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Die katholische Kirche und ihre Verfehlungen

Vorweg zu allererst: Ich bin evangelisch durch und durch, aber habe nichts Grundsätzliches gegen die katholische Kirche. Weder bin ich einer dieser strikten Anti-Katholizismus-Menschen, noch habe ich persönlich wirklich schlimme Erfahrungen mit der katholischen Kirche gemacht (außer vielleicht dem 9-jährigen Besuch einer Klosterschule 😉 ). Im Gegenteil: Ich habe schon oft katholische Gottesdienste besucht, habe katholische Freunde – und nicht zuletzt eine katholische Theologiestudentin als Freundin. 😉 Ich halte es generell also eher ökumenisch und hoffe mit den Wise Guys, dass evangelisch und katholisch irgendwann kein Unterschied mehr ist. Aber immer wieder stößt mir die katholische Kirche mit ihren Aussagen böse auf. Sei es der Vatikan selbst, oder ihre zahlreichen Stellvertreter, wie Bischöfe, Priester oder erzkatholische Gruppen. Mir ist natürlich auch bewußt, dass nicht alle Katholiken diese Aussagen gut heißen, aber lange habe ich zu diesem Thema geschwiegen, nun werde ich mir mal einige Themen der katholischen Kirche bzw. ihrer konservativen Gruppen vornehmen.

Der Funke am Pulverfass waren jetzt zwei Punkte: Zum einen die neuerlichen Aussagen des Bischofs Mixa aus Augsburg, und zum anderen eine heftige Diskussion mit einer resoluten Katholikin, die wirklich alles glaubt(e) und selbst den größten Unfug der Kirche noch irgendwie versuchte zu rechtfertigen. Diese naive Art zu „Glauben“ (und das hat für mich nicht wirklich etwas mit Glauben zu tun) machte mich völlig fertig: Ich durfte mir irgendwelchen unsinnigen Geschichten über das „echte“ Blut Jesu auf einem relativ neuen Tuch anhören (nein, nicht das Turiner Grabtuch!), oder musste mir erklären lassen, dass der Wein beim Abendmahl das echte Blut Gottes ist. Auf meine leicht ironische Erklärung, dass in unserer Gemeinde der Abendmahlswein aus unserem Weinkeller kommt, meinte sie immer lauter werdend, dass ich ja gar nichts verstehen würde, dass der Wein bei der Segnung ja zum Blut werden würde, und wenn man ihn trinken würde, wäre dies das echte Blut von Gottes Sohn. Die Diskussion um Realexistenz oder Erinnerung habe ich dann mal schlicht umgangen, weil es mir unmöglich erschien, mit dieser Dame weiter zu diskutieren.

Aber kommen wir zu Bischof Mixa, deren Aussagen wohl auch für den nichttheologischen Leser etwas besser zu verstehen sind.

Bischof Mixa, (c) dpa

Diesmal also Verharmlosung von sexuellen Übergriffen auf Kinder. Und klar, Schuld daran sind nicht die Pfarrer/Prieser/Lehrer selbst, sondern natürlich die sexuelle Revolution – passt ja so gut, da es ja sowieso ein Reizthema der katholischen Kirche ist. Im Wortlaut:

„Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig.“ (Mixa, Februar 2010)

Das ein Mann der Kirche überhaupt bei Kindesmissbrauch nach Ausreden sucht, ist im Grunde genommen schon der eigentliche Skandal. Warum kann sich ein solcher Bischof nicht mal hinstellen, und das aus tiefer Überzeugung vehement verurteilen? Warum wird selbst in einer ziemlich aufgeklärten Gesellschaft 2010 nicht eher über die Abschaffung des Zölibat diskutiert, als weiterhin darüber hinwegzutäuschen, dass da die Ursachen liegen? (Man mag diesen Gedankengang kaum zu Ende denken…). Dass er dann einer scheinbaren sexuellen Revolution den Miesepeter zuschiebt, ist das berühmte i-Tüpfelchen. Aber das kennen wir ja von der katholischen Kirche: Sex, AIDS, Abtreibungen und natürlich die Homosexualität sind ja das Lieblingsfeindthema aller offiziellen Stellen der katholischen Kirche. So auch ein weiteres Zitat aus dem reichen Schatz der Mixa-Aussagen, hier vergleicht er vor einem Jahr Abtreibungen mit den Vergasungen im 2. Weltkrieg. Der Holocaust sei ja „ein schweres Verbrechen“, aber:

