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Review: Melt! 2010, Part 1

It’s number 5, Baby! Nun, grundsätzlich waren es 13, aber für uns war es das 5. Melt!-Festival – 5 Jahre in Folge mit Sack und Pack 500km in den Osten um dort erst 2, und nun 4 Tage Musik zu hören, zu genießen und zu feiern. 5 Jahre Melt! – das ist auch Entwicklung und Fortschritt in fast jeder Beziehung. Wo man aber auch immer ansetzt: Melt! ist ein ganz starkes Festival und als großer Lichtblick in der Festivalkultur nicht wegzudenken. Mein Review zum 13. Melt!-Festival 2010 in Ferropolis.

Photo von Stephan Flad (Intro, Melt!) - Alle anderen Photos von mir.

Es ist heiß in Ferropolis. Es ist Donnerstag, und die erste große Anreisewelle schweppt über den Campingplatz des Melt!. Während das Wetter in den letzten beiden Jahren mehr oder weniger eine Katastrophe war (man erinnere sich an den Abbruch Freitag Nachts 2009), meinte es der Wettergott schon ein wenig zu gut. Keine Wolken und fast zu heiß. Vor allem für Luxuscamper wie uns, die meinen, sie müssten wirklich alles mitschleppen, ist diese Hitze für Schleppen und Aufbau schon hart gewesen. Doch das sollte sich noch auszahlen: Unser Pavillon wurde als Schattenort benutzt, das Trockeneis war als Eiswürfelfach und Kühlschrank nahezu unersetzlich und das Schlauchboot ist bei diesen Temperaturen auch eine willkommene Abwechslung. Camping beim Melt! ist sowieso so eine Sache: Weit entfernt vom Auto, weit entfernt von richtiger Wiese, weit entfernt von sauberen sanitären Anlagen. Aber seien wir auch mal ehrlich: All das gehört auch ein bisschen zu einem Festival dazu. Wenn man also erstmal die weite Anreise, das lange Schleppen und die Stoppeln auf den „Wiesen“ verdaut hat, und das erste kalte Bier auf ist, kann man sich auf ein wundervolles Lineup freuen. (Zum ersten Mal hätte ich die Möglichkeit gehabt auf dem VIP-Campingplatz zu zelten, aber was bringt mir Luxus, wenn ich meine Freunde nicht dabei haben kann/darf?)

Der Donnerstag Abend war immer so etwas wie das fröhliche Auftauen des Campingplatzes, mit verschiedensten Partys überall, und vor allem der Audiolith-Posse als großer, inoffizieller Eröffnungsrave. Diesmal etwas Neues: das Melt! hatte die Audiolith-Jungs einfach alle eingeladen auf dem Gelände ihre Party zu schmeissen – was diese natürlich gerne machten. Mit Egotronic ravten die Menschen also gegen Deutschland, mit Frittenbude, Bratze und Saalschutz gabs ebenso auf die Rave-Mütze: Ein großer Pferdemarkt war geboren. Nicht schlecht, aber meiner Meinung nach auch nicht überragend, aber das sehe ich rein musikalisch so: Andere feierten die Jungs ab wie nichts zuvor. Gute Stimmung garantiert, ein erster Blick aufs Festival – und dazu noch eine Veranstaltung für einen guten Zweck, alles super!

Vor der Mainstage bei Shout Out Louds am frühen Freitag Abend

Während es freitags nahezu unerträglich heiß wurde, war der Badesee – mal wieder – Gold wert. Die dortige Abkühlung war genau das Richtige, und der Startschuss in einen neuen, den ersten richtigen Festivaltag. Los gings auf der Mainstage mit den Shout Out Louds, die am frühen Abend bei noch hochsommerlichen Temperaturen die Main-Stage tanzen ließen. Wunderbare Musik, aber vor allem wunderbares Wetter, perfekt für den ersten Ausflug auf einen der Bagger: Dort oben hatte man nicht nur den Rundumblick aufs Festival, sondern als Extra-Gimmick war eine kleine Bühne aufgebaut, auf der kleine oder größere Künstler unplugged spielten. Das war überraschend und großartig. Bitte mehr davon 😉

Der große Vorteil des Melt!-Festivals ist auch direkt sein größter Nachteil: Die riesige Bandbreite an guten Acts mit Musik von Freitag nachmittag bis Montag morgen- und zwar durchgehend(!). Das klingt erstmal gut, in der Realität scheitert man aber einfach daran, alle tollen Acts zu sehen und zu hören, einfach weil man nicht in der Lage ist, alles zeitlich hinzubekommen (natürlich ganz zu schweigen von der überkommenden Müdigkeit). Das ist schade, weil man so manchen Act verpasst, den man sehr gerne gesehen hätte. Aber ich möchte mich nur wenig darüber beschweren, das ist ein echtes Luxusproblem. (Einige wundervolle Live-Shows verpasst, andere gesehen: Alles geht LEIDER nicht. Hier auch nur Auswahl der gehörten Acts.)

Two Door Cinema Club und Delphic direkt in Folge waren dann unser richtiger Einstieg in der Gemini-Stage. Gut, dass TDCC vom Intro-Zelt verlegt wurde, selbst hier platzte die Stage aus allen Nähten: Stimmung garantiert, bei beiden Acts. Delphic fand ich vielleicht den Tick besser, kann aber auch daran gelegen haben, dass ich dabei mehr im Getümmel war. Ich liebe die Gemini-Stage für ihre Stimmung, quasi als brodelnder Herd unter allen Melt!-Bühnen. Ausufernde Ekstase, das war schon 2006 bei meinem ersten Auftritt von Hot Chip so, das war auch hier nicht anders.

In der Geministage. Party garantiert.

Direkt im Anschluss den Klängen von Jònsi lauschen – in der mittlerweile perfekten, lichterstarken Atmosphäre der Hauptbühne. Wenn die Bagger visuell in Szene gesetzt werden, dann entsteht es erst so richtig: Dieses schöne Melt!-Feeling, die Verbindung von toller Musik und wohl einzigartiger Location. Jònsi war genau wie in Barcelona  auf dem Sònar wunderbar. Für mich ganz klar ein großes Highlight! Danach verpassten wir The XX, weil wir eine Durchschnaufpause brauchten, dankenswerterweise gab es genau da den Auftritt von Four Tet an der Beach-Bühne. Perfekter Chillen geht wohl kaum. Immer noch müde schauten wir uns anschließend die Show von Kele an. Musikalisch vielleicht das schwächste, was ich am Melt gehört habe. Eine Verwurschtelung von Dancefloor-Beats und Bloc-Party-Klassikern. Aber: Man muss Kele zugute halten, dass es eine 1A-Show war. Die Stimmung war bestens.

Zurück zum Strand war aber schnell die Devise, denn dort spielten Modeselektor., die gleich eine ganze Bühne kuratiert hatten, vor allem mit jungen – natürlich – Dubstep-Acts. Modeselektor spielten ein gewohnt gutes Set: ordentlich viel Bass und tanzbarer Dubtechno. Hat mir außerordentlich gut gefallen! Dagegen war die groß angekündigte Show „Feat. Bonaparte“ eher ein schlechter Witz. Auf Teufel komm raus lustig sein und Unsinn treiben kann nicht jeder und sollte auch nicht jeder machen. Liebe Modeselektor: Darauf könnt ihr gern verzichten, macht weiter mit eurer Musik! Letztlich war Modeselektor feat. Bonaparte die große, einzige Enttäuschung des Wochenendes.

Blick auf die Beach-Bühne, von Modeseletor kuratiert. (Freitag Abend im Sonnenuntergang)

Auffallend schon an den ersten beiden Tagen: Die riesige Anzahl an ausländischen Besuchern, allen voran Briten und Niederländern. Gefühlt waren es 60% nicht-deutschsprachige, real waren es 30% aller Besucher aus über 20 Ländern von allen Kontinenten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, als mich die Briten mit ihrer auffallenden Art desöfteren genervt haben, war ich 2010 vor allem begeistert von der friedvollen, respektvollen Stimmung untereinander und den spontanen Gesprächen, z.B. mit einem holländischen Converse-Team beim Steak-Abendessen auf(!) einem der Bagger. Außerdem wäre es ohne die Briten und ihre verrückten Modetrends ja fast schon langweilig: Über wen sonst sollte man lachen, wenn schon kaum jemand negativ auffällt und sogar die Security freundlich ist? 😉

Apropos erfreulich: Die Bus-Shuttles zwischen Camping und Gelände haben das erste Mal in 5 Jahren richtig funktioniert. Kurzes Anstellen, maximal 2-3 Buse abwarten (5-10 Minuten) und weiter gings. Das war nahe dran an der Perfektion, die ist übrigens erreicht, wenn der Bus für alle Camper dort weit unten auf halber Strecke am Ferropolis-Schild halten würde. Toll, dass die Festival-Organisation hier dazugelernt hat.

Abgesehen davon konnte man sich aber auch einfach am Sonnenaufgang über dem See erfreuen und sich auf sein „Bett“ freuen. Auch ich sage nun „Gute Nacht“, weiter mit Teil 2 gehts schon bald!

Hier gehts zum zweiten Teil des Reviews Melt! 2010.

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  1. Marcel.
    Juli 21, 2010 um 11:26 am

    Was haben Modeselektor und Bonaparte denn gemacht?

    • hulza
      Juli 21, 2010 um 7:45 pm

      Das ist eine gute Frage 😉
      Was das genau sein sollte, müssen sie mir selbst erklären. „hyper hyper“ auf Speed und Bass, dazu alles durch den Freakness-Fleischwolf gedreht.
      Kann man hier ganz gut schauen (min. 4.50 etwa.). Ging gut ab, aber war im vergleich zum tollen Modeselektor-Set vorher einfach nur schlecht.

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