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Kino: „Zeiten des Aufruhrs“

Im Original auch einfach – und viel besser: „Revolutionary Road“ (von Sam Mendes). Denn Kate Winslet und Leonardo DiCaprio spielen das junge Ehepaar Frank und April Wheeler in den 50-igern, welche mit ihrem Leben unzufrieden sind, ausgehöhlt von der Leere um sie herum, gelangweilt von ihrem kümmerlichen Dasein und angenervt von Job, Nachbarn und Umgebung. Sie entscheiden nach Paris zu gehen, um dort ein neues Leben zu beginnen – unabhängig von Geschlechterrollen zur damaligen Zeit, frei, und ohne große Ziele.

Als sie anfangen ihre Pläne in die Tat umzusetzen, löst sich ihre Ehe langsam aber sicher immer mehr auf; Schuldzuweisungen und bittere Streitereien sind die Folge. Einzig der geistesgestörte John (gespielt von Michael Shannon) scheint zu verstehen, was sich unter ihrer bürgerlichen Fassade abspielt.

„Revolutionary Road“ ist ein Drama wie es im Bilderbuch steht. Seitensprünge, heftige Streits, zärtliche Liebesszenen, Sehnsüchte, Träumereien – und ein bitteres Ende.  Anfangs gibts es noch einige Rückblenden auf Kennenlernen oder frühere Erinnerungen, danach treibt der Film – ganz gemächlich – seinem traurigen Ende hingegen. Schauspielerisch ist der Film ganz sicher großes Kino: Winslet und DiCaprio sind wunderbar harmonisch, überzeugen in jeder Sekunde. Vor allem DiCaprio hat mich mal wieder überzeugt, gerade in den explosiven oder zweifelnden Momenten, wenn seine Figur Frank um Fassung ringt oder nicht mehr weiter weiß. Erwähnenswert ist auch Michael Shannon: Seine Figur John ist so etwas wie der Schlüssel zum Film, den er hält den Wheelers immer wieder einen Spiegel vor den Kopf. Wie er diesen „Psychopathen auf Freigang“ darstellt, ist schlichtweg genial! (Brachte ihm zurecht eine Nominierung für die Oscars Ende Februar ein – wo er allerdings gegen Heath Ledger keine Chancen haben dürfte…)

Außerdem hat mir vor allem die ruhige, ästhetische Inszenierung des kompletten Filmes gefallen. Die Kamerafahrten um die Figuren, die passende Musik, die optisch perfekten Retroeinrichtungen, und die verschiedenen Blickwinkel aufs Geschehen. Auch die Story hat mir gefallen: Wen von uns haben solche Gedanken nicht auch schon befallen? Träume verwirklichen, das bürgerliche Leben verlassen und „irgendwo“ glücklich werden. Sehr reizvoll. Daher ist in meinen Augen auch der Gedanke hinter dem Film ganz klar rausgekommen und ich habe mich oftmals ertappt gefühlt. Lediglich manche Teile im Film hätte man wesentlich schneller vorantreiben können, da plätscherte es manchmal arg langsam vor sich hin, ohne dass es wirkliche neue Erkenntnisse gab.

Fazit: Rundum gelungenes Literaturdrama, schauspielerisch perfekt, Inszenierung sehr schön. Zu einem Meisterwerk wie Mendes‘ früheres Werk „American Beauty“ reicht es nicht, da man das Ende recht früh erahnen kann, und die oben erwähnten Längen nicht nötig wären. Anspruchvolles Kino – wer hier Eventkino erwartet, wird sicher bitter enttäuscht werden!

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