Startseite > Kino & TV, Misc. > Eine TV-Ära geht zu Ende: Jack Bauer geht in Rente

Eine TV-Ära geht zu Ende: Jack Bauer geht in Rente

Neben der alles überstrahlenden Serie Lost, welche sich aktuell in der „final season“ befindet, schaue ich tagesaktuell nur noch das in die Jahre gekommene 24, das berühmte Echtzeitserienformat: mittlerweile angekommen im Tag 8 von Jack Bauer, also schon in der 8.Staffel. Und während ich gestern noch überlegte, was ich zur aktuellen Season berichten könnte, wurde heute vermeldet, dass „twentyfour“ nach der aktuellen ’season‘ eingestellt wird. Jack Bauer muss nur noch einen Tag überstehen, dann heißt es Schluss mit Verbrecher jagen, foltern und Amerika schützen. Eine TV-Ära geht zu Ende.

Kiefer Sutherland als Jack Bauer in "24"

Kaum eine Keine andere Serie der ’nuller Jahre‘ prägte das Bild der modernen, spannenden Serie so sehr wie „twentyfour„. Das erstmals eingesetzte Echtzeitformat mit 24 Folgen für 24 Stunden eines Tages war sicherlich bahnbrechend; dazu kamen Splitscreens, Hollywoodreife Action und vor allem auf Hochglanz polierte Aufnahmen, die zu Serienstart für das TV unglaublich waren.

Viel Stoff für Kritik, aber auch Vorreiter und Preisträger

Über die Jahre, oder auch über die 8 Tage (acht Staffeln zwischen 2001 und 2010), veränderten sich Charaktere, Cast und auch der Hauptort des Geschehens. Vor allem war 24 aber auch immer Stoff für Gespräche, Diskussionen und Kritik: So wurden die (teilweise heftigen) Folterszenen von Jack Bauer schon zu einer politischen Debatte in den USA – während dort parallel die Guantanamo-Ereignisse in den Medien waren. Auch positiv wusste die Serie zu polarisieren: So gab es schon in der Serie den ersten schwarzen Präsidenten der USA, viele Medien zeichneten das als Weg zur  aktuellen Präsidentschaft Obamas. Vor allem die ersten Staffeln wurden schnell zum Kult, gerade im Internet setzte ein beispielloser Jack-Bauer-Fankult ein: Unerreicht sind die zahllosen witzigen „Jack-Bauer-Facts“. Natürlich gab es auch zahlreiche Parodien (insbesondere der Simpsons), aber zeigt dies letztlich nur den Status als „Superserie“. Nur so ist es auch überhaupt zu erklären, wieso ein Format, welches für eine Staffel hervorragend war, aber kaum ausbaufähig war, über 8 Staffeln erfolgreich war, und von Serien-Preisen (wie dem Emmy) überschüttet wurde.

24 als Sucht-TV-Format

Dabei war es eigentlich ganz einfach: An jedem neuen 24-Tag versuchten irgendwelche (x-beliebigen) Terroristen (meist aus dem Nahen Osten, manchmal auch Jacks Vater) die USA anzugreifen. Lösung: Nur Jack Bauer kann sie aufhalten. Dass er auf dem Weg dorthin viele andere umbringt, Familie und Freunde im Stich lässt, Vorgesetzte wie Luft behandelt und meistens unrealistisch handelt, störte weder Fans noch mich. Es war und ist halt Jack Bauer. Dabei war die Qualität der Serie über 8 Jahre gesehen insgesamt so hoch, dass man auch schonmal über manche schlechte Episode, so manchen Trash, den x-ten Maulwurf in der Anti-Terror-Einheit oder gar eine richtig schlechte komplette Staffel wie Season 6 (diese beurteilte letztens auch der 24-Produzent nochmal kritisch) als Fan hinwegsehen konnte. Als Gesamtpaket überzeugte 24 immer wieder, spätestens nach einigen Minuten einer neuen Staffel war man wieder total gefangen, total besessen nach neuen Folgen (Eine der ersten Staffeln haben wir mal in 2 Tagen an einem Stück angeschaut. Unerreicht!). Die Sucht nach 24 war auch dann groß, wenn man sich als TV-Zuschauer schon wieder an den Kopf packte, wenn Jack Bauer mal wieder irgendetwas überlebte und die Serie schon lange schlichtweg Trash war.

Aktuelle Staffel als Sinnbild für die Schwächen von 24

Apropos Trash. Da passts ganz gut die aktuelle Season zu erwähnen: Mittlerweile haben Jack Bauer und co 13 Stunden in der season 8 hinter sich, knapp mehr als die Hälfte des Season-Formats, bedeutet also noch 11 Stunden 24, 11 Stunden mitfiebern, aber auch 11 Stunden Gähnen aufgrund zuviel Altbekanntem. Die 8. Staffel nimmt zuwenig aus der hervorragenden 7. Staffel mit, und ist etwa so schlecht wie auch die 6. es schon war. Okay, nicht ganz so schlimm, aber ähnlich frustrierend ist es nach der doch recht begeisternden vorherigen Season. Jack Bauer ist sichtlich müde, der Serie fehlt es  in 2010 an Geschwindigkeit, Kreativität und vor allem Authenzität (da passt es ins Bild, dass arabische Terroristen untereinander in der Sprache des so verhassten Amerikas reden). Als nun in der 13. Folge auch noch – für die Zuschauer – ein erneuter Maulwurf enttarnt wurde, mochte ich am liebsten laut auflachen. 24 ist schon lange am Zenit seiner Zeit vorbei, da kommt der Entschluss zur Einstellung der Serie vielleicht gerade richtig. Alle Schwächen von 24 deckt die aktuelle Staffel hervorragend auf: Ein Agent im Ruhestand ist besser als alle anderen („Jack Bauer stirbt nie!“), immer wieder nervige Seitengeschichten (diesmal vom Maulwurf, ehemals auch gerne Jacks Tochter) und unglaubwürdig handelnde „Bösewichte“ (wo immer ein neuer auftaucht, wenn Bauer einen erledigt hat).

