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Saison 2009/2010 – Der Rückblick

Das war sie also, die Bundesliga-Saison 2009/2010. Wieder alles beim Alten könnte man bei einem Blick auf die Abschlusstabelle bemerken: Der FC Bayern ist deutscher Meister, der Rest irgendwo verstreut dahinter. Und trotzdem blicke ich auf eine tolle, interessante und spannende Saison zurück. Mein frühzeitiger Saisonrückblick.


Irgendwie war es wohl die Saison der Holländer. Zumindest beim FC Bayern. Da holen sie einen Holländer namens van Gaal, der gleich zu Beginn mal festlegt, wo es langgeht („Ich bin Gott!“), Luca Toni gegen einen gewissen Thomas Müller (Müller, wer?) austauscht, Lucio zugunsten eines gewissen Holger Badstuber (Badstuber, wer?) aussortiert, einen anderen Holländer zum Kapitän macht und schließlich noch einen Dauerverletzten Holländer, den „gläsernen Mann“ von Real verpflichtet. Für 25 Millionen. Das diese 25 Millionen die wohl bestangelegtesten dieser Saison waren, konnte zu Beginn der Saison niemand ahnen. Und wenn einer nach dem 3. Spieltag gewettet hätte, das dieser gewisse Müller mit der großen Namenshypothek der Shootingstar der Saison werden würde und neben Badstuber mit zum WM-Kader gehören würde, hätte man ihn wohl ausgelacht. Denn an diesem Spieltag verlor der große FC Bayern nach 2 Unentschieden mit 1:2 am Mainzer Bruchweg – niemals wurde das „Wir sind nur ein Karnevalsverein“ lauter gesungen. Mainz außer Rand und Band, der Beginn einer sensationellen Saison für den Aufsteiger, der schließlich am Ende sogar vor der Eintracht aus Frankfurt landen sollte.

Aber zurück zum FC Robben Bayern: Besagter Robben (eingefleischten Fans natürlich ewig bekannt von Zeiten bei PSV und Chelsea) kam, sah und siegte. Auf einmal war er nicht mehr der ständig Verletzte, sondern zeigte Fussball wie vom anderen Stern. Nun gut, zumindest nach dem Herbst. Denn im Herbst sah es nach Niederlagen gegen Girondins „Wir schiessen Tore nur nach Standart-Situationen“ Bordeaux gar nicht gut aus für die teuerste Bayern-Mannschaft aller Zeiten. Und van Gaal? Der war kurz vorm Klinsmann-Schicksal, wie viel später herauskam. Natürlich nur ganz inoffiziell. Danach begann das, was man früher als Bayern-Dusel bezeichnet hätte. Nur, dass es diesmal kein Dusel war. Ich würde ja liebend gerne schreiben, dass die Bayern plötzlich in der Championsleague, im Pokal und in der Liga mit viel Glück Punkte und Tore sammelten – aber, und das sage ich ungern, wir durften die besten Bayern seit langer Zeit sehen. Eine taktisch super agierende Mannschaft, vorne das Olic-Monster, der lebendige Duracell-Laufroboter, der auch noch einem Ball hinterhersprintet, der schon quasi im Aus IST, im defensiven Mittelfeld ein Schweinsteiger (Huch, was macht der denn da?!), der wohl seine beste Saison spielte und wohl endlich angekommen ist als Führungsspieler, dazu die vielleicht beste Flügelzange der Welt – und obendrein Spielzüge aus dem Fussballlehrbuch (Exemplarisch das 2:0 von Müller gegen den VfL Bochum). (An dieser Stelle sei die Kontextschmiede empfohlen, und insbesondere dieser Taktikbeitrag von @erz_.)

Arjen Robben

Und natürlich Robben. Robben. Robben. Nochmal gefällig? Kein anderer Name wurde wohl während dieser Saison sooft genannt – und vermutlich zu Recht. Traumtore am Fließband (wie dieses oder dieses ), und obendrein noch sympatische Interviews und ein beständiges Dauergrinsen. Und das mit 27, auch wenn er aussieht, als würde er schon 20 Jahre Bundesliga spielen. Man muss ihn ja schon liebhaben und knuddeln wollen als Bayern-Fan. (Darf man sogar als Werder-Fan).

Alles zusammen ergab und ergibt das eine vor allem sympatische FC Bayern-Mannschaft, die endlich wieder attraktiven Fussball zeigt(e). (Auf einmal konnten sogar die müden Bayern-Fans ein bisschen für Stimmung sorgen.) Da bin ich sogar als Werder-Fan großteils begeistert, und auch wenn mir das nur schwer über die Lippen Tasten kommt, aber am Meistertitel für die Bayern ging in diesem Jahr nichts vorbei. Glückwunsch an die Isar. Den Championsleague-Sieg gönn ich Euch auch noch. In einer Woche in Berlin dürft ihr dann aber gerne verlieren 😉

Wo wir auch schon bei Werder wären. Und da bin ich in diesen Minuten nur glücklich. Ein bisschen musste man sich ja in den letzten Wochen schon die Augen reiben. Da holen die Grün-Weißen doch tatsächlich 22 Punkte aus 9 Spielen, krönen die Bayern ausgerechnet auf Schalke (!) zum Meister und ergattern sich nach einer zwischenzeitlich katastrophalen Saison Platz 3. Und damit die Qualifikation für die Königsklasse. Rückblick auf Spieltag Nummer 13: Werder fertigt Jogis Freiburger mit 6:0 Toren ab, und noch vielmehr als das Ergebnis beeindruckt die technische Beschlagenheit vom kleinen Özil, dem noch kleineren Marin und dem wiedererstarkten, ewigen Talent Aaron Hunt. Zeitungen mit 4 großen Buchstaben sprechen von einem neuen „magischen Dreieck“, und jeder Werder-Anhänger ist euphorisiert. Auch ich lasse mich hinreißen zu einem „Wow, so wird Bremen dieses Jahr wieder Meister.“ Wurden sie nicht. Und warum? Weil dann die Spieltage 14 bis 21 kamen: 21 mögliche Punkte, und Achtung: 2 Punkte geholt. Was dem ewigen Bayer „Vize“ Leverkusen (mit dem nun gesicherten Patent(!) „Vizekusen“ – und das als Vierter am Ende, auch ’ne Leistung!) am Ende der Saison nach zwischenzeitlichem Ligastartrekord passierte, durfte sich Werder also schon etwas früher erlauben – um am Ende der Saison nochmal zu zeigen, was in diesem Team an Möglichkeiten steckt. Man muss kein Genie sein, um zu schauen, wo Werder stehen würde, wenn man diese Phase der Saison mal ausblenden würde. Aber lassen wir solche Phantasien, der 3. Platz ist vor allem aus der Sicht der Rückrunde sensationell. Und hängt hochgradig damit zusammen, dass ein Spieler eine ganz starke Saison spielte: Torsten Frings. Viele schauen immer auf die Offensive oder Tim Wiese, dabei wird oft vergessen, wie wichtig dieser Spieler für Bremen ist. Auch Deutschland hätte er sicher gut getan, aber dem Jogi gefällt er ja nicht. Aber dem Jogi gefallen ja auch ganz andere nicht, wie Frings gut erkannte: „Leistung ist doch schon lange kein Prinzip mehr beim DFB“. Bei Werder schon, bei Thomas Schaaf schon lange, und so setzte sich in dieser Saison auch einer der Shootingstars durch: Philip Bargfrede, mit einer ganz unglaublichen ersten Saison. Nicht so im Blickpunkt wie die Bayernjungsspunde, aber den sollte man auch im Auge behalten. Lassen wir mal die unglückliche Verpflichtung von Aymen Abdennour und dessen Spiel gegen Arjen Robben außen vor, bin ich mit der Werder-Mannschaft 2010 sehr zufrieden. Jetzt noch der Pokalsieg gegen die Bayern und alles ist perfekt 😉

Zu Werder habe ich übrigens über die Saison vor allem 2 hervorragende Blogs verfolgt, welche ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen möchte: Das eher technisch und taktisch orientierte Werder-Blog und das eher persönliche Blog  „Meine Saison“ von Tobias Singer. Unbedingt lesen!

Das eine Mannschaft einmal weniger Heimsiege als Tasmania Berlin haben würde, hielt ich 20 Jahre für nicht möglich. Aber Berlin ist ja immer für Überraschungen gut. Hertha BSC ist also mit  einem einzigen Heimsieg abgestiegen – und ich finde da kaum tröstende Worte: Wer Voronin und Simunic leichtfertig abgibt, und stattdessen Wichniarek verpflichtet, hat grundsätzlich nichts Besseres verdient. Dazu kommen leidenschaftlose, und eher unsympatische Fans, ein leeres Olympiastadion und ein flüchtender Manager. Ein Bundesligaclub schaut anders aus. Auch mit dem zweiten Absteiger Vfl Bochum verbinde ich nun wirklich keine Tränen. Angsthasenfussball, ein wütender Trainer und Fussball ohne Attraktivität. Die „graue Maus“ machte ihrem Namen alle Ehre. Apropos schlechter Fussball:

Mein Negativ-Erlebnis dieser Saison ist der 16. Januar. Wir sind im Bremer Block im Frankfurter Commerzbank-Stadion, und sehen unser schlechtestes Live-Spiel aller Zeiten. Eintracht Frankfurt spielt wie ein Panzer. Grausam, aber halt sehr effektiv. Frankfurt gewinnt am Ende mit 1:0, nach gefühltem 2:15 Chancenverhältnis. (Das alles wäre nicht so wild gewesen, wenn es nicht MINUS 15 Grad gewesen wäre…). Spiel wird sinnbildlich für die ganze Saison der SGE: Ohne wirklich Fussball zu spielen, hängt man zeitweise in Europapokalgegenden. Unglaublich, – und das ist wörtlich zu nehmen – was Skibbe mit dieser Gurkentruppe erreicht hat in diesen 34 Spielen. Immerhin: es reicht am Ende nur für den 10. Platz, HINTER dem FSV Mainz05. (Mein dortiges Highlight im Stadion: der sensationell erkämpfte Heimsieg gegen Hoffenheim! )

Trauriges Highlight dieser Saison und sicher unvergessen ist der Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke. So ziemlich jeder redete darüber, die mediale Berichterstattung incl. der Trauerfeier  stieg in eine neue Trauerdimension. Brauch man nicht weiter auszubreiten. Alleine schon deshalb freue ich mich für die Mannschaft von Hannover 96, dass die den Klassererhalt mit einem klassischen Endspurt gepackt haben. Und siehe da, am Ende trifft sogar Mike Hanke wieder: DAS ist doch das eigentliche Wunder dieser Saison. Zum Topstürmer der Saison reichts für Hanke dann aber nicht ganz: Die Torjägerkanone sichert sich Edin Dzeko vom ehemaligen Meister (Das muss Jahre her sein!) Vfl Wolfsburg. Wohl zu Recht, wenn sonst schon niemand trifft beim VW-Verein. Der Autoclub darf sich dann bald wohl über die festgeschriebene (haha!) Ablösesumme von 40 Mille freuen.

Tschüss, Jens!

Tschüss, Jens!

