett in Darmstadt gedreht.) Und tatsächlich, der Trailer hatte durchaus einige Parallelen zu meinem Leben:

Nach dem Kinobesuch musste ich leider feststellen: Ich wäre vermutlich gar nicht Momo, sondern eher Bernd, der Mitbewohner des Protagonisten. Aber ansonsten kann ich festhalten: 13 Semester ist eine unterhaltsame, liebenswürdige und vor allem charmante Studentenkomödie, die auch schwierige Zeiten zeigt, und dabei den amerikanisch-platten Collegehumor außen vor lässt. Jeder (ehemalige) Student wird den Film mögen, zeigt er doch wie facettenreich ein Studentenleben abläuft: Von Wohnungssuche bis zu wilden WG-Partys, vom Büffeln in der Bibliothek bis zum Durchfallen beim Prof, vom Spaß mit den Freunden bis zu einsamen Stunden und Liebeskummer, von wissenschaftlichen Nerds bis zu den absoluten Partytypen, von Waschsalons bis Clubparty, von Krisen und Hochstimmungen. Vermutlich wird sich jeder irgendwo mal ertappt fühlen, viele Situationen des Filmes hat man so oder so ähnlich schon mal erlebt. Der eine mehr, der andere weniger.

Wobei wir auch beim Thema wären. Ich gehöre wohl zur ersten Sorte, den Studenten mit etwas mehr davon. Deshalb konnte ich vielleicht auch etwas mehr lachen – mal schmunzelnd nickend, mal peinlich berührt grinsend, mal erinnernd lachend. Viel mehr, ob der Film nun gut oder schlecht war, beschäftigt(e) mich selbst die Frage, wie das zu bewerten ist. In einer Leistungsgesellschaft ein Langzeitstudent sein? In einer geldorientierten Konsumgesellschaft jemand sein, der Spaß und Erlebnis den Bibliotheken des Campus vorzieht? Geht das überhaupt?

Frage ich Bekannte, Freunde – oder auch vor allem meine Familie, lautet die relativ klare Antwort: Nein.

Immer wieder ist mein überzogenes Studium Thema von Debatten, Spott und Häme.  Dabei erlebe ich genau wie Protagonist Momo  in “13 Semester” auch nicht nur Höhen: finanzielle Schwierigkeiten, Lernprobleme, schwierige Freundschaften, WG-Chaos und Liebeskummer. Hier zeigt der Film auch die ungeschönte Seite des “Partystudenten” – der nach außen den Ruf genießt, immer nur Spaß zu haben (so wie das bei mir auch immer ist). Sein alter Freund Dirk wählt den entgegengesetzten Weg: Scheinstudent, büffeln, während der Rest am baden ist, und verfrühte Diplomarbeit direkt beim Kunden (“The early bird catches the  worm”). Erfolgsorientiert, schnell, ehrgeizig, erfolgreich – ein richtiger Durchstarter. Dies alles, während Momo Spass hat und immer mehr den Anschluss verpasst.

Wie sind diese unterschiedlichen Lebensauffassungen zu bewerten? Der Film gibt keine wirklich klare Antwort, er vermittelt etwas und zeigt am Ende relativ liebenswürdig, dass Arbeit sich nicht immer lohnt, als Dirk Momo schlußendlich hilft und dabei auch den Spaß des Lebens wiederfindet, und dass man seinen eigenen Weg gehen muss.

Die beste Szene des Filmes aber handelt genau von diesem Dilemma:

Momo und Dirk sitzen nebeneinander auf einer tiefen Couch, vor ihnen sogenannte humanoide Robocops, mit welchen Entwickler versuchen Fussball zu spielen. Die Kamera fängt immer wieder die steif wirkenden Roboter beim Fussball ein, und setzt dann gekonnt Blickfänge zu Dirk und dessem steifen Anzugsleben. Momo fängt an über sein Leben zu reflektieren, erzählt von seinen Jahren als Student und das er sich fühlt wie auf einer Autobahn, und dass er viel zu oft die Ausfahrt genommen hat, und jetzt nicht weiß, wie er zurück auf die Autobahn kommt, um ans Ziel zu gelangen. Und dass er darüber nachdenkt, alles hinzuschmeissen, und nie mehr auf die Autobahn zu fahren. Die Szenerie ist ruhig, kaum zusätzliche Ausstattung, keine Musik, nur die surrenden Roboter. Nach einer langen Pause antwortet Dirk bedacht: “Ich bin immer nur mit 200km/h über die Autobahn gefahren. Und dabei hätte ich vielleicht mal eine Ausfahrt nehmen sollen, um mir die Gegend anzuschauen.”

Selten habe ich eine schönere Metapher für den Unterschied zwischen den leistungsorientierten Studenten und Langzeitstudenten gehört. Hier zudem in einer wirklich guten Szene toll gespielt.

Ich bin jemand, der gerne eine Ausfahrt nimmt, und sich viel Zeit für die Gegend dort nimmt. Jemand, der viele Wege abseits der Studiumsautobahn einschlägt, immer auf der Suche nach dem Besonderen. Das mag mir viele Steine in den Weg räumen, aber letztlich werde ich genau wie Momo in “13 Semester” dazu stehen. Ob das immer gut sein wird, ist ein ganz anderes Kapitel. Heute im Vorstellungsgespräch wäre das fast schiefgelaufen. “13 Semester für ein Studium? Was sind Sie denn für Einer?”, so die Frage an mich. Die Leistungsgesellschaft hat schwarze Schafe wie mich nicht gerne. Dort werden die Autobahnfahrer gesucht, die keine Ausfahrt nehmen und schnurgerade “den Wurm fangen”.  (Was der arme Wurm sich dabei denkt, fragt übrigens auch keiner.)

Vielleicht werde ich erst in vielen Jahren wissen, welcher Weg der richtige ist/war. Fest steht: Der frühe Vogel kann mich mal.

Tolle Musik im Januar – aus dem alten Jahr

Januar 14, 2010 4 Kommentare

So sehr man sich auch als Musikliebhaber und -Genießer anstrengt, man kann über ein ganzes Jahr nicht alles mitbekommen, was sich im Musikbusiness bewegt, und schon gar nicht alles anhören – geschweige denn besitzen. So war auch 2009 ein Jahr voller Alben, voller guter Alben, die an mir vorübergezogen sind. Das eine oder andere habe ich mitbekommen, aber niemals näher beleuchtet, andere Alben sind früh erschienen und erst spät im Jahr in meinem iTunes gelandet. So kam es, dass es Alben aus dem Jahre 2009 gibt, deren Musik ich so wunderbar finde, dass sie alle einen Platz in meiner neulich veröffentlichen TopTen2009 verdient hätten. Und weil das nicht möglich ist, haben sie zumindest hier eine Anerkennung verdient; deshalb hier und jetzt meine tollste Musik der ersten Wochen  in 2010 – allesamt 2009 erschienen.

Fever Ray - Fever Ray

Allen voran: Fever Ray!

Karin Dreijer Andersson kannte man als Frontfrau von “The Knife” (“Silent Shout“), doch mit ihrem Solo-Debüt  als Fever Ray zeigt sie nochmal völlig neue Seiten. Auf der Röyksopp-Platte “Junior” (Platz 2. meiner Jahresliste) hatte sie schon zwei Gastauftritte, danach erschien das eigene selbstbetitelte Album “Fever Ray” im Frühjahr. Ärgerlicherweise konnte ich meinen Melt!-Kollegen nicht zum dortigen Fever Ray-Auftritt bewegen und ärger mich noch heute, denn Andersson zeigt auf ihrem Album unglaublich tolle Musik. Gespentisch, und irgendwie Musik von einer anderen Welt, Musik, für die es schwer ist Worte zu finden, und es noch schwieriger fällt, einem Genre zuzuordnen. Das Album ist kühl und dunkel, fast depressiv – mysteriös, mystisch, melancholös.

Als Anspieltipp eignet sich “Keep the Streets empty for me“.

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The XX - XX

Hypes sind normalerweise nicht mein Ding, erst Recht nicht, wenn es dabei um noch nahezu pubertierende Erwachsene aus London geht. Doch an The XX geht wohl in 2009 und 2010 kein Weg vorbei. Die 4 Lieblinge fast aller großen Musikmagazine (einschließlich der komplett elektronisch ausgerichteten GROOVE ) haben mit “XX” ein Debüt-Album hingelegt, was einfach auf kompletter Länge überzeugt. 40 Minuten wundervoller Songs: puristisch und ruhig, das genauer Gegenteil eines schnelllebigen Hypes. Und genau das ist hier wunderbar: Minimalprinzip. Die Songs brauchen Zeit, die Musik will gehört werden, aber letztlich ist hier ein ganz großes Werk entstanden. Pop von seiner schönen Seite.

Als Anspieltipp eignet sich “Chrystalised” .

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Julian Plenti is Skyscraper

Julian Plenti ist eigentlich Paul Banks. Diesen könnte man kennen als Sänger der New Yorker Band “Interpol”, ist aber letztlich nicht so wichtig, denn unter dem Alter Ego Julian Plenti entsteht eine zeitlose Soloplatte: Viel Pop, Rock, New Wave und eine ganze Menge Experimentierfreudigkeit. Nicht alle Songs sind 100% gelungen, dafür ragen einige heraus, zb die Tipps unten. Musik mit großer atmosphärischer Dichte und jeder Menge Hitpotential. Musik zum Träumen und sich einfach mal zurücklegen und Nichtstun.

Anspieltipps: Das ruhige “Skyscraper” und die Single “Games for days“.

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Miike Snow - Miike Snow

Ich hab gelesen, dass die Schweden Miike Snow das Aushängeschild 2009 der MGMT-Generation seien. Oha, das ist so ein Satz, der kann nur von irgendeinem verkappten Musikjournalisten kommen, der seine Kritiken in Phantasieblasen einlullt, die nachher kein Mensch mehr versteht. Nun denn, Miike Snow haben schon etwas von MGMT. Es ist diese Lockerheit, dieser entspannte Groove, der das komplette Album durchzieht wie ein roter Faden. Dieses Album ist nicht wirklich Indie, erst recht nicht Rock, und auch nicht wirklich elektronisch – aber irgendwie doch von allem Etwas. Und hier haben wir natürlich schnell den Schnittpunkt zu MGMT. Auf den Punkt gebracht: “Miike Snow” macht einfach richtig viel Spaß, und ist ein richtig gutes Pop-Album geworden – mit Ausflügen in diverse andere Genres.

Anspieltipps: “Animal” und “burial“.

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Nathan Fake - Hard Islands

Hab ich den hier komplett die elektronische Musik vergessen? Nein, denn mit Nathan Fakes “Hard Islands” ist mir ein super Technoalbum hereingeschneit (auch wenn mir iTunes IDM anzeigt…). Der junge Londoner ist immer noch bei “Border Community”, dem Label von James Holden. Und dort passt er auch perfekt hin: Denn seine Tracks durchzieht ebenso diese Leidenschaft, diese Unruhe, dieser Mix aus Flächen und kurzen Breaks. Insgesamt ist dieses Album (oder eher EP mit seinen 6 Stücken) etwas düsterer geworden als sein Vorgänger. Mir macht das nichts, triffts doch so ziemlich meinen Nerv. Wäre schön, den jungen Mann demnächst nochmal live zu sehen!

Anspieltipps: der vielleicht beste Tanzflächensong: “The Turtle” oder der tolle Schluss der Platte, der ein bisschen an Aphex Twin erinnert: “Fentiger“.

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Zoot Woman - Things are...

Und am Schluss hätten wir dann noch Altbekanntes: Zoot Woman sind zurück nach jahrelanger Pause. Und die machen direkt da weiter, wo sie aufgehört hatten. “Things Are What They Used To Be” ist Rückbesinnung auf die Synthesizer der Achtziger, jede Menge Elektropop, makellose Eleganz und über allem die sanfte Stimme von Johnny Blake. Das ist die beste Referenz an die 80iger, und da macht Zoot woman auch immer noch keiner was vor.  Stilsicher und  trotzdem voller Widersprüche, Melancholie und Euphorie, brummende Bässe und treibende Synthies. Das ist ein Album, welches fast sofort durchgängig ins Ohr geht, und dort auch nach dem 3. Hören nicht langweilig wird. Gut gemacht!

Anspieltipp: “Blue Sea”.

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Das wars fürs Erste. Ich hoffe, ihr habt an diesen tollen Werken genauso viel Freude wie ich. Schauen wir mal, was das Jahr alles auf uns zu treibt.  Nachdem ich nun hier geschrieben habe, freue ich mich umso mehr auf kommende Konzerte und Festivals.

Update: 1&1

Januar 13, 2010 2 Kommentare

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Oder anders gesagt: In Zeiten von großflächigen Bränden der Kundenunzufriedenheit, in denen man schon Kundensupport-TV-Werbung ausstrahlt, hört man auf Kritik, vor allem wenn diese in öffentlicher Form eines Bloges geschieht.

Wir erinnern uns: Ich wechsele innerhalb von 1&1 den Tarif, bekomme keinen neuen Router, und muss schließlich für einen sogenannten Homeserver (FritzBOX 7240) 149 € zahlen. Eine andere Möglichkeit ist ausgeschlossen, und ich bin wiedermal der Dumme. Ich beschließe meinem Ärger Luft mit einem Blogeintrag zu machen, twittere diesen (unter anderem an den 1&1-Account) und verlinke den Eintrag im offiziellen 1&1-Blog. In der Folge habe ich – für meinen kleinen Blog – außergewöhnlich viele Aufrufe auf den Eintrag, und noch am selben Tag(!) habe ich einen Kommentar von Horst Dann, einem 1&1-Kundenberater.

Nach einem kurzem Email-Kontakt habe ich schon Samstag morgen (einen Tag später!) ein neues Angebot vorliegen.

Exact diesen Router konnte ich nun für 0,00 € erhalten, ausschließlich die Versandkosten musste ich übernehmen. Und als wäre ich auf einmal der wichtigste Kunde von United Internet, ist der Router heute schon da, und nun schon problemlos installiert und in Betrieb. Herr Dann war sogar so freundlich nochmal anzurufen (!), um sich zu vergewissern, ob alles in Ordnung sei. Außerdem lag dem Router eine schriftliche Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten anbei. Respekt 1&1, immerhin reagieren sie auf Kritik!

Ich bin Herrn Dann und auch 1&1 dankbar, dass sie dies nun so problemlos hinbekommen haben – andererseits frage ich mich nun, warum dies vorher nicht möglich war. Muss man immer erst lauthals Kritik äußern, bis etwas geschieht? Muss es immer die letzte Instanz sein (im D’avis-Blog drohen zahlreiche Kunden mit ihrem Anwalt!) ? Will 1&1 überleben, MUSS  im Bereich des Kundenbusiness um ein Vielfaches zugelegt werden, und da reicht auch kein TV-Spot, der letztlich alles nur noch mehr lächerlich macht und im Grunde nur suggeriert, dass 1&1 Angst hat, Kunden zu verlieren.

Dazu würde zum Beispiel auch gehören, dass ein Kunde seinen Vertrag reduzieren kann, wenn die Bandbreite nicht mit seinen Daten übereinstimmt, oder dass er Kulanz erwarten kann, wenn nachweislich immer wieder Probleme auftauchen. Ich habe noch fast 2 Jahre 1&1 vor mir… und werde sicherlich ein waches Auge auf die Entwicklungen werfen. Mich würde es wundern, wenn ich solange Ruhe hätte.

Immer wieder Ärger mit 1&1

Januar 8, 2010 5 Kommentare

Vorgeschichte: Mit 1&1 hatte ich immer wieder Probleme jeglicher Art. Von schwachem Support ohne kostenlose Rufnummer bis hin zu technischen Schwierigkeiten. Am schwerwiegensten waren wohl aber die Trickversuche von 1&1: Nach einem halben Jahr sollte ich auf einmal 19,99 € zusätzlich für “maxdome” zahlen, einen Service, den ich noch nie genutzt hatte, plus weitere 4,99 € für Norton Antivirus. Aus der Maxdome-Geschichte bin ich nach zahlreichen Beschwerdebriefen und Telefonaten wieder herausgekommen – sogar gegen Gutschrift von 3 Monaten -, den absolut überflüssigen Norton-Kram durfte ich 1,5 Jahre zahlen, ohne es jemals benutzt zu haben.

Vor etwa 2 Monaten hab ich trotzdem einen Tarifwechsel innerhalb von 1&1 vollzogen; anstatt zu kündigen und mich nach einem neuen Anbieter umzuschauen, hat mich das  1&1-Angebot letztlich überzeugt, obwohls zum Teil günstigere gab, aber Bequemlichkeit und Leistung gewannen die Oberhand, und so wurde es wiedermals 1&1, der Service Provider von United Internet mit Sitz im Westerwald. (Ein Fehler, den ich vermutlich nicht wieder begehen werde!)

Übersicht HomeNet-Verträge

Ich entschied mich für den DSL – HomeNet 16.000 -Vertrag:

Der Unterschied zu den – normalen – Surf&Phone Verträgen sieht man auf der Graphik: Es ist vor allem das Homeplus-Paket, sowie der Homeserver mit Emails, Domain und 1000GB Onlinespeicher, plus zusätzliche kostenlose Rufnummer.

Kostenpunkt: 34,99 € – bedeutet 5€ mehr als gewöhnlich für die Pluspunkte des Homeservers. Diese 5 € waren es mir wert, schon die 1000GB mit Zugriff von jedem vernetzten PC der Welt wollte ich für Musik nutzen, praktisch für Partys jeder Art.

Beim Vertragsabschluss achtete ich auf einige Punkte ganz besonders: Jeder Haken wurde entfernt, alles bis auf Standart habe ich ausgeschlossen, u.a. das verschasste Norton und natürlich Maxdome, außerdem ließ ich mir das im Kundenbereich bestätigen, auch die volle Funktionsfähigkeit des Vertrages in meinem Haus hier (Bandbreite, Router, etc.)

Für diesen HomeServer, der all diese Besonderheiten wie den Onlinespeicher bereithält, braucht man einen Clienten, den man herunterladen kann und der schließlich alles “automatisch einrichtet”. Leider kam beim Einrichten des HomeNet-Clienten nun immer wieder folgende Meldung:

Fehlermeldung HomeServer

Nach zahlreichem, erfolglosen Ausprobieren und Tüfteln rief ich mal wieder den Support an (und landete vermutlich irgendwo bei einem Mitarbeiter von D’avis, der ja extra für MICH da ist…^^).

Nachdem mein Support mein Problem verstanden hatte, und dazu einen weiteren Mitarbeiter eingeschaltet hatte ( zu diesem Zeitpunkt waren übrigens 9:30 Minuten verstrichen…), wurde mir gesagt, dass meine FRITZBox (die natürlich von 1&1 ist!), für diesen HomeServer nicht ausreichend, und folglich nicht kompatibel wäre. Soweit so gut kann ich das nachvollziehen.

HomeServer

Doch statt einen Routeraustausch anzubieten, wird mir lediglich empfohlen, den neuen 1&1 Homeserver zu kaufen: Nahezu geschenkt, nur 149 € solle dieser kosten…!

Selbst als ich dem – bestenfalls inkompetenten – Mitarbeiter von 1&1 erkläre, dass ich diesen HomeNet-Vertrag niemals bestellt hätte, wenn ich diese Funktionen nicht nutzen kann, kommt nur ein wenig mitfühlendes: “Da kann ich leider auch nichts machen…”. Ist man halt wieder der Dumme am Ende der Nahrungskette. Und Herr Dommermuth lacht sich ins Fäustchen und lässt weiter seine Yachten von meinem Geld finanzieren. Mal wieder knapp 2 Jahre 5 € mehr zahlen, als man müsste…

Als wäre das nicht schon mehr als ärgerlich genug, wird mir in diesen Tagen auf einmal 4,99 € mehr von 1&1 abgebucht. Und klar, auf der Rechnung taucht das omnipräsente Norton auf:

PDF-Rechnung 1&1

Nach einem Beschwerdeanruf im “Rechnungszentrum” bekomme ich für diese 4,99 € und weitere 4,99 € für Januar eine Gutschrift – und das entschuldigende Bekenntnis, dass ich das wirklich nicht mitgebucht habe. Es schwingt ein bisschen “Der Versuch wars ja wert…” in der Luft. Und in der Tat, viele Menschen, zum Beispiel meine Großeltern, würden dies auf sich beruhen lassen, weil sie nicht recht wüssten, was das überhaupt ist, warum es dabei geht, und was sie dagegen tun könnten. Ich persönlich finde es eine riesen Schweinerei (und das darf man dann auch mal so sagen!), dass hier immer wieder versucht wird, den KUNDEN das Geld aus der Tasche zu ziehen, und sogar hier so dreist, wo ich ganz klar drauf geachtet habe, dass mein PC von Norton verschont bleibt.

Da wird es schon fast zur Nebensache, dass ich immer noch nicht die versprochene Bandbreite von 16.000 habe, und stattdessen mit einer Bandbreite um die 7.000 vor mich hin dümpele… (Und mit einem DSL 6.000-Vertrag nochmal erheblich hätte sparen können!).

Immerhin gehts mir nicht alleine so, wie ein Blick bei Google mit “1&1 Ärger” oder “1&1 Probleme” schnell zeigt, aber das macht es auch nicht besser.

Ich bin enttäuscht – schon wieder.


Edit, Samstag, 9.1.2010:

Etwa seit Weihnachten hat der jetzt schon berüchtigte D’avis seinen eigenen Blog bei 1&1, dort gingen vor allem innerhalb der letzten Tage hunderte Zuschriften in Form von Kommentaren ein, 90% davon negativ bis böse. Einige wenige positive, die auch mehr oder weniger als Fakes ausschauten. Wie auch immer, gestern nachmittag bzw. den ganzen Tag erreichte eine neue Welle von verärgerten Kunden den Blog: Zahlreiche wütende Kommentare waren zu lesen. Die Reaktion von Seiten von 1&1 heute morgen, welche ich einfach mal kommentarlos einfüge:

James Camerons “Avatar” – in 3D

Januar 7, 2010 5 Kommentare

Was soll man über einen Film schreiben, über den schon wirklich alles geschrieben wurde?

Man könnte aufzeigen, warum Avatar das Kino verändert.  Man könnte zeigen, wie besessen Cameron von den Details ist. Man könnte von berauschender Technikdemonstration und inhaltlicher Schwäche berichten. Man könnte auch vom Superlativ als Stilprinzip sprechen. Oder man schreibt über Indianer & Häuptlinge mit Pfeil und Bogen. Natürlich könnte man auch lobend erwähnen, dass der Film die Antwort auf die Frage gibt, ob es noch etwas gibt, wofür man ins Kino gehen muss.

Aber alles ist schon geschrieben, über diesen – wieder einmal – teuersten Film aller Zeiten. Manche sprechen von 250 Millionen Dollar, manche von 500 Millionen. Letztlich ist es auch völlig egal, denn “Avatar” knackte schon nach dem letztem Wochenende die Milliarden-Dollar-Grenze der Einnahmen – und liegt damit schon nach Beginn auf Platz 4 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. (Nach oben ist alles offen, selbst Titanic scheint hier nicht uneinholbar zu sein…)

Die Frage, die nach all diesen Kritiken und Erfolgen noch offen bleibt, ist doch: Wie hat “Avatar” dem hulza gefallen?

Nun ja, auch ich könnte sicherlich Romane schreiben: Immerhin geht dieses Epos 160 Minuten, und davon ist zumindest keine Minute langweilig. Dass dies aber nicht einer tollen Story geschuldet ist, konnte auch mal im Vorfeld schon genügend lesen, und dem ist auch so: 160 Minuten lang passiert eigentlich nichts, was man nicht irgendwo anders her kennen würde, und nicht schon lange vor der eigentlichen Handlung erahnen würde. Der Plot ist bis auf einige wenige kulturelle Anspielungen (Ökologie, Vietnam, Rohstoffsuche, Kapitalismus etc.)  wirklich lahm und kaum der Rede wert. Die Charaktere sind wenig ausgereift: Zum einen bleiben den Protagonisten wenig Handlungsspielräume, zum anderen gibt es für den Zuschauer kaum bis keine Informationen über die Vergangenheit der “Helden” (Warum ist der Held an einen Rollstihl gefesselt?). Zudem nervt der Film quasi 2 Stunden mit leider eindeutig zuviel Esoterik: Hier übertreibt Cameron etwas -und das auch völlig ohne Grund.

Was also genau macht “Avatar” so besonders, dass Filmkritiker und Zuschauer in aller Welt begeistern lässt?

Das lässt sich ziemlich genau auf einen Nenner bringen: die Technik. Cameron, das wissen wir spätestens seit Titanic, gibt sich nie mit “Besonders” zufrieden, es muss immer direkt eine komplette neue Technik sein, ein neuer Meilenstein, eine kleine Revolution auf der Leinwand.

Und nichts anderes sind die Bilder, die wir hier auf der Leinwand sehen, bewundern – ja, erleben – dürfen. Da wächst ein ganzer Planet auf dem Computer, und die Wirkung auf der Leinwand ist phänomenal. Da gibt es fliegende Felslandschaften, phantastische Tierarten und einen verzauberten Dschungel, komplett mit schwebenden Leuchtlebewesen und fluoreszierendem Moos. Die Sequenzen des Filmes sind einfach eine optische Wucht, besonders die Einstiegszene und die Kampfeshandlungen am Ende beeindrucken über alle Maßen. Auch die Na’vi, das Ureinwohnervolk gefällt sowohl von der Mimik her, als auch von ihrer Beweglichkeit: das ist perfekte “Performance Capture”, so wie man sie bisher noch nicht gesehen hat. Von dieser optischen Wucht bin ich noch immer geflasht.

Ich war übrigens hier zum allerersten mal im Kino mit der doch relativ neuen “real3D”-Technik, und gerade das machte die 160 Minuten “Avatar” zu einem besonderen Erlebnis. Wenn man am Ende total gefangen ist in der Bilderwucht um Pandora, dann ist der Film schon längst erhaben über alle inhaltlichen Schwächen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese 3D-Technik uns bald öfter begleiten wird: Es macht einfach richtig viel Spaß, und an die lästige Brille gewöhnt man sich relativ schnell.

Aufgrund seiner optischen bahnbrechenden Art empfehle ich diesen Film absolut im Kino zu schauen. Es ist vielleicht nicht das Meisterwerk, welches sich viele erhofft hatten, aber 8 von 10 USB-Zöpfen gibts in jedem Falle. (Die 2 Punkte Abzug müssen einfach für den schwachen Inhalt sein!)

PS: Wer meint, sich dieses 3D-Spektakel in einer heruntergeladenen Version am Home-Bildschirm oder auch auf einer DVD anschauen zu wollen, den kann ich leider nur auslachen. Für solche Filme wird Kino gemacht, um mal ganz plump die Kinowerbung zu zitieren. 3D-Kino in der Nähe suchen, Karten holen, reingehen und genießen!

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