„…die Zahl der sechs Millionen getöteten Juden ist inzwischen durch die Zahl der Abtreibungen überschritten worden.“ (Mixa, 25.Februar 2009)

Dieses Zitat muss man nicht kommentieren. Es verschlägt einem höchstens die Sprache und den Glauben an die Intelligenz dieses Menschen. Dass sich nach diesem Zitat viele jüdische Organisatoren beschwert haben, liegt auf der Hand. (Hier ein Interview mit dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinden Bayerns in der SZ.)

Richtig laut und bunt wurde es, als sich Mixa im April 2009 gegen alle Atheisten wandte und eine gottlose Gesellschaft als „Hölle auf Erden“ bezeichnet, und damit indirekt aber doch sehr bestimmt einen Zusammenhang zwischen Nicht-Glauben und Gewalt herstellt:

„Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen“ (Mixa, April 2009)

Das ist nicht nur überaus bedeutungsschwanger, sondern vor allem auch schlichtweg falsch: Gerade der Nationalsozialismus hat ja eindeutig unter dem Deckmantel des Christentums operiert und den Juden „Gottlosigkeit“ vorgeworfen. Letztlich will Mixa hier nur eins: Darüber hinwegtäuschen, dass auch unter der Flagge der Kirche Gewalttaten verübt worden sind / aktuell verübt werden / immer verübt werden. Bischof Mixa ist mit solchen lächerlichen ungeheuerlichen Aussagen aber leider nicht der Einzige, er tritt vielmehr das Erbe von Bischof Dyba an. Dyba? Kennt den noch jemand?

Dyba (strunze.net)

Schon etwas älter, aber doch immer noch mehr als präsent ist Bischof Dyba, der auch immer wieder gerne zeigte, wie er dachte. Er wurde vor allem bekannt als rigoroser Bekämpfer der „Schwulengemeinde“ und als Vorkämpfer gegen die gleichgeschlechtliche Partnerschaft (damals von der Rot-Grünen Regierung diskutiert). Als eine Aids-Initiative in seinem Dom demonstriert, nennt er sie „ein paar hergelaufene Schwule“.

In diesem Beitrag der Panorama-Reihedes Ersten erklärt er, was er jungen Priestern mit auf den Weg gibt: (Außerdem wird hier von Kindesmißbrauch erzählt, auch von Augenzeugen, Dyba wusste davon und die Verdächtigen wurden viel zu lax bzw. gar nicht bestraft…)

Das sind wie andere eben widernatürliche Anlagen, die kann man nicht ausleben. Und ich sage unseren Priesteramtskandidaten ganz klar: Wer diese Veranlagung hat, möge nicht zur Priesterweihe hinzutreten, weil wir zu Priestern nur Männer weihen wollen, die ohne weiteres gesunde Familienväter sein könnten.“ (Dyba)

Dyba und Mixa stehen für einen erzkonservativen Glauben, der mir als wissenschaftlich geprägten Studenten schwer fällt überhaupt zu begreifen, wie man so etwas sagen kann. Das diese beiden Bischöfe Deutsche waren/sind, macht dies unter dem Vorbehalt des Nationalsozialismus nur schlimmer. Das ein deutscher Papst diese beiden Bischöfe toll findet, und ganz ähnliche Dinge äußert, passt wunderbar in diesen Rahmen. Hier an dieser Stelle nochmal ein ausdrückliches Statement, dass ich mir bewußt bin, dass es eine Menge Katholiken gibt, die diese Themen anders sehen, und mit denen man auch darüber sachlich diskutieren kann, aber das diese Aussagen von oberster Stelle kommen bzw. abgesegnet werden, lässt mich zu dem Schluss kommen, dass die katholische Kirche eine dringende Renovierung ihrer Werte notwendig hätte. Gut sichtbar wird dies auch in den konservativen Splittergruppen der katholischen Kirche, allen voran der Pius-Bruderschaft. Dass Papst Benedikt deren Exkommunikation im Jahre 2009 aufgehoben hat, zeigt nur, auf welchem Weg sich die Kirche unter ihrem aktuellen Papst befindet.

