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Die Top-Alben des Jahres 2010

In den letzten Tagen und Wochen konnte man ja nun wirklich auf nahezu jeder Seite, die sich mit Musik beschäftigt, die Jahresbestenlisten lesen, hören, diskutieren, bestaunen oder bewundern. Da möchte ich natürlich nicht fehlen, und präsentiere hier nun auch schon vor Weihnachten meine Alben des Jahres 2010.

Ich habe mich schwer getan mit dieser Liste. Im Gegensatz zu manch anderer Meinung bin ich mit dem Musik-Jahr 2010 mehr als zufrieden. Insgesamt habe ich fast 500 (!) verschiedene Alben gehört, oder zumindest angehört. (Dank Last.fm kann man sowas auch schön nachschauen, ohne dies irgendwie mitzuzählen…^^). Das ist eine riesige, und kaum zu fassende Anzahl – und dennoch ist dies nur ein Bruchteil der releasten Alben im Jahre, daher kann und will ich auch nur ganz persönlich beurteilen und bewerten. Alles andere würde auch nicht dem Sinn einer völlig subjektiven Liste gerecht werden.

Beim Erstellen der Liste ist mir klar geworden, dass ich, obwohl es viel tolle Musik gab,  weder einen ultimativen Song im Kopf habe, geschweige denn ein Album, welches alles überragt. Es gab und gibt kein Album 2010, was sich erheblich absetzt, und nur so kann man auch meine Top 30 hier verstehen, da viele Platzierungen letztlich willkürlich sind, aber ich hoffe insgesamt ein grobes Bild meines Jahres abzugeben. Bewertet habe ich nach a) persönlichem Geschmack, b) Häufigkeit des Hörens (Last.fm!) und c) dem qualitativen Anspruch an die Musik (insbesondere der Leistung, evtl. etwas völlig Neues zu wagen). Dabei fallen natürlich auch Alben heraus, die grundsätzlich gelungen sind, beispielsweise Jamie Lidells „Compass“, Massive Attacks „Heligoland“ oder auch Tocotronics „Schall und Wahn“, aber letztlich hats für die vorderen Plätze nicht gereicht. (Hoffentlich hab ich nicht allzuviel vergessen 😉 )

Das meistgehörte Album in reiner Titelanzahl bei mir war übrigens The XX mit XX. Das ist aber Ende 2009 herausgekommen und fällt damit natürlich durchs Sieb.

Jetzt aber genug gelabert, viel Spaß mit meiner Jahresabschlussliste!

 

Plätze 30-21:


30. Super Flu – Heimatmelodien

29. Yeasayer – Odd blood

28. Vampire Weekend – Contra

27. Twin Shadow – Forget

26. Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy

25. Goldfrapp – Head First

24. The Divine Comedy – Bang Goes The Knighthood

23. Hundreds – Hundreds

22. Aufgang – Aufgang

21. Two doors cinema club – Tourist History

 

Plätze 20-11:


20. Delphic – Acolyte

Indie trifft Rave. Alles schon gehabt, aber irgendwie doch ganz gut. Live eine Bank! Tipp: Doubt

19. Deerhunter – Halcyon Digest

Ambient Punk sagen sie selbst. Was auch immer das heißen soll. Empfehlenswert! Tipp: Helicopter

18. Mount Kimbie – Crooks & Lovers

Mein liebstes Dub-Album des Jahres. Äußerst gelungen, bis aufs Cover. Tipp: Before i move off.

17. The National – High Violet

Die schönste Bariton-Stimme des Jahres. Geheimtipp, der gar kein Geheimtipp ist. Tipp: Sorrow

16. Mumford & Sons – Sigh No More

Folk at its best. Wunderbarer Sound. Das ganze Album immer wieder von vorne. Tipp: Little lion man

15. Chilly Gonzales – Ivory Tower

Meine große Überraschung: Piano, Piano, Piano. Dazu angenehme Stimme. Tipp: The Grudge

14. Shout Out Louds – Work

Die Indie-Gute-Laune-Rocker für mich schlechthin in diesem Sommer. Tipp: Fall Hard

13. Gisbert zu Knyphausen – Hurra! Hurra! So nicht.

Bestes deutschsprachiges Album 2010, ja, auch vor den Fotos. Tipp: Kräne

12.  Hot Chip – One Life Stand

Gnadenlos gute Liveband, Album nur unmerklich schlechter. Tipp: zB. I feel better.

