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Gedanken, heute: das (mobile) Internet

Es gibt sie manchmal, diese Tage. Ich sitze nichtsmachend vor meinem Laptop. Musik läuft auf Zimmerlautstärke – oder lauter-  und ich lasse nichts an mich heran. (Gerade übrigens das fast schon betäubend schöne 1994er Album „Grace“ von Jeff Buckley. Genial: dazu sollte ich irgendwann mal was bloggen…!)  Meine Gedanken fliegen durch meinen Kopf. Dazwischen: Diverse „Social Media“-Plattformen abchecken, hunderte Tweets lesen und selbst twittern, skypen, Emailpostfächer durchackern, Newsseiten, Blogs und einschlägige Magazine lesen: der absolute Informationsoverkill. Dazu vielleicht der eine oder andere Chat mit Freunden. Und immer wieder Musik. Die man mittlerweile natürlich ebenso praktischerweise überall online findet, ohne mit der Wimper zu zucken. Es sind diese Tage, an denen sich mein Leben und meine Gedanken ausschließlich rund um dieses „Etwas“ bewegen, was wir Internet nennen. Zur Erinnerung: Entstanden ist das Ganze erst 1969 aus dem Projekt „ARPANET„. Das sind erst 40 Jahre Vernetzung. Ich selbst nutze das „Web“ nun etwa 10 Jahre richtig. Alles vor 1999 war mehr Spielerei, mit meinem Login in der 1998a-Version von ICQ war mein Einstieg in die vernetzte Welt vollzogen. Danach ging es Schritt für Schritt: Neue Browser, immer mehr Möglichkeiten, die Zeit der Foren und HTML-Chats, die ersten Netzwerke / Partyportale. Hach, da ist ja schon beim Gedanken daran etwas Nostalgie dabei. (Wie passend, dass gerade „Hallelujah“ aus den Boxen erklingt…). Und heute? Online-Auktionshäuser, Onlineshops, Online-Bewerbungen, Online-Lernhilfen, Online-Magazine, Online-Streaming und Online-Telefonie. Und und und. Etwa 10 Jahre nach meinen ersten zaghaften Schritten im Internet spielt sich – gefühlt – alles Leben online ab. Meine Großeltern wollen nun auch endlich „Internet kaufen„, meine Eltern lesen diesen Blog ( Schöne Grüße 😉  ), die Rheinzeitung druckt „Tweets“ in ihrer Printausgabe, die Frankfurter Buchmesse hat als Hauptthema (!) digitale E-Books, Bands lassen ihre Alben auf ihren Facebook-Seiten runterladen, Universitäten führen – komplizierte – studentische Anmelde-Netzwerke ein,  Politiker bekommen StudiVZ-Profile, und jeder (okay, gefühlt jeder!) läuft mit einem iphone kommunikationssüchtig durch die Gegend und twittert das gerade Erlebte  oder irgendwas vermeintlich Witziges (oder auch schon mal den Polizeifunk). Und ich blogge hier gerade. (Selbst das kann man mittlerweile vom iphone aus…). Während  immer noch Jeff Buckleys wunderbare Stimme zu mir singt, überlege ich mir, wohin das Alles noch führen wird. Das „Internet“ – was es als solches eh noch nie gegeben hat – wird immer mobiler, reißt unsere Gesellschaft in einen schneller werdenden Strudel aus Informationen. Ein Großteil dieser Informationen sind wertlos und Blödsinn, und doch verfallen wir alle diesem Strudel, der uns alle erfasst wie ein Virus, für den man noch in den 90igern einen besonders tollen Anti-Viren-Schutz installiert hätte. Ich beschäftige mich an manchen Tagen viele, viele Stunden (zuviele!) mit Twitter – und das völlig privat: Neben Studium und Job. Stunden, die mir für anderes Wichtiges fehlen, die ich aber gerne in Kauf nehme. Allein dies jemandem Außenstehenden zu erklären ist so gut wie unmöglich. Wie geht das weiter? Wie schaut web 3.0 aus? Will ich diesen Schritt überhaupt nocht mitmachen? Oder anders gefragt: Kann man es sich überhaupt noch erlauben, da NICHT mitzumachen? Es gibt nicht wenige, die das Internet als mittlerweile wichtigsten Kulturraum sehen und diesen (Rechts-)Raum in zahllosen Diskussionen scharf verteidigen.  Für mich ist das Internet Segen und Fluch zugleich: wunderbare Kommunikation in die ganze Welt, Information zu jeder Zeit, und eine nie gekannte Fülle von Möglichkeiten, die ich mir vor 10 Jahren nicht mal erträumt habe. Auf der anderen Seite aber auch ein süchtig machendes, zeitaufwendiges „Hobby“, oftmals belanglos, und an vielen Stellen viel zu unkritisch. Außerdem entwickelt sich gerade das mobile Netz, welches die Kommunikation ja so vereinfachen soll, paradoxerweise zum ultimativen Kommunikationskiller! Beispiel aus meinem Leben: 5 Freunde sitzen zusammen und trinken einen guten Rotwein. Die zwei ohne mobiles Internet genießen diesen Augenblick, die anderen drei haben ihr iphone in der Hand und twittern diesen Augenblick. Vielleicht noch ein nettes Photo dabei auf Twitpic und co, und schon ist das „Tweetlife“ perfekt. Für mich ist das tödlich für jeden realen Kontakt mit anderen. – Beschäftige mich aktuell mit dem Gedanken, ein iphone zu bestellen. Auch Teil dieser applesüchtigen Bewegung zu werden. Doch ich habe wirklich Bedenken Angst vor diesem Schritt: Ich will nicht zu einem dieser Menschen werden, die ihre wirklichen, echten Kontakte verlieren, weil sie selbst unterwegs, im Kino, auf einer Party, in der Uni, während der Arbeit nur noch online sind, online denken. Doch lässt sich dieser Schritt überhaupt langfristig verhindern? Bin ich zu rückständig? Was erwartet uns in weiteren 10 Jahren? Fragen über Fragen – und ich weiß keine Antworten. Ich weiß nur: Das „Internet“ hat unsere Gesellschaft wie nichts Vergleichbares vorher revolutioniert und wird dies in Zukunft vermutlich noch mehr tun. Hoffentlich nicht nur zum Negativen. (Mittlerweile hat Buckley Ruhe. Die Black Eyed Peas singen „I gotta feeling“: „Easy come, easy go – Now we on top“ klingt dazu nun aus meinen Boxen – und das kenn ich natürlich auch aus dem Netz.)