Allen voran Bischof Williamson, mittlerweile weltweit bekannt als Holocaustleugner, hat sooft sprachlich daneben getreten, dass man sich wundert, dass er noch nicht im Gefängnis schmort. Hier nochmal das berühmte „Holocaust-Zitat von 1989:

„Dort wurden keine Juden in den Gaskammern getötet! Das waren alles Lügen, Lügen, Lügen! Die Juden erfanden den Holocaust, damit wir demütig auf Knien ihren neuen Staat Israel genehmigen. […] Die Juden erfanden den Holocaust, Protestanten bekommen ihre Befehle vom Teufel, und der Vatikan hat seine Seele an den Liberalismus verkauft.“

Dieses Zitat hat er ja immer wieder bekräftigt, und auch 2010 nochmal betont, dass die ermordeten Juden eine Riesenlüge wären. Beim Schreiben dieses Blogs und der Recherche nach den genauen Zitaten merke ich selbst nochmal, wie unfassbar das ist. Da versuche ich meinen Schülern im Geschichtsunterricht den Holocaust und seine Schrecken zu erklären, es gibt Demonstrationen gegen Rechts und ausländerfeindliches Denken, es gibt Mahnmale und Erinnerungsorte an den Holocaust und dann kommt da ein einflussreicher Bischof, und behauptet einfach mal, dass alles eine Riesenlüge wäre. Das ist so unfassbar und unglaubwürdig, dass man das eigentlich nicht kommentieren müsste – muss es aber dann doch, weil die katholische Kirche nicht in der Lage ist, diese einzelnen Meinungen vehement zu widerlegen, zur ihrer und zur allgemeinen Geschichte zu stehen und schließlich auch sich aktiv dafür einzusetzen, dass solche Äußerungen nie wieder vorkommen.Und natürlich so etwas wie Faschismus nie wieder vorkommt. Aber Nein, stattdessen Ausflüchte, Ausreden, milde Strafen und weiter gehts.

Richard Williamson (tz-online.de)

Als wäre der Holocaust noch nicht genug der Aufregung, vermag es Williamson immer wieder irgendetwas zu finden, was er seiner Meinung nach zu Recht verbieten will. Eines meiner „Lieblingszitate“ ist dann folgendes, welches sicher lustig wäre, wenn es nicht so ernst gemeint wäre:

„Aufgrund aller Arten von naturgegebenen Gründen sollte nahezu kein Mädchen zu irgendeiner Art Universität gehen. […] Man braucht keine Universität, um das meiste von dem zu lernen, was Mädchen unterrichtet zu werden brauchen, zum Beispiel Hauswirtschaft, Einrichtung und Unterhalt eines Heims, Pflege und Erziehung der Kinder, die geistige und soziale Vorbereitung auf die Ehe. […] Dass Mädchen die Universität nicht besuchen sollten, ergibt sich aus der Natur der Universität und der Natur der Mädchen. Echte Universitäten stehen für Ideen, Ideen sind nichts für richtige Mädchen, demzufolge sind echte Universitäten nichts für richtige Mädchen.“ (September 2001)

Die Piusgemeinschaft setzt sich außerdem immer noch für einen Staat ein, in dem die Todesstrafe gilt, in dem Pornographie, Homosexualität, Ehescheidung und Abtreibung verboten sind. Mehr zu diesen schönen Absichten findet man unter „Lehre“ auf der offiziellen Präsenz der Piusgemeinde.

Man könnte nun noch zahlreiche andere Zitate von hochrangigen Vertretern der Kirche zeigen, einschließlich dem Papst selbst, aber bis hierher habe ich schon mehr geschrieben als ich ursprünglich wollte, und ich muss zumindest noch kurz eine Seite im Netz vorstellen, deren Ungeheuerlichkeit auf Dauer quasi alle Zitate der drei Bischöfe oben übertrifft, und auch in ihren Kernaussagen noch schlimmer ist: kreuz.net.

Schaut Euch diese Seite mal genauer an, lest ein bisschen quer und drüber. Lasst es kurz wirken!