11. Joanna Newsom – Have One on Me

Eine Frau, eine Harfe, und unglaubliche Musikwelten. Ihre Stimme muss man aber mögen. Tipp: Good Intentions Paving Company

Plätze 10-1:

10. Trentemoeller – Into The Great Wide Yonder

Anders Trentemoeller hatte ein Problem: Wie ein Jahrzehnt-Meisterwerk toppen? Das 2006er Werk „Last Resort“ zählt zu den größten Ereignissen der nuller Jahre. Geht nicht, dachte der Däne zurecht und brachte nun eine völlig andere Art des Pop-Songs auf sein neues Album. Das kann erwartungsgemäß nicht an den Vorgänger heranreichen, besticht aber dennoch durch tolle Tracks, die ein bisschen einsam, ein bisschen traurig sind, aber den Platz in meinen Top 10 definitiv verdient haben.

Anspieltipps:

Tide & …even though you’re with another girl

 

 

 

9. Robyn – Body Talk

Manch einer wird verdutzt schauen, was macht Robyn hier? Nun ja, in der Tat ist dies kein unglaubliches Werk, aber die junge Schwedin ist für mich die Pop-Diva des Jahres. Ke$ha, Lady Gaga und co können hier einpacken, denn so klingt weiblicher Pop 2010. Die Body Talk-Reihe verdient auch aufgrund ihrer drei (!) Alben übers Jahr verteilt dann auch schließlich hier mindestens einen Platz, weil sich auf den 3 EPs doch viele tolle Popsongs verbergen, und zwar sowohl Mainstream-Radio-tauglich, als auch für den Club oder zuhause. Ein Lob nach Stockholm, der Live-Besuch steht noch aus.

Anspieltipp:

Hang with me. (acoustic)

 

 

 

8. Röyksopp – Senior

Im August schrieb ich: „Röyksopp back to the roots: Ohne Gesang, zurück zum melancholischen instrumentalen Wahnsinn. Sehr atmosphärisch, sehr düster, traumhaft schön. Ein bisschen Jean Michael Jarre auf skandinavisch.“ Dies kann ich auch ein halbes Jahr so noch stehen lassen: Es ist dieser intrumentale Wahnsinn, der sich auch erst nach und nach erschließt, aber im Gesamten ein großartiges Album ergibt. Hat mir viele tolle Stunden Beistand geleistet. Es ist düster und doch zum Davonschweben. Größer als der Happy-Vorgänger „Junior“.

Anspieltipps:

The alcoholic & The drug

 

 

 

7. Jónsi – Go

Sigur Ròs-Sänger Jónsi auf Solopfaden. Anfangs fehlte mir das Düstere, was die isländische Band so besonders macht, dieses dunkle. Aber Jónsis fröhliches Album ist dann doch richtig gelungen, es sind Songs, die mitreißend und fesselnd sind. Vor allem live wurde aus diesem Album ein umwerfendes Werk: Zweimal gesehen in 2010, zweimal verzaubert. Besonders als Gesamtkonzeption mit der visuellen Gestaltung eins der positiven Beispiele für Frontmänner solo: Hey, es geht doch! (Übrigens gibts seit Anfang Dezember ein Live-Album der Tour, was genauso empfehlenswert ist!)

Anspieltipps:

Boy Lilikoi & Tornado

 

 

 

6. Four Tet – There Is Love In You

Kieran Hebden alias Four Tet ist einer der umtriebigsten Künstler der elektronischen Szene, irgendwie hat man das Gefühl, dass er fast überall seine Hände im Spiel hat. Mit „There is Love in you“ gelingt ihm ein phantastisches Album, was in nur wenigen Rückblicken fehlt. Es ist Musik für die Couch, aber auch für die Festivals, bei denen er großartige Livesets spielt. Es sind diese Melodien, die einen nicht mehr loslassen. Ganz großes Werk.

Anspieltipps:

Angel Echoes & Plastic People

 

 

 

 

5. Broken Bells – Broken Bells

Über das gemeinsame Projekt von Danger Mouse aka Brian Burton und den The Shins-Sänger James Mercer ist vieles gesagt wordem, und eigentlich ist alles gesagt: Herausgekommen ist ein perfektes Album mit einer ganzen Menge von schönen Liedern. Bin etwas verliebt in dieses Album, und die Top 3 hat es auch nur verpasst, weil es hier nicht wirklich Neues gibt. Burton als musikalisches Genie, dazu die tolle Stimme von Mercer: Passt. Live im Sonnenuntergang gesehen, und dahingeschmolzen. Wunderbar.

