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SPIN …oder wenn Gott ein DJ wäre

Manchmal ist es verwunderlich: Gerade eben musste mir der Schulleiter der deutschen Schule in El Salvador einen videoclipartigen Kurzfilm zeigen, den ich bis heute nicht wahrgenommen hatte. Und dabei müsste ich ja eher solche Kurzfilme kennen als ein Mann jenseits der 50 ;) Aber wie das so häufig ist: Alles kann man nicht mitbekommen – und deshalb gibt es hier und heute nun die Vorstellung eines Filmes, der schon 5 Jahre alt ist, aber kein bisschen gealtert ist. Ein Film, den man vermutlich noch in 100 Jahren zeigen kann.

DVD-Cover

DVD-Cover

Ein DJ fällt vom Himmel. Mit Hilfe seiner Plattenteller ist er in der Lage, in den Ablauf der Dinge einzugreifen. Ein schwerer Unfall? Kein Problem. Der DJ macht das Geschehen rückgängig und gibt dem Ball, der den Unfall verursacht hat, einen anderen Drive. Doch ganz so einfach ist es nicht: die veränderte Bahn des Balls ruft eine neue Katastrophe hervor. Und so geht es immer wieder, egal, was der DJ mit seinen Platten auch unternimmt: Irgendwas geht schief. Bis der DJ sogar die Menschen verändert, um sie Szenerie perfekt zu “machen”. In über 300 Schnitten, aber ohne Dialoge zeigt “Spin” von Jamin Winan einen perfekten Kurzfilm, der nur so strotzt vor hoher Komplexität, und das trotz einfacher Thematik.

Gibt es eine Utopie der “perfekten Welt”? Zu welchem Preis gäbe es diese “perfekte Welt”? Das Verhältnis von Gott zu uns Menschen, und unsere Schicksalhaftigkeit ist da nur eines der vielen interpretierfähigen Themen. Und selbst in der perfekten Welt, die für einige Sekunden herscht, geht dann schließlich doch noch etwas kaputt. Aber seht erstmal selbst:

In weniger als 8 Minuten schafft es “Spin” auf viele drängende, gerade religiöse Fragen einzugehen. Warum greift Gott nicht mehr in unsere Welt ein? Warum verhindert Gott kein Unheil? Gibt es eine perfekte Welt? Und wenn ja, wielange kann sie bestehen?

Der Film beantwortet diese Fragen relativ klar: Die perfekte Welt gibt es nicht, und selbst wenn Gott versuchen würde, alles immer irgendwie hinzubiegen: Gleichzeitig würde sofort irgendetwas anderes passieren. Faszinierend erklärt, schön gezeigt. Die Kausalität von Zufall und/oder Schicksal lässt sich wohl nicht vermeiden, der Traum von einer umfassenden Kontrolle der Wirklichkeit (wie sie Politik und Wissenschaft oftmals wünschen): utopisch.

Auch der DJ erkennt am Ende, dass sein hergestellter Friede wohl nicht dauerhaft ist, und macht sich mehr oder weniger flüchtend auf den Weg. Ironisch zugespitzt, aber das aussagekräftige Ende eines Kurzfilmes, der es schafft ohne ein einziges Wort mehr zu erklären, als es oftmals tausende Wörter könnten. Ein besserer Film für die Thematik um Leid, perfekte Welt, Schicksal oder Zufall – auch und besonders für den Einsatz in der Schule – ist mir bisher noch nicht begegnet. Der Tipp kurz vor dem Jahreswechsel.

 

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