Nie zuvor habe ich eine deutschsprachige Seite gesehen, die zu mehr Unsinn aufruft als diese „katholische Nachrichten“: Ablehnung der Abtreibung und der Euthanasie, Ablehnung der Homosexualität, Befürwortung des katholischen Traditionalismus, kritische Berichte über Privatoffenbarungen und neue geistliche Gemeinschaften, übelste Verbreitung von Antisemitismus und Holocaustleugnung (insbesondere unter Berufung auf oben genannten Richard Williamson) sowie des Kreationismus (am besten im Biologieunterricht!). Ich möchte hier gar nicht zu sehr einzelne Verweise geben: Es wird über den „schwulen“ deutschen Außenminister hergezogen, Rechtsradikale Gruppierungen werden gelobt und an vielen Stellen gibt es antisemitische/antijüdische Äußerungen, homophobe und rechtsextreme Texte und so weiter. Schauts Euch an, und urteilt selbst.

Immerhin hat diese Seite mittlerweile so große Wellen geschlagen, dass es zahlreiche Gegeninitiativen gibt, unter anderem kreuts.net – die Anwort, welche sich zum Ziel gesetzt hat, kreuz.net zu entlarven und die Wahrheit gegenüberzustellen.Außerdem hat sich auch die katholische deutsche Bischofskonferenz davon distanziert, wer die Seite betreibt ist nach wie vor ungeklärt: Faktische Anonymität hinter dem Deckmanter einer religiösen Gemscheinschaft namens „Sodalicium for Religion and Information“ in den USA.

Weiterlesen zum Thema im Artikel der Süddeutschen über kreuz.net: Judenhass im Internet: Anonym, aggressiv, verfault.

Bei all diesen Verfehlungen der katholischen Kirche – oder zweckentfremdeter Gruppierungen unter dem Deckmantel der katholischen Kirche – fehlt mir immer mehr das Verständnis, wie Menschen wie die eingangs von mir erwähnte junge Dame, heutzutage noch immer ihre Kirche so vehement verteidigen und keinerlei offene, sachliche Diskussion zulassen. Genau diese Menschen erinnern mich an diese großen Bischöfe, die so stur, so konservativ ein Weltbild predigen, welches nicht aktuell, nicht zeitgemäß und ganz sicher auch das ist, was Jesus Christus richtig nennen würde. Gerade solche Behauptungen seitens der Kirche, oder Präsenzen wie kreuz.net sind doch der Kern, warum viele Menschen der Kirche den Rücken kehren. Ich glaube die katholische Kirche muss da sich auch von Innen mal krätig „in den Arsch treten“. Andererseits soll das hier keine allgemeine Kirchenkritik werden und sein, denn im Allgemeinen halte ich die Kirche als Fundament des Glaubens und als Ort der Gemeinschaft für immens wichtig. Nur über das Wie? müsste man noch streiten. Ich hoffe, dass die katholische Kirche auch durch mehr Ökumene wie den baldigen Kirchentag in München etwas dazulernt.

Ich freue mich immer über Kommentare, aber hier wäre ich ganz besonders gespannt auf Meinungen, Kritik, Vorschläge und Urteile über die katholische Kirche. (Ich habe versucht, das Thema sehr distanziert zu sehen, und jegliche Polemik außen vor zu lassen; das ist aber nicht immer ganz möglich, also entschuldigt mir die Einseitigkeit des Textes und meine persönliche Meinung.)

Ich zumindest bin sehr gespannt wie und ob sich die erzkonservativen Teile weiterentwickeln werden, wie sich die (katholische) Kirche allgemein in der Zukunft darstellt, und ob sie irgendwann auch mal zeitgemäße Diskurse eingeht wie die Frage nach dem Zölibat als Ursache für Kindesmißbrauch. Man kann es nur hoffen.

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  1. Martin
    Februar 18, 2010 um 5:23 pm

    Nun mit mir hast du einen Katholik, mit dem du über solche Sachen diskutieren kannst.
    Finde den Text auch ganz gut geschrieben, allerdings solltest du an der Objektivität von Texten arbeiten, indem du auch schlechte Beispiele der evangelischen Kirche und des Judentums aufzählst. (Besonders Israel geht mir als Staat schwer auf die Nerven: Auf der einen Seite sich dauernd mahnend auf den Holocaust hinzuweisen und die damit verbundenen Taten und Schrecklichkeiten (zurecht darauf hinzuweisen!), um dann aber andererseits So! im Nahen Osten aufzutreten, finde ich persönlich schlimm!). Ebenso solltest du Verfehlungen der angelsächsichen (die eurer evangelischen nahe ist), aufzählen. Erz-Konservative Gruppen, Abtreibung, Homosexuelle sind in den USA ein heikles Thema.
    Desweiteren solltest du den Fall PIUS Bruderschaft nicht zusammen mit Williamson erwähnen. Hier dazu ein Artikel aus der Welt:
    http://www.welt.de/politik/article3359497/Papst-Benedikt-XVI-gibt-Fehler-zu-und-klagt-an.html