Am 24. Mai gibts das Finale als Doppelfolge

Und trotz Allem, trotz dieser mehr oder minder trashigen achten Season finde ich es schade und traurig, dass nun Schluss sein soll. Die erste, die davon übrigens offiziell berichtete, war heute Nacht (unserer Zeit) Mary Lyn Rajskub, die unvergleichliche Datenanalystin „Chloe“ aus der Serie, natürlich über Twitter:Dies war nun nicht soo überraschend, waren doch schon wochenlang Spekulationen über ein mögliches Ende von 24 im Raum. Dies jedoch dann wirklich schlussendlich zu hören ist betrüblich, auch wenn dies natürlich insgeheim ein konsequenter und notwendiger Schritt ist, den man vermutlich schon besser nach Season 7 (oder gar 5) vollzogen hätte. So kommt es nun also am 24. Mai (nur einen Tag nach dem „Lost“-Finale!) zu den letzten beiden Folgen von 24. Ein letztes Mal Jack Bauer in Action, ein letztes Mal CTU und die Jagd nach Verbrechern und Terroristen. Da bleibt eigentlich nur noch offen, in welcher Form die Produzenten die Dienstzeit von Bauer beenden werden – ob schon in dieser Staffel, oder dem schon angekündigten Kinofilm-Epilog im Frühjahr 2011.

Eine TV-Ära geht zu Ende: „twentyfour“, es war schön mit dir!

Und nicht vergessen: Jack Bauer könnte von der Insel aus „Lost“ innerhalb von 24 Stunden fliehen. 😉

Advertisements
  1. Jack007
    März 28, 2010 um 12:52 am

    Ich bin auch eher enttäuscht über das Ende von 24 im TV. Die aktuelle 8. Staffel als Trash zu bezeichnen ist aber mehr als unangebracht. Klar, es gab wieder mal einige Wiederholungen, doch handwerklich ist das immer noch das Beste, was im Fernsehen zu sehen ist.
    Daher hoffe ich auf ein furioses Finale und einen Kinofilm im Jahre 2012!

    • hulza
      März 29, 2010 um 10:27 am

      Hey Jack 😉
      Vielleicht war „Trash“ ein zu hartes Wort – mag sein, trotzdem rücke ich nicht davon ab, dass wir aktuell wohl die zweitschlechteste Season sehen.
      Und dabei meine ich nicht das handwerkliche, die Produktion ist mE wieder sehr gut – wie immer bei „24“ (wobei ich das „Beste was im Fernsehen zu sehen ist“ sehr stark bezweifeln möchte…). Zu kritisieren gibt es (wie oben beschrieben!!!) vor allem Inhaltliches: Die Geschichte um Dana Walsh ist nervig, langweilig, übertrieben, und seit der 13. Episode auch noch lächerlich. Dazu Terroristen die untereinander in gebrochenem Englisch sprechen, und selbst nicht so genau wissen, was sie eigentlich vorhaben. Dazu ein Jack Bauer, der lieber bei seiner Familie wäre und trotzdem – wiedermal – unsterblich ist. Superman im CTU-Kostüm.
      Zudem kommt wenig Spannung auf (im Gegensatz zu voherigen Staffeln!): Das Geschehen plätschert so vor sich hin, die nächsten Schritte kann man fast immer vorher erahnen, nichts wirklich verblüffendes geschah bisher.

      Ich lasse mich aber übrigens gerne von der 8. Staffel noch überzeugen und werde natürlich auch alle weiteren Episoden verfolgen. Freue mich auf ein spannendes und vor allem würdiges Finale!

      • März 31, 2010 um 12:14 am

        wenn ihr über die Absetzung hinweg seid, dann versucht euch mal an Californication. Hat ähnlichen Suchtfaktor und einen David Duchovny wie man sich Fox Mulder nie hätte vorstellen können.
        fornication it is!

  2. hulza
    März 31, 2010 um 10:12 am

    hehe, na das ist ja doch etwas völlig anders, aber Recht hast du: David Duchovny ist als Hank Moody unglaublich großartig. Bin aktuell so irgendwo in der 2. Season..
    Mein Review zur ersten Staffel gabs im Dezember: Califonication Season 1 – kann ich auch nur empfehlen!

  3. hulza
    April 9, 2010 um 3:11 pm

    Nochmal was aktuelles zu 24: Die aktuellen beiden Folgen der 8. und letzten Season waren übrigens nochmal richtig großartig, so wie man es aus Spitzenzeiten kannte: hohes Tempo, viel Adrenalin, gute Charakterdarsteller, und schockierende, stille Momente wie das Ende der Episode 16. Vielleicht wirds ja doch noch eine gute Season, aktuell machts wieder richtig Spass!

  4. brain
    April 13, 2010 um 2:06 pm

    schade dass 24 zu Ende geht

  5. brain
    April 13, 2010 um 2:09 pm

    24 war eine serie von wenigen mit ECHTER KLASSE.
    zudem hört lost ja auch auf.
    Schade, ich habe jahrelang 24 und lost gesehen und war begeistert.

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: