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Tolle Musik im Januar – aus dem alten Jahr

So sehr man sich auch als Musikliebhaber und -Genießer anstrengt, man kann über ein ganzes Jahr nicht alles mitbekommen, was sich im Musikbusiness bewegt, und schon gar nicht alles anhören – geschweige denn besitzen. So war auch 2009 ein Jahr voller Alben, voller guter Alben, die an mir vorübergezogen sind. Das eine oder andere habe ich mitbekommen, aber niemals näher beleuchtet, andere Alben sind früh erschienen und erst spät im Jahr in meinem iTunes gelandet. So kam es, dass es Alben aus dem Jahre 2009 gibt, deren Musik ich so wunderbar finde, dass sie alle einen Platz in meiner neulich veröffentlichen TopTen2009 verdient hätten. Und weil das nicht möglich ist, haben sie zumindest hier eine Anerkennung verdient; deshalb hier und jetzt meine tollste Musik der ersten Wochen  in 2010 – allesamt 2009 erschienen.

Fever Ray - Fever Ray

Allen voran: Fever Ray!

Karin Dreijer Andersson kannte man als Frontfrau von „The Knife“ („Silent Shout„), doch mit ihrem Solo-Debüt  als Fever Ray zeigt sie nochmal völlig neue Seiten. Auf der Röyksopp-Platte „Junior“ (Platz 2. meiner Jahresliste) hatte sie schon zwei Gastauftritte, danach erschien das eigene selbstbetitelte Album „Fever Ray“ im Frühjahr. Ärgerlicherweise konnte ich meinen Melt!-Kollegen nicht zum dortigen Fever Ray-Auftritt bewegen und ärger mich noch heute, denn Andersson zeigt auf ihrem Album unglaublich tolle Musik. Gespentisch, und irgendwie Musik von einer anderen Welt, Musik, für die es schwer ist Worte zu finden, und es noch schwieriger fällt, einem Genre zuzuordnen. Das Album ist kühl und dunkel, fast depressiv – mysteriös, mystisch, melancholös.

Als Anspieltipp eignet sich „Keep the Streets empty for me„.

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The XX - XX

Hypes sind normalerweise nicht mein Ding, erst Recht nicht, wenn es dabei um noch nahezu pubertierende Erwachsene aus London geht. Doch an The XX geht wohl in 2009 und 2010 kein Weg vorbei. Die 4 Lieblinge fast aller großen Musikmagazine (einschließlich der komplett elektronisch ausgerichteten GROOVE ) haben mit „XX“ ein Debüt-Album hingelegt, was einfach auf kompletter Länge überzeugt. 40 Minuten wundervoller Songs: puristisch und ruhig, das genauer Gegenteil eines schnelllebigen Hypes. Und genau das ist hier wunderbar: Minimalprinzip. Die Songs brauchen Zeit, die Musik will gehört werden, aber letztlich ist hier ein ganz großes Werk entstanden. Pop von seiner schönen Seite.

Als Anspieltipp eignet sich „Chrystalised“ .

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Julian Plenti is Skyscraper

Julian Plenti ist eigentlich Paul Banks. Diesen könnte man kennen als Sänger der New Yorker Band „Interpol“, ist aber letztlich nicht so wichtig, denn unter dem Alter Ego Julian Plenti entsteht eine zeitlose Soloplatte: Viel Pop, Rock, New Wave und eine ganze Menge Experimentierfreudigkeit. Nicht alle Songs sind 100% gelungen, dafür ragen einige heraus, zb die Tipps unten. Musik mit großer atmosphärischer Dichte und jeder Menge Hitpotential. Musik zum Träumen und sich einfach mal zurücklegen und Nichtstun.

Anspieltipps: Das ruhige „Skyscraper“ und die Single „Games for days„.