Anspieltipps:

Song 1-10. Aber besonders: The High Road

 


 

 

4. Gorillaz – Plastic Beach

Die Gorillaz hatte ich anfang des Jahres ganz sicher nicht auf meinem Schirm, und das Album bietet auch sicher nicht viel Neues, aber bei insgesamt 16 Tracks gabs halt doch so manchen Hit, und irgendwie hat das Album mich nach und nach voll überzeugt. Braucht etwas Zeit, dann kriegt man die Melodien nicht mehr aus dem Kopf. Damon Albarn macht seinem Ruf des Genies wieder mal alle Ehre. Spätestens im Herbst nach der BBC1-Livesession hatte es mich gepackt.

Anspieltipps:

On a melancholy hill & stylo

 

 

 

 

3. Arcade Fire – The Suburbs

„The Suburbs“ besonders toll zu finden war 2010 nicht so schwierig: Das dritte Arcade Fire-Album war sicherlich DAS Konsens-Album des Jahres. Und zu gutem Recht: Das Album und seine 16 Songs sind unglaublich vielfältig, reif, und klingen dabei auch noch so verdammt gut. Man möchte Meisterwerk schreien. Ja, wenn denn die Vorgänger nicht genauso gut (oder besser) wären. Alleine für die Entdeckung von „Funeral“ muss ich „The suburbs“ danken. Auch sonst bleibt ein verdienter Platz auf dem Treppchen: Was für eine wundervolle Band! (Hoffentlich wird sie nicht zum verheizten Stadion-Act!)

Anspieltipps:

Ready for start & Sprawl II (Mountains beyond mountains)

 

 

 

2. Pantha du Prince – Black Noise

Hendrik Weber ging für dieses Album in die Berge und nahm allerlei mögliche Töne auf. Diese hat er dann in aufwendiger Arbeit zu Tracks verbastelt und versampelt und damit das vielleicht experimentellste Techno-Album des Jahres veröffentlicht. Diese Tracks nehmen einen mit auf eine Reise, es ist ein bisschen Kopfkino, wenn diese Platte bei mir läuft. Es sind Sonderlichkeiten und Besonderheiten, die dieses Album absolut hörenswert machen. Und vielleicht weil es kein gewöhnliches Club-Album ist, und mit sovielen Facetten daherkommt, hat es mich im Sturm erobert. Schon früh deutet sich an, dass es weit oben laden würde.

Anspieltipps: Welt am Draht & Stick to my side

 

 

 

1. Caribou – Swim


Ich habe lange gegrübelt ob der tatsächlichen Nummer 1. Fast jedes Album innerhalb der Top 10 lag mal vorne, selbst Joana Newsoms Welten waren für einen Platz 1 wie geschaffen. Aber: Was bleibt wirklich von diesem Jahr? Was bleibt hängen? Und im Endeffekt geht dann bei mir kein Weg vorbei an Daniel Snaiths Projekt Caribou und seinem zweiten Album „Swim“. Im Februar in meinem Player gelandet, im April Album des Monats, neuer Hochschwung nach einem Konzert im Juni, und am Ende des Jahres nochmal ein Konzert in Deutschland plus das Remix-Album mit tollen Remixen von Koze bis Holden, von Junior Boys bis Gold Panda. „Swim“ hat mich über das ganze Jahr begeistert, mal mehr, mal weniger. Aber schon für den Versuch des Experimentes Popsongs durch die Geräuschemaschinerie zu drehen ist Platz 1 verdient. Snaith packt hier in kaum zu greifende Klangwelten völlig unterschiedliche Genres wild zusammen, steht immer ein bisschen zwischen Wahnsinn und Genie. „Odessa“ und „sun“ kannte am Ende des Jahres fast jeder Musikbegeisterte, Tracks wie „Kaili“ ließen ein bisschen die 90er Jahre aufleben, während „Hannibal“ wieder nah dran an House ist, war bei „Lalibela“ fast schon Ambient erreicht (mit den wiederkehrenden Vocals aus „Kaili“, groß!). Spannungsreichtum, facettenreich und live gewaltig. Nachteilig wirkt sich aus, dass manchmal hier schon zuviel gewollt wird, und es teilweise arg in psychodelische Hippie-Musik verfällt, aber selbst das kann ich bei der Menge an Hits verkraften. Ob verdient oder nicht, Herzlichen Glückwunsch an Daniel Snaith für Platz 1 in meiner Jahresbestenliste.