    Nun zu meiner Meinung: Problem an der Kirche ist zur Zeit einfach, dass der Machtapparat zu groß ist und Leute, die mit Ihren Ideen die Kirche revolutinieren wollen, an zu vielen Stellen scheitern werden. Der Prozentsatz derer, die bis oben hin durchkommen und nicht erz-konservativ sind, ist einfach zu klein.
    Die Kirche befindet sich allerdings schon in einem kleinen Revoltionsprozess. Problem ist jedoch in meinen Augen, dass die Mühlen im Vatikan sich zu langsam drehen, während in der realen Welt, der man sich annähern soll, die Uhren immer schneller (und schneller) gehen (werden).

  2. hulza
    Februar 18, 2010 um 8:06 pm

    Mein Angriffsziel war ja die katholische Kirche, es ist natürlich klar, dass auch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften Fehler gemacht haben und immer noch machen. Auch die evangelische Kirche hat ihre schwachen Seiten: Man erinnere nur an die peinliche Haltung während dem dritten Reich, und wie lange es gedauert hat, dies zu bekennen… Aber aktuell habe ich das Gefühl, dass die evangelische Kirche heute etwas weiser und besser zur Sache geht. Auch hier ist nicht alles Gold was glänzt, aber gefallen mir zb die öffentlichen Aussagen von Vertretern der ev. Kirche immer sehr gut, in den letzten Wochen zb von Bischöfin Käßmann (Afghanistan und co). Und solche total abwegigen Aussagen zum Holocaust, Menschenwürde, Abtreibungen etc habe ich seiten dieser Gruppierungen, die du nennst selten/nie gehört.
    Zustimmung bekommst du von mir zu deiner Meinung mit dem Machtapparat: Dieses System ist total überholt, fängt mit dem „gottgleichen“ Papst an und geht bis zu den Bischöfen. Und hier können auch kaum neue Ideen von außen reinkommen, weil diese „Posten“ ja auch nur intern und nach Geschmack vergeben werden…Schwierig!

    Aber zum Thema Nah-Ost-Konflikt:
    Hier ist Vorsicht gefragt: verwechsle nicht Judentum mit Israel. Es gibt auch deutsche, amerikanische oder russische Juden. Daher kann man nicht dem Judentum die Schuld an diesem Krieg zuschieben (dem Islam aber auch nicht explizit). Der ganze Konflikt hat doch schon lange nur noch wenig religiöse Züge, und vielmehr machtpolitische Spielereien zwischen versch. Staaten und mächtigen Männern. Ich wage mich hier aber auch kaum ein Urteil abzugeben, da ich mich in dieser Thematik (leider) kaum auskenne…

    Was meinst du mit: „Desweiteren solltest du den Fall PIUS Bruderschaft nicht zusammen mit Williamson erwähnen.“?
    Williamson ist doch unzweifelhaft als einer der vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius damit verbunden…

    :
    EDIT:
    Möchte nochnmal drauf hinweisen, dass ich nicht generell die katholische Kirche im Gesamten kritisiere: Sie leistet sowohl in Deutschland, als vor allem in der dritten Welt ganz hervorragende Arbeit! Aber in dem System dahinter steckt der Fehler…

  3. Martin
    Februar 18, 2010 um 8:24 pm

    Williamson. Das wird aus dem Welt Artikel klar, was ich meinte.
    Thema Judentum: Klar gibt es viele russische etc., es ging mir explizit darum, dass der Staat Israel aufgrund der Vorfälle damals einiges rausnimmt.(Er instrumentalisiert auch Verbrechen gegenüber anderen Gruppen und pauschalisiert Israel als wahren Staat des Judentums) („Wie du mir so ich dir.“)
    Sicher haben wir damals die größte Scheisse gebaut, die jemals wer gemacht hat. Allerdings gibt das keinem das Recht diese Sache zu konservieren und immer wieder als Grund/Ausrede für Angriffe auf damals rel. unbeteiligte anzuführen.

