Extrem-Balancing: Nur nicht runterschauen
Es gibt Menschen, da komme ich mir ganz klein vor. Immer dann, wenn irgendjemand etwas so derartiges Verrücktes macht, dass ich davon gleichermaßen fasziniert und beeindruckt bin. Eskil Ronningsbakken ist so ein Mensch. Der 29-Jährige Norweger ist „Extrem-Artist“, wie er sich selbst bezeichnet, und macht artistische Kunststücke auf Klippen in über 1000m Höhe.
„Seit ich 5 Jahre bin, klettere ich. Jedes Jahr ein bisschen höher, aber am wichtigsten ist mir die Umgebung. Es müssen Orte sein, die mir das Gefühl geben zu fliegen, bei denen sich Luft und Wasser zu einem Bild fügen: Felsschluchten, Wasserfälle, Gipfel. Oft suche ich monatelang nach einem passenden Ort.“ (Zitiert aus dem aktuellen Spiegel, Nr.45, 02.11.09 )
Aber schaut selbst:
Danke an den Spiegel für dieses tolle Photo im aktuellen Heft, welches auch sonst sehr empfehlenswert ist, allein schon wegen der unglaublich starken Titelstory zum Fall der Mauer. Und noch mehr Bilder von Ronningsbakken gibts beim Guardian.
Klick aufs Bild für die Großansicht:
…und mal wieder bundesweiter Bildungsstreik
Es ist Donnerstag morgen gegen 11:40 Uhr in einem mittelgroßen, etwa halb gefüllten Hörsaal der Universität Mainz. Die Vorlesung ist bisher sehr gut, alle hören aufmerksam zu; es ist eine ruhige Vorlesung, wie sooft in meinem kleinen Fach.
Auf einmal stürmen 6 junge Menschen – die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Studenten handelt, weiter noch: Bachelor-Studenten – den Raum. Und stürmen ist hier ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Sie laufen die Treppe Richtung Dozent hinunter, vier von Ihnen widmen sich sofort der Tafel und schreiben unleserliche Infos an eben diese. Die beiden Übrigen begrüßen uns über ein – viel zu lautes – Megaphon, und schreien dann ein Gedicht mehr als es vorzutragen. Ein Gedicht? Richtig gelesen. Irgendwas von Bildungsstreik, wie schlecht doch alles ist, Uniaktionen in Österreich, und Demonstrationen hier in Mainz. Geht links rein und kommt rechts wieder raus. Dann nochmal die Wiederholung ohne Gedicht. Wir alle müssen streiken! Kommt alle zur Demo! Blablabla. Unser Dozent ist sichtlich amüsiert. Die jungen Studenten verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Dozent mit verschmitzem Gesichtsausdruck: „Jaja, früher hab ich sowas auch mal mitgemacht….!“
Es ist also – mal wieder – bundesweiter Bildungsstreik. Schon im Sommersemester wurde man in Mainz das Gefühl nicht los, dass ständig gegen Alles demonstriert und protestiert wurde. („Die heutige Jugend demonstiert doch viel zu wenig!“ – Jawohl!) Irgendwie ist das nur noch…gähn…uninspirierend, langweilig. Es ist diese „Gegen Alles ohne Verbesserungsmodelle“ – Haltung, die auch die linke Politik auszeichnet. Einer meiner Kommulitonen bringt es auf den Punkt, was viele dazu denken (wenn natürlich auch überspitzt!): „Sollen die Idioten doch alle zur Demo gehen, dann haben wir hier wenigstens Platz, und es besteht keine Läuse-Gefahr mehr.“
Das ist hart, ohne Frage. Aber das äußerliche Profil der Streikenden und auch derer, die heute bei uns reingestürmt sind, ist halt genau dieses: Rastas, Dreadlocks, knalligbunte Tshirts, usw. Jeder weiß, was ich meine und vor meinem Auge sehe.
Schauen wir uns an, was die Streikenden wirklich fordern. Ich picke einige Punkte der Forderungen heraus und zitiere sie hier:
den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!
Schön und gut, klingt erstmal wunderbar und logisch. Doch wie sieht die Realität aus? Die Universität Mainz hat zum gegenwärtigen Zustand schon über 34.000 Eingeschriebene; viel mehr, als sie eigentlich aufnehmen kann. Es ist ja nicht so, als das dagegen nichts getan wird: Überall auf dem Campus sind Baustellen (Siehe dazu STUZ Heft 117, Seite 20), alleine im Jahre 2009 steckte die Universität viele, viele Millionen in Neubauten auf dem Campus. Zulassungsbeschränkungen sind m.E. einfach nötig, weil sonst jeder anfängt zu studieren. (ein Beispiel: Ich hätte immer gerne Filmwissenschaften studiert, der NC dort lag semesterlang bei Eins Komma… – außer Reichweite für mich. Mein Pech, und nicht das Problem der Uni. Ich hätte mich ja auch in der Schule mal mehr anstrengen können.)
die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!
