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Zur Diskussion um Nacktscanner

Nacktscanner – oder seit den vergangenen Tagen auch gerne nur Körperscanner – sind das Thema schlechthin. Egal ob im Fernsehen, in den Zeitungen, im Netz oder eben im Radio. Die Hysterie und die große Diskussion um die Scanner an Flughäfen ist ausgebrochen. Mit dem Blog hier bin ich eigentlich schon zu spät, und im Grunde genommen wollte ich auch gar nichts dazu schreiben, aber heute habe ich einfach eine Menge Informationen und Meinungen  – und diverse Nachtscannerwitze tauchten auch schon auf – aufgesaugt, die teilsweise so lächerlich waren, dass ich mir doch meine Gedanken machen musste.

Was ist passiert? Kurzfassung: Nigerianer schmuggelt Plastiksprengstoff durch die Amsterdamer Kontrolle, sprengt Flugzeug auf dem Weg nach Detroit fast in die Luft, nur ein klemmender Auslöser und ein mutiger Niederländer verhindern Schlimmeres. Alles auch noch an 1. Weihnachten. Folgen sind vehement: Überall fordern Politiker und Sicherheitsverantwortliche strengere Richtlinien und neuere technische Geräte – wie zb. den Nacktscanner. Doch der Aufschrei bei Journalisten und anderen Wichtigtuern ist riesig: Verletzung der Menschenwürde, Beraubung der Freiheit, grundlose Verdächtigung, und so weiter. Die Diskussion nimmt ihren Lauf. Und all dies nur wegen diesem „Nacktscanner“.

Quelle: Tagesschau.de

Was ist der „Nacktscanner“, den auf einmal alle nur noch „Körperscanner“ nennen?

Diese Scanner erfassen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung und stellen diese auf einem Bildschirm dar. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden – etwa Sprengstoffe oder Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei den auf Flughäfen gebräuchlichen Metalldetektoren unerkannt bleiben. Technisch funktionieren diese Scanner über 2 verschiedene Methoden: Röntgenstrahlen und Terahertzwellen. In der Praxis soll es so sein, dass Körperteile und Genitalien verpixelt dargestellt werden, und gefährliche Gegenstände hervortreten. Außerdem werden die Bilder nur vom Computer ausgewertet (außer es wird etwas gefunden!), und nach der Kontrolle sofort automatisch gelöscht!

Heute habe ich dazu eine Vielzahl von Kommentaren zu gehört:

„weitgehender Eingriff in die Privat- und in die Intimsphäre“

„genauso schlimm wie der Lauschangriff“

„Wir dürfen unsere Freiheit nicht aufgeben zugunsten von Sicherheit“

etc.

Der Körperscanner als Bedrohung für die alltägliche Freiheit.

Ich weiß nicht, ob die Menschen, die diese Meinungen vertreten, nicht per Flugzeug unterwegs sind. ICH zumindest für meinen Teil werde auf meinen doch recht zahlreichen Reisen an Flughäfen ABGETASTET. Abgetastet am ganzen Körper, auch an eher unangenehmen Körperteilen. Manchmal von hübschen Menschen, manchmal auch von stinkenden, ekelhaften Leuten, die ich sonst nicht mal in meine Nähe lassen würde. Und jetzt will mir jemand erzählen, dass ein maschineller Scanner ein „Eingriff in meine Intimssphäre“ wäre? Entschuldige, da muss ich doch ein wenig schmunzeln. (Macht in diesem Zusammenhang eigentlich jemand der Bundeswehr Probleme, weil diese junge 18-jährige Männer bei der Musterung nackt befummelt?!)

Und welche Freiheit gebe ich auf, wenn mich ein Scanner abtastet? Das hat auch wirklich nichts mit dem sonstigen – auch von mir bekämpften – Freiheitsentzug und Sicherheitswahnsinn a lá Schäuble in Deutschland zu tun. Keiner bekommt irgendetwas von mir zu sehen, da kann mich jeder wöchentlich in der Sauna mehr begutachten.

Die Diskussion rund um den Nacktscanner, auch und gerade von großen Teilen der Netzgemeinde, ist daher einfach nur lächerlich – genauso wie der Aktionismus der Politiker nach solchen Ereignissen wie dem Beinahe-Anschlag von Detroit. Mir wäre ein Scanner – besonders mit der ausschließlichen Hervorhebung von Gefahrgütern – wesentlich angenehmer als das aktuelle Abtasten. Mal ganz davon abgesehen, dass es bei den Kontrollen wesentlich schneller zu gehen würde, und man dank Online-CheckIn NOCH später zum Flieger könnte…

Ein wirklich guter Kommentar dazu findet sich in den Tagesthemen vom 28.12.09 von Michael Immel vom Hessischen Rundfunk. (Ab Minute 8.)

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. Januar 2, 2010 um 11:51 pm

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