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Kinokritik: The tourist (von Donnersmarck, 2010)

Deutschlands Vorzeige-Hollywood-Promi hat einen neuen Film. Seinen zweiten überhaupt erst. Mit „The tourist“ verabschiedet sich Florian Henkel von Donnersmark von jeglichem Stil, der bei weiterem Material der Stärke von „Das Leben der Anderen“ unerreicht hätte sein können. Stattdessen gibt es eine halbgare Star-Krimikomödie, die obendrein nur adaptiert wurde. Eine