Wie soll das funktionieren? Wer soll das garantieren? Meiner bescheidenen Meinung nach muss es hinter solchen Forderungen auch Verbesserungsvorschläge geben, die zumindest eine Chance haben. Eine finanzielle Unabhängigkeit für Millionen (!) Studenten kann niemand, auch kein Staat der Welt, garantieren. Es gibt die Studentenkredite mit äußerst günstigen Zinssätzen, das ist zweifelslos fair. (Außerdem könnte man ja auch arbeiten gehen, wie es ein Großteil meiner Kommulitonen und ich natürlich auch macht – aber da sind wir wieder beim Klientel der Streikenden: „Ich bin Links, ich mag Deutschland nicht, aber es soll bitteschön dafür sorgen, dass ich genug Geld hab…“)
Besonders mag ich den Gegensatz von diesen beiden Forderungen:
die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!
&
die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 Tutor_innenstellen neu zu schaffen!
Gebührenfrei studieren, am besten noch Geld erhalten, und dafür alles perfekt haben. Wie wärs denn mit einem eigenen Professor für jeden Studenten? Rosarote Brille und so. Das Geld für all die neuen Stellen, tollen Hörsääle, technischen Ausstattungen fällt dafür einfach vom Himmel. – Allein aus dem derzeitigen Konjunkturpaket II der Bundes- und Landesregierungen fließen zahlreiche Millionen Euro allein in Rheinland-Pfalz in die Studierendenwerke, die bessere IT-Ausstattung der Hochschulen und Sanierung und Neubau von modernen Hörsäälen. Und es reicht immer noch nicht völlig.
Freunde von mir haben an privaten Fachhochschulen studiert für mehrere tausend Euro im Semester – und selbst dort lief nicht immer alles glatt und perfekt ab. Wie soll das erst an einer Universität erreicht werden, wo derzeit alle Studenten „nur“ 200 € pro Semester zahlen – geschweige denn einen Nullbetrag, den der bundesweite Bildungstreik fordert?!
Kurz und knapp: Ich finde die meisten der Forderungen absolut unpassend und übers Ziel hinausgeschossen. Das wiederrum soll nicht den Eindruck vermitteln, dass ich alles an den deutschen Hochschulen gut heiße, ganz im Gegenteil, aber es ist auch lange nicht alles so schlecht wie es nach außen dargestellt wird. (Das ist übrigens fast parallel mit der deutschen Politik zu sehen!) Gerne kann man über verschiedene Punkte diskutieren (Ich würde zum Beispiel einen praxisnäheren Lehrplan fordern, oder über die wissenschaftlichen Inhalte diskutieren, weil diese oftmals am späteren Beruf vorbeilaufen…), und ich als angehender Lehrer würde mich zu JEDER Zeit aktiv für eine gute und vernünftige Bildungspolitik einsetzen, weil dies die Grundlage für uns alle und unser Land ist, aber dies mit plakativen Parolen und wilden Demonstrationen zu versuchen, ist für mich nicht der richtige Weg. Die Streikenden müssen auch mal die positiven Seiten sehen, die leider viel zu oft vergessen werden: Im Gegensatz zu fast allen anderen westlichen Ländern haben wir keine Studiengebühren oder sie fallen im Verhältnis dazu sehr gering aus. Ich studiere für 200 € im Semester, bin frei in allen meinen Entscheidungen und Veranstaltungswahlen, fahre mit dem Semesterticket kostenlos Bahn und Bus, esse in der Mensa für wenig Geld und trinke Kaffee zu Studi-Preisen. Dafür nehme ich auch gerne mal veraltete Hörsääle oder langsame PCs in Kauf. Mehr erwarten kann ich auch nur, wenn ich dafür zahle (n würde).
Sollen sie mit ihrem „heißen Herbst“ weitermachen. Ich werde auch diesmal nicht mitmachen bei Demos und Streikveranstaltungen. Nun ja, ein zweiter Rudi Dutschke wäre ich wohl eh nie geworden.
Bis zum nächsten Bildungsstreik – im nächsten Semester.
