Kein Widerstand bei Muse in Köln

November 23, 2009 1 Kommentar

Eine gefühlte Ewigkeit ist mein letzter Blogeintrag her, und selbst dieses Konzert hier war genau vor einer Woche. Doch aktuell fehlt mir Zeit und Kraft um hier regelmäßig zu texten. Daher ganz schön verspätet, und in kürzerer Form: Mein Review zum Muse-Konzert in der Kölnarena am vergangenen Montag.

2001 hatte ich erstmals eine Muse-CD in der Hand. „Origin of Symmetry„. Es war Liebe auf den ersten Ton (von New Born). [Übrigens noch heute meine Lieblingsplatte von Muse - und auch sonst eine der besten überhaupt!]

2006, Düsseldorf: Mein erstes Live-Konzert von Muse. 2 Stunden Live-Perfomance der absoluten Extraklasse. 2 Stunden pures Adrenalin in der Philipshalle. Sprachlos, atemlos, perfekt.

Da war es schon selbstverständlich, dass ich auch bei der aktuellen „Resistance-Tour“ mit dabei war. Mittlerweile ist die Band bekannter, die Hallen größer. Aber von Widerstand kaum eine Spur, spätestens nach der eher unerwartet guten Vorband freute man sich auf die 3 Jungs von der Insel, und die legten dann auch mal direkt ordentlich los. Ich lasse das Video sprechen, für die riesen LED-Türme kann man fast keine Worte finden, das musste man schon gesehen haben:

Optisch ging das dann nahezu so weiter. Videos auf den gigantischen Türmen, Laser und vieles mehr sorgten mal wieder für einen Augenschmaus der besonderen Art und eine auch diesmal wieder atemberaubende Show. Teilweise nah dran am Overkill. Musekonzerte haben was von einer riesigen inszenierten Oper.

© regioactive.de

Musikalisch bieten die 3 Jungs das, was man von ihnen nach zahlreichen „Best Liveact“-Preisen erwartet:  Spitzenklasse durchweg. Gespielt wird einiges von der durchaus respektablen neuen Platte, vermischt mit den Hits der bisherigen Alben von „Feeling good“ (richtig klasse mit dem Flügel!)  bis „Starlight„.

Die Setlist war durchweg erfreulich, die neuen Songs live besser als erwartet und mit „Bliss“ und „Take a Bow“ fehlten wir mir nur 2 Stücke, die ich wirklich sehr gerne gehört hätte. Sonst war alles beim Alten: Keine Ansagen und knapp 1 3/4 Stunden volle Kraft voraus. Muse wie man sie kennt – und liebt.

© regioactive.de

Matthew Bellamy hatte zudem sichtlich Spaß beim Singen, Spielen, Spass machen und entertainen. Enttäuschenderweise spielte er an diesem Abend kaum selbst Piano, bis auf 2 Stücke. Das machte er dafür mit tollen Gitarren-Soli wieder wett. Vor allem die fast 10-minütige (!)  Live-Version von „Stockholm Syndrome“ war unglaublich gut. Zwischendurch gabs ein tolles gemeinsames Drum – und Bass-solo von Dominic Howard und Christopher Wolstenhome.

Am Ende wars dann die Musik von Ennio Morricone, die als Intro für den letzten Akt herhielt: „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf Mundharmonika.

Fazit: Ein absolut großartiges Konzert – wiedermal. Auch wenn es nicht an das Düsseldorfer Konzert heranreicht, aber wenn ich ehrlich bin, lag das wohl eher nicht an Muse, sondern an der unglaublichen Stimmung damals in der Philipshalle. Muse ist und bleibt live eine wirklich tolle Band und ist jedem Rock-Fan zu empfehlen.

Die erfolglose Suche nach der größten Band

November 9, 2009 6 Kommentare

Die Suche nach der größten Band aller Zeiten ist immer wieder ein beliebtes Spiel unter vermeintlichen Musikexperten. Es gibt sie sicherlich schon solange wie es die Musik an sich gibt, und wird genauso lange – erfolglos – weiter laufen, wie die Suche nach dem besten Album aller Zeiten oder dem besten Kinofilm aller Zeiten. Auf der Suche nach Ruhm wird es diese Sammlungen der „Besten“ & „Größten“ immer wieder geben – und sei es nur, um irgendeine beliebige Radio – oder Fernsehshow wieder etwas zu pushen. Die Fans erfreut es: ist es doch eine gute Möglichkeit zu vergleichen, zu analysieren und zu kritisieren. Die Bands verwenden gute Plätze in solchen Listen dann auch gerne als Werbung. Kurzum: die Suche nach den „Größten“ erfreut sich auch 2009 größter Beliebtheit. Und trotzdem ist diese Suche jedesmal – gerade in Zeiten des Internets – aufs Neue zum Scheitern verurteilt.  So mussten schon so renommierte Magazine wie das „Rolling Stone“ feststellen, dass es nicht ganz einfach ist, eine „Greatest“-Liste vorzulegen. Noch wilder und abstruser aber wird es, wenn Zuschauer/User/Fans selbst dazu aufgerufen sind, über ein offenes Votingsystem eine solche „Greatest“-Liste zu wählen. So geschehen nun beim WDR, welcher in einer großen, über Wochen laufenden Aktion die 200 größten Bands suchte.

Das Ergebnis ist interessant und faszinierend. Die Synthierocker von Depeche Mode auf Platz 1, gefolgt von einer ganzen Menge der allseits Bekannten, bis hin zu „Runrig“ auf Platz 11 oder „Monrose“ auf Platz 14. Schauen wir uns doch mal etwas näher an, wie ein solches Ergebnis zustande kommt (kommen kann) – mit einem besonderen Augenmerk darauf, wie das web 2.0 in eine solche online geführte Aktion reingreift und schließlich die komplette Liste damit ziemlich ad absurdum führt.

depeche mode

Ich bin Depeche Mode-Fan. Ich liebe ihre Musik. Ich liebe die Synthies, das elektronische. Das Massenhafte. Ich freue mich aufs Konzert Anfang 2010. Aber auf Platz 1 der größten Bands aller Zeiten? Vor Queen? Das ist sicherlich kein Zufall – und ganz sicher auch nicht die mehrheitliche Meinung aller teilgenommenen User. Depeche Mode ist eine Band, die im medialen Bereich nach Außen sehr gut präsentiert wird. Neben der offiziellen weltweiten Seite gibt es eine offizielle deutsche Seite, und zahlreiche Fanseiten, alleine schon in Deutschland. Daneben gibt es einen offiziellen Twitteracount, einen deutschen Twitteracount und und und. Und über nahezu alle (!) Kanäle wurde dazu aufgerufen, auf der WDR-Seite für Depeche Mode zu stimmen. So wie zb hier. Über Twitter erhielt auch ich die Nachricht, schon vor über einem Monat. Wenn allein die deutschen Follower alle mit abgestimmt haben, wären dies weit über 2000 User. Und in den Kommentaren dazu findet man dann auch ganz schnell Beiträge wie diesen:

Natürlich hab ich auch für Depeche Mode gestimmt.

Übrigens….Ihr könnt so oft eure Stimme abgeben, wie ihr wollt!!! Also, los Leute!

(Das man seine Stimme mehrmals abgeben kann, ist natürlich nahezu eine Katastrophe. Wink mit dem ganzen Zaun, werter WDR!)

Hinter diesem megamässigen Werben für diese „Best Band ever“-Liste steckt vor allem eins: Marketing. Mit Platz 1 auf dieser Liste hat man wieder eine Ehrung mehr, der aktuelle Kartenverkauf wird nochmals gepusht. Für nicht mehr aktive Bands wie Queen, die Beatles oder die Dire Straits unternimmt niemand diese strategischen Marketing-Aktionen. (Mal User in Fanforen außen vor.)

Dabei wären Depeche Mode auch ohne großes Werben sicherlich in diese Liste gekommen , wenn auch vermutlich auf einem der Plätze außerhalb der Top10. Ineressanter wird es bei Bands wie Runrig. Runrig? Diese durchaus erfolgreiche schottische Folk-Rockband hat sicher niemand auf der Rechnung gehabt:

runrig

Auch hier erleben wir das Phänomen Marketing über das Netz. Tausende Fans sind schnell erreicht, in diesem Beispiel über die deutsche Seite der Band ganz schön dreist:

Der WDR schlägt wieder eine Wahl der besten Bands aller Zeiten vor. [...] Da bekommen wir doch Runrig wieder in die Top20, oder?! Haut rein und stimmt ab für die Jungs!

Und weil das ja gut geklappt hat, darf man hinterher natürlich auch einen derben Spruch dazu herausposaunen:

Was für ein großartiger Erfolg! Runrig bei den WDR200 – besten Bands aller Zeiten auf Platz Nr. 11 noch vor Dire Straits und nur knapp geschlagen von so „unbedeutenden“ Bands, wie Pink Floyd, Genesis, Abba, U2, Stones und Beatles um nur die Unbekanntesten zu nennen ;:-)) Gut gemacht an uns alle, oder?!

Ja, habt ihr gut gemacht. Auch wenn euch 80 % der WDR2-Hörer nicht kennen. Aber was macht man nicht alles, wenn man grad eine neue CD auf dem Markt hat.

Noch verwirrender – und lächerlicher – wird es allerdings mit Platz 14:

monrose

Den Älteren meiner Leser sei gesagt: Bei Monrose handelt es sich um eine Casting-“Band“ der Fernsehshow „Popstars“. Also eigentlich gar keine Band, sondern ein aufgegeblasenes Marketingprodukt mit aufgedrucktem Mindesthaltbarkeitsdatum. Das es dem WDR nicht peinlich ist, eine Liste abzudrucken / online zu zeigen, auf der ein Monrose-Bildchen VOR Jimmy Page zu finden ist, sagt eigentlich mehr als tausend Wörter. Besser könnte man diese ganze Liste ja gar nicht auf den Arm nehmen. Danke WDR. (Schon allein für die Auswahlmöglichkeit „Monrose“  allerdings bei einer Umfrage zu den größten Bands aller Zeiten gehört der zuständige Redakteur gefeuert!)

Und natürlich wurde auch hier alles dafür getan, die 3 jungen Gören ordentlich zu pushen. Sei es über Myspace oder über Facebook. Und auch hier direkt die dreiste Aufforderung:

Deine Stimme für Monrose – mehrfaches Abstimmen möglich!

Fällt ja nicht auf. Wer hätte schon Led Zeppelin, Deep Purple oder Metallica vor Monrose erwartet? Genau.

Man könnte jetzt seitenweise so weitermachen. Und ich könnte stundenlang weiterschreiben. Zum Beispiel über die No Angels oder PUR . Bands, die nichts, aber auch GAR nichts in einer Liste mit den größten Bands zu suchen haben, aber  durch geschickte Werbung bei ihren Fans sich einen Platz ergattern.

Das Web schafft also ohne Kosten, ohne großen Aufwand eine Möglichkeit, sich selbst oder die Band, die ich promote, in ein großes Scheinwerferlicht zu stellen. Das diese Listen keinen großen Stellenwert haben, dürfte spätestens hier klar sein. Immer, wenn über das Internet eine große Gemeinde erreicht wird, und damit Ergebnisse verfälscht werden können, ist das Endergebnis von vornerein nichts wert. Und der Versuch einer komplett objektiven Auswahl geht sowieso direkt schief.

Vermutlich wird es diese Listen immer geben. Daran wird sich auch nach diesem Blog nichts ändern. Aber vielleicht schauen wir doch alle etwas kritischer hin, wenn wir irgendwo Ergebnisse von „Umfragen“ vorgestellt bekommen. Ganz getreu dem Motto: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“.

Eine wirklich objektive Liste der größten / besten Bands aller Zeiten – die mich durchaus interessieren würde – wird es wohl nie geben. Als einziges ehrliches meßbares Kriterium ist der Erfolg zu nennen, und dieser garantiert nun wirklich nicht den Status einer Band, wie wir alle wissen ;)

In diesem Sinne wünsche ich eine musikalische Woche mit den Größten der Musikwelt, oder was auch immer für Euch die Größten sind.

Extrem-Balancing: Nur nicht runterschauen

November 6, 2009 Kommentieren

Es gibt Menschen, da komme ich mir ganz klein vor. Immer dann, wenn irgendjemand etwas so derartiges Verrücktes macht, dass ich davon gleichermaßen fasziniert und beeindruckt bin. Eskil Ronningsbakken ist so ein Mensch. Der 29-Jährige Norweger ist „Extrem-Artist“, wie er sich selbst bezeichnet, und macht artistische Kunststücke auf Klippen in über 1000m Höhe.

„Seit ich 5 Jahre bin, klettere ich. Jedes Jahr ein bisschen höher, aber am wichtigsten ist mir die Umgebung. Es müssen Orte sein, die mir das Gefühl geben zu fliegen, bei denen sich Luft und Wasser zu einem Bild fügen: Felsschluchten, Wasserfälle, Gipfel. Oft suche ich monatelang nach einem passenden Ort.“ (Zitiert aus dem aktuellen Spiegel, Nr.45, 02.11.09 )

Aber schaut selbst:

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Danke an den Spiegel für dieses tolle Photo im aktuellen Heft, welches auch sonst sehr empfehlenswert ist, allein schon wegen der unglaublich starken Titelstory zum Fall der Mauer. Und noch mehr Bilder von Ronningsbakken gibts beim Guardian.

Klick aufs Bild für die Großansicht:

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Fahrrad

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Rad

…und mal wieder bundesweiter Bildungsstreik

November 5, 2009 1 Kommentar

Es ist Donnerstag morgen gegen 11:40 Uhr in einem mittelgroßen, etwa halb gefüllten Hörsaal der Universität Mainz. Die Vorlesung ist bisher sehr gut, alle hören aufmerksam zu; es ist eine ruhige Vorlesung, wie sooft in meinem kleinen Fach.

Auf einmal stürmen 6 junge Menschen – die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Studenten handelt, weiter noch: Bachelor-Studenten – den Raum. Und stürmen ist hier ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Sie laufen die Treppe Richtung Dozent hinunter, vier von Ihnen widmen sich sofort der Tafel und schreiben unleserliche Infos an eben diese. Die beiden Übrigen begrüßen uns über ein – viel zu lautes – Megaphon, und schreien dann ein Gedicht mehr als es vorzutragen. Ein Gedicht? Richtig gelesen. Irgendwas von Bildungsstreik, wie schlecht doch alles ist, Uniaktionen in Österreich, und Demonstrationen hier in Mainz. Geht links rein und kommt rechts wieder raus. Dann nochmal die Wiederholung ohne Gedicht. Wir alle müssen streiken! Kommt alle zur Demo! Blablabla. Unser Dozent ist sichtlich amüsiert. Die jungen Studenten verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Dozent mit verschmitzem Gesichtsausdruck: „Jaja, früher hab ich sowas auch mal mitgemacht….!“

FireShot capture #030 - 'Bundesweiter Bildungsstreik 2009' - www_bildungsstreik_net

Es ist also – mal wieder – bundesweiter Bildungsstreik. Schon im Sommersemester wurde man in Mainz das Gefühl nicht los, dass ständig gegen Alles demonstriert und protestiert wurde. („Die heutige Jugend demonstiert doch viel zu wenig!“ – Jawohl!) Irgendwie ist das nur noch…gähn…uninspirierend, langweilig. Es ist diese „Gegen Alles ohne Verbesserungsmodelle“ – Haltung, die auch die linke Politik auszeichnet. Einer meiner Kommilitonen bringt es auf den Punkt, was viele dazu denken (wenn natürlich auch überspitzt!): „Sollen die Idioten doch alle zur Demo gehen, dann haben wir hier wenigstens Platz, und es besteht keine Läuse-Gefahr mehr.“

Das ist hart, ohne Frage. Aber das äußerliche Profil der Streikenden und auch derer, die heute bei uns reingestürmt sind, ist halt genau dieses: Rastas, Dreadlocks, knalligbunte Tshirts, usw. Jeder weiß, was ich meine und vor meinem Auge sehe.

Schauen wir uns an, was die Streikenden wirklich fordern. Ich picke einige Punkte der Forderungen heraus und zitiere sie hier:

den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!

Schön und gut, klingt erstmal wunderbar und logisch. Doch wie sieht die Realität aus? Die Universität Mainz hat zum gegenwärtigen Zustand schon über 34.000 Eingeschriebene; viel mehr, als sie eigentlich aufnehmen kann. Es ist ja nicht so, als das dagegen nichts getan wird: Überall auf dem Campus sind Baustellen (Siehe dazu STUZ Heft 117, Seite 20), alleine im Jahre 2009 steckte die Universität viele, viele Millionen in Neubauten auf dem Campus. Zulassungsbeschränkungen sind m.E. einfach nötig, weil sonst jeder anfängt zu studieren. (ein Beispiel: Ich hätte immer gerne Filmwissenschaften studiert, der NC dort lag semesterlang bei Eins Komma… – außer Reichweite für mich. Mein Pech, und nicht das Problem der Uni. Ich hätte mich ja auch in der Schule mal mehr anstrengen können.)

die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!

Wie soll das funktionieren? Wer soll das garantieren? Meiner bescheidenen Meinung nach muss es hinter solchen Forderungen auch Verbesserungsvorschläge geben, die zumindest eine Chance haben. Eine finanzielle Unabhängigkeit für Millionen (!) Studenten kann niemand, auch kein Staat der Welt, garantieren. Es gibt die Studentenkredite mit äußerst günstigen Zinssätzen, das ist zweifelslos fair. (Außerdem könnte man ja auch arbeiten gehen, wie es ein Großteil meiner Kommulitonen und ich natürlich auch macht – aber da sind wir wieder beim Klientel der Streikenden: „Ich bin Links, ich mag Deutschland nicht, aber es soll bitteschön dafür sorgen, dass ich genug Geld hab…“)

Besonders mag ich den Gegensatz von diesen beiden Forderungen:

die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!

&

die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 Tutor_innenstellen neu zu schaffen!

Gebührenfrei studieren, am besten noch Geld erhalten, und dafür alles perfekt haben. Wie wärs denn mit einem eigenen Professor für jeden Studenten? Rosarote Brille und so. Das Geld für all die neuen Stellen, tollen Hörsääle, technischen Ausstattungen fällt dafür einfach vom Himmel. – Allein aus dem derzeitigen Konjunkturpaket II der Bundes- und Landesregierungen fließen zahlreiche Millionen Euro allein in Rheinland-Pfalz in die Studierendenwerke, die bessere IT-Ausstattung der Hochschulen und Sanierung und Neubau von modernen Hörsäälen. Und es reicht immer noch nicht völlig.

Freunde von mir haben an privaten Fachhochschulen studiert für mehrere tausend Euro im Semester – und selbst dort lief nicht immer alles glatt und perfekt ab. Wie soll das erst an einer Universität erreicht werden, wo derzeit alle Studenten „nur“ 200 € pro Semester zahlen – geschweige denn einen Nullbetrag, den der bundesweite Bildungstreik fordert?!

Kurz und knapp: Ich finde die meisten der Forderungen absolut unpassend und übers Ziel hinausgeschossen. Das wiederrum soll nicht den Eindruck vermitteln, dass ich alles an den deutschen Hochschulen gut heiße, ganz im Gegenteil, aber es ist auch lange  nicht alles so schlecht wie es nach außen dargestellt wird. (Das ist übrigens fast parallel mit der deutschen Politik zu sehen!) Gerne kann man über verschiedene Punkte diskutieren (Ich würde zum Beispiel einen praxisnäheren Lehrplan fordern, oder über die wissenschaftlichen Inhalte diskutieren, weil diese oftmals am späteren Beruf vorbeilaufen…), und ich als angehender Lehrer würde mich zu JEDER Zeit aktiv für eine gute und vernünftige Bildungspolitik einsetzen, weil dies die Grundlage für uns alle und unser Land ist, aber dies mit plakativen Parolen und wilden Demonstrationen zu versuchen, ist für mich nicht der richtige Weg. Die Streikenden müssen auch mal die positiven Seiten sehen, die leider viel zu oft vergessen werden: Im Gegensatz zu fast allen anderen westlichen Ländern haben wir keine Studiengebühren oder sie fallen im Verhältnis dazu sehr gering aus. Ich studiere für 200 € im Semester, bin frei in allen meinen Entscheidungen und Veranstaltungswahlen, fahre mit dem Semesterticket kostenlos Bahn und Bus, esse in der Mensa für wenig Geld und trinke Kaffee zu Studi-Preisen. Dafür nehme ich auch gerne mal veraltete Hörsääle oder langsame PCs in Kauf. Mehr erwarten kann ich auch nur, wenn ich dafür zahle (n würde).

Sollen sie mit ihrem „heißen Herbst“ weitermachen. Ich werde auch diesmal nicht mitmachen bei Demos und Streikveranstaltungen. Nun ja, ein zweiter Rudi Dutschke wäre ich wohl eh nie geworden.

Bis zum nächsten Bildungsstreik – im nächsten Semester.

Album des Monats: Oliver Koletzki – Großstadtmärchen

Oktober 31, 2009 1 Kommentar

Wer hätte das gedacht? Ich mache mal wieder einen Blogpost über ein Album des Monats (sollte ich viel öfter machen!) und dann ist es ausgerechnet Oliver Koletzki. Genau der Koletzki, der vor einigen Jahren mit seinem 2005 auf Cocoon erschienenen famosen Mückenschwarm die Technogemeinde mit einem Schlag hinter sich versammelte und auf Partys jeder Art ominipräsent war, und schließlich Preise wie „Newcomer des Jahres“ abräumte. Ende 2005 wuchs aus diesem neuen Ruhm ein eigenes Label: Stil vor Talent.  Über den Namen darf man sicherlich streiten – ich sehe es beispielsweise nicht so -,  aber dennoch brachte das Label einige richtige gute Tracks raus, unter anderem die EP „This is so fuckin oldschool“ mit dem gleichnamigen, wunderbaren Song.

Und nun, eigentlich schon im September, kam also das neue Album von Oliver Koletzki heraus: Großstadtmärchen. Was erwartet man von einem Mann, der die letzten 4 Jahren hauptsächlich durch Produktionen im Techno – und House- Bereich groß geworden ist? Eben genau dieses, im Grunde genommen ein auf den Dancefloor ausgelegtes Brett.  (Oder vielleicht auch Großdiskothekenmässiges wie man letztjährig von Lützenkirchen hörte, wo Koletzki selbst auch nicht ganz unbeteiligt war.) Und exact das Gegenteil ist der Fall. Herausgekommen ist ein wundervolles Album, das vor allem durch feine Beats und viele Gaststimmen glänzt. Ein Großstadtmärchen.

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Die Essenz dieses Albums liegt bei verträumter, intelligenter elektronischer Popmusik, fernab von Techno-Erfolgen wie dem oben schon genannten Mückenschwarm. Koletzki überzeugt hier mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Richtungen, die sich aber insgeheim gut ergänzen und vor allem absolut facettenreich sind. Da wäre zum Beispiel „Hypnotized“, begleitet von der jungen Sängerin Fran: ein toller, ruhiger Sommersong, der mich schon im Spätsommer begeisterte:

Ganz anders mein heimlicher Lieblingssong des Albums: Verträumter TripHop, fast schon Portishead-ähnlich. Faszinierend gesungen von der erst 17-Jährigen Pyur:

Instumentalstücke, wie man es von Koletzki gewohnt ist, findet man nur wenige: Am besten gefällt mir Warschauer Straße.  Toller, knackiger Beat. Da ist er dann doch wieder, der alte Dancefloorkiller. Natürlich gibt es auch einige Tracks, die weniger gut sind, unter anderem „This is Leisure“ mit Mietze von Mia. Aber das schmälert meinen guten Eindruck des kompletten Albums nur wenig. Großes Pop-Kino aus Berlin mit ganz viel elektronischer Unterstützung.

Rundum gelungenes Album, welches ich nur empfehlen kann. Elektronisch, poppig, und chillig zugleich. Mein Album des Monats Oktober.

Ein Abend bei der @rheinzeitung – Followertreffen

Oktober 28, 2009 4 Kommentare

Die entscheidende Frage des Abends stellte mir der nun hauptberuflich agierende Twitterer der Rheinzeitung im Druckwerk, während die tonnenschweren Papierrollen mit Schwarz, Rot, Gelb und Blau bedruckt wurden und wir fasziniert zusahen: „Welche Drogen nimmt eigentlich @Blattwerk?“. Diese Frage war besonders im Kontext der Druckerpressen und ihrem Lärm durchaus berechtigt, doch Antwort konnte auch ich darauf nicht geben. Es bleibt wohl für immer ein Rätsel. Und dennoch möchte ich Blattwerks freundlichen Bitte Aufforderung nachkommen, über den gestrigen „Followerabend“ zu bloggen.

Die Rheinzeitung hatte zum vierten Twitter-Followertreffen geladen (#rzf4), und nun war ich also auch mal dabei. Hatte ich im Vorfeld noch über ein Kommen aufgrund der eher weiteren Anreise gehadert, so hatte sich dieser Weg auf jeden Fall gelohnt. Was kann man sich unter einem „Followerabend“ vorstellen? Die Rheinzeitung lädt einige wenige ihrer vielen Twitter-Follower zu sich in die Redaktion ein, und zelebriert daraus eine Mischung aus Gespräch, Diskussion, Führung, Selbstkritik und Eigenwerbung. Dazu gibts alkoholfreie Getränke und jede Menge Schnittchen.

Die allgemeine Begrüßung im Konferenzraum gabs durch den @RZChefredakteur Christian Lindner, der auch dankenswerterweise den ganzen Abend anwesend war, und viele Anekdoten zu erzählen hatte. Anschließend fand eine lockere Begrüßungsrunde statt, bei der jeder Teilnehmer ein bisschen aus seinem Leben und seinem Twitter(er)leben berichtete. So konnte man zum Beispiel erfahren, dass einige Anwesende einen dritten (!) Monitor ausschließlich für Twitter eingerichtet haben. War ein bisschen neidisch. Ich war auch der einzige (?), der ohne mobiles Netz vor Ort war. (War auch der einzige Student: interessant, dass die Twitterer aus allen möglichen Berufen kommen…) Zwei schwarze Beeren kämpften gegen die Übermacht der Apfelmaschinen. (Vielleicht sollte auch ich endlich mal über meinen Schatten springen?!)

Während dieser wirklich interessanten Gespräche lief auf einer großen Leinwand der Live-Stream des Twitterhashtags #rzf4, was eine gelungene und spassige Präsentation ergab, weil es durch diverse Tweets die Runde auflockerte und alle erheiterte:

FireShot capture #025 - 'Twitter _ Pete_ Hoffentlich merkt keiner, ___' - twitter_com_sichtpunkt_status_5209074193Das Rundumwohl der Teilnehmer war überhaupt sehr gefragt. Die Gummibären zum Beispiel tauchten immer wieder auf:

FireShot capture #026 - 'Twitter _ Michael Mang_ #rzf4 mein Gummibärchentel ___' - twitter_com_MichaelMang_statuses_5208862764Witzig waren natürlich auch die Aufforderungen der Twitter-Welt von draußen, die erstmals per Live-Stream (an der Technik darf noch etwas gefeilt werden!) mit dabei sein und alles sehen und hören konnten – zumindest bis die Technik versagte:

FireShot capture #027 - 'Twitter _ Björn Symanzik_ #Flashmob_ Reißt doch alle ___' - twitter_com_der_bjoern_statuses_5208753577

Nach dieser gelungenen Einführung ging es für uns in den Papierkeller, in die Druckräume und letztendlich auch noch ans „Newsdesk“. Wir lernten, dass Papier aus Russland kein Altpapier enthält, dass allein die Rheinzeitung über 200 Tonnen schwarze Farbe im Jahr verbraucht, und dass der Spätdienst nicht mehr den Chefredakteur anrufen muss.  Und dass geplatzte rote Farbschläuche auch für Drucker kein Spaß sind. Und noch vieles mehr. Gerade die Mischung / der Gegensatz aus den Gesprächen über das supermoderne Twitter und die Faszination des Druckens einer Zeitung, wie es seit Jahren gemacht wird, machten den Abend auch so spannend für mich.

Die Balance zwischen dem tradionellen Teil des Printmediums und der schnelllebigen Onlinewelt bekommt die Rheinzeitung meines Erachtens sehr gut in den Griff. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die den Wert von Twitter und Web 2.0 im Jahre 2009 verkennen, setzt die Rheinzeitung auf die richtigen Werkzeuge. Davon konnte sich auch gestern jeder überzeugen. Kann ich nur mein höchstes Lob aussprechen!

Im Anschluss gings nochmal in den Konferenzraum: Abschließende Gespräche, Frage nach Kritik und gemeinsames Testen des neuen Amazon Kindles. Natürlich musste ich erstmal schön auf das Display „touchen“ – wie iphonegewöhnt wir schon sind :/. (Generell machte der Kindle übrigens auf mich einen guten Eindruck, das Lesen eines FAZ-Artikels ging wunderbar flüssig und leicht. Aber so ganz macht mich diese E-Book-Geschichte (noch) nicht an, das Lesen einer Zeitung, eines Magazines oder eines Buches im klassischen Sinne ziehe ich eindeutig vor. Noch.)

Zum Abschluss gabs noch ein kleines bisschen Eigenwerbung mit einem Schirm der Marke „Rheinzeitung“ und obendrauf als Überraschung eine Titelseite der heutigen Zeitung mit dem Gruppenbild des #rzf4.

Super Abend, interessante Menschen und schön, auch mal die Gesichter hinter den RZ-Acounts kennenzulernen. Sowas mach ich gerne wieder mit. Allein schon wegen den Schnittchen ;) Fürs nächste Mal: Ruhig noch ein bisschen mehr Zeit einplanen, ich hätte gerne noch etwas mit dem einen oder anderen gequatscht. Vielleicht früher anfangen.

ps: Noch mehr Photos gibts auch hier bei @netzbetreuer: http://picasaweb.google.com/nepuxer/Rzf4#

Edit: Das Gruppenbild gibts jetzt beim RZBildchef.

Facebook verändert Startseite

Oktober 26, 2009 Kommentieren

Die sozialen Netzwerke sind uns ja irgendwie so ans Herz gewachsen, dass wir sie derart gewohnt sind, dass jede kleine Veränderung uns verwirrt und verwundert, und schlimmstenfalls schockt. Nun hat Facebook, das von mir meistgenutzte Netzwerk, am Wochenende zum zweiten Mal innerhalb dieses Jahres seine Startseite verändert. Das war zwar irgendwie angekündigt, aber kam dann doch für viele – incl. mir – überraschend. Viele sind überfordert. Die Antigruppe „Change Facebook back to normal“ wächst sekündlich! Was ist passiert?

Statt dem bisherigen „real-time-Feed“, der einfach alle Statusupdates und Photo-/-Video-/Linkaktualisierungen untereinander postete, und rechts „Suggestions“ und „Highlights“ anbot, gibt es nun zwei voneinander getrennte Bereiche. Da hätten wir einmal den „News-Feed“, in der deutschen Version auch einfach „Neuigkeiten“:

FireShot capture #024 - 'Facebook I Home' - www_facebook_com_home_php#_home_php_filter=h

Sowie den anwählbaren „Live-Feed“, in der deutschen Version auch einfach: „Live-Meldungen“:

FireShot capture #023 - 'Facebook I Home' - www_facebook_com_home_php#_home_php_filter=nf

Worin liegt der Unterschied?

Im Newsbereich werden ab nun alle wichtigen Neuigkeiten der Freunde angezeigt. Wichtig? Genau da ist der Haken: Facebook sucht diese „Highlights“ selbst aus anhand ausgesuchter Kriterien. Facebook selbst dazu: „News Feed picks stories that we think you’ll enjoy based on a variety of factors including how many friends have liked and commented on it and how likely you are to interact with that story.

Bedeutet nichts anderes, als dass hier in etwa die Highlights der vergangenen rechten Spalte zu finden sind: Beiträge mit vielen Kommentaren oder Updates mit vielen „Gefällt mir“ von Freunden. Plus verschiedene Updates, die „möglicherweise“ besonders interessant für mich sind.

Ganz anders der Live-Feed: Hier kommen nun – im Gegensatz zum News-Feed chronologisch geordnet – ALLE Aktualisierungen auf einen Haufen. Der alte News-Feed wurde also um ein Vielfaches erweitert: Freundschaften, getaggte Freunde, Beitritt von Fanseiten oder Gruppen, und und und. Facebook selbst dazu:Once you’ve caught up on what you missed, you can click through to „Live Feed“ to see what’s happening right now. As long as you remain logged into Facebook, you’ll continue to see posts and activity from your friends in real-time. You can edit what appears in this view by clicking „Edit Options“ at the bottom of the home page.“

Soweit so gut ist der Grundgedanke super: Bei wenig Zeit hat man einen schnellen guten Überblick über alle wirklich relevanten, wichtigen geposteten Meldungen. Der Live-Feed mit allen Meldungen ist darüber hinaus praktisch für alle, die mal wieder alles interessiert. So sind hier mit einem Schlag 2 Interessensgruppen von Netzwerken angesprochen. Eine ganze Menge Menschen hab dies wohl immer wieder so gefordert. (Vor allem natürlich in den USA.)

Man kann nun auch jeden „Freund“ aus dem News-Feed ausbinden: Einfach mit der Maus in die obere rechte Ecke des Beitrages gehen und dort auf „Hide“ / „Verbergen“ klicken.

Mir persönlich gefällt der Grundgedanke gut: An Online-Tagen kann ich den Live-Feed betrachten, an Tagen, den denen ich viel unterwegs bin und erst Abends die Möglichkeit habe, in Facebook reinzuschauen, ist der Newsfeed perfekt. Aber so ganz gefällt mir die Sache noch nicht: Was „wichtig“ ist, muss ich entscheiden können. Ich möchte selbst auswählen können, welche „Freunde“ ich im Newsfeed habe und welche nicht (Außerhalb der „Hide-Funktion“, s.o.). und toll wäre auch eine chronologische Auswahl im Newsfeed. (Super wäre auch, wenn man einen bestimmen  Beitrag anklicken könnte, um ihn somit zur weiteren Verfolgung der Kommentare in den Newsbereich verschieben könnte. Vielleicht Zukunftsspielerei!) Generell ist es aber ein guter Schritt; soziale Netzwerke entwickeln sich halt weiter wie wir alle auch. Bin gespannt, welche Fortschritte Facebook da noch macht und wie sie die bisherigen Ergebnisse noch optimieren. Der Anfang ist gemacht.

Wandern auf dem Rheinsteig

Oktober 19, 2009 5 Kommentare

Ich habe mir 2 Dinge vorgenommen: Neben meinen Reisen in fremde Länder (die mich nach wie vor reizen) möchte ich mal mehr Deutschland und seine verschiedensten Regionen kennenlernen. Es gibt immer noch ein Bundesland, in dem ich nicht war (Saarland), und darüber hinaus viele viele wunderbare Städte, Dörfer und Landschaften, die es zu entdecken gibt. Ich bin überzeugt davon, dass wir in einem ganz wunderbaren Land wohnen, und dass man, um schönes zu sehen gar nicht weit reisen muss. Schlimm ist es ja vor allem, wenn man in einer schönen Gegend wohnt, und nicht mal dort alles gesehen hat. Und zum Zweiten möchte ich dafür auch etwas „Werbung“ machen, hier im Blog. Darauf hinweisen, wie schön es auch hier ist, und jedes Mal einige Bilder mitbringen. (Eine neue  kompakte „Unterwegs“-Kamera muss dringend her…!)

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Gestern gings also zum Wandern ins obere Mittelrheintal. Genauer gesagt: nach Assmannshausen. Von dort ging es über den Rheinsteigwanderweg nach Lorch. Mitten im UNESCO-Weltkulturerbe gibts hier viel zu sehen: wunderschöne Panoramablicke, steile Weinberge und abseits des Rheins kleine Wege inmitten von dichten Wäldern.

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Nach etwa 15 Kilometern, vielen Anstiegen und kleinen Kletterpartien kommt man in Lorch an. Ein großer Vorteil des Rheinsteiges – im Gegensatz beispielsweise zum ebenfalls wunderschönen Westerwaldsteig – ist die gute Bahnanbindung aller Start-, und Zielorte. So setzt man sich am Zielort einfach schön in den Zug, genießt noch ein kühles Bier und kommt sicher und schnell wieder nach Hause.

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Anstrengend ist es schon, sagen mir meine Beine vor allem heute ;) Aber es war ein wirklich toller (Herbst-) Tag mit viel Sonne und tollen Einblicken in unsere Natur. Empfehlenswert für jeden! Wir werden da bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, bei 320 Kilometern Rheinsteig gibts viel zu entdecken!

Gedanken, heute: das (mobile) Internet

Oktober 15, 2009 5 Kommentare

Es gibt sie manchmal, diese Tage. Ich sitze nichtsmachend vor meinem Laptop. Musik läuft auf Zimmerlautstärke – oder lauter-  und ich lasse nichts an mich heran. (Gerade übrigens das fast schon betäubend schöne 1994er Album „Grace“ von Jeff Buckley. Genial: dazu sollte ich irgendwann mal was bloggen…!)  Meine Gedanken fliegen durch meinen Kopf. Dazwischen: Diverse „Social Media“-Plattformen abchecken, hunderte Tweets lesen und selbst twittern, skypen, Emailpostfächer durchackern, Newsseiten, Blogs und einschlägige Magazine lesen: der absolute Informationsoverkill. Dazu vielleicht der eine oder andere Chat mit Freunden. Und immer wieder Musik. Die man mittlerweile natürlich ebenso praktischerweise überall online findet, ohne mit der Wimper zu zucken. Es sind diese Tage, an denen sich mein Leben und meine Gedanken ausschließlich rund um dieses „Etwas“ bewegen, was wir Internet nennen. Zur Erinnerung: Entstanden ist das Ganze erst 1969 aus dem Projekt „ARPANET„. Das sind erst 40 Jahre Vernetzung. Ich selbst nutze das „Web“ nun etwa 10 Jahre richtig. Alles vor 1999 war mehr Spielerei, mit meinem Login in der 1998a-Version von ICQ war mein Einstieg in die vernetzte Welt vollzogen. Danach ging es Schritt für Schritt: Neue Browser, immer mehr Möglichkeiten, die Zeit der Foren und HTML-Chats, die ersten Netzwerke / Partyportale. Hach, da ist ja schon beim Gedanken daran etwas Nostalgie dabei. (Wie passend, dass gerade „Hallelujah“ aus den Boxen erklingt…). Und heute? Online-Auktionshäuser, Onlineshops, Online-Bewerbungen, Online-Lernhilfen, Online-Magazine, Online-Streaming und Online-Telefonie. Und und und. Etwa 10 Jahre nach meinen ersten zaghaften Schritten im Internet spielt sich – gefühlt – alles Leben online ab. Meine Großeltern wollen nun auch endlich „Internet kaufen„, meine Eltern lesen diesen Blog ( Schöne Grüße ;)   ), die Rheinzeitung druckt „Tweets“ in ihrer Printausgabe, die Frankfurter Buchmesse hat als Hauptthema (!) digitale E-Books, Bands lassen ihre Alben auf ihren Facebook-Seiten runterladen, Universitäten führen – komplizierte – studentische Anmelde-Netzwerke ein,  Politiker bekommen StudiVZ-Profile, und jeder (okay, gefühlt jeder!) läuft mit einem iphone kommunikationssüchtig durch die Gegend und twittert das gerade Erlebte  oder irgendwas vermeintlich Witziges (oder auch schon mal den Polizeifunk). Und ich blogge hier gerade. (Selbst das kann man mittlerweile vom iphone aus…). Während  immer noch Jeff Buckleys wunderbare Stimme zu mir singt, überlege ich mir, wohin das Alles noch führen wird. Das „Internet“ – was es als solches eh noch nie gegeben hat – wird immer mobiler, reißt unsere Gesellschaft in einen schneller werdenden Strudel aus Informationen. Ein Großteil dieser Informationen sind wertlos und Blödsinn, und doch verfallen wir alle diesem Strudel, der uns alle erfasst wie ein Virus, für den man noch in den 90igern einen besonders tollen Anti-Viren-Schutz installiert hätte. Ich beschäftige mich an manchen Tagen viele, viele Stunden (zuviele!) mit Twitter – und das völlig privat: Neben Studium und Job. Stunden, die mir für anderes Wichtiges fehlen, die ich aber gerne in Kauf nehme. Allein dies jemandem Außenstehenden zu erklären ist so gut wie unmöglich. Wie geht das weiter? Wie schaut web 3.0 aus? Will ich diesen Schritt überhaupt nocht mitmachen? Oder anders gefragt: Kann man es sich überhaupt noch erlauben, da NICHT mitzumachen? Es gibt nicht wenige, die das Internet als mittlerweile wichtigsten Kulturraum sehen und diesen (Rechts-)Raum in zahllosen Diskussionen scharf verteidigen.  Für mich ist das Internet Segen und Fluch zugleich: wunderbare Kommunikation in die ganze Welt, Information zu jeder Zeit, und eine nie gekannte Fülle von Möglichkeiten, die ich mir vor 10 Jahren nicht mal erträumt habe. Auf der anderen Seite aber auch ein süchtig machendes, zeitaufwendiges „Hobby“, oftmals belanglos, und an vielen Stellen viel zu unkritisch. Außerdem entwickelt sich gerade das mobile Netz, welches die Kommunikation ja so vereinfachen soll, paradoxerweise zum ultimativen Kommunikationskiller! Beispiel aus meinem Leben: 5 Freunde sitzen zusammen und trinken einen guten Rotwein. Die zwei ohne mobiles Internet genießen diesen Augenblick, die anderen drei haben ihr iphone in der Hand und twittern diesen Augenblick. Vielleicht noch ein nettes Photo dabei auf Twitpic und co, und schon ist das „Tweetlife“ perfekt. Für mich ist das tödlich für jeden realen Kontakt mit anderen. – Beschäftige mich aktuell mit dem Gedanken, ein iphone zu bestellen. Auch Teil dieser applesüchtigen Bewegung zu werden. Doch ich habe wirklich Bedenken Angst vor diesem Schritt: Ich will nicht zu einem dieser Menschen werden, die ihre wirklichen, echten Kontakte verlieren, weil sie selbst unterwegs, im Kino, auf einer Party, in der Uni, während der Arbeit nur noch online sind, online denken. Doch lässt sich dieser Schritt überhaupt langfristig verhindern? Bin ich zu rückständig? Was erwartet uns in weiteren 10 Jahren? Fragen über Fragen – und ich weiß keine Antworten. Ich weiß nur: Das „Internet“ hat unsere Gesellschaft wie nichts Vergleichbares vorher revolutioniert und wird dies in Zukunft vermutlich noch mehr tun. Hoffentlich nicht nur zum Negativen. (Mittlerweile hat Buckley Ruhe. Die Black Eyed Peas singen „I gotta feeling“: „Easy come, easy go – Now we on top“ klingt dazu nun aus meinen Boxen – und das kenn ich natürlich auch aus dem Netz.)

The Fun Theory

Oktober 14, 2009 Kommentieren

We believe that the easiest way to change people’s behaviour for the better is by making it fun to do. We call it The fun theory. http://www.rolighetsteorin.se/

Eine Kampagne aus Stockholm im wunderschönen Schweden erregt aktuell viel Aufmerksamkeit und mischt die viralen Video-Charts auf: Menschen achten mehr auf sich, ihre Umwelt und ihr komplettes Verhalten, wenn alles mit Humor genommen wird.

Im ersten Video geht die Kampagne der Frage nach, ob Menschen öfter die Treppen anstatt Aufzügen oder Rolltreppen benutzen, wenn dabei Spass und Witz dabei ist:

Das ist schon erstaunlich: Interessant wäre wohl zu beobachten, wielange diese gesteigerte Nutzung anhalten würde, wenn das Piano über einen langen Zeitraum installiert wäre, und die Menschen es alltäglich dort antreffen würden. Ganz ähnlich verhält es sich mit der 2. Kampagne: Dass man Müll nicht auf den Boden, sondern ihn in einen Mülleimer schmeißt, weiß eigentlich jedes Kind, und trotzdem schaffen wir es meistens nicht: Was aber, wenn der Mülleimer etwas präpariert ist?

Auch wenn das ganze Projekt von Volkswagen gesponsort wird, und damit schon wieder viel zu sehr nach Werbung riecht: Das gefällt mir! Ich fänds ganz schön witzig, wenn Alltagsgegenstände in unseren Städten öfter mal aufgelockert werden würden. Und wenn Spaß die Menschen dazu bewegen kann, wieder mehr Gutes zu tun, finde ich dies nur unterstützenswert ;)

Es gibt jetzt auch mittlerweile einen Trailer für ein neues, drittes Projekt: Thema Recyclen!