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DVD-Tipp: Into the Wild (Sean Penn, 2007)

Es gibt nur einen einzigen Vorteil, wenn man krank ans Bett gefesselt ist: Man kann endlich mal wieder lang vor sich hergeschobene DVDs zu sich nehmen, ausführliche Seriennachmittage machen und TV schauen. Also schöne Dinge, zu denen man sonst leider nicht mehr kommt, die aber nicht mehr Kraft benötigen als die Fernbedienung hochzuheben. Und schon länger lag da diese DVD bei mir, Sean Penns 5. Regiearbeit: „Into the wild“.  Dieser Film sei hiermit jedem, der ihn noch nicht kennt, wärmstens empfohlen.

Wer wollte noch nicht alles hinschmeissen und dem Ruf der Freiheit folgen?

Während viele Menschen von einem solchen Leben träumen, macht sich Christopher McCandless 1990 wirklich auf den Weg ins Nirgendwo. Lossagen von jedem materiellen Besitz, ohne Geld und Güter, völlig alleine macht er sich auf einen zweijährigen Trip durch die USA, bis er am Ende in der tiefen Wildnis Alaskas landet. Christopher hat alles, was sich der Durchschnittsmensch wünscht: materielle „Sachen“, wie er es nennt, abgeschlossenes Studium mit Bestnoten, eine sichere Zukunft. Er entscheidet sich aber für das Leben in Freiheit, für das Leben in der Wildnis. Diese wahre Geschichte erzählt der Film „Into the wild“ nach dem gleichnamigen Roman von Jon Krakauer.

Die Reise beginnt am „magic bus“, dort wo die Reise und der Film auch enden werden – zumindest im Film. Denn mit den beeindruckenden Bildern und Aufnahmen aus Alaska lässt Penn seinen Film starten, um später Christophers Leben und Reise in Rückblenden zu erzählen. Und weil Christopher ein Literaturfan ist, ist der Film aufgesplittet in verschiedene Kapitel – genau wie in einem Buch eben. In diesen Kapiteln erfährt der Zuschauer nach und nach die Gründe für Christophers innere Zerrissenheit, die lange zurückliegenden Erfahrungen, die ihn nun auf die Suche nach seinem wahren Ich bringen. Und natürlich erlebt man gemeinsam mit Christopher seine zweijährige Reise durch die USA, durch Wüsten, Berge, reißende Flüsse und endlose Natur. Viel wichtiger bei seiner Reise sind aber die Menschen, die er trifft und kennenlernt: Vom FBI-gesuchten Südstaatler, über ein sexuell aufreizendes Mädchen, zum Hippiepärchen, und schließlich einen alten Veteranen, der ihn sogar adoptieren möchte. Das sind Begegnungen, die sowohl Christopher als auch seine Bekanntschaften prägen. Bei allen Abschieden hinterlässt er wehmütige Menschen und Tränen. Ihm selbst scheint dies nichts auszumachen, nur sein Ziel Alaska im Sinn.

„Ich bin nicht Superman. Ich bin Supertramp. Und Du bist Superapfel.“

Emile Hirsch spielt den jungen Christopher McCandless herausragend gut. Man nimmt ihm in jeder Sekunde den lebenslustigen Menschen auf der Suche nach dem großen Abenteuer ab (und dabei kannte ich Hirsch bisher nur aus dem klamaukartigen Teeniestreifen „The girl next door“.). Schauspielerisch beeindruckend sind vor allem die Szenen, in denen Hirsch alleine agiert, vor allem in Alaska und den letzten Minuten des Filmes. Überhaupt der Cast: Sogar Vince Vaughn als Wayne ist super, Catherine Keener und Hal Holbrook nahezu großartig. Doch das sind natürlich alles nur Randnotizen, Hirsch ist die treibende Kraft in diesem Film, und mit einer solchen Darstellung fällt oder steht ein Film. Hier macht Penn mit dieser Besetzung alles richtig, sogar die Ähnlichkeit mit dem echten Christopher ist verblüffend.

Filmisch ist das große Klasse: Bewegende Dialoge, unglaublich schöne Naturaufnahmen, perfekt eingefangene Szenen. Dies alles macht aus Penns „Into the wild“ einen wunderbaren, nachdenkenswerten, spannenden, und ja, auch traurigen Film der Extraklasse. Am Ende lässt Penn den Zuschauer mit vielen Fragen zurück: Warum unbedingt Alaska, obwohl er vorher alles gefunden hatte, was er suchte: Liebe, Freunde, einen fürsorglichen (Groß-)Vater? Was trieb den jungen Christopher an, außer seinem schlechten Elternhaus? Was wäre gewesen, wenn…? Vielleicht ist es ein Manko des Filmes, darauf nicht einzugehen, aber nach langer Überlegung denke ich, dass es genau so richtig ist: Da man gar nicht genau weiß, was in Christopher vorging, sollte man dies auch nicht überbewerten. Am Ende bleibt man etwas erschöpft und sentimental von 142 langen Minuten zurück, aber mit einem guten Gefühl, einen herausragenden, tollen Film gesehen zu haben. Mein absoluter DVD-Tipp.

Und ganz zum Schluss überrascht Sean Penn, der vorher seinen Helden stets pathetisch darstellt, dann doch noch – mit einem wunderschönen, aber auch traurigen Zitat:

„Happiness is only real when shared.“

Neugierig geworden? Dann gibts hier den (deutschen) Trailer:

Übrigens: Grandios ist der von Pearl Jam-Frontman Eddie Vedder eingespielte Original-Soundtrack. Den höre ich schon länger immer wieder sehr gerne, jetzt durch die passenden Szenen Film noch viel mehr. Tolle Songwriter-Gitarrenstücke. Zum Beispiel Long Nights.


  1. blutsschwester
    Oktober 1, 2010 um 2:48 pm

    Wunderbarer Film, noch besserer Soundtrack und eine tolle Kritik!

    Wenn’s recht ist, werd ich das auch auf meinem Blog verlinken.

    Deine Blutsschwester.

  2. Flo
    Oktober 18, 2010 um 1:52 pm

    Großartiger Film…. hatte das Buch während des Zivildienstes geradezu verschlungen!

  1. Oktober 1, 2010 um 2:50 pm

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