    Mir ist es auch nicht schlimm,dass du diese Dinge so schonungslos ansprichst, die müssen ja einfach mal angepasst werden. Dass dieser Vorgang ähnlich schwierig ist, wie bspw. nur noch Politiker zu haben, die die Wahrheit sagen, dürfte bei diesem „Alten“ Machtverband klar sein. Glaube, um sich das vorstellen zu können:
    Man stelle sich vor es gäbe Rom samt Imperatoren noch. Was wäre das ne verkrustete angelegenheit. So kann man sich das vorstellen, was im Vatikaan vorgeht.

  4. JaySun
    Februar 19, 2010 um 11:03 am

    So Hulza, werde ich hier mal meine Ansicht loslassen:

    Grundsätzlich hast du Recht, so Sachen gehen einfach nicht. Aber wer hat heute schon die Eier in der Hose um zuzugeben dass etwas in den eigenen Reihen scheiße lief, weder in Berlin noch im Vatikan, noch im Sport, etc.

    Ausreden, Entschuldigungen und Relativierung sind an der Tagesordnung, vielleicht finden sich ja immer noch genügend Dumme bei denen sowas zieht. Die Manipulation des einfachen Fußvolks, darüber könnte man auch en großen Artikel verfassen.

    Wie du weißt bin ich ja auch im Glauben verankert und mir scheint es auch so, als ob einige der heiligen Kirchenfiguren durch den Blick nach oben etwas den Boden unter den Füßen verlieren. Kirche ist weltlich, Glaube überirdisch, Irren ist menschlich – vergeben göttlich (A. Pope)

    Der Mensch ist eben nicht unfehlbar, das ist wohl kein Geheimnis. Wieso sucht man dann nach Erklärungen für solche Gräueltaten anstatt sich ein weiteres mal im Stillen zu schämen ein Mensch zu sein…

    Die Krone der Schöpfung, das ich nicht lache – wer Gott einmal sehr nahe sein durfte und diesen Glanz / Kraft / (gibts kein Wort für) spüren konnte, kann nur traurig sein, mit welchen Aktionen und Statements die weltliche Kirche es immer wieder schafft, das Image Gottes hinunter zu ziehen – kein Wunder dass so wenige der „neuen Generation“ zum christlichen Glauben finden, muss man ihnen erstmal eine klare Differenzierung von Glauben und Kirche vor Augen halten um den ersten Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

    Meiner Meinung nach schafft es die katholische Kirche noch weniger als die evangelische zu begreifen,dass man nicht strikt an den alten Werten in unserer sich schnell ändernen Welt festhalten kann und es somit Versäumt, neue Anhänger zu finden.

    Ich biete hier sicher genügend Angriffspunkte, hab das grade mal so runtergeschrieben, Kritik ist aber gerne willkommen. Peace

  5. admontmonks
    Februar 21, 2010 um 12:08 am

    „ZITATE IM WORTLAUT“ sollen das sein. Das sind Zitate aus dem Zusammengehang gerissen. Halbwahrheiten sind die schlimmsten Lügen. 1. Bischof Walter spitzt zu – das stimmt. 2. Er hat gesagt: „Sexueller Missbrauch durch Geistliche ist ein besonders abscheuliches Verbrechen.” <– den Satz haben sie nicht zitiert. Warum?
    Haben sie das ganze Interview gelesen, Kann man einfach googlen und man muss sich nicht auf die verkürzte Versionen verlassen. Hier der Link:
    http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Politik/Artikel,-Mixa-Sexuelle-Revolution-mitschuldig-an-Missbrauch-_arid,2072808_regid,2_puid,2_pageid,4290.html
    Den Link zum Interview mit dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinden Bayerns in der SZ den bringen sie. Aber Links zu vollständigen Mixa-Interviews Fehlanzeige.
    Und zu Dyba: Er nennt Menschen “ein paar hergelaufene Schwule”, das klingt auch in meinen Ohren eher abwertend. Dass er vorher von diesen Menschen bespuckt wurde, das finde ich nicht gut und da wäre ich wahrscheinlich noch wütender. Haben sie das recherchiert, was da vorher ablief?!
    Fakt ist, dass jeder weiß Dyba und Mixa waren und sind gegen Abtreibung. Das geschieht nur, weil sie so eine klare politisch unkorrekte Sprache hatten und haben.
    Ich finde es wichtig und VERANTWORTLICH, dass Bischöfe sich jetzt zu Wort melden und nicht ihren Mund halten und warten; Schweigen wäre jetzt schlimmer. Sie gehen dabei natürlich immer in die Gefahr, vom Spiegel und von hulza verkürzt zitiert zu werden. LG Ihr Frater Ulrich

