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Unkle Boonmee erinnert sich an sein früheres Leben

Wer bei der Überschrift schon ein wenig gestutzt hat, wird es wohl bei diesem Namen noch mehr tun: Apichatpong Weerasethakul. So heißt der thailändische Regisseur, der für „Unkle Boonmee Who can Recall his past life“ die diesjährige goldene Palme in Cannes geworden hat. Das macht zumindest neugierig, und so wurde es für mich gestern abend der erste Kinofilm auf thailändisch. Der hoffnungslose Versuch einer Kritik.

 

Trash oder doch vielmehr Kunst?

Aus westlicher Sicht erscheint es schwierig einen Film zu sehen, der geprägt ist von Geistern, Spiritualität und der Frage nach dem Leben nach dem Tod, der Reinkarnation, welche auch heute noch größtenteils in Thailand geglaubt wird. Genau darauf muss man sich aber einlassen, sonst hat man schon nach wenigen Minuten in „Unkle Boonmee“ keine Chance. Es benötigt schon einen großen Grad an Aufgeschlossenheit, um dem Film eine gute Note zu geben: Wir waren immerhin acht Personen im Kinosaal. Dass es dann schließlich noch mystischer, ja, schwieriger wurde, als ich schon erwägt hatte, steht im krassen Gegensatz zur Behauptung, dies sei Weerasethakuls eingängigster Film. (Ich schätze, die anderen Streifen muss ich dann nicht unbedingt sehen.)

Unkle Boonmee leidet an Nierenversagen. Zum Abschluss eines langen Lebens ruft er seine Schwägerin und seinen Neffen zu sich auf ein einsames Landgut. Als das Trio am Abend auf der Veranda zusammensitzt, gesellt sich plötzlich Boonmees vor 19 Jahren verstorbene Frau Huay zu ihnen. Und nur wenig später taucht dann auch noch Boonmees vor langer Zeit verschwundener Sohn Boonsong auf. Dieser hat inzwischen die Form eines Geisteraffen (siehe Bild oben) angenommen, einer mysteriösen Spezies, die Boonsong damals erforschen wollte. Nachdem er sich über die Ursachen seiner Krankheit versucht klarzuwerden, macht sich Boonmee gemeinsam mit seinen Liebsten auf den Weg zurück zu seinem Ursprung – einer Höhle, die nicht allzu weit von seinem Haus entfernt liegt…

Während dies anfangs noch chronologisch aufgebaut ist (bis auf eine mutige Kuh während des Intros), verschlittert sich der Film immer mehr in surreale, fast trance-artige Szenen, die zum Teil zwar magisch sind in ihrer Eigenart, aber jedoch in ihrem größeren Kontext schwierig einzuordenen sind. Schnell ist klar, dass das zentrale Thema der Tod, bzw. seine verschiedenen Formen nach dem Tod sind, und Unkle Boonmee erinnert sich an seine früheren Reinkarnationen, zumindest, wenn ich die eingeschobenen Szenen richtig interpretiert habe. Welche Figur der komplett unabhängigen Momente schließlich Boonmee war, bleibt dem Zuschauer überlassen, es gibt weder Antworten noch Deutungen. Die wohl irrwitzigste, und im Kopf bleibende Reinkarnations-Szene ist bestimmt von einer Prinzessin, welche in jungen Jahren wunderschön war, und nun in einem See ihr Spiegelbild anschaut. Schließlich wird sie von einem Wels (!) mit Komplimenten überschüttet, so dass sie sich ins Wasser begibt, sich ihres Schmuck und ihrer Kleidung entledigt – und unter krampfhaftem Zucken von dem Wels (!) oral befriedigen lässt. – Ob Boonmee nun der Wels war? Man wüsste es gerne. An diesen Punkten im Film überlegt man schon, was der Regisseur hier aussagen möchte: Geht es Ihm um die Transzendenz aller Wesen? Um die Seelenwanderung zwischen allen Teilen der Natur, zu wir Menschen schlussendlich auch gehören?

Es gibt einige wirklich anrührende Momente, Fragestellungen, die im Kopf bleiben. Was passiert nach dem Tod? Was waren wir vorher? (War Boonmee etwa auch die Kuh zu Beginn? Fragen über Fragen.) Das ist – mit einem Tag Gedanken dazu – wirklich interessant, und filmtechnisch sowieso faszinierend dargestellt. Aber während der 113 Minuten des Streifens fehlen mir persönlich etwas die großen Zusammenhänge, die Deutungen. Es bleibt ein verwirrender, schwieriger, anstrengender, auf eine gewisse Weise äußerst faszinierender Film zurück. Auch ein nachdenklich machender. Aber ebenso kommt einem auch spontan der Gedanke, ob man sich diese 2 Stunden „Trash hätte sparen können“? Man muss es wohl als Filmkunst ansehen, als Kunstform einer religiösen und philosophischen Darstellung, weniger als Unterhaltung, weniger als Film an sich, denn es gibt hier keinen Fluss, kein Anfang und kein Ende. Wirklichkeit und Vergänglichkeit werden einzigartig vermischt. Speerspitze der Filmkunst? Vielleicht. Aber auch eine äußerst anstrengende Art Film. Am Schluss bleibt – zumindest bei mir – ein kribbelndes Gefühl zurück: Auf der einen Seite eine Kunstform gesehen zu haben, die mich auf eine paradoxe Weise fasziniert hat, auf der anderen Seite mein Unverständnis, meine Fragen, mein verwirrter Kopf, in dem Welse, Menschenaffen und Glitzerbeerdigungen herumgeisterten. Schlußendlich muss ich hier wohl gestehen, dass ich diesen Film überhaupt nicht einordnen kann, folgerichtig gibts hier auch keine besondere Wertung. Solche Themen, solche Kunstformen kann man wohl nur völlig subjektiv beurteilen.

Hier ist der Trailer für Euch:

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