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Deutscher Film (3): Jenseits der Stille (1996)

Nach einer längeren Pause gehts endlich weiter mit der Serie „Deutscher Film“. Hier möchte ich auf (kleine) deutsche Filme eingehen, welche einem breiteren Publikum wohl eher versagt waren, die es aber verdient hätten, eine größere Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn eines ist sicher: Der deutsche Film ist viel besser als sein Ruf. Heute mit dem Regiedebüt von Oscarpreisträgerin Caroline Link: das kleine, authentische Melodram „Jenseits der Stille“ von 1996.

"Wie klingt Schnee?"

Wie klingt der Schnee, wenn er auf die Wiese fällt? Wie hört sich Musik an? Solche Fragen bekommt die kleine Lara oft von ihren Eltern gestellt: Lara ist ein gesundes Mädchen und wächst bei ihren taubstummen Eltern auf, und ist somit die einzige die hören und sprechen kann. Von klein auf unterhält sie sich mit ihren Eltern in der Gebärdensprache und hilft ihnen als Übersetzerin in allen Lebenslagen, was unter anderem natürlich viel mehr Verantwortung mit sich bringt, als dies andere Kinder in ihrem Alter erleben. Lara würde alles für ihre Eltern tun, doch als junges Mädchen entdeckt Lara ihr Interesse für die Musik und beginnt, Klarinette zu spielen. Ihr Vater interpretiert dies als persönlichen Affront und distanziert sich immer mehr von seiner Tochter – soweit, dass Lara irgendwann beschließt bei ihrer Tante im weit entfernten Berlin glücklich zu werden.

Was wie ein gängiges, mitleidendes Kranken- und Behindertenmelodram klingt, ist in Wahrheit ein zutiefst berührender Film über das Erwachsenwerden, die Liebe und das Verhältnis zu seinen Eltern / seiner Familie. Im stillen Universum der Tauben lässt Caroline Link hier ohne Effekthascherei und Aufdringlichkeit eine Geschichte voller (stiller) Emotionen spielen. Dabei gelingt es der Regisseurin die Tauben als Menschen zu fassen, und nicht als mitleidsheischende Behinderte, wie man dies so häufig in Filmen erkennt. Link umschifft solche Metaphern wunderbar und zeigt in ergreifenden Szenen und wundervollen Bildern die Dramatik der Geschichte.

Vermutlich könnte ich noch lange schreiben und viel Gutes abhandeln, aber ich will es kurz machen: eine schöne , glaubwürdige Lebensgeschichte, tolle Kamerabilder (mit schönen Landschaften), grandios agierende Schauspieler (vor allem die Eltern gespielt von Howie Seago und Emmanuelle Laborit schaffen es mit Mimik und Gebärdensprache mehr Ausdruck zu schaffen als manche anderen Textschauspieler, erwähnenswert sicherlich auch die junge Lara!), sorgfältig und stimmig entwickelte Charaktere (welche mit ihren Sorgen, Wünschen, Ängsten und Konflikten perfekt skizziert sind), schöne Musik – und wie nebenbei noch wirklich berührende Szenen. (Einziger Wermutstropfen, wenn überhaupt, ist der ansonsten gekonnte Zeitsprung von der jungen zur erwachsenen Lara: Da sind mir die beiden Schauspielerinnen leider zu unähnlich.)

Jeder, der Filme mag, jeder, der berührende Szenen mag, muss diesen Film sehen. Wundervoll, und mehr als loben und als unbedingten Tipp weitergeben kann man da auch nicht mehr machen. Einer der leistesten, und dennoch wundervollsten Filme, die ich kenne.

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Hier gehts zu den ersten Teilen der Serie „Deutscher Film“:

(1) Die Unberührbare

(2) Wer früher stirbt ist länger tot

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