  6. hulza
    Februar 21, 2010 um 1:13 pm

    Lieber Frater Ulrich, Vielen Dank für Ihren Kommentar und dass Sie aus Österreich auf meinem Blog gelandet sind (mit der Hoffnung, dass es nicht Ihre Aufgabe auf dem Weg zum Pater im Stift Admont ist, sich in der Bloggerszene umzuschauen und kritische Beiträge abzuschmettern…). Schön, dass Sie Anregungen geben: Sie haben Recht, die Links zu den vollständigen Interviews hätte ich noch dazupacken können – vielleicht müssen. (Dabei dachte ich, dass der Wikipedia-Link mit den weiterführenden Literaturangaben/Weblinks u.a. auch mit dem vollständigen Interview der „Augsburger Allgemeine“, welches Sie hier verlinken, reichen würde. Aber für Sie und alle anderen Empörten werde ich in Zukunft mehr Quellen, auch verschiedenster Art, angeben!)

    Ihre Argumentation zu den Zitaten ist trotzdem und bei allem Respekt leider falsch. Denn meine oben aufgeführten Zitate sind so im Wortlaut enstanden und führen zu keinem inhaltlichen Unterschied mit dem jeweiligen Zusammenhang. Es macht doch keinen Unterschied, ob er vorher diese Gräueltaten „veabscheut“ – oder nicht. (Wenn er das nicht tun würde, wäre das ja auch noch schöner… Dies ist für einen Mann der Kirche in meinen Augen selbstverständlich, daher habe ich diesen Satz auch nicht zitiert!). Die Ursache dafür immer bei den falschen Gründen zu suchen ist doch hier der Skandal. Da spielt der Kontext keine Rolle – da ist einfach etwas mehr Feingefühl gefragt, besonders bei den Zitaten zur Abtreibung etc (wo viele junge Mädchen drunter leider.)
    Ich finde es ebenso wie Sie richtig, dass ein Bischof sich bei solchen Themen zu Wort meldet, das sollte er sogar! Ich für meinen Teil würde mir aber wünschen, dass die Bischöfe etwas weltoffener wären, die (Mißbrauchs-)Verbrechen wesentlich härter bekämpfen würden – und vielleicht auch mal alte Werte zugunsten einer neueren (positiven) Sicht aufgeben würden.

    PS: Haben Sie eine Quelle zu dem „Bespucken von Bischof Dyba“? Ich hab dazu leider nichts gefunden.

  7. Februar 21, 2010 um 7:53 pm

    Nach diesem langen Beitrag und den vielen Kommentaren möchte ich jetzt auch mal meinen Senf dazugeben.
    Als Christin (um genau zu sein Protestantin, die ihre Befehle vom Teufel bekommt…) kann ich nur sagen, dass es mich immer wieder schockiert, wenn ich von diesen Gräueltaten erfahre und es trifft mich noch mehr, wenn Verantwortliche oder hohe Würdenträger dann nicht zu diesen Fehlern stehen können, die in „ihrer Kirche“ passiert sind oder noch schlimmer die Schuld bei Anderen suchen. Und genau das ist hier, in meinen Augen, der Fall.
    Lieber Frater Ulrich, davor können doch auch Sie nicht die Augen verschließen?
    Es mag ja sein, dass Dyba bespuckt wurde, doch ändert das etwas an dem was er zum Ausdruck gebracht hat? Seine Abneigung.Er mag wütend gewesen sein, ja vielleicht, aber rechtfertigt das in Ihren Augen eine solche Aussage?
    Hier kann ich hulza nur zustimmen, es kommt einfach auf ein gewisses Feingefühl an, welches dieser Herr scheinbar nicht immer besitzt. Jedoch finde ich, dass gerade ein Bischof diese Art von Feingefühl beherrschen sollte, denn sonst ist er einfach in einer falschen Position tätig.
    Muss nicht gerade ein Bischof dazu in der Lage sein, die gute Nachricht zu verbreiten und die christliche Nächstenliebe zu predigen? Wie kann jemand die christliche Nächstenliebe vermitteln, wenn er sie selbst nicht zu praktizieren fähig ist? Denn eins sollten wir uns vielleicht noch mal vor Augen führen: vor Gott sind alle Menschen gleich und damit auch „ein paar hergelaufene Schwule“, sogar dann wenn sie spucken.
    Doch darauf kommt es hier, wie bereits gesagt, aber eigentlich gar nicht an. Spucke hin, Spucke her.Es geht einzig und allein darum, dass Fehler zugeben werden müssen und dass man nicht die Schuld abzuwälzen versucht und schlussendlich,dass diese „alte Form“ der katholischen Kirche einfach überholt ist.In der Geschichte der Kirche (sowohl evangelische als auch katholische) sind schon immer schlimme Fehler passiert, worunter sehr viel Menschen leiden mussten und häufig genug auch heute noch leiden. Aber man sollte doch meinen, dass wir im Jahre 2010 so weit sein sollten, dass solche Fehler eingesehen werden und dass ohne Schuldzuweisungen anderen gegenüber!

  8. Martin
    Februar 23, 2010 um 6:57 pm

    OT://
    @Svenja: „Aber man sollte doch meinen, dass wir im Jahre 2010 so weit sein sollten, dass solche Fehler eingesehen werden und dass ohne Schuldzuweisungen anderen gegenüber!“
    -Auch wenns schade ist, aber diese Sicht der Dinge hat mit der Realität wenig zu tun. Richtig, wir leben im Jahr 2010. Übertrieben gesagt: Menschen dürfen keine Fehler machen, vor allem die, die in der Öffentlichkeit stehen.

  9. Tobi
    April 22, 2010 um 11:33 am

    So langsam rollen also Köpfe (nicht wörtlich nehmen).
    Wurde auch langsam Zeit! Durch die Vorfälle wurde man ja quasi zum Austritt aus der Katholischen Kirche getrieben (wenn man nicht schon ausgetreten wäre)

  10. maik
    März 9, 2011 um 8:55 pm

    hmmmm….jetzt möchte sich mal ein heide zu wort melden!
    kann es vielleicht sein,dass weder die katholiken noch die evangelisten gottes seegen bekommen?
    hatte nicht gott seine schützende hand über die bibel gehalten, damit sie in jeder sprache gelesen werden kann und egal welche bibel man in der hand hält,vom prinzip her das gleiche drin steht? warum hat gott nicht seine schützende hand auf seine priester,bischhöfe oder anderE angesehene personen gehalten? es geht doch schließlich um seinen ruf…warum sorgt er nicht dafür das sie aussortiert werden?
    sind denn alle religionen für gott annehmbar? es gibt doch so viele religionen die auch unterschiedlich lehren oder auffassungen haben. hat jesus nicht mal zu seinen jüngern gesagt, dass es viele falsche propheten geben wird die falsche zeugnisse von sich geben? die fehler, die die kirchen gemacht haben in der vergangenheit kann man doch überhaupt nicht entschuldigen…geht es darum welche religion mehr fehler gemacht hat? wurden kriege nicht gesegnet in der vergangebheit? wollte gott wirklich das man für ihn krieg führt? ich habe stark meine zweifel was die kirche betrifft,ob katholisch oder evangelisch,beide haben dreck am stecken.
    doch an gott glaube ich schon, nur welche religion für gott annehmbar ist ,sollte man herausfinden(vielleicht jeder für sich). ich glaube an die bibel und das es gottes wort ist ,aber ob das reicht um gottes seegen zu bekommen sei dahingestellt.
    ich habe sicherlich nicht so viel hintergrundwissen wie einige personen hier,aber die bibel habe ich schon gelesen und da steht vieles drin was die kirche mißachtet!!! sicherlich sind wir alle unvollkommene menschen und machen fehler, aber die bibel solte man ja nicht anzweifeln, da es ja gottes wort ist oder?
    na ja….das waren einuge zeilen von einem menschen der keiner religion angehört,aber trotzdem seine gedanken hat.

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