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Olympia 2008 – Was bleibt?

Die 29. olympischen Sommerspiele sind seit gestern Geschichte. Noch niemals zuvor gab es eine solche Medienberichterstattung über ein Event – ich fühlte mich teilweise erdrückt durch die ganze Berichterstattung in TV, Radio oder Internet. Und dabei mag ich den Sport ja noch – ich will gar nicht wissen, wie es Leuten ergangen ist, die kein Interesse an Olympia zeigen. Alleine ARD und ZDF waren mit rund 500 (!) Mitarbeiten aus den Bereichen Moderation, Technik und Produktion dabei und verschlangen dabei wohl etwa 40 Millionen Euro Gesamtkosten. Was gemessen an den rund 43.000.000.000 Euro (Milliarden!) Kosten für die Chinesen letztlich nur ein kleines I-Tüpfelchen ist, dennoch ist es wohl bemerkenswert. (Da passte es auch ins Bild, dass Johannes B. Kerner für das Länderspiel der deutschen Fussballer knapp 8000 Kilometer [erster Klasse] von Peking nach Deutschland flog, nur um am nächsten Tag wieder nach Peking zu düsen… die GEZ lässt grüßen, es muss laufen im öffentlichen-rechtlichen…).

Nun, was bleibt denn wirklich hängen im Kopf nach 2 Wochen voller 24-h-Berichterstattung, voller Sport, voller Erfolge und  besonders vieler Niederlagen für die deutschen Sportler und den ganzen Weltrekorden? Was sind die Bilder, die vielleicht noch nach Jahren in meinem Kopf drin sind?

Da wären zum einen natürlich die unfassbar atemberaubenden Choreographien der Eröffnungs-, und Schlussfeier (beides in bester Qualität in der ZDF-Mediathek anzuschauen!). Zum anderen einige große sportliche Momente: Usain Bolt natürlich, der in showartiger Form den olympischen Gedanken verarschte und 3 Goldmedaillen incl. 3 Weltrekorde mit nach Hause nehmen darf. Dahinter muss man direkt Michael Phelps erwähnen. Acht Goldmedaillen und 7 mal Weltrekord. (Insgesamt wurden bei diesen olympischen Spielen 32 Weltrekorde erzielt, davon 20 im Schwimmen!) Mit 14 olympischen Goldmedaillen insgesamt hat Phelps sich schon mit 23 Jahren zur Legende gemacht. In der ewigen olympischen Liste liegt er nun 5 Goldmedaillen vor dem 2.-Platzierten – und hat sicher noch eine Olympiateilnahme vor sich. Bei all diesen übermenschlichen Leistungen muss man automatisch nach Doping fragen. Doch sowohl Bolt als auch Phelps betäuern, inständig sauber zu sein: „i know that i’m clean!“ Vielleicht wissen wir ja zu diesem Thema in einigen Jahren mehr: die Dopingproben werden 8 Jahre aufbewahrt. Ob Gendoping schon dann feststellbar sein wird?

Überragend und alles andere in Schatten stellend natürlich auch die Chinesen: 51mal Gold bedeutet Platz 1 in der Nationenwertung mit viel Vorsprung vor den USA. Dabei fiel mir vor allem auf, dass diese Siege nicht nur in wenigen Sportarten errungen wurden, nein: Die Chinesen waren fast omnipräsent, sogar im Schwimmen holten sie Gold. Im Tischtennis gewannen sie 8 von 8 möglichen Medaillen. Überragend! Für die Chinesen war es DAS Event überhaupt, der Welt zu zeigen „Hallo, wir sind die neue Supermacht!“.  Und diese Chance haben sie genutzt: Angefangen bei der Organisation über die Feiern, und natürlich die Siege der Athleten: China stellte sich als große Kultur da, auf dem Weg an die wirtschaftliche und sportliche Spitze der Welt. Das ganze System erinnert an jenes der DDR, nur vielleicht noch hemmungsloser. Die chinesischen Sportler müssen alles dem Sport unterordnen – nichts als Gold zählt. Da wurde es als Betrachter teilweise schon langweilig: Schon wieder die rote Flagge mit den gelben Sternen… Da waren mir die Außenseiter und Exoten in den verschieden Entscheidungen noch lieber, denn da zählte wirklich noch der Gedanke „Dabei sein ist alles“.

Deutschland landet am Ende auf Platz 5 der Nationenwertung und hat insgesamt 16 Goldmedaillen geholt. 3 Mehr als in Athen und Sydney, dafür in der Gesamtzahl weniger Medaillen (51). Während es große Enttäuschungen gab wie zum Beispiel die Handballerweltmeister oder Fabian Hambüchen, waren es auf der anderen Seite die goldenen Überraschungen, die für strahlende Gesichter sorgten, wie zum Beispiel Lena Schöneborn oder die Hockeyherrenmannschaft. (besonders witzig und sympatisch deren Auftritt bei „Waldi und Harry“ am Abend ihres Sieges…)

Der für Deutschland sympatischste Goldgewinn war vermutlich der von Matthias Steiner. Seine aufgestaute Freude und die Emotionen nach den gepackten 258 Kilo im Stoßen sind eines der Bilder dieser olympischen Spiele:

Peking 2008 ist vorbei – in den Medien sicherlich noch lange nicht. Da dürfte es noch Wochenlang zur Sache gehen: Kolumnen, Berichte, Dopinggerüchte, Nachberichte, Fotos, Interviews und duzende TV-Shows.  Viel Kritik wird es auch geben, dafür waren die Spiele einfach zu politisch, vielleicht auch zu perfekt, und zuviel Illusion.

Man wird die Spiele erstmal sacken lassen müssen – vielleicht kann man erst in London 2012 sagen, wieviel dieses Olympia wert war, und welche Leistungen sauber (oder eben nich( waren. Auch in einiger Zeit erst wird die westliche Welt schauen können, ob sich in China auch durch diese Spiele etwas bewegt hat bei Themen wie Menschenrechten, Demokratie und Freiheitsrechten. Man kann es nur hoffen für die 1,3 Milliarden Menschen dort…

2012 erwartet uns das nächste Sommerspektakel, 4 Jahre Ruhe mit den ganzen Randsportarten – jetzt kann man sich auch wieder auf Fussball konzentrieren😉

Last, but noch least😀

Meine Olympia-Schnitte des Jahres ist ganz eindeutig  die paraguayanische Speerwerferin Leryn Franco.

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