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Deutscher Film (2): Wer früher stirbt ist länger tot (2006)

Heute mit meiner Weiterführung  der neulich begonnen Reihe „Deutscher Film“. Ab und zu möchte ich hier sehr gute, sehenswerte deutsche Filme vorstellen. Und weil es beim letzten Mal so schwarz-weiß, düster und traurig war, darf es heute ein bunter, witziger Film sein: „Wer früher stirbt ist länger tot“.

Komödien aus Deutschland sind nun wirklich eher rar, vor allem wenn die Großproduktionen von Til Schweiger, Michael „Bully“ Herbig oder Mario Barth außen vor lässt. Zumeist sind es Nischenfilme, irgendwo im Programmkino und später im Ersten um 0:30 Uhr. Natürlich hab auch ich bei Filmen wie Keinohrhasen, Schuh des Manitou oder Der Wixxer herzhaft gelacht. Aber wenn wir da ehrlich sind: So richtig gut waren diese Filme nicht, es fehlte letztlich immer etwas am Überraschungseffekt: die immergleichen Themen sind nunmal schließlich ausgereizt.

Ganz anders ein bayrischer Film aus dem Jahre 2006, der vor allem nach seinen Filmpreisen 2007 einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte – und den ich schließlich erst vor einigen Tagen gesehen habe. Schande über mich, denn „Wer früher stirbt ist länger tot“ ist einfach großartig.

Sebastian Schneider (klasse gespielt von Markus Krojer) ist der perfekte Lausbub, wie er im Bilderbuch zu finden ist. Wenn es da nicht ein kleines Problem gäbe: Sebastian hält sich verantwortlich für den Tod seiner Mutter, die bei seiner Geburt gestorben ist, und die gottesfürchtige Mentalität im bayerischen Provinzkaff, in dem Sebastian mit seinem älteren Bruder und dem Vater lebt, ist der perfekte Nährboden für diese fixe Idee. Was sich zunächst anhört wie ein trauriges Drama um die Trauma-Bewältigung eines kleinen Jungen, ist tatsächlich eine unglaublich witzige Auseinandersetzung mit dem Thema Tod: skurill, ideenreich, äußerst schwarzhumorig und vor allem phantasievoll.

Dabei kommen vor allem urbayrische Vorurteile auf den Tisch: Von dem (wirklich schwer verständlichen) bayrischen Dialekt bis hin zum tiefkatholischen Erzkonservatismus und dem dörflichen Stammtischleben werden hier wunderbar Klischees bedient. Die Kunst ist es hier vor allem, dass diese Klischees glaubwürdig und nicht herablassend gezeigt werden. Dazu kommt die herrliche Natürlichkeit der Schauspieler, allen voran natürlich der 11-jährige Markus Krojer. Der Umgang mit dem Thema Tod (und auch der Liebe) ist zwar ernsthaft, dennoch überwiegt der humorige Teil. Und die Witze sind zum Teil erster Güte, da könnte sich so manche Populär-Komödie einen Streifen abschneiden.  Höchst amüsant ist es zu sehen, wie Sebastian von einer Panne in die Nächste stürzt und dabei jedes Fettnäpfchen mitnimmt.

Hat man sich erstmal auf den ungewohnten, schwierigen Dialekt des Filmes eingelassen, vergehen die 105 Minuten wie im Flug.  Da verschmerzt man auch Wiederholungen oder andere kleinere Drehbuchfehler, denn insgesamt überzeugt dieses erfrischende Kinodebüt von Markus Rosenmüller auf ganzer Linie. Diese kleine Filmperle ist jedem Filmfan aus Deutschland zu empfehlen!

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Hier gehts zum ersten Teil der „Deutscher Film“-Reihe: Die Unberührbare mit Hannelore Elsner.

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  1. Februar 24, 2010 um 8:26 pm

    Ach ich liebe diesen Film 😉

  2. JaySun
    Februar 25, 2010 um 11:23 am

    wird grade besorgt…

    Immer auf der Suche nach neuen guten Filmen werde ich hier gerne den Kritiken der vorgestellten Filme nachkommen, so keep goin´ on 🙂

  3. JaySun
    März 17, 2010 um 12:08 pm

    Boa, bei dem Dialekt springt einem ja der Draht aus der Mütze, die Story mag vielleicht was hergeben, aber länger als 15 Minuten ist das nich zu ertragen – vielleicht geb ich dem Streifen ein anderes Mal eine weitere Chance…

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