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Bei Vinyl Galore gibts die Top of the Blogs-Aktion mit den top10-gekürten Siegern. Auch eine tolle Liste, ein Blick lohnt sich.

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  1. Dezember 22, 2010 um 11:08 pm

    Caribou sind völlig an mir vorbei gezogen dieses Jahr bzw. nach einem Durchhören in der Versenkung verschwunden. Diesen Fehler habe ich mittlerweile korrigiert. Jónsi und die Gorillaz fand ich – qualitativ betrachtet – sehr bemerkenswert, aber leider ziemlich schwierig zu hören. Audioüberfrachtung.

    Besonders toll finde ich aber die Erwähnung von Goldfrapp. So fürchterlich billig produziert das Album auch klang, wenn man es ironisch betrachtet: Ein wahres Hitalbum.

    Große Empfehlung übrigens, hab ich heute erst – dem Rolling Stone sei Dank – entdeckt: Sufjan Stevens „The Age of Adz“.

    • hulza
      Dezember 23, 2010 um 10:02 pm

      Goldfrapp hab ich sogar sehr oft gehört, aber qualitativ war das sicher kein Top 10-Album. Über solche Listen sollte man sowieso streiten, denn perfekt werden die nie.
      Memo an mich selbst: beim nächsten Mal 2 Tage drüber schlafen und überdenken 😉 dann würde ich auch zB LCD Soundsystem nicht vergessen, oder die Gorillaz weiter hinten einstufen, wer weiß.

      Sufjan Stevens kenne ich, bin ich bisher aber nie mit richtig warm geworden. Findet sich ja auch sonst in vielen Listen 😉 muss ich nochmal probieren.

      Am Ende konnte ich mich auch noch sehr für Teen House und John Roberts begeistern, aber da war der Zug schon abgefahren ,)

  2. Andi
    Dezember 30, 2010 um 11:53 pm

    Maybes ist doch gar nicht auf Crooks & Lovers?

    • hulza
      Dezember 31, 2010 um 12:23 pm

      Oh… Da sieht man mal was man bei sovielen Alben durcheinander bringen kann. Sorry 😉
      Vielen Dank für die Rchtigstellung!

      „Maybes“ ist natürlich von der „Maybes“-EP 2009, mit der Mount Kimbie den Durchbruch schafften.

  3. Januar 4, 2011 um 11:27 am

    Vielen Dank für den Artikel! Da sind ja einige „Reinhörer“ dabei, die ich nicht auf dem Radar hatte.

  4. Nils Julian M.
    Januar 18, 2011 um 9:26 pm

    Huch, ich dachte ich hätte schon mal einen Kommentar dagelassen. 😉

    Für mich eine sehr gute Auswahl, v. a. Caribou, Gorillaz, Robyn, Arcade Fire, Hot Chip und Two Door Cinema Club.

    Allerdings fehlt MIR bei 1-10 noch jemand: Darwin Deez – Darwin Deez!
    (Vielleicht zählst du ihn auch noch zu 2009, aber der LP kam 2010 meins Wissens)

    Ansonsten hätte ich noch Bombay Bicycle Club – Flaws, Foals – Total Life Forever, Kings Of Leon – Come Around Sundown irgendwo untergebracht. Die beiden letztern waren allerdings nichts „Neues“ oder „Gewagtes“. Deez und BBC haben mich aber sehr überzeugt!

    Trotzdem, danke für den Einblick! 🙂

  5. hulza
    Januar 19, 2011 um 11:22 am

    Hey, danke für deinen Comment. Darwin Deez, ja ganz sicherlich ein Kandidat. LP kam im April 2010 raus, also auch richtig hier. Auf dem Melt! war er der heißeste Act des Jahres, – und ich habe ihn verpasst. Und so gings mir dann das ganze Jahr, irgendwie hab ich den Zug verpasst. Aber dafür hat man solche Erinnerungen: Das Album werd ich mir gleich direkt mal anhören! Danke 😉

    Foals fand ich übrigens nicht schlecht, hat aber für die Liste nicht gereicht. Das Kings of Leon-ALbum hat mich wenig inspiriert. Vllt. sollte ich da auch noch genauer hinhören.

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