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Review: Caribou live in Heidelberg (mit Mount Kimbie & Barbara Panther)

Im Rahmen des Enjoy-Jazz-Festivals in Heidelberg gaben sich am späten Dienstag Abend im Karlstorbahnhof die Kanadier von Caribou die Ehre, mit kräftigem Support von Mount Kimbie und Barbara Panther. Eine kleine Rückschau auf mein zweites Live-Erlebnis mit Daniel Snaith und seinen Musikern.

Es ist auch gleichzeitig meine Premiere im Heidelberger Karlstorbahnhof, einer kleinen Konzertlocation direkt in Altstadt-Nähe. Gemütlicher erste Eindruck, und schnell rein in die noch sehr überschaubare Menge an Menschen unterschiedlichen Alters. Vermutlich auch bedingt durch den Rahmen des Jazz-Festivals waren auch viele ältere Menschen mit dabei: gut so! Und es geht auch schon los: Die aus Ruanda stammende, – natürlich – in Berlin lebende Sängerin Barbara Panther legt los. Loslegen heißt hier: Eine unfassbar dünne Frau mit schrillem Auftreten betritt die Bühne, benötigt lediglich 2 Mikrofone, einen deutlichen Verzerrer und einen Laptop. Panther erinnert uns alle schon nach wenigen Minuten an Björk, dazu im Auftreten ein bisschen an Grace Jones, im Entfernten klingt es vielleicht auch etwas nach Fever Ray (oder halt The Knife). Was sie singt, ist nicht immer verständlich, hat aber dieses gewisse Etwas, was schließlich doch fasziniert. Sie tanzt und schreit sich in Ekstase, immer gefolgt von einem schnellen „Dankeschön“ mit einem schüchternen Lächeln auf den Lippen. Interessante Musik, interessante Person.

Kurzer Break, es wird auch langsam voller im vorderen Bühnenbereich. Das Londoner Dub-Duo Mount Kimbie startet. Dub, gerade aus London, ist ja schon seit Burial etwas zu meiner besonderen Liebe geworden, und in den letzten Jahren ist da an tollen Künstlern viel hinterhergekommen (nicht zuletzt mit Magnetic man ja sogar im kommerziellen Erfolg sichtbar.) Dieses Jahr waren es vor allem Mount Kimbie, welche mit einer tollen Platte auf sich aufmerksam machten. Ihre Musik ist nicht zwangsläufig Clubmusik, ich mag das lieber zuhause, chillig, mit einem Glas Single Malt in der Hand (wie zur späteren Stunde nach dem Konzert!). Das es aber auch live ganz gut funktioniert zeigten Kai Campos und Dominic Maker mit ihrem etwa halbstündigen Support. Welchem Genre man das auch immer anlasten will: Mir gefällt es ausgesprochen gut, es ist ein bisschen „Augen zu und träumen“-Musik. Entspannt durch Klangwelten, bei denen man nicht immer weiß, wie sie gerade genau entstehen. Und so klingt das dann.

Und es wurde nochmal voller. Daniel Snaith mit seinem aktuellen Projekt „Caribou“ war da. Auch hier hatte er wieder 3 Musiker dabei: Drummer, Bassist, Gitarrist. Er selbst am Keyboard, Gesang, Percussions, Second drums und Gitarre. Ein richtiges Multitalent, dieser Herr Snaith, und ein Mathematik-Diplom hat er auch noch. Mehr Nerd geht wohl kaum. Los gehts mit Kaili, und schon ist Caribou voll dabei. Hier gibts wenig Ruhepause, wenig Momente zum Innehalten, es ist mehr ein Set als eine Tracklist, teilweise endlos verlieren sich die 4 Musiker in Instrumental-Parts (Die Zugabe „sun“ wird auf über 12 Minuten gezogen!). Das ist manchmal etwas zuviel des Guten, man möchte ihnen zurufen: kommt mal zu einem Punkt. So kann man sich zumindest an den ausufernden Solis und dem prägenden Drum-Sound erfreuen: Vor allem Brad Weber am Schlagzeug ist ein echtes Highlight! Es dauert ein bisschen, bis das Publikum (und wir) warm werden, dies liegt vor allem an zwei Punkten. Es ist schlichtweg zu voll, ständig Haare im Gesicht, und es ist kaum möglich zu klatschen, weil man die Arme nicht richtig hochbekommt. Letztlich ein Luxusproblem, auf Dauer aber wirklich nervig. Zudem ist der Sound – zumindest an unserer Position – eher mies: Der Bass verschlingt alles, Höhen (vor allem Snaiths Keyboard-Sounds) gehen extrem unter. Vor allem die ersten 3 Songs leiden darunter sehr, später wird es nachkorrigiert. Sehr schade.

Das sind aber auch schon meine negativen Eindrücke. Ansonsten sind die Tracks natürlich klasse, die Liveperfomance intensiv und sehr gut. Richtig stark wird’s gegen Ende, der Ton passt besser, die Stimmung wird besser. Mit den abschließenden „Odessa“ und „sun“ krönen Caribou ein gutes, wenn auch nicht überragendes Konzert. Es macht einfach Spaß mit diesen Jungs, Spaß mit diesem wilden Mix aus verschiedenen Musikstilen. Ich freue mich auf mehr von Caribou. Und gerne komme ich auch zurück nach Heidelberg. Dort gab es neben dem feinen Konzert immerhin auch noch Riesentorte und Single Malt und viele gute Gespräche. Danke dafür 😉

Und so schaute es dann aus bei „Hannibal“:

Richtig toll dann die Zugabe, viele Minuten „sun“ extrem. Hier live zu sehen, aber mit einem Video aus der Schweiz.

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  1. November 18, 2010 um 10:11 pm

    The sound is never adjusted right at Karlstor – otherwise, a great show!

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