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Miike Snow - Miike Snow

Ich hab gelesen, dass die Schweden Miike Snow das Aushängeschild 2009 der MGMT-Generation seien. Oha, das ist so ein Satz, der kann nur von irgendeinem verkappten Musikjournalisten kommen, der seine Kritiken in Phantasieblasen einlullt, die nachher kein Mensch mehr versteht. Nun denn, Miike Snow haben schon etwas von MGMT. Es ist diese Lockerheit, dieser entspannte Groove, der das komplette Album durchzieht wie ein roter Faden. Dieses Album ist nicht wirklich Indie, erst recht nicht Rock, und auch nicht wirklich elektronisch – aber irgendwie doch von allem Etwas. Und hier haben wir natürlich schnell den Schnittpunkt zu MGMT. Auf den Punkt gebracht: „Miike Snow“ macht einfach richtig viel Spaß, und ist ein richtig gutes Pop-Album geworden – mit Ausflügen in diverse andere Genres.

Anspieltipps: „Animal“ und „burial„.

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Nathan Fake - Hard Islands

Hab ich den hier komplett die elektronische Musik vergessen? Nein, denn mit Nathan Fakes „Hard Islands“ ist mir ein super Technoalbum hereingeschneit (auch wenn mir iTunes IDM anzeigt…). Der junge Londoner ist immer noch bei „Border Community“, dem Label von James Holden. Und dort passt er auch perfekt hin: Denn seine Tracks durchzieht ebenso diese Leidenschaft, diese Unruhe, dieser Mix aus Flächen und kurzen Breaks. Insgesamt ist dieses Album (oder eher EP mit seinen 6 Stücken) etwas düsterer geworden als sein Vorgänger. Mir macht das nichts, triffts doch so ziemlich meinen Nerv. Wäre schön, den jungen Mann demnächst nochmal live zu sehen!

Anspieltipps: der vielleicht beste Tanzflächensong: „The Turtle“ oder der tolle Schluss der Platte, der ein bisschen an Aphex Twin erinnert: „Fentiger„.

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Zoot Woman - Things are...

Und am Schluss hätten wir dann noch Altbekanntes: Zoot Woman sind zurück nach jahrelanger Pause. Und die machen direkt da weiter, wo sie aufgehört hatten. „Things Are What They Used To Be“ ist Rückbesinnung auf die Synthesizer der Achtziger, jede Menge Elektropop, makellose Eleganz und über allem die sanfte Stimme von Johnny Blake. Das ist die beste Referenz an die 80iger, und da macht Zoot woman auch immer noch keiner was vor.  Stilsicher und  trotzdem voller Widersprüche, Melancholie und Euphorie, brummende Bässe und treibende Synthies. Das ist ein Album, welches fast sofort durchgängig ins Ohr geht, und dort auch nach dem 3. Hören nicht langweilig wird. Gut gemacht!

Anspieltipp: „Blue Sea“.

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Das wars fürs Erste. Ich hoffe, ihr habt an diesen tollen Werken genauso viel Freude wie ich. Schauen wir mal, was das Jahr alles auf uns zu treibt.  Nachdem ich nun hier geschrieben habe, freue ich mich umso mehr auf kommende Konzerte und Festivals.

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  1. whatmyunclehates
    Januar 14, 2010 um 10:55 pm

    Ich liebe die Nummer von Miike Snow! Wann kommt eigentlich das neue MGMT-Album?

  2. hulza
    Januar 15, 2010 um 3:58 pm

    hah, das ist ne gute Frage. Das geistert ja schon lange so im Netz als Gerücht rum, und dann gabs ja dieses Video der Titelsingle „Congratulation“:

    (da steht sogar „album out in 2009“)

    Tatsächlich wirds wohl nun im „spring 2010“ veröffentlich werden, was auch immer das genau bedeutet.

    Mehr dazu in disem noch ziemlich frischen Interview: http://www.spin.com/articles/qa-mgmts-andrew-vanwyngarden

  3. Januar 15, 2010 um 9:29 pm

    The XX find ich auch ziemlich gut, auch wenn man sich ne zeitlang reinhören muss. Das Fever Ray-Album fand ich irgendwie nicht so toll, auch wenn sie Nick Cave covert. Was ich im Moment auch sehr empfehlen kann: Vampire Weekend „Contra“!

  4. Eisbär
    Januar 31, 2010 um 6:52 pm

    Hey! Freu mich schon deine Meinung zu den drei RA Polls zu lesen 😉

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