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Music on Demand: Simfy und steereo

Während Blogs wie netzwertig seit Jahren auf Music-on-Demand-Dienste hinweisen, ihre Vorzüge preisen und den internationalen Markt beobachten, ist das Thema Demand-Musik bisher ziemlich an mir vorübergezogen. Während weltweit spotify einen großen Siegeszug antritt, sind es in Deutschland aktuell andere Seiten, die es geschafft haben sich im Lizenzen-Dschungel von GEMA und Majorlabels durchzuangeln und nun mit vielen Songs online dastehen: simfy und steereo. Ein Test, ein Vergleich und ein Urteil.

Alle Musikseiten im Netz waren für mich bisher nur zweitrangig: Ich wollte und konnte (!) auf meine eigene Musik zurückgreifen, eine eigene Musiksammlung hielt und halte ich für besser als ein Streamingdienst. Warum? Zum Einen waren mir die Dienste musiktechnisch zu schlecht: Mainstream ja, meine Musik nein. Zum Anderen war mir das über die Jahre einfach zu stressig: Nur über schnelles Netz, unterwegs schon gar nicht und es gab keine Möglichkeit seine Musik innerhalb der Dienste zu sortieren, einzulisten oder zu favorisieren. Ganz zu schweigen von den rechtlichen Problemen der Dienste und ihr oftmals verkündetetes Ende des Demand-Dienstes (z.B. ja auch das überraschende Ende dieser Möglichkeit bei Last.fm). In diesem Jahr ist das etwas anders: Die rechtliche Situation hat sich verbessert, durch mobiles Internet und entsprechende Apps gibts die Musik auch unterwegs, und technische Erneuerungen lassen die Dienste in ganz neuen Dimensionen erscheinen.

Music on Demand bedeutet Musik-Hören auf (oder mit) einem Internetdienst, zum Teil durch Gebühren finanziert, zum Großteil aber kostenlos. Dies bedeutet, dass den Nutzern solcher Dienste ein großes (sic!) Spektrum an Songs kostenlos zur Verfügung steht. Durch Deals mit den großen Plattenfirmen wie Sony oder Warner können die Dienste völlig legal Musik streamen, oder sie sogar offline zur Verfügung stellen. Zusätzlich gibt es Premiumbereiche, welche mit einer Art Musikflatrate daherkommen: Noch mehr Musik, noch mehr Möglichkeiten – aber gegen ein monatliches Entgelt. Diese Form der Praxis gibt es ja auch seit einigen Jahren schon bei  Anbietern wie Napster zu finden, eine komplettes Gratisangebot gab es bisher nur im Ausland, z.B. beim mittlerweile bekannten Spotify oder auch bei groovesharkSeit dem letzten Jahr stehen in Deutschland demgegenüber 2 noch recht junge Unternehmen, welche sich aber anschicken, in diesem Bereich eine große Punktlandung hinzulegen. Mein erster Test mit simfy und steereo. (Leider nur für die Webplayer und ohne mobiles Testen,da ich aktuell ohne Smartphone bin!)

Startseite simfy, 9.8.2010

Der erste Eindruck von simfy ist sehr gut: Überzeugendes, klares Design. simfy wirbt mit aktuell mehr als 6 Millionen Songs, aktuell kommen jeden Tag Neue dazu (heute bisher: 19.675 *Stand Quelle simfy). Großen Wert wird auf den Premiumbereich gelegt: Für 9,99 € im Monat gibts mehr, immer und überall. Doch davon lasse ich erstmal die Finger, ich möchte schließlich den Gratisbereich testen.

Ein erstes Stöbern bringt sehr überraschende Ergebnisse – zugegeben. Bei der Suche nach diversen Bands und Künstlern wie z.B. Radiohead gibt es insgesamt sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Diese Alben und Titel dort lassen sich dann ganz einfach nach Belieben abspielen, in Playlists einsortieren, und favorisieren. (Außerdem gibts zu jedem Künstler „ähnliche Musik“, wie man das von last.fm schon kennt, und die gewohnten Tags und Genrebezeichnungen). Das klappt alles sehr easy und ist in seinem Aufbau sehr schlüssig. Zudem gibts die Möglichkeit seinen Account mit last.fm zu koppeln, so dass die Titel dort gescrobbelt werden können. Schon nach 10 Minuten bin ich recht beeindruckt: Sogar Jónsis neuestes Album hat simfy drin, wunderbar. Ein erster Wermutstropfen bei dem schönen, neuen Robyn-Album – dieses bleibt Premiumkunden vorbehalten. Ein Radio gibt es nach Künstlern sortiert, z.B. ein „Muse-Radio“, mit Muse und ähnlichen Künstlern – genau wie bei Last.fm.

Der erste Blick bei steereo:

Startseite steereo, 9.8.2010

Auch hier ist das Layout gelungen, wenn auch nicht ganz so überzeugend wie bei simfy. Steereo arbeitet ebenso mit allen großen Majors zusammen, hat daher auch ein Millionenangebot an Songs, die genaue Anzahl finde ich leider nicht. Ein Premiumbereich ist natürlich auch an Bord – leider aktuell nicht verfügbar (hier sind aber auch etwa 10 € / Monat wahrscheinlich). Im Gegensatz zu simfy bietet steereo parallel zum Web-Player eine Desktop-App auch für Nicht-Premiumkunden – quasi als eigenen Musikplayer, der sofort mit Musik bestückt ist. (Ganz ähnlich, wie das wohl bei Spotify zu finden ist.)

steereo empfinde ich beim ersten Test als wesentlich komplizierter: Die Suche ist nicht so perfekt wie bei simfy,  oftmals  werden mir null Ergebnisse angezeigt, obwohl der Dienst eindeutig die Künstler dabei hat. Dann jedoch bietet steereo ähnlich gute Ergebnisse: Auch hier finden sich zahlreiche Alben und Titel von – wieder einmal – Radiohead. Auch hier kann man Favoriten erstellen, Playlists anlegen und die einzelnen Titel auch direkt mit z.B. Facebook verknüpfen. Anders als bei simfy kann man hier ein Album nicht sofort abspielen, sondern muss es zur Playlist hinzufügen, in der man dann aber nach Belieben aussortieren kann. Eine Kopplung mit last.fm soll es geben – ich finde sie aber nicht. Leider bezeichnend für den eher unübersichtlichen Seitenaufbau. Das Radio bei steereo bietet einzelne Genre-Radios, z.B. „Electronic“, „Independent“ oder „Rock“, spielt dabei zufällige Titel mit den dazugehörigen Tags.

Beide Dienste haben (bisher!) ihre Schwerpunkte ganz klar auf Mainstream-Musik, zwischen Radiodudelei und Top100 der Charts. Das ist nicht allzu verwerflich, man muss schließlich auch erstmal Kunden bekommen – und es für die Masse interessant machen. Ein bezeichnender Blick in die Topkünstler, bzw. die vorgeschlagenen Acts in der Stöberecke von simfy:

Künstler bei simfy

Das wiederum bedeutet natürlich für mich als Musikfan abseits des Mainstreams, das es etwas schwieriger wird: Beide Dienste bekommen große Schwierigkeiten, wenn man es mit kleinen Namen oder noch unbekannten Bands versucht. Vor allem in der von mir geliebten elektronischen Szene wird es schwierig, da fehlen natürlich viele Releases, gerade neueren Datums:

Insgesamt muss ich aber sagen: Für mich gibts es überraschend viel Musik, wesentlich mehr als ich gedacht hätte (zum Beispiel gibt es von MUSE bei beiden Diensten alles (zumindest an offiziellen Titeln fehlt mir nichts – bei simfy leider vieles für Premiumvariante!). Vor allem, wenn man bedenkt, dass simfy und steereo beide eigentlich erst am Anfang stehen. Viele Künstler sind schon eingetragen, jeden Tag kommt Musik dazu (Sogar Extrawelts „Schmedding/8000“ ist dabei ,) ). Und natürlich ist eine Suche nach „Mount Kimbie“ z.B. fast unfair, da diese gerade erst letzten Monat ihr erstes Album released haben. Insgesamt lässt sich vor allem das Angebot von simfy als super bezeichnen, sogar noch eher unbekannte tolle Bands wie „Two door cinema club“ oder „Miike snow“ sind mit an Bord, auch wenn dies natürlich noch ausbaufähig ist. Der Web-Player übrigens gefällt mir bei simfy besser, sowohl optisch als auch von seiner Struktur, insgesamt ein klares „sehr gut“:

Webplayer simfy

Ein erstes kleines Fazit nach 2 Tagen Testen:

Nach 2 Tagen Herumspielen und Testen mit steereo und simfy bin vor allem ich selbst überrascht: Music on Demand kann funktionieren. Es gibt jede Menge Auswahl, viele Funktionen für z.B. eigene Playlists (im Grunde ganz ähnlich wie in iTunes etwa!) und das Ganze auch für unterwegs (selbst offline!) – was ich leider bisher noch nicht testen konnte.  Im Test zwischen den beiden deutschen Unternehmen simfy und steereo gab es auf beiden Seiten viel Gutes, und auch einiges Negatives. Grundsätzlich gibt es einen klaren Gewinner meiner Gunst: simfy! Deren Seite besticht durch funktionierendes Suchen, einfaches System und insgesamt sehr gut durchdachte Funktionen, sowie ein schönes Layout. Dazu kommt ein schöner Player mit den wichtigsten Funktionen und etwas elementares: Alles ist übersichtlich, klar strukturiert und für jeden User einfach zu bedienen. Das sieht bei steereo völlig anders aus: Eher unübersichtlich von der Struktur her, die Suche hakt etwas, der Premiumbereich nicht zur Verfügung stehend. Für steereo spricht vor allem eins: Weniger Premium, mehr gratis. So gibts es zb die Desktopapp und die mobile App für Smartphones bei simfy nur als Premiumkunde, bei steereo ist sie mit dabei. Als Nutzer, dessen digitale Musiksammlung mit vielen hunderten Alben abgebrannt ist, sind beide Dienste aber von großem Nutzen. 😉 (Ich könnte mir sogar ein Premiumpaket von simfy vorstellen: Wirklich überzeugend, und auch von unterwegs auf soviel Musik zuzugreifen ist enorm.)

Man wird in der Zukunft vor allem mit Spannung darauf schauen müssen, wie simfy und steereo auf den Markt reagieren, wie sie mit einem geplanten Einstand von Spotify im deutschen Markt zurecht kommen und wie nutzerfreundlich sie in Zukunft sind: 1) Wie teuer ist die Flatrate? (simfy wird z.B. bald einen Studenten-/Schüler-Preis für den Premiumbereich bekommen.) 2) Welche Besonderheiten gibt es? (mobile Apps, Musikauswahl, Genius-DJ wie bei iTunes, etc.)  3) Gibt es viel Musik abseits des Mainstreams? (Vielleicht mitentscheidend: Auswahl an Musik!)

Ich jedenfalls habe viele Vorteile der Demand-Dienste kennengelernt, obwohl ich mich solange dagegen gesträubt habe. Ich werde auch weiterhin eine eigene Sammlung anlegen, aber vieles spricht dafür, dies in Zukunft nicht mehr in diesem großen Umfang zu machen, die Festplatten nicht unnötig zu belasten und lieber online eine digitale Sammlung aufzubauen – abrufbar von jedem PC der Welt, mobil abhörbar und vor allem komplett legal und nicht zerstörbar durch einen Datencrash 😉

PS: Wer dann noch Songs, Tracks, Remixe und Cover weit abseits des Mainstreams sucht, wird sicherlich bei der guten Hypemachine fündig. Viel Spaß dabei!

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  1. August 10, 2010 um 9:13 pm

    Ich habe einen Spotify Premium-Account und habe auch schon bei Simfys Desktop und iPod-App getestet. Optisch hat sich Simfy schamlos am Vorbild orientiert. Das ist nicht unbedingt das Problem. Nur ist die Desktop-App dabei etwas schludrig zusammengeschustert worden. Sie ist deutlich langsamer als Spotify, basiert auf Adobe Air, und verbraucht mehr Ressourcen. Musste wohl schnell gehen.

    Als Web-App finde ich Simfy aber spitze! Unterwegs und zuhause bleibt Spotify meine Nummer 1.

  2. hulza
    August 11, 2010 um 12:01 am

    Bisher habe ich simfy nur über die Web-App getestet, daher kann ich die anderen Probleme kaum bewerten. (Vielleicht werde ich bald auf simfys Angebot eingehen, mal einen Monat Premium zu testen, dann gäbs ja einiges mehr zu probieren.)

    Btw Spotify: Wie umgehst du das Problem aus Deutschland Spotify zu nutzen? Welche Vorteile hat Spotify noch gegenüber Simfy?

  3. Stefan
    August 11, 2010 um 7:57 am

    Hätte es kaum für möglich gehalten, aber das Thema ist das tatsächlich total an mir vorbei gezogen. Danke Hulza, für deinen Blog … ich bin ziemlich begeistert. Okay, ich finde tatsächlich nicht die aktuellesten Releases und auch nicht alle meine favorisierten Künstler, aber die Auswahl ist wirklich toll und ich finde vor allem tolle „alte Stücke aus der Jugend“ 😉

    Ach Hulza … Inception … haben wir gestern Abend gesehen. Würd ich gern mal bei nem Kölsch mit dir drüber diskutieren!

  4. hulza
    August 11, 2010 um 4:19 pm

    Stefan :

    Okay, ich finde tatsächlich nicht die aktuellesten Releases und auch nicht alle meine favorisierten Künstler

    Ja, da fehlt tatsächlich noch einiges, aber das geht auch noch unter Startschwierigkeiten durch. ;>
    Insbesondere im elektronischen Bereich dürfte es schwierig sein, alle Freigaben der vielen, kleinen Labels zu bekommen. Da sind viele Deals nötig, das benötigt Zeit, Arbeit und viele Kosten.
    So gibt es zB jetzt schon viele eingetragene Künstler, bei denen noch gar keine Releases dabei sind. Ich vermute – und hoffe – dass das in Zukunft noch weiter ausgebaut wird.
    Dafür überrascht mich dann einiges auch immer wieder: Gerade eben auf den großen Katalog von Dominik Eulberg bei simfy gestoßen, das ist ordentlich! Ich widme mich dann auch direkt mal dem 19 Minuten Minilogue-Remix von „Daten-Übertragungs-Küsschen“ 😉

  5. August 11, 2010 um 8:57 pm

    Ich umgehe Spotifys Geoblocking nicht aktiv. Ich bin wohl als User der ersten Stunde „akzeptiert“. Ich habe im Januar 2009 einen Monat Premium-Mitgliedschaft gekauft. Das konnte man damals noch ohne weiteres außerhalb von Schweden.

    Nach dem Monat nutzte ich das kostenlose Streaming, bis Spotify dieses im September 2009 für nichtzahlende Kunden außerhalb der Live-Countries abgeschaltet haben. Seitdem zahle ich wieder.

    Und ich muss nicht regelmäßig von einer gültigen IP-Adresse kommen. Es läuft einfach ohne Probleme. *toitoitoi*

  6. Stefan
    August 13, 2010 um 8:38 am

    Auch der Ksta hat das Thema entdeckt: Hier ein Artikel aus der gestrigen Ausgabe http://www.ksta.de/html/artikel/1281517282744.shtml

  1. Oktober 11, 2010 um 2:58 pm

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