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Filmtipp: Waltz with Bashir

Kennt ihr das auch, dass ihr einen Film unbedingt im Kino sehen wollt, weil ihr zufällig über einen Trailer gestolpert seid, oder eine gute Kritik gelesen habt – und es dann doch nicht passt? Mir geht das leider recht häufig so, und so war es Ende letzten Jahres auch mit „Waltz with Bashir“, nun endlich(!) hab ich mir mal die DVD vorgenommen.

Ein animierter Dokumentarfilm? Über den Libanonkrieg? Klingt erstmal merkwürdig und unrealisitisch. Tatsächlich ist „Waltz with Bashir“  in dieser Form einzigartig: Die Form des animierten Doku-Filmes wurde für diesen Film erfunden. Alle Ideen und Gedanken von Regisseur und Hauptdarsteller Ari Folman und die realen Interviews mit den Figuren des Filmes wurden von den Animateuren als Vorlage für ihre Zeichnungen genutzt, und schließlich wurden tausende Zeichnungen in einem aufwendigen Prozess zu einem sehenswerten Film geschnitten. (Ein interessantes Interview, auch zum Thema Technik des Filmes, mit Ari Folman hat die Welt online)

Worum geht es? Ich zitiere der Einfachheit halber: „Eines Nachts in einer Bar erzählt ein alter Freund dem Regisseur Ari von einem immer wiederkehrenden Alptraum, in dem er von 26 dämonischen Hunden gejagt wird. Jede Nacht, immer genau 26 Bestien. Die beiden Männer kommen zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zu ihrem Einsatz im ersten Libanon Krieg bestehen muss. Ari ist überrascht, denn er hat jegliche Erinnerung an diese Zeit verloren. Verstört macht er sich auf, Freunde und Kameraden von damals zu besuchen und zu befragen. Er muss die Wahrheit über jene Zeit und über sich selbst herausfinden. Je tiefer Ari in seine Vergangenheit eindringt, desto klarer werden seine Gedanken und die verdrängten Erlebnisse erscheinen in surrealen Bildern…“

WaltzWithBashir_scene06

Ari Folman war im ersten Libanon-Krieg als 19-Jähriger im Einsatz, und mit „Waltz with Bashir“ geht Folman auf eine persönliche Entdeckungsreise in seine eigenen Erinnerungen, in traumatische Vergangenheitsbewältigung, in düstere Bilder aus dem kriegerischen Libanon. Diese ganz persönliche, subjektive Sicht auf die Dinge ist eine große Stärke des Filmes: So hat man als Zuschauer ein völlig anderes Bild als bei einem „herkömmlichen“ Kriegsdrama. Dadurch, dass die Ereignisse und entsprechend die Interviews real sind, macht einen der Film mehr und mehr beklommen – und das trotz (oder gerade wegen?!) der relativ einfach gehaltenen Animationen. Diese packenden Bilder sind jederzeit intensiv und bewegend – gerade in den völlig surrealen Momenten. Besonders am Ende, wenn es mehr und mehr auf das Massaker von Sabra und Schatila hinläuft, und schließlich die animierten Bilder sich in den echten Aufnahmen des Massakers auflösen, ist der Film einfach nur packend – und zeigt eine ganz andere, eine völlig neue Sicht eines Kriegsfilmes. Erwähnenswert ist im Übrigen noch die Musik vom deutschen Komponisten Max Richter, ihm gelingt hier ein fulminanter Soundtrack, der immer passt und geradezu unglaublich textlich die Szenen analysiert. Wie oft erlebt man langweilige Dokumentationen? Hier wird deutlich, dass es auch anders geht: Ari Folman gelingt ein bewunderswertes Kinoereignis, welches jeder Cineast mal gesehen haben sollte!

Homepage zum Film mit allen Infos zur Produktion.

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  1. Tobi
    September 17, 2009 um 8:04 pm

    nichts hinzuzufügen!

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