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TV-Kritik: Unser Star für Oslo

Oder auch einfach: „Verdammte Scheisse, Oslo, Baby!“

Gestern wurde er also gefunden: der deutsche Teilnehmer des berühmt-berüchtigten Eurovision Song Contest 2010 in Oslo. Es ist wenig überraschend Lena Meyer-Landrut geworden. Die 18-jährige Schülerin aus Hannover setzte sich im Finale gegen die gleichaltrige Jennifer Braun durch. Es war die insgesamt 8. Live-Show von „Unser Star sucht Oslo“, der erstmaligen Kooperation von Privatsender (in Form von Stefan Raab und ProSieben) und den Öffentlich-Rechtlichen (in Form der ARD). Schon in der ersten Show hatte Lena überzeugt und Jury und Fans auf ihre Seite gezogen, und war seither die erklärte Favoritin der Show (machte sich zB unglaublich bemerkbar in den zeitweiligen #lena-ausufernden Tweets in meiner Timeline bei Twitter parallel zu den Liveshows).

Es war gestern abend gegen 22.30 Uhr, als Lena zum dritten Mal(!) ihren Siegerhit „Satellit“ singen darf muss („Jetzt? Darf ich vorher etwas trinken?“) und die älteren ARD-Programmdirektoren vermutlich den Mund nicht mehr zu bekommen: „Baby Baby Baby“, schreit Lena immer wieder, sichtlich fertig mit den Nerven und ihren Gefühlen. Aber es kommt noch dicker: Während einer kurzen Textpause ruft sie „Verdammte Scheisse, Oslo, Baby!“, lässt sich kurz mal erschüttert auf dem Boden nieder, nur um dann weiter „powerfull“ zu singen und am Ende wieder völlig kaputt ihr „Baby“ in das Publikum zu schmettern.

Und vermutlich ist es genau DAS gewesen, was sie letztlich ins Ziel gerettet hat, und nun nach Oslo für Deutschland fahren lässt: Ihre unverwüstlich direkte, ehrliche und natürliche Art. Dieses unglaubliche Lebensbündel mit Sprüchen wie „Mein ganzer Körper ist voll mit kleinen guten Sachen“. Noch im Halbfinale erzählte sie etwas von „Kackwurst in der Hose“, im Finale waren dann ihre Cola- und Fantalippenstifte das Thema und natürlich war alles „voll fett“, „derbe“ und „hart“.

Sind wir doch mal ehrlich als Lena-Sympatisanten: Die beste Sängerin war und ist sie nicht, im Halbfinale wurde dies ganz besonders deutlich. Vor allem Jennifer und auch Kerstin machten ihr gesanglich einiges vor, und auch im Finale hatte Lena in meinen Augen gesanglich das Nachsehen. Aber sie hatte das gewisse Etwas, dieses „Hallo, hier bin ich“, diesen unbändigen Willen und die Lust am Singen. Ihre Konkurrenten und Konkurrentinnen waren im Gegensatz zu ihr nur blass – oder im Falle von Finalistin Jennifer zuviel Mainstream. Ihre Gesangsdarbietungen waren gerade in den beiden letzten Shows herausragend, vor allem im Halbfinale zeigte sie ihre ganze Klasse. Dass Lena trotzdem gewonnen hat, spricht vor allem für die Show und ihr Publikum. Unabhängig wie „wir“ nun in Oslo abschneiden – blamieren wird sich Lena sicherlich nicht. Dafür sind ihre witzige Art, ihre Performance, ihr Auftreten und ihr Charisma einfach zu toll. Ein vorderer Platz ist drin – auch wenn man in der Lotterie ESC keine Tipps abgeben sollte.

Der große Gewinner der 8 Shows verteilt auf Pro7 und ARD heißt nicht Lena, sondern Stefan Raab. Seine Ansage „Hier ist das erste deutsche Fernsehen…“ sorgte für Lachanfälle und USFO sorgte in den vergangenen Wochen nicht nur für ein völlig neues Interesse an dem europäischen Song Contest, sondern auch für echte Musik-Unterhaltung. Die Kandidaten überaus begabt, keine nervigen Video-Einspielungen und der gesamte Fokus auf die Musik, und nur auf die Musik. Leider ist dies auch der größte Kritikpunkt: Sowohl der Spassfaktor als auch die Kritikfähigkeit der Jurymitglieder liessen manchmal etwas zu wünschen übrig. Gerade von Raab hätte ich mir da doch mal in der Summe schärfere, bissigere Sprüche erwartet. Es gäbe sicherlich noch einiges zu kritisieren, – unter anderem die zu sehr in die Länge gezogenen Entscheidungen, überhaupt die gesamte Länge des Castings, nervöse, schlecht gekleidete Hauptmoderatorin, oder die wenig begeisternden Produktionen im Finale – aber unter dem Strich bleibt eine ungewöhnlich gute Castingshow, die viel Spass gemacht hat, und Millionen hat mitfiebern lassen.

Ich mag Lena, und ich mag auch ihre Art (auch wenn ich in ihren Augen schon uralt bin^^), und von mir aus kann sie auch in Oslo „Verdammte Scheisse“ rufen. Lassen wir uns überraschen, ich blicke dem Eurovision Song Contest auf jeden Fall sehr zuversichtlich entgegen – und damit meine ich nicht mal eine gute Platzierung, sondern dass wir ein junges Mädel haben, welches unser Land witzig, fröhlich und selbstbewußt vertritt. Da ist das Ergebnis doch nahezu zweitrangig.

PS: Lena hat mit ihrem Oslo-Song „Satellite“ heute schon einen All-Time-Rekord in den deutschen Downloadzahlen geknackt.

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  1. Sebastian
    März 13, 2010 um 7:27 pm

    „Unser Star sucht Oslo“, schöner freudscher Vertipper!

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