BBC-Serie Sherlock in der ARD (2. Staffel)
Es kommt sehr selten vor, dass die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten in ihrem Fernsehprogramm Mut zeigen und ausländische Juwelen in Deutschland zur besten Sendezeit zeigen. Doch die ARD traut sich: Die hervorragende zweite Staffel der BBC-Serie Sherlock läuft an drei Feiertagen zur besten Sendezeit, los gehts morgen um 20.15 Uhr. Zeit für einen Blick auf die bisher 6-teilige Serie.
Als ich damals von einer neuen Serie um den berühmten Sherlock Holmes las, war ich nur wenig begeistert. Sherlock? Der wurde doch schon Millionen 217 Mal verfilmt. (Etwa parallel die eher nur mäßig guten Kino-Adaptionen mit dem schlagkräftigen Robert Downey Jr. als Sherlock). Aber die Idee eines modernen Sherlock in einem modernen London – nun ja, ich war zumindest gespannt, was die BBC daraus machte.
Und das Ergebnis der ersten Staffel, die im August 2010 in der BBC (und im Herbst 2011 im Spätprogramm der ARD) lief, war einfach großartig: 2 phantastische Hauptdarsteller (Benedict Cumberbatch und Martin Freeman), die alten Arthur Conan Doyle-Geschichten modern und zeitgemäß verpackt, gelungene Optik , herausragende Dialoge und dazu ein cleveres Spiel mit unseren Zuschauer-Erwartungen. Kurzum: Ein sehr gute Serie, ein Must-See für Kino- und Serienfans.
Sherlock ist anders, und dieses “Anders” wird in “Sherlock” zu einem ganzen Komplex: Die Überforderung der Zuschauer mit Sherlocks brilliantem Kopf wird hier zum Stilmittel. Texte, Zahlen, Bilder rattern vor unseren Augen, wenn Sherlock seine Fälle löst – und Benedict Cumberbatch spielt diese Rolle mit großer Hingabe. Das Tempo von Sherlock ist angesichts einer Serie bahnbrechend, und gerade dieser Thrill macht die Serie so gut. Ab morgen abend (Himmelfahrt, 20.15 Uhr) zeigt die ARD nun die neuen Fälle von Holmes und seinem (kongenialen) Partner Watson (sympatisch: Martin Freeman) – und Überraschung: Die 2. Staffel ist noch besser. Schon Teil 1, der mysteriöse Fall “Der Skandal in Belgravia” um die kriminelle, aber auch bezaubernde Irene Adler ist atemlos, fesselnd und sucht in der deutschen Krimi-Unterhaltung seinesgleichen. Dieser Film lässt viele andere (deutsche) Serien (man denke nur an die “Tatort”-Reihe) wie billige Amateur-Filme aussehen. Großartigst! Teil 2 und 3 laufen an den Pfingstfeiertagen, dann jeweils um 21.45 Uhr, und vervollständigen diese Staffel. Während Episode 2 “Die Hunde von Baskerville” zwar immer noch stark ist, aber nicht an den erotisch spannenden ersten Teil heranreicht, ist das Finale in “Der Reichenbachfall” wieder unglaublich und zeigt mal wieder atemberaubend hohes Niveau.
Man möchte hier für die deutschen Erst-Zuschauer nicht allzuviel Handlung verraten, aber in der zweiten Season gibt es neben aller Geniestreiche auch erstmals menschliche Seiten von Sherlock zu sehen und Watson wird als Partner und auch Freund immer wichtiger. Eine tolle Entwicklung, die der Serie auch in sich gut tut. Die 2. Season von Sherlock ist genial und ist eine echte Empfehlung für das sonst oft so schlechte deutsche TV-Programm. (Auch in der deutschen Version funktionieren die witzigen und herrlichen Dialoge sehr gut, auch das ist ja nicht allzu oft so.)
PS: Nett ist in der modernen Umsetzung natürlich auch der Einfluß von Web und Blogs, so führt John Watson in der Serie einen Blog um die Arbeit mit Sherlock – und fast schon selbstverständlich ist dieser Blog auch im realen Web vorhanden: (Vorsicht! Mögliche SPOILER!) http://www.johnwatsonblog.co.uk/
PS2: Weil BBCs Sherlock so gut und so erfolgreich ist, ist natürlich schon die US-Version in Planung. Hollywood… (Immerhin charmant: Watson wird zur Frau, gespielt von Lucy Liu).
The Rapture live in Frankfurt (Zoom, 9.5.12)
Die New Yorker DFA-Rasselbande The Rapture veröffentlichten im vergangenen August vielleicht das House-Album des Jahres. Verspielte Tracks, Gute-Laune-Disco-Musik, viele eingesetzte Instrumente und über allem der wunderbare Gesang von Frontmann Luke Jenner. Überfällig sie endlich mal live zu sehen, und die Gelegenheit bot sich diese Woche im Frankfurter Club Zoom (ehemals Sinkkasten).
Jedes Festival hat diesen Moment, den Du nicht vergisst. Diesen Moment, der sich musikalisch einbrennt. Auf dem Nachtdigital 2011 war das sicher, als gegen 11 Uhr morgens Dixon diesen Song spielte, diesen Song, der uns alle verzauberte, und der noch vor seiner eigentlichen Veröffentlichtung 3 Wochen später zum Hit wurde: How deep is your Love? - Keine (gute) Party, bei der wir im vergangenen Zeitraum nicht zu diesem Song tanzten.
Das aktuelle Album “In the grace of your Love” ist um diesen großartigen Hit aufgebaut – dieses verspielte House-Element gemischt mit dieser puren Disco-Pop-Attitüde. Doch braucht sich keiner der anderen Tracks davor zu verstecken. The Rapture sind mit ihrem dritten Studioalbum auf der Höhe der Zeit und liefern den perfekten Sound für ausgelassene Stunden.
Und genau das machen sie im Frankfurter Club Zoom (kurzfristige Verlegung aus dem eigentlich geplanten Cocoon) auch deutlich: Als Einstieg “In the Grace of your love“, der Titeltrack mit seinem langen “Ohoohoho”-Mitsing-Part. Danach gehts Schlag auf Schlag: “Never die again” und “Pieces of the world we love“. Pausen gab es kaum, die Spielfreude der vier Jungs auf der Bühne war groß und so ging es auch ohne große Plaudereien immer direkt weiter. So wie ich es mag.
In der Mitte des Konzertes ein früher Höhepunkt: Die “Fast-schon-Klassiker” Whoo! Alright – Yeah… Uh Huh und House jealous Lovers direkt hintereinander. Großartig, und die “Cowbell” immer mit dabei. Schön auch: Das Konzert war gut besucht, doch genau so, dass man ausreichend Platz hatte zum Tanzen, Bier trinken und feiern. Besonders verrückt finde ich ja auch “Come back to me” mit seinem unwiderstehlichen Akkordeon-Part: Toll!
Leider war nach ziemlich exakt 40 Minuten und 12 Songs schon Zeit für die erste Bühnenpause und dann für die Zugaben: “Children“, “Miss you” (mit seinem schönen Mitsingpart ohoo, how i miss you….) und selbstverständlich “How deep is your love?” in der ausgedehnten, ewig langen Live-Version. Das war schon ziemlich großartig, und es hätte noch lange so weitergehen können. So bleibt nach einem schönen Abend der einzige Kritikpunkt, dass es mit einer Spielzeit von etwa einer Stunde viel zu kurz war. Trotzdem bekommt das Konzert in der Gesamtwertung eine prima Note, und für alle die Empfehlung die New Yorker mal live zu sehen! Gerne wieder.
// Bildnachweis: Da ich selbst keine gemacht habe, bin ich bei der Suche nach guten Photos des Konzertes bei Christoph Seubert gelandet, der so freundlich war, mich hier eines seiner schönen Photos veröffentlichen zu lassen. Dort gibt es noch mehr tolle Photos, auch von Konzerten von anderen großartigen Künstlern wie whomadewho, TEED oder Feist. Klickt Euch rein.
Platten des Monats. April 2012.
Leider etwas verspätet gibt es heute meine Lieblingsplatten des vergangenen Monats, und damit meine ultimativen Musikempfehlungen für den Monat April. Mit dabei etwas Mainstream-Folk aus Island, Blues-Rock aus Alabama und traumhafter Dubstep aus London.