Und dann war da noch der alte Mann vom Starnberger See aus Stuttgart: Jens Lehmann muss endlich nicht mehr mit dem Hubschrauber nach Stuttgart fliegen. Der deutsche WM-Held von 2006 machte heute sein letztes Bundesligaspiel, kassierte ein Tor von einem Spieler, der noch nicht geboren war, als er, Lehmann, sein Bundesligadebüt hatte. Passt irgendwie zur Karriere. Von ihm wird viel bleiben, allen voran seine Aussetzer. Diese Saison war aber auch hart: Wenn schon die Balljungen einem Lehmann, dem „besten deutschen Torhüter“ (Zitat Lehmann über Lehmann), den Ball wegnehmen, was ist da nur mit der Welt passiert? Und weils so schön ist, Lehmanns Zitat nach dem Spiel: „Jetzt gehe ich nach Hause und muss meine Kinder erziehen, damit wenigstens die korrekt werden.“ Danke Jens für solche Sprüche, herrliche Ausraster – und auch ein bisschen für das Viertelfinale. Damals, beim Sommermärchen, mit dem Zettel in der Hand.

Und wo wir schon bei Zitaten sind: Vermutlich mein Lieblingszitat der Saison kommt – mal wieder – vom Kaiser höchstpersönlich. Franz Beckenbauer auf die Frage, was er machen würde, wenn sein Sohn Schalke-Fan werden würde: „Er ist ein intelligenter Bursche, der bleibt bei den Bayern. Aber ich habe einen Enkel, der ist glühender Schalke-Fan. Der ist ein bisschen missraten. Aber sonst ist die Familie in Ordnung.“

Was bleibt sonst noch nach 34 Spieltagen? Mir bleiben viele denkwürdige Spiele und Situationen im Kopf. (Ich habe darüber hinaus mit 2 Prognosen nach der Hinrunde Recht behalten, Leverkusen wurde Herbstmeister und Stuttgart stand auf dem 17. Rang: „Leverkusen wird nicht Meister und der VfB kommt noch in die Europaleague.“ Damals wurde ich noch ausgelacht… ). Es war eine großartige Saison mit vielen schönen Toren, interessanten Diskussionen – und nicht zu vergessen auch einer immer größer werdenen Berichterstattung im Netz, in privaten oder größeren Blogs, bei großen oder kleinen Sportredaktionen. Zu erwähnen ist da vor allem Spox.com, die besonders mit ihrer „Alternativen Liste“ immer den lustigen Nerv der Woche treffen, eigentlich immer lesenswert. Ebenso empfiehlt sich neuerdings auch auf spox.com ein gewisser @GNetzer mit seiner Blogschau!

Nun werde ich mich entspannt auf die beiden noch kommenden Final-Spiele mit deutscher Beteiligung freuen, und dann ist fast schon wieder WM. Jogis Lieblinge in Südafrika, das kann doch nur ein großer Spass werden. Apropos deutscher Fussball: Da wird mir gar nicht mehr Bange, welche tollen deutschen Spieler wir dieses Jahr gesehen haben, die alle erheblich jünger sind als ich es bin: Özil, Marin, Müller, Höwedes, Badstuber, Hummels, Träsch, Reus, Sippel, Reinartz und wie sie alle heißen. Das stimmt mich wirklich optimistisch für viele weitere Nationalmannschaftsjahre.

Zum Schluss noch meine kurzfristig, gerade schnell zusammengewürfelte Mannschaft der Saison, nicht ganz positionell passend, aber Spieler die mir über die ganze Saison gefallen haben:

Tor: Heinz Müller

Abwehr: Philip Lahm, Sami Hyypiä, Naldo, Mats Hummels

Mittelfeld: Bastian Schweinsteiger, Torsten Frings, Toni Kroos, Arjen Robben

Angriff: Stephan Kießling, Edin Dzeko

Ersatzbank: Tim Wiese, Gonzales Castro, Benedikt Höwedes, Mesut Özil, Zvjezdan Misimovic, Ivica Olic, Claudio Pizarro, Thomas Müller

Und damit gute Nacht, bis zur nächsten Saison und spannenden Erstliga-Spielen.

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