Album des Monats: Oliver Koletzki – Großstadtmärchen
Wer hätte das gedacht? Ich mache mal wieder einen Blogpost über ein Album des Monats (sollte ich viel öfter machen!) und dann ist es ausgerechnet Oliver Koletzki. Genau der Koletzki, der vor einigen Jahren mit seinem 2005 auf Cocoon erschienenen famosen Mückenschwarm die Technogemeinde mit einem Schlag hinter sich versammelte und auf Partys jeder Art ominipräsent war, und schließlich Preise wie „Newcomer des Jahres“ abräumte. Ende 2005 wuchs aus diesem neuen Ruhm ein eigenes Label: Stil vor Talent. Über den Namen darf man sicherlich streiten – ich sehe es beispielsweise nicht so -, aber dennoch brachte das Label einige richtige gute Tracks raus, unter anderem die EP „This is so fuckin oldschool“ mit dem gleichnamigen, wunderbaren Song.
Und nun, eigentlich schon im September, kam also das neue Album von Oliver Koletzki heraus: Großstadtmärchen. Was erwartet man von einem Mann, der die letzten 4 Jahren hauptsächlich durch Produktionen im Techno – und House- Bereich groß geworden ist? Eben genau dieses, im Grunde genommen ein auf den Dancefloor ausgelegtes Brett. (Oder vielleicht auch Großdiskothekenmässiges wie man letztjährig von Lützenkirchen hörte, wo Koletzki selbst auch nicht ganz unbeteiligt war.) Und exact das Gegenteil ist der Fall. Herausgekommen ist ein wundervolles Album, das vor allem durch feine Beats und viele Gaststimmen glänzt. Ein Großstadtmärchen.
Die Essenz dieses Albums liegt bei verträumter, intelligenter elektronischer Popmusik, fernab von Techno-Erfolgen wie dem oben schon genannten Mückenschwarm. Koletzki überzeugt hier mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Richtungen, die sich aber insgeheim gut ergänzen und vor allem absolut facettenreich sind. Da wäre zum Beispiel „Hypnotized“, begleitet von der jungen Sängerin Fran: ein toller, ruhiger Sommersong, der mich schon im Spätsommer begeisterte:
Ganz anders mein heimlicher Lieblingssong des Albums: Verträumter TripHop, fast schon Portishead-ähnlich. Faszinierend gesungen von der erst 17-Jährigen Pyur:
Instumentalstücke, wie man es von Koletzki gewohnt ist, findet man nur wenige: Am besten gefällt mir Warschauer Straße. Toller, knackiger Beat. Da ist er dann doch wieder, der alte Dancefloorkiller. Natürlich gibt es auch einige Tracks, die weniger gut sind, unter anderem „This is Leisure“ mit Mietze von Mia. Aber das schmälert meinen guten Eindruck des kompletten Albums nur wenig. Großes Pop-Kino aus Berlin mit ganz viel elektronischer Unterstützung.
Rundum gelungenes Album, welches ich nur empfehlen kann. Elektronisch, poppig, und chillig zugleich. Mein Album des Monats Oktober.
Ein Abend bei der @rheinzeitung – Followertreffen
Die entscheidende Frage des Abends stellte mir der nun hauptberuflich agierende Twitterer der Rheinzeitung im Druckwerk, während die tonnenschweren Papierrollen mit Schwarz, Rot, Gelb und Blau bedruckt wurden und wir fasziniert zusahen: „Welche Drogen nimmt eigentlich @Blattwerk?“. Diese Frage war besonders im Kontext der Druckerpressen und ihrem Lärm durchaus berechtigt, doch Antwort konnte auch ich darauf nicht geben. Es bleibt wohl für immer ein Rätsel. Und dennoch möchte ich Blattwerks freundlichen Bitte Aufforderung nachkommen, über den gestrigen „Followerabend“ zu bloggen.
Die Rheinzeitung hatte zum vierten Twitter-Followertreffen geladen (#rzf4), und nun war ich also auch mal dabei. Hatte ich im Vorfeld noch über ein Kommen aufgrund der eher weiteren Anreise gehadert, so hatte sich dieser Weg auf jeden Fall gelohnt. Was kann man sich unter einem „Followerabend“ vorstellen? Die Rheinzeitung lädt einige wenige ihrer vielen Twitter-Follower zu sich in die Redaktion ein, und zelebriert daraus eine Mischung aus Gespräch, Diskussion, Führung, Selbstkritik und Eigenwerbung. Dazu gibts alkoholfreie Getränke und jede Menge Schnittchen.
