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Alles über Spickzettel?

Das ein Lehrer auf die Idee kommt, in seinem Arbeitsleben alle gefundenen Spickzettel zu sammeln und zu kategorisieren, halte ich grundsätzlich für eine ganz phantastische Idee. Zeigt dies doch auch eine ganz sicherlich spannende Subkultur der Schulzeit, die in den wissenschaftlichen Abhandlungen über Unterricht und Pädagogik so nicht zu Wort kommt, die aber doch jeder (ehemalige) Schüler kennt, und die allermeisten auch selbst aktiv betrieben haben.

Broschierte Ausgabe

Günther F. Hessenauer hat genau dies getan: 5000 Spickzettel aller Arten, aller Fächer und diverse andere Briefchen, Karikaturen und Sprüche hat er in seinem Lehrerleben gesammelt, und diese nun nach seiner Pensionierung zu einem Buch verarbeitet. Das ist für mich als angehenden Lehrer, und natürlich mindestens genauso als erfolgreichen ehemaligen Spicker, sehr interessant: Gestern hab ich das Buch Büchlein durchgelesen, bzw. die zahlreichen Spicker angeschaut. Das ist innerhalb einer Stunde geschehen, und insgesamt gesehen ein schöner Spaß.

Hessenauer stellt hier verschiedene Kategorien von Spickzetteln vor, bewertet sie nach ihrem zeitlichen und technischen Aufwand und beurteilt ihren pädagogischen Wert, und ironisch auch die Herausforderung an den Schüler.

Da bekommen vom einfachen Handspicker bis zum kompliziert hergestellten Flaschen-Etikett-Spicker alle Varianten ihren Platz. Dies ist durchaus witzig zu lesen und zu betrachten, vor allem natürlich, wenn man wie ich mit allen Spickervarianten vertraut ist. Zudem gibt es zuweilen amüsante Anekdoten zu den Spickertypen. Genau hier liegt aber auch der größte Fehler von Hessenauer: Er versucht alle Kategorien mit einer vermeintlich lustigen Story beginnen zu lassen. Dies wirkt deplatziert, ist langweilig und wäre vor allem nicht nötig gewesen. Eine breitere Palette von „Spickern“, mit den augenzwinkernden  Anmerkungen zu Herausforderung und pädagogischem Werten wäre hier der bessere Weg gewesen. So bleibt am Ende neben dem vielen Schmunzeln vor allem die Frage, ob man nun wirklich alles über Spickzettel weiß, und die Antwort lautet klar: nein. Mir fallen spontan einige weitere ein, die Hessenauer nicht mal erwähnt hat, ganz zu schweigen zu Täuschungsversuchen, die letztlich gar nichts mit „Spickern“ zu tun haben.

Trotzdem: Man merkt Hessenauer an, dass er ein Lehrer mit voller Kraft war und seine Schüler auch ernst genommen hat, und sie mit dem Thema „Spicken“ auch konfrontiert hat. Zwei Briefe am Schluss dokumentieren dies in sehr guter Art und Weise. Und dies nehme ich auch für mich aus diesem kleinen Buch für zwischendurch mit: Respektvoll den Schülern gegenüber, das Thema Spicken immer ironisch-augenzwinkernd betrachten, aber auch nie aus den Augen verlieren.

Außerdem finde ich die Idee des Spickzettel-Sammelns hervorrragend. Ich werde anfangen.

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  1. Februar 11, 2010 um 8:55 am

    Musste mal wieder über deinen Blog stöbern… Das hier klingt nach nem echt amüsanten Buch – gerade für (angehende) Lehrer, die die Kreativität ihrer Schüler beim Spicken zu schätzen wissen.
    Auch die 1&1 Anekdote – sehr cool!

    Noch eine Literaturempfehlung für dich: Pierre Bayard, Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat. Für mein Studium wurde es leider zu spät übersetzt!

  2. Jan-Martin Klinge
    März 3, 2010 um 6:20 pm

    Ich würde noch eine weitere Sammlung vorschlagen: Briefe von Eltern mit durchaus „interessantem“ Inhalt… Da erlebt man auch Sachen… 😉

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