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  1. Oktober 15, 2009 um 5:50 pm

    Sorry, dass ich schon wieder meckern muss, aber der ein oder andere Absatz hätte diesem Text echt gut getan.

    Ansonsten: VERMEINTLICH witzig? Pah! :>

  2. Oktober 15, 2009 um 5:51 pm

    Ach so: Oft werden „real life“ und Internet als Pro- und Antagonisten verstanden, die Wahrheit ist meiner Meinung jedoch, dass sich beide Instanzen mehr und mehr verzahnen und in Bälde nicht mehr voneinander unterschieden werden können (und jetzt schon sollten).

  3. hulza
    Oktober 15, 2009 um 6:01 pm

    meckern geht in Ordnung, Kritik ist immer erwünscht 😉

    Ich sehe beide Instanzen schon genauso wie du „verzahnt“, wie du gut ausdrückst. Ich habe nur noch große Probleme damit, dass das Internet auf unsere sonstigen Aktivitäten soviel Einfluss nimmt, dass diese vergessen werden. Beispiel: ich habe bei manchen das Gefühl, dass das twittern zb über ein Ereignis wichtiger ist als das Ereignis selbst. Da fehlt mir völlig das Verständnis für.
    Im Netz setzen sich ja schon die Begriffe „onliner“ und „“Offliner“ durch, ich glaube, da kann man bald auch gar nicht mehr wirklich unterscheiden… Da sehe ich es wie du: Das wächst extrem zusammen, und das merken auch gerade die Menschen, die bisher nicht soviel mit dem Internet zu tun hatten…

  4. kia
    Oktober 15, 2009 um 9:51 pm

    oh ja „hallelujah“ ist so herrlich. wir wollten mal musi austauschen, gelle?!

  5. Cihan
    Oktober 17, 2009 um 9:00 am

    Besonders das mobile Internet macht mir zunehmend zu schaffen bzw. mit dem Handy Zugriff auf Twitter zu haben. Wenn ich unterwegs bin, habe ich eigentlich immer Twitter „an“ und alle fünf Minuten vibriert mein Handy, weil irgendwelche Typen vermeintliche Witzige Sachen geschrieben habe. Das stresst mich irgendwie, aber ich kann es nicht abstellen, weil ich Angst habe, sonst etwas wichtiges zu verpassen.

    Die Leute, mit denen ich unterwegs bin, stresst das glaube ich sogar noch mehr. Sie wissen nicht, was Twitter ist und ich bin es auch leid, zu versuchen, jemandem zu erklären, was Twitter eigentlich ist. Verstehen kann man es nur, wenn man selbst nutzt.

    Heute Nacht bin ich irgendwann aufgewacht, war auf dem Klo und danach habe ich tatsächlich noch kurz Twitter mit dem Handy abgecheckt, ob es was neues gibt!? Ist das normal? Ich überlege ernsthaft, meinen Datentarif zu kündigen.

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