Die allgemeine Begrüßung im Konferenzraum gabs durch den @RZChefredakteur Christian Lindner, der auch dankenswerterweise den ganzen Abend anwesend war, und viele Anekdoten zu erzählen hatte. Anschließend fand eine lockere Begrüßungsrunde statt, bei der jeder Teilnehmer ein bisschen aus seinem Leben und seinem Twitter(er)leben berichtete. So konnte man zum Beispiel erfahren, dass einige Anwesende einen dritten (!) Monitor ausschließlich für Twitter eingerichtet haben. War ein bisschen neidisch. Ich war auch der einzige (?), der ohne mobiles Netz vor Ort war. (War auch der einzige Student: interessant, dass die Twitterer aus allen möglichen Berufen kommen…) Zwei schwarze Beeren kämpften gegen die Übermacht der Apfelmaschinen. (Vielleicht sollte auch ich endlich mal über meinen Schatten springen?!)
Während dieser wirklich interessanten Gespräche lief auf einer großen Leinwand der Live-Stream des Twitterhashtags #rzf4, was eine gelungene und spassige Präsentation ergab, weil es durch diverse Tweets die Runde auflockerte und alle erheiterte:
Das Rundumwohl der Teilnehmer war überhaupt sehr gefragt. Die Gummibären zum Beispiel tauchten immer wieder auf:
Witzig waren natürlich auch die Aufforderungen der Twitter-Welt von draußen, die erstmals per Live-Stream (an der Technik darf noch etwas gefeilt werden!) mit dabei sein und alles sehen und hören konnten – zumindest bis die Technik versagte:
Nach dieser gelungenen Einführung ging es für uns in den Papierkeller, in die Druckräume und letztendlich auch noch ans „Newsdesk“. Wir lernten, dass Papier aus Russland kein Altpapier enthält, dass allein die Rheinzeitung über 200 Tonnen schwarze Farbe im Jahr verbraucht, und dass der Spätdienst nicht mehr den Chefredakteur anrufen muss. Und dass geplatzte rote Farbschläuche auch für Drucker kein Spaß sind. Und noch vieles mehr. Gerade die Mischung / der Gegensatz aus den Gesprächen über das supermoderne Twitter und die Faszination des Druckens einer Zeitung, wie es seit Jahren gemacht wird, machten den Abend auch so spannend für mich.
Die Balance zwischen dem tradionellen Teil des Printmediums und der schnelllebigen Onlinewelt bekommt die Rheinzeitung meines Erachtens sehr gut in den Griff. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die den Wert von Twitter und Web 2.0 im Jahre 2009 verkennen, setzt die Rheinzeitung auf die richtigen Werkzeuge. Davon konnte sich auch gestern jeder überzeugen. Kann ich nur mein höchstes Lob aussprechen!
Im Anschluss gings nochmal in den Konferenzraum: Abschließende Gespräche, Frage nach Kritik und gemeinsames Testen des neuen Amazon Kindles. Natürlich musste ich erstmal schön auf das Display „touchen“ – wie iphonegewöhnt wir schon sind :/. (Generell machte der Kindle übrigens auf mich einen guten Eindruck, das Lesen eines FAZ-Artikels ging wunderbar flüssig und leicht. Aber so ganz macht mich diese E-Book-Geschichte (noch) nicht an, das Lesen einer Zeitung, eines Magazines oder eines Buches im klassischen Sinne ziehe ich eindeutig vor. Noch.)
Zum Abschluss gabs noch ein kleines bisschen Eigenwerbung mit einem Schirm der Marke „Rheinzeitung“ und obendrauf als Überraschung eine Titelseite der heutigen Zeitung mit dem Gruppenbild des #rzf4.
Super Abend, interessante Menschen und schön, auch mal die Gesichter hinter den RZ-Acounts kennenzulernen. Sowas mach ich gerne wieder mit. Allein schon wegen den Schnittchen
Fürs nächste Mal: Ruhig noch ein bisschen mehr Zeit einplanen, ich hätte gerne noch etwas mit dem einen oder anderen gequatscht. Vielleicht früher anfangen.
ps: Noch mehr Photos gibts auch hier bei @netzbetreuer: http://picasaweb.google.com/nepuxer/Rzf4#
Edit: Das Gruppenbild gibts jetzt beim RZBildchef.
Wandern auf dem Rheinsteig
Ich habe mir 2 Dinge vorgenommen: Neben meinen Reisen in fremde Länder (die mich nach wie vor reizen) möchte ich mal mehr Deutschland und seine verschiedensten Regionen kennenlernen. Es gibt immer noch ein Bundesland, in dem ich nicht war (Saarland), und darüber hinaus viele viele wunderbare Städte, Dörfer und Landschaften, die es zu entdecken gibt. Ich bin überzeugt davon, dass wir in einem ganz wunderbaren Land wohnen, und dass man, um schönes zu sehen gar nicht weit reisen muss. Schlimm ist es ja vor allem, wenn man in einer schönen Gegend wohnt, und nicht mal dort alles gesehen hat. Und zum Zweiten möchte ich dafür auch etwas „Werbung“ machen, hier im Blog. Darauf hinweisen, wie schön es auch hier ist, und jedes Mal einige Bilder mitbringen. (Eine neue kompakte „Unterwegs“-Kamera muss dringend her…!)
Gestern gings also zum Wandern ins obere Mittelrheintal. Genauer gesagt: nach Assmannshausen. Von dort ging es über den Rheinsteigwanderweg nach Lorch. Mitten im UNESCO-Weltkulturerbe gibts hier viel zu sehen: wunderschöne Panoramablicke, steile Weinberge und abseits des Rheins kleine Wege inmitten von dichten Wäldern.
Nach etwa 15 Kilometern, vielen Anstiegen und kleinen Kletterpartien kommt man in Lorch an. Ein großer Vorteil des Rheinsteiges – im Gegensatz beispielsweise zum ebenfalls wunderschönen Westerwaldsteig – ist die gute Bahnanbindung aller Start-, und Zielorte. So setzt man sich am Zielort einfach schön in den Zug, genießt noch ein kühles Bier und kommt sicher und schnell wieder nach Hause.
Anstrengend ist es schon, sagen mir meine Beine vor allem heute
Aber es war ein wirklich toller (Herbst-) Tag mit viel Sonne und tollen Einblicken in unsere Natur. Empfehlenswert für jeden! Wir werden da bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, bei 320 Kilometern Rheinsteig gibts viel zu entdecken!
Gedanken, heute: das (mobile) Internet
Es gibt sie manchmal, diese Tage. Ich sitze nichtsmachend vor meinem Laptop. Musik läuft auf Zimmerlautstärke – oder lauter- und ich lasse nichts an mich heran. (Gerade übrigens das fast schon betäubend schöne 1994er Album „Grace“ von Jeff Buckley. Genial: dazu sollte ich irgendwann mal was bloggen…!) Meine Gedanken fliegen durch meinen Kopf. Dazwischen: Diverse „Social Media“-Plattformen abchecken, hunderte Tweets lesen und selbst twittern, skypen, Emailpostfächer durchackern, Newsseiten, Blogs und einschlägige Magazine lesen: der absolute Informationsoverkill. Dazu vielleicht der eine oder andere Chat mit Freunden. Und immer wieder Musik. Die man mittlerweile natürlich ebenso praktischerweise überall online findet, ohne mit der Wimper zu zucken. Es sind diese Tage, an denen sich mein Leben und meine Gedanken ausschließlich rund um dieses „Etwas“ bewegen, was wir Internet nennen. Zur Erinnerung: Entstanden ist das Ganze erst 1969 aus dem Projekt „ARPANET„. Das sind erst 40 Jahre Vernetzung. Ich selbst nutze das „Web“ nun etwa 10 Jahre richtig. Alles vor 1999 war mehr Spielerei, mit meinem Login in der 1998a-Version von ICQ war mein Einstieg in die vernetzte Welt vollzogen. Danach ging es Schritt für Schritt: Neue Browser, immer mehr Möglichkeiten, die Zeit der Foren und HTML-Chats, die ersten Netzwerke / Partyportale. Hach, da ist ja schon beim Gedanken daran etwas Nostalgie dabei. (Wie passend, dass gerade „Hallelujah“ aus den Boxen erklingt…). Und heute? Online-Auktionshäuser, Onlineshops, Online-Bewerbungen, Online-Lernhilfen, Online-Magazine, Online-Streaming und Online-Telefonie. Und und und. Etwa 10 Jahre nach meinen ersten zaghaften Schritten im Internet spielt sich – gefühlt – alles Leben online ab. Meine Großeltern wollen nun auch endlich „Internet kaufen„, meine Eltern lesen diesen Blog ( Schöne Grüße
), die Rheinzeitung druckt „Tweets“ in ihrer Printausgabe, die Frankfurter Buchmesse hat als Hauptthema (!) digitale E-Books, Bands lassen ihre Alben auf ihren Facebook-Seiten runterladen, Universitäten führen – komplizierte – studentische Anmelde-Netzwerke ein, Politiker bekommen StudiVZ-Profile, und jeder (okay, gefühlt jeder!) läuft mit einem iphone kommunikationssüchtig durch die Gegend und twittert das gerade Erlebte oder irgendwas vermeintlich Witziges (oder auch schon mal den Polizeifunk). Und ich blogge hier gerade. (Selbst das kann man mittlerweile vom iphone aus…). Während immer noch Jeff Buckleys wunderbare Stimme zu mir singt, überlege ich mir, wohin das Alles noch führen wird. Das „Internet“ – was es als solches eh noch nie gegeben hat – wird immer mobiler, reißt unsere Gesellschaft in einen schneller werdenden Strudel aus Informationen. Ein Großteil dieser Informationen sind wertlos und Blödsinn, und doch verfallen wir alle diesem Strudel, der uns alle erfasst wie ein Virus, für den man noch in den 90igern einen besonders tollen Anti-Viren-Schutz installiert hätte. Ich beschäftige mich an manchen Tagen viele, viele Stunden (zuviele!) mit Twitter – und das völlig privat: Neben Studium und Job. Stunden, die mir für anderes Wichtiges fehlen, die ich aber gerne in Kauf nehme. Allein dies jemandem Außenstehenden zu erklären ist so gut wie unmöglich. Wie geht das weiter? Wie schaut web 3.0 aus? Will ich diesen Schritt überhaupt nocht mitmachen? Oder anders gefragt: Kann man es sich überhaupt noch erlauben, da NICHT mitzumachen? Es gibt nicht wenige, die das Internet als mittlerweile wichtigsten Kulturraum sehen und diesen (Rechts-)Raum in zahllosen Diskussionen scharf verteidigen. Für mich ist das Internet Segen und Fluch zugleich: wunderbare Kommunikation in die ganze Welt, Information zu jeder Zeit, und eine nie gekannte Fülle von Möglichkeiten, die ich mir vor 10 Jahren nicht mal erträumt habe. Auf der anderen Seite aber auch ein süchtig machendes, zeitaufwendiges „Hobby“, oftmals belanglos, und an vielen Stellen viel zu unkritisch. Außerdem entwickelt sich gerade das mobile Netz, welches die Kommunikation ja so vereinfachen soll, paradoxerweise zum ultimativen Kommunikationskiller! Beispiel aus meinem Leben: 5 Freunde sitzen zusammen und trinken einen guten Rotwein. Die zwei ohne mobiles Internet genießen diesen Augenblick, die anderen drei haben ihr iphone in der Hand und twittern diesen Augenblick. Vielleicht noch ein nettes Photo dabei auf Twitpic und co, und schon ist das „Tweetlife“ perfekt. Für mich ist das tödlich für jeden realen Kontakt mit anderen. – Beschäftige mich aktuell mit dem Gedanken, ein iphone zu bestellen. Auch Teil dieser applesüchtigen Bewegung zu werden. Doch ich habe wirklich Bedenken Angst vor diesem Schritt: Ich will nicht zu einem dieser Menschen werden, die ihre wirklichen, echten Kontakte verlieren, weil sie selbst unterwegs, im Kino, auf einer Party, in der Uni, während der Arbeit nur noch online sind, online denken. Doch lässt sich dieser Schritt überhaupt langfristig verhindern? Bin ich zu rückständig? Was erwartet uns in weiteren 10 Jahren? Fragen über Fragen – und ich weiß keine Antworten. Ich weiß nur: Das „Internet“ hat unsere Gesellschaft wie nichts Vergleichbares vorher revolutioniert und wird dies in Zukunft vermutlich noch mehr tun. Hoffentlich nicht nur zum Negativen. (Mittlerweile hat Buckley Ruhe. Die Black Eyed Peas singen „I gotta feeling“: „Easy come, easy go – Now we on top“ klingt dazu nun aus meinen Boxen – und das kenn ich natürlich auch aus dem Netz.)
Auf nach Nirgendwo – Eine Reise zum Erwachsenwerden
Eine erfrischend süße Sexszene zwischen einem ein jungem Mann und einer jungen Frau. Der junge Mann „riecht“, dass seine Freundin schwanger ist. Wirklich witzig. Schnitt. Im nächsten Bild ein riesiger Schwangerschaftsbauch 6 Monate später. So beginnt „Away we go“, der neue Film von Sam Mendes, der heute in einer Woche in den deutschen Kinos startet. Was erwartet man von einem Regisseur, der immer wieder Neues bietet? Mit seinem Debüt „American Beauty“ war er erfolgreicher als manche Regisseure in ihrer ganzen Karriere, seine weiteren Werke wie „Road to Perdition“, „Jarhead“ oder „Zeiten des Aufruhrs“ waren alles tolle Kinostücke, wenn auch keiner mehr ganz an das Erstlingswerk heranreichte. Und nun also nach „Zeiten des Aufruhrs“ schon der 2. Film innerhalb eines Jahres, und schon wieder die Themen „Ehe“ und „Familie“. Aber „Away we go“ hat nichts mit dem eher dramatischen „Revolutionay Road“ zu tun, soviel sei schon verraten.
