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Bernhard Schlinks ‚Der Vorleser‘

Der Vorleser“ von Bernhard Schlink gehört ja zu den großen Weltbestsellern überhaupt. Insgesamt in über 40 Sprachen übersetzt, und selbst in den Vereinigten Staaten ein riesen Erfolg.  Damit allein schon Pflichtlektüre. Ich selbst hatte mir immer wieder vorgenommen, das Buch zu lesen – in der Schulzeit war dies total an mir vorübergegangen – und jetzt mit dem Kinostart der Buchverfilmung dachte ich auch mal wieder öfter daran.

Und so hatte der gestrige nervige Arztbesuch dann doch sein Gutes: In den knapp 2 Stunden Wartezimmeraufenthalt hatte ich eins der bekanntesten Bücher der Welt durchgelesen – und war doch einigermaßen überrascht. Irgendwie war in meinem Kopf immer nur die Geschichte des Jungen mit der älteren Frau gewesen. Ich verband „Der Vorleser“ nur mit dem Vorlesen, und der Liebe eines 15-Jährigen zu einer 36-Jährigen. Das es um viel mehr als das geht, und um ein viel größeres Thema, merkte ich erst beim Lesen – und je mehr ich las, umso interessierter wurde ich, und auch umso befangener.

Die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten – moralisch sicherlich nicht gutzuheißen – ist nur die Rahmenhandlung: Es dreht sich um die Judenvernichtung während des 2. Weltkrieges und vor allem darum, wie man mit der Schuld der Täter umgeht. Auch der Generationenkonflikt der Nachkriegszeit wird thematisiert und natürlich ist der Analphabetismus ein großes Thema. Schlink schafft es irgendwie auf ganz spielerische Art, mit einer sehr einfachen Sprache, diese Themen ineinander zu verschachteln, die Rahmenhandlung niemals aus den Augen zu verlieren und dabei doch gekonnt seine Meinung zu Schuld und Unschuld der KZ-Wärterinnen zu präsentieren. Mir gefielen dabei vor allem auch die zahlreichen überraschenden Wendungen als Kapitelstart und – rein historisch gesehen – auch seine Entmystifizierung der Kollektivschuld! An seiner Hauptfigur wird besonders deutlich, welche unterschiedlichen Vorausetzungen jeden „Nazi“ zum Mörder werden ließ…

„Der Vorleser“ ist Schullektüre  – ich wünschte, ich hätte dieses Buch in der Schule statt „Emilia Galotti“ und co lesen dürfen. Ich werde mir sicherlich demnächst den Film anschauen, und testen, wie die Verfilmung eines solchen – doch eher unkonventionellen und harten – Stoffes gelungen ist. Für alle, die das Buch nocht nicht kennen: Ich kann es seit gestern nur mit gutem Gewissen weiterempfehlen!

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