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Unter dem Truthahn-Radar: Scooter live

Scooter sind die erfolgreichste „deutsche“ Band, lässt man Plattenverkäufe und Charterfolge sprechen. Auch in meiner Jugend ging an „Move your ass“ (1995) oder „Hyper Hyper“ (1994) kein Weg vorbei. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mir die Jungs um Hans Peter „Baxxter“ Geerdes mal live anschauen würde. Gestern abend in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen war dann doch äußerst spontan. Ein Review auf einen durchaus spassigen Abend.

Schon der Tourtitel sagt einiges darüber aus, wie ernst sich Scooter selbst nehmen: „Under The Radar Over The Top – Stuff The Turkey X-mas Tour 2010„. Und nur, wenn man sich selbst und seine sonst verwöhnten Musikgeschmacksnerven nicht zu ernst nimmt, kann ein Konzert mit Scooter gelingen. Dass ich etwa 3 Stunden vor Einlass gefragt wurde, ob ich mit möchte zum „bestimmt lustigen Scooter-Konzert“, war überraschend, aber natürlich sagte ich sofort zu. Warum auch nicht?

Die „Vorband“ sollten Scooter aber vielleicht nochmal überdenken, über die houserockerz schreibt sichtpunkt passend: „Präsentiert wurde ein  Mix aus Charthits, Vocalhouse und Fußballhits – eine äußerst interessante Mischung.“ Eine äußerst schlechte Mischung, die nur zu ertragen war, weil es so schlecht war, dass es fast schon wieder lustig war. Geschenkt, schnell noch ein paar Bier getrunken. Ein lauter Knall, Scooter stehen auf der Bühne und legen los. Für die nächsten 90 Minuten wird es einen Takt geben, einen Rhythmus, nur unterbrochen für die trancigen Frauenstimmen-Anteile. 90 Minuten Vollgas mit einem Publikum, was sich zusammensetzt aus den verschiedensten Schichten, von 16 bis 70 Jahren. Schon interessant, wer alles bereit ist 45 € für ein bisschen Keyboard-Sound und Party zu bezahlen 😉 Passend zur Hochzeit von Scooter gibts natürlich Bauarbeiter-Outfit, Trillerpfeife und jede Menge Warnwesten.

H.P. "fucking" Baxxter in Aktion.

 

Mit dem 2. T-Shirt...

Hans Peter sieht mit seinen 44 Jahren geliftet blendend gut aus, macht ohne Probleme mit nur einer kürzeren Pause die Frontsau, brüllt sein „Always Hardcore“ in die Menge, lässt sich auf „Faster, Harder“-Kommando mit SCOOTER-Sprechgesang feiern und stellt sich selbst als „H.P. FUCKING Baxxter“ vor. Das alles in glitzernden T-Shirts, die an Hässlichkeit kaum zu überbieten sind. Nun ja, es ist wohl dieser kleine Kosmos, in dem all dies funktioniert: Tausende Besucher, die für einen Abend nochmal einen Neunziger-Rave nachholen, nicht über die unterirdische Musik oder geschweige denn die monotonen Bassläufe nachdenken. Und lässt man solche Gedankenspiele beiseite, funktioniert das wirklich. Eingelullt von einer unfassbaren (!) Lautstärke und einer ordentlichen Portion Lightshow mit viel Pyroeinsatz macht das spätestens bei „I’m raving“ richtig Spass. Und wenn man erstmal angesteckt ist von tausenden Händen, die ständig in die Luft fliegen, herumspastenden Tänzern und der allgemeinen guten Laune, ist man eh schon mittendrin angekommen.

Und so sah das zum Beispiel bei „Nessaja“ aus. Ein hilfloser Versuch ein Video zu machen, die Lautstärke frisst alles weg, die kleine Cam übersteuert leider extrem:

Scooter ist nichts für schwache Nerven, Langweiler oder Gegner von Körperberührungen. Man sollte schon etwas Spass an der Sache haben, doch ganz so wild wie zum Beispiel bei den Hamburger Deichkindern wirds dann schließlich auch nicht. Und so machen die 90 Minuten mit Scooter eine Menge Spaß bei ohrenbetäubendem Lärm. Neben ein paar neueren Songs des aktuellen Albums beschränken sich die drei Jungs fast ausschließlich auf „Klassiker“, von „One“ bis „How much is the fish“ ist quer durch die Diskographie fast alles dabei. Es gipfelt schließlich in einer langen „Maria„-Version, bevor es als Zugabe ein Medley aus „Endless Summer„, „Hyper Hyper“ und „Move your Ass“ gibt. Und Schluss.

Ein zweites Video zum erwähnten „Maria, natürlich wieder absolut übersteuert. Wie soll das kleine Mikro auch diesen Krach aushalten? 😉

Fazit: Geschmacklich unbelastet ein riesengroßer Spaß. Unter dem Radar des Geschmackes, aber doch over the top, und dass alles kurz vor Weihnachten: Truthahn-großartig. War in jedem Falle eine Bereicherung meiner kleinen Konzertliste 😉 Das nächste Mal aber dann mit einer Warnweste in orange. Danke für den lustigen Abend!

 

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  1. b-horn
    Dezember 7, 2010 um 6:28 pm

    man kann über scooter denken und sagen was man will, aber vom soundvolumen und der soundqualität sind die jungs seit jahren ganz weit vorne.

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