Burt (John Krasinski) und Verona (Maya Rudolph) erwarten ihr erstes Kind, und ihre Situation ist eher angespannt als gemütlich: Sie wohnen in einem Haus, das wohl eher den Namen ‘Hütte’ verdient hätte, und die einzig verbliebenen Großeltern, auf deren Unterstützung sie sich verlassen hatten, entschließen sich, ins 3000 Meilen entfernte Belgien zu ziehen. Was jetzt? Die beiden beschließen, ihr heruntergekommenes Heim in Colorado hinter sich zu lassen und auf einer Reise durch Nordamerika alte Freunde und Bekannte abzuklappern, um einen neuen Ort zum Leben zu finden. So führt der Weg sie nach Phoenix, Madison, Tucson, Montreal und Miami, und überall müssen sie feststellen: Das Familienleben ist gar nicht so einfach und der Platz im Leben nicht leicht zu finden.
So lässt sich „Away we go“, mit dem diesmal einmal passenden deutschen Untertitel „Auf nach Nirgendwo“, auf einige Sätze zusammenfassen.
Ich war mir nicht ganz sicher, wo das hinführen würde, und wo der Film am Ende landen würde. Mendes schafft es hier aber gekonnt, diese auf dem Papier eher mäßige Geschichte zu einem wunderbaren, tragischen und skurillen Roadmovie zu machen. Die Reise des jungen Paares ist gespickt mit herrlichen Einfällen und tollen Charakteren: Die Besuche bei ihren Verwandten/Freunden sind absurd, witzig und haben einen erstaunlich offenen Blick in die vielen heutzutage möglichen Familienmodelle. Zwischen schwarzem Humor in pessimistischen Vorstadtfamilien bis hin zum Esoterik-New-Age Slapstick ohne Buggy und Zucker (Übrigens spielt Maggie Gyllenhall hier herrlich abgedreht eine durchgedrehte Professorin!) und man ist geneigt zu glauben, dass die beiden Drehbuchautoren hier ein bisschen ihre eigenen Erfahrungen reingebracht haben. Diese Situationen, die Burt und Verona erleben, sind derart witzig gelungen, dass der Film ihretwegen schon den Kinobesuch wert ist: Vor allem Hauptdarsteller John Krasinski wird hier immer wieder zum ultimativen Lachflash, jedoch lebt dieser Film unbedingt von den zahlreichen Nebencharakteren, von denen mir wie oben schon geschrieben Gyllenhall am besten gefallen hat. Toll ist der Wechsel zwischem derbem und suptilem Humor einerseits, und den chaotischen und romantischen Szenen andererseits. Da wirkt wenig gekünstelt, auch wenn manche Szenen ihre Längen haben. Insgesamt ist der Spaßlevel in diesem Film erstaunlich hoch – viel höher als ich erwartet hätte, und dennoch ragen gerade auch die traurigen, melancholischen Stellen heraus: beispielsweise die Szene in der Montrealer Bar oder die wunderschöne Szene auf dem Trampolin in Miami.
Mit der Besetzung der beiden eher unbekannten Hauptdarsteller ist Mendes ein Glücksgriff gelungen: Man schaut mehr darauf, was und wie die beiden miteinander umgehen, anstatt dass man durch große Namen eher auf die Personen fokussiert ist. Ein weiteres großes Plus von „Away we go“ ist eindeutig die Musik. In solchen Indiefilmen ist das natürlich auch ganz wichtig, und daher ist es umso besser, dass Mendes und seinem Musiker Alexis Murdoch hier ein toller Soundtrack gelungen ist.
Am Schluß gehts mir persönlich etwas zu schnell: Da haben mir einige Szenen gefehlt, bzw. hätte man gegen Ende nochmal eine skurille Familienbegegnung bringen können – da regieren nun die großen Gefühle. Leider ist daher der Humor der ersten Stunde nicht mehr so ganz präsent. Man merkt, dass Mendes in den letzten Szenen das HappyEnd unbedingt haben will, und dass es schlußendlich sogar etwas zu kitschig wird, ist ihm dann auch egal. Es stört auch nicht weiter, aber wäre hier auch nicht notwendig gewesen. (Aber natürlich liebt JEDER das Haus, ich würde sofort einziehen
)
Überraschenderweise ist hier eine richtige Indieperle rausgekommen, eine Reise zum Erwachsenwerden ohne zu wissen, wohin dieser Weg genau führt. Diese Reise, vor der wir uns doch alle etwas fürchten… Die Reise ins nirgendwo: Ich habe mich oftmals selbst ertappt in den Gedanken der Protagonisten. Erinnert hat mich der Film vor allem an Jim Jarmuschs „Broken Flowers“ mit einem egozentischen Bill Murray, der nach und nach seine Verfloßenen aufsucht; aber auch an das kleine Meisterwerk „Garden State“ von Zach Braff, natürlich bedingt durch die Art des Filmes, die Farben und die Musik. Genau dazwischen sortiert er sich in meiner Wertigkeit auch ein: Nicht so perfekt wie Garden State, aber lustiger als Broken Flowers, da mit einem wunderbaren Humor gesegnet.