Burial muss ich Lesern dieses Blogs wohl nicht mehr vorstellen – zu oft schon habe ich von dem jungen Londoner William Bevan geschwärmt. Seine neue “Kindred“-EP gehörte eigentlich schon in die Märzvorstellungen, denn erschienen ist sie Ende Februar, doch da hatte ich dies verpeilt. Daher hier: Umso eindrücklicher. Denn das britische Dubstep-”Wunderkind”, wie er seit den Meisterwerken “burial” & “Untrue” immer wieder genannt wird, ist mit einer großartigen EP zurück.
Was gibts?
Wo Burial draufsteht, gibt es zu 100% traumhaften Dubstep, voller atmosphärischer Tiefe, die einen als Zuhörer in einen Sog reißt und nicht so schnell frei lässt. Kein anderer schafft solche Spannungen in einem einzigen Track. Liebe!
Anspieltipp:
Bei 3 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von 30:43 sollte man das schon als Ganzes fassen, aber bitteschön: Ashtray Wasp.
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Irgendwann hörte ich “Hold on”, und ich verliebte mich sofort: In diese Stimme, die mich fast schlagartig an Janis Joplin, oder vielleicht auch eine Aretha Franklin erinnerte. Dazu diese Blues-Gitarren und dieser feine Rock-Rhythmus, zu dem man fast sofort lostanzen will. Die Alabama Shakes überzeugten mich quasi sofort. Das Debütalbum Boys and girls, was im April nun erschien, ist sehr gelungen.
Was gibts?
Southern Blues-Rock, und dazu eine große Prise Soul. Der vor allem durch die markante Stimme von Sängerin Brittany Howard geprägt wird, und der leicht im Kopf bleibt. Sie ist der Garant für ein gutes Album.
Anspieltipp:
Natürlich der Opener Hold on. Was für ein Song.
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Mainstream muss nicht immer schlecht sein. Das beweisen aktuell die Isländer von Of Monsters and Men. Ihre Single “Little Talk” ist sogar in Deutschland weit oben in den Charts und dudelt sogar im Radio. Meistens kein gutes Zeichen, doch Of Monsters and men machen einfach guten Pop, wunderbaren Indie-F0lk. Sicher: Ihr Debütalbum “My Head is an animal” ist nichts Neues, aber einfach eine gute Platte. Musik aus Island – immer wieder wunderschön.
Was gibts?
Folk-Rock, der an die Mumford and Sons, aber durch die beiden (männlich und weiblich) Gesangparts vor allem an Arcade Fire erinnert. Im Stile dieser Bands liefern die Isländer hier ein eingängiges Indie-Album, zu dem sich bestens mitsingen und tanzen lässt. Lalalalalalala.
Anspieltipps: Neben der oben genannten Single vor allem From Finner, Six weeks und das ruhige Love Love Love.
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Was gabs sonst noch gutes?
- Das Coachella-Festival begeistert mit Auftritten von At the Drive in, Radiohead oder Modeselektor feat. Thom Yorke. Alle Auftritte waren im Netz zu sehen, sind aber leider alle wieder raus.
- Jack Whites erstes Singlealbum “Blunderbuss” ist eine wirklich nette Retrorock-Geschichte. Kann man durchaus empfehlen, zB “Love is Blindness”.
- Florence and the Machine war bei “MTV Unplugged”, und überzeugt dabei vor allem mit ihrer Interpretation von Johnny Cashs “Jackson”, das sie zusammen mit Josh Homme vorträgt. Das ganze Album ist nun erhältlich und wie gewohnt bei Frau Welch sehr stark.
bouq.campus – Season Opening 2012
Es ist der 1. Mai, es ist Feiertag, es ist sonnig und heiß – Was gibt es besseres als diesen Tag auf dem ersten musikalischen Openair des Jahres zu verbringen? Es war wieder Zeit für das Bouq.Opening, den bouq.garden in großer Version: bouq.Campus auf dem Gelände der Mainzer Universität. Sommer, Musik, unglaublich viele Leute – und Eintritt frei. Viel besser geht nicht.
Schon das letztjährige Gastspiel der bouq.Family auf dem Mainzer Campus war ein toller Erfolg: Dort wo sonst gebüffelt und gearbeitet wird, erklangen elektronische Beats, es roch nach Grill und Bier. So war es kein Wunder, dass dieses Jahr dem Aufruf noch mehr Menschen folgten:
Steckt Euch Blumen in die Haare, massiert die Pflastersteine unter Euren Füßen, begrüßt Freiluft und Feierduft, wenn die schrägste Familie diesseits des Urals schönes Wetter bestellt hat. Mitten zwischen den ersten Sonnenstrahlen und dem kommenden Sommer präsentieren wir Euch stolz und voller Dankbarkeit die erste diesjährige Ausgabe unserer Campus-Initiative in Sachen Feiertagsgestaltung Deluxe.
Das perfekte Sommer-Wetter tat sein Übriges, und mit dem gestiegenen Bekanntheitsgrad der letzten Jahre füllte sich der Campus zu einer beachtlichen Menge an Feierwütigen und Feiertags-Chilligen. (Es dürften einige Tausend gewesen sein!) Die bouq.-Jungs um Sebastian Lutz, Marcello Nunzio, Amir und Butch drehten die Plattenteller und die Stimmung war schon am frühen Nachmittag beachtlich und wunderbar friedlich. Ein toller Feiertag, abgerundet durch viele Freunde, kaltes Bier (sic! ,) ) und Sonne ohne Ende.
Man kann als Besucher und Freund der elektronischen Musik der gesamten Bouq.Crew nur Dankeschön sagen. Danke für diese Events und Danke für die Arbeit an den Openairs. Vergleichbare Events (die dann auch mit Butch als Headliner oder Co überzeugen wollen) nehmen beispielsweise in Frankfurt oder Köln 15-25€ Eintritt. Ich möchte da nicht zuviele Worte verlieren, ein Kommentar auf der Facebook-Seite bringt meine Gedanken gut rüber:
Was die Jungs da heute wieder geboten haben ist ein Fest für alle und jeden und es ist frei von überhöhten Eintrittspreisen und überzogener kommerzialisierung und das alles nur aus Liebe zur Musik,dem Tanz und der Bewegung. Grandioser Idealismus der in der heutigen Zeit gar nicht genug gelobt und gelebt werden kann.
Das dies natürlich auch Komplikationen mit sich bringt: selbstverständlich. So denkt man manchmal etwas melancholisch an die gerade mal 3 Jahre zurückliegenden bouq.gardens mit wenigen Hundert Menschen zurück. Aber okay, das ist eine Entwicklung, die letztlich auch schön ist. So entdecken viele Menschen wunderbare Musik. Auch auf die quälend langen Wartezeiten bei Bier- und Essensständen blicke ich dann lächelnd: auch geschenkt. Solche Probleme gibt es halt, wenn tausende Menschen ein kostenfreies Event überströmen. Letztlich ist das Kritik auf höchstem Niveau
Ich freue mich auf viele weitere bouq.-Events. Danke, Bouq!
Welttag des Buches: Lesefreu(n)de
Dem Lesen wurde schon oftmals der Tod voraus gesagt. In letzter Zeit habe ich ein anderes Gefühl: Es wird wieder vermehrt über tolle, lesenswerte Bücher gesprochen und diskutiert. Kurzum: Lesen ist wunderbar, und dies hat jetzt eine gemeinsame Aktion von Stiftung Lesen, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und deutschen Buchverlagen noch einmal verdeutlicht. Zum Welttag des Buches werden Bücher verschenkt, um die Freude und die Lust am Lesen mit Freunden oder Unbekannten zu teilen.
Die Idee dahinter: Hier konnten sich im Februar 33.333 Menschen registrieren lassen, um ein Bücherpaket zu erhalten und die Bücher zu verschenken. Insgesamt 25 Titel waren wählbar, darunter bekannte Werke bis zu eher unbekannten Titeln, eine bunte Mischung aus deutschen und internationalen Autoren und ein vielfältiges Spektrum an Genres: Zwischen NS-Brief-Roman und aktueller Teenie-Twilight-Serie, zwischen skandinavischem Krimi und britischem Klassiker.
Die Aktion “Lesefreunde” wollte anregen dazu, wieder mehr Bücher zu verschenken, wieder vermehrt für Lesefreude zu sorgen und das Lesevergnügen zu teilen und den ein oder anderen vielleicht auch daran erinnern, das Lesen wieder für sich zu entdecken – gerade in einer Bildschirm-überfordernden Zeit kann eine Stunde alleine mit einem Buch sehr heilsam sein.
Heute, am Welttag des Buches, endet die Aktion und die Bücher sind nun bei den “Verschenkern”, und können dementsprechend nun verteilt, verschenkt und verbreitet werden.
Weil ich die Aktion “Lesefreunde” super finde, und das Lesen allgemein sehr schätze, habe ich mich natürlich auch registrieren lassen und möchte die Bücher und das Lesen auch hier fördern. Ich habe mich für die Kurzgeschichten des Ferdinand von Schirach entschieden. Seinen ersten Band Verbrechen fand ich richtig stark, und den zweiten Teil Schuld hatte ich noch nicht gelesen. Seine kurzen Geschichten über faszinierende und unglaubliche Verbrechen, Schuld und Sühne sind leicht zu lesen, in einfacher Sprache verfasst und bieten einen leichten Ansatz mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen. Perfekt für diese Aktion.
Warum genau blogge ich nun darüber? Zum einen darauf aufmerksam zu machen, dass auch im vermeintlich veralteten Buch-Bereich viel passiert, und solche Aktionen gut angenommen werden. Und zum anderen natürlich, weil ich noch einige Bände hier liegen habe. Bisher habe ich Schuld vor allem spontan verschenkt – wer sich aber von mir ein eigenes Exemplar sichern will, kann mir gerne schreiben, mich ansprechen oder natürlich hier kommentieren. Das Lesevergnügen teilen und damit auch Freude verschenken (auch wenn es bei Schirachs Geschichten wohl weniger Freude ist), da mache ich gerne mit.
Viel Spaß beim Lesen!
PS: Richtig empfehlenswert aus der Reihe der Aktion ist übrigens “Adressat unbekannt” von Kathrine Kressmann Taylor, welches ich selbst geschenkt bekommen habe. Faszinierend, textlich großartig und eindrücklich.
Trekking in der schottischen Wildnis auf der Isle of Skye
Auf der Suche nach neuen Herausforderungen und einer neuen Männertour hat es mich in der vergangenen Woche auf die Insel zu den Schotten verschlagen. Eine Woche Roadtrip in Schottland zwischen Edinburgh und Inverness. Das Hauptziel: Die Isle of Skye, Schottlands raue und einsame Atlantik-Insel, einem Paradies für Wanderer und Backpacker.
Nachdem wir schon auf der Autofahrt von tollen Aussichten wie dem Glencoe verwöhnt wurden, waren wir montags endlich am Startpunkt der Hiking-Tour: Sligachan im Süden der Isle of Skye. Dort wurden die Rucksäcke nochmal neu gepackt, Wasser (und Single Malt) verfüllt, Boots und Regenhosen angezogen und los gings: 5 Männer, 4 Tage, 3 Zelte, und leider keine 2 Flaschen Whisky.
Unser erstes Ziel ist der Am Basteir, auf über 900m hoch gelegen. Erst über sumpfartige Wiesen, später auf festeren Wegen, und schließlich nur noch kraxeln auf Steinen. Die Aussicht oben belohnt für die Anstrengungen, und es gibt den ersten Schluck Whisky. (Mein Rucksack ist zu diesem Zeitpunkt definitiv zu schwer – ich sollte über Ultralight-Trekking nachdenken.)
Unser Abstieg dauerte etwas länger als geplant: Es kamen uns Steinschläge, senkrechte Wände und das Wetter dazwischen, schließlich fanden wir aber auf einem Plateau im Anstieg noch ein Plätzchen für unsere Zelte. Die Nacht wird feucht, kalt und rutschig, doch schon morgens mit dem Frühstück ist man durch die tolle Landschaft versöhnt.
Der zweite Tag sollte in jeder Hinsicht nass werden – vor allem für die Füsse: Stunden wateten wir durch das Moor des Glen Sligachan, bis wir wieder in höhere Ebenen kamen mit tollem Blick auf die Black Cuillins und das Loch Coruisk. Dort ist die Landschaft grandios, rau und wunderschön. Und der Boden nass. Sehr nass. (Hier meine insgesamt empfehlenswerten Boots.)
Auch wenn wir beim abendlichen Angeln leider kein Glück hatten, der Blick auf das Tal und das “Loch” war toll – und unser Essen sowieso. 2 Gaskocher und ein Trangia-Kocher sorgten für abwechslungsreiches (und sehr üppiges) Wildnis-Futter. (Ein Fisch wäre natürlich die Krönung gewesen.)
Unsere Zelte standen immer da, wo es uns gerade gut gefiel – natürlich immer gegen Abend und nach Möglichkeit trocken. Auch wenn dies nicht immer gelang: Lange schlafen konnten wir irgendwie trotzdem immer. Freies Camping ist einfach immer super. (Zugegeben: Nachts wurde es richtig kalt, oft zu kalt.)
Unser nächster Tag wartete mit dem vielleicht schönsten Streckenabschnitt, zumindest der mit dem meisten Adrenalin. Über den Bad Step ging es bei bestem Wetter mit sehr angenehmen Temperaturen entlang der Meeresküste.
Hier ging es fast ausschließlich über Felsen und Felswände, etwas mehr klettern als Hiking. Hat viel Spaß gemacht, würde aber vermutlich noch mehr Spaß machen ohne großen Trekking-Rucksack. Immerhin: Wunderbares Wetter den ganzen Tag und tolle Aussicht auf die Bucht. Der Bad Step bleibt in Erinnerung ,)
Wir kamen zurück ins Glen Sligachan, in dem wir nach anfänglichem querfeldein auch dem offiziellen “Pfad” folgten. Auch hier hatten wir tolles Wetter und der Regen kam immer erst nachts, wenn wir in den Zelten waren. Trotzdem: Wasserdichte Kleidung und Schuhwerk versteht sich hier von selbst. Regen, Moor, Gebirgsbäche und die Flüsse – Wasser gibts genug und die Herausforderungen an die Kleidung sind groß.
Anstrengende, aber perfekte Tage gingen viel zu schnell vorbei. Die nahezu unendliche Einsamkeit (natürlich besonders jetzt im April!), die rauen Gebirgsketten und die einzigartige Landschaft machen eine Trekking-Tour hier zu einem tollen Erlebnis. Manchmal war es hart und kalt, aber die traumhaften Aussichten und der Spaß beim Wandern waren es in jedem Falle wert. Memo an mich selbst: Bei der nächsten Tour eine kleinere Isomatte, eine (noch) wärmere Daunenjacke und mehr Single Malt mitnehmen.
Auch der Rest der Reise war großartig, unkompliziert und erfahrungsreich. Auch Linksverkehr, defekte Flugzeuge, oder Meth-Flugkontrollen konnten dem Spaß wenig entgegensetzen, und so komme ich gerne wieder nach Scotland. Allein schon der Single Malts wegen. (In Schottland schmeckt der einfach noch besser
)
(Alle Photos sind von mir aufgenommen mit der Kompaktkamera Powershot SX 200 und stehen gerne unter der CC-BY-NC 3.0-Lizenz.)
Museumskampf: Mercedes-Benz vs. Porsche
In der schwäbischen Hauptstadt Stuttgart gibt es neben dem nationalen Dauerbrennpunkt “s21″ natürlich auch immer noch mehr zu sehen als Demonstranten, Baustellen und Baumfäller. Allen voran ist Stuttgart vielleicht die Autostadt Deutschlands schlechthin, und deshalb ließ ich es mir am vergangenen Wochenende nicht nehmen, gleich beide großen Auto-Museen der Stadt zu besuchen. Ein kurzer Vergleich und einige photographische Eindrücke.
Wenn in einer Stadt zwei solche Automobil-Konzerne um die Gunst von Museumsbesuchern werben, dann wird es spannend: Welches ist das bessere Museum? Welches bietet mehr? Für wen lohnt sich Porsche? Und natürlich: Sind die Museen gelungen?
Während es das Mercedes-Benz-Museum in Bad Cannstatt bereits seit 2006 gibt, wurde das Porsche-Museum in Zuffenhausen erst 2009 eröffnet. Mit Baukosten von 150 (Mercedes) bzw. 100 (Porsche) Millionen € sind beide Museen sicherlich in der Oberliga anzusiedeln und bieten schon draußen spektakuläre archiktektonische Ansichten. Hier geht der erste Punkt an Porsche, deren Design gewaltig und beeindruckend ist. Doch im Inneren unterscheiden sich die Konzepte der beiden Konzerne sehr. Beiden gleich ist die spektakuläre Art des Gebäudes auch von innen, der Audioguide am Knopf und der Preis (8€ normal, 4€ ermäßigt).
Schon früh machen sich die Unterschiede bemerkbar: die Daimler-Benz-AG legt den größten Schwerpunkt auf Historie, die Firma Porsche auf den ehemaligen und aktiven Rennsport: Mercedes betont vor allem die Geschichte des Automobils und deren Entwicklung, Porsche wird als perfekte Rennsportmarke präsentiert.
Natürlich geht auch Porsche intensiv auf seine Geschichte und viele tolle Oldtimer ein, doch ist es Mercedes, die hier historisch-didaktisch sehr gut Zeitgeschichte zeigen: Mit einer nach unten fortlaufenden Chronik wird jeweilige Weltgeschichte präsentiert, jeder Audioguide hat einen Punkt “Zeitgeschichte” und die ersten Autos stehen auch hier: Punkt für Mercedes-Benz.
Das Benz-Museum punktet neben der tollen Geschichtsentwicklung vor allem mit der Vielfalt der gezeigten Fahrzeuge: Hier stehen Busse, Polizeiwagen, Rennsportfahrzeuge, Prominente-Taxis, Unimogs, Oldtimer, aktuelle Fahrzeugreihen und viele mehr. Klar: Daimler lieferte schon sehr früh Fahrzeuge jeder Art, vor allem Nutzfahrzeuge waren und sind ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens.
Porsche beeindruckt an dieser Stelle mit Authenzität und Nähe zu ihren Bauten. Vor allem der klassische 911er bekommt viel Platz innerhalb der Ausstelllung, was mir durchaus gut gefällt: Ist doch vor allem der 1973er 911er so etwas wie mein Lieblingsporsche. Über den Audioguide bekommt man sowohl technische Infos als auch Rennsportergebnisse des jeweiligen Wagens.
In beiden Museen wird es nostalgisch: den Oldtimern wird viel mehr Platz zugesichert als aktuellen Baureihen – und das ist auch wunderbar so. Hier kann natürlich vor allem Mercedes-Benz mit seinen großartigen 20er-Jahre-Wagen glänzen, aber auch Porsche bietet vor allem mit den Rennsportklassikern wunderbare Oldtimer.
Das Porsche-Museum ist schön dran an den Wagen: Das Konzept passt hier sehr gut, die Faszination Auto (und Motorsport) wird hier lebendiger als im Benz-Museum. Mercedes beweist dafür didaktisches Geschick: Mit einem extra Audio-Guide-Punkt für Kinder bekommen die Kleinen die wichtigsten und zugänglichen Infos gut verpackt.
Im Mercedes-Benz-Museum ist es irgendwann fast zuviel des Guten: Infos über Infos, Videos, Bilder, Audio. Irgendwann ist leider Schluss mit der Aufnahmefähigkeit. Bei Porsche ist dies etwas reduzierter, hier stehen die Autos eher im Fokus. Während man sich bei Mercedes auch mit schlechten Zeiten, Mißerfolgen und der Rolle in der NS-Zeit beschäftigt, vermisst man dies alles etwas bei Porsche: Etwas zuviel Glanz.
Letztlich beeindrucken beide Museen sehr, und sind tolle Denkmäler für unser mobiles Zeitalter. Beide Museen sind empfehlenswert, auch der Eintrittspreis ist nicht zu hoch. Für Besucher ohne größere Autointeressen, sowie für Familien und Schulklassen bietet das Mercedes-Benz-Museum mehr Vielfalt: unterschiedliche Modelle, 4 variable Audio-Guides, sehr viel Geschichte, tolle Didaktik, mehr Platz und mehr Fahrzeuge. Für große Auto-Fans und insbesondere Motorsport-Interessierte lohnt sich der Weg nach Zuffenhausen vielleicht mehr: Hier lässt sich Rennsport gut anfassen. Oder man macht es wie ich: Man besucht gleich beide.
PS: Der letzte deutsche Kaiser fuhr übrigens Mercedes, und erhielt sogar seinen eigenen “Stern”:






















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