Ich gebe 8 von 10 roten Buggys, und empfehle hiermit einen Film, der vermutlich sonst eher untergehen würde. Tipp: das ist der perfekte Pärchenfilm, zum Lachen, Anlehnen und sich gegenseitig necken.
Kinostart ist am 15. Oktober 2009, hier gibts alle Informationen: http://www.awaywego.de
Verbrannte Leichen mit Simon Beckett: Kalte Asche
Wenn man wie ich oft mit der Bahn unterwegs ist, und sich an Bahnhöfen schon fast heimisch fühlt, kennt man Simon Beckett! Zumindest den Namen. Denn seine Romane lagen das ganze Jahr über immer als „Bestseller“ in den Bahnhofsbuchhandlungen. Ob das nun „Die Chemie des Todes“, „Obsession“ oder eben „Kalte Asche“ war: Mindestens ein Beckett-Roman war immer auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Das ist zumindest ein Umstand, der mich als Lesefan neugierig macht. Doch bisher hatte ich nie die Zeit, diese Neugier zu befriedigen. Jetzt bekam ich neulich „Kalte Asche“ in die Hand, und fing an zu lesen. (Leider merkte ich erst zwischendurch, dass dies der 2. Roman mit Dr. David Hunter ist, und ich wohl besser erst „Die Chemie des Todes“ gelesen hätte… Nun denn, so sei es nun).
Das Buch beginnt – wie im Grunde genommen jeder Krimi – mit einer Leiche. Der Unterschied zu anderen Krimis wird jedoch schon auf den ersten Seiten deutlich: Hier geht es nicht nur um die Leiche an sich (und zwangsläufig den Mörder dahinter), sondern auch um den Zustand der Leiche, die anthropologischen Befunde am Tatort und die forensichen Ermittlungen der Hauptfigur David Hunter, ein bekannter forensicher Anthropologe, der neben den beruflichen Problemen auch private hat, und der im Buch nach und nach dem Leser immer vertrauter und sympatischer wird. Das Simon Beckett sich im Metier auskennt, ist klar: die detailgetreuen Beschreibungen der Leichen (jaja, es gibt mehrere!) und ihre Art zu sterben sind faszinierend, wenn auch sogar manchmal zu übertrieben.
Auch sonst bietet dieser Krimi alles, was einen guten Krimi ausmacht: Interessante Charaktere, ein verlassener, ruhiger, einsamer Tatort, schwierige Bedingungen für Ermittler (und Leser), sowie ein gelungener Schreibstil, der immer einfach zu lesen ist (kann man in einem Tag schaffen), aber nie langweilig wird. Im Gegenteil: Vor allem, wenn die Geschichte langsam vorangetrieben wird, entsteht hier ein richtig spannender Showdown. Problem dieser Krimis ist ja nahezu immer, dass die Mörder spätestens nach einem Viertel des Buches dem Leser bekannt sind, das heißt zumindest im Plot vorgekommen sind. Erfahrene Krimileser werden das kennen: oftmals weiß man den Täter lange vor der Auflösung. Auch hier war ich mir recht früh sicher, wurde aber dann zmindest in Ansätzen noch überrascht. Das Ende mit seinen vielen Überraschungen ist sehr gelungen – bis auf die letzte Seite: Da möchte Beckett irgendwie unbedingt noch ein As aus dem Ärmel ziehen. Da ist es etwas zuviel des Guten und trübt auch im Nachhinein etwas das Gesamtbild.
Trotzdem bleibt ein überaus empfehlenswerter Thriller am Ende. Kein Meisterwerk, und auch keine große literarische Tat, aber trotz kleiner Mängel hat mich dieser Beckett-Roman insgesamt überzeugt. Ich werde mir in naher Zukunft auch die anderen Werke rund um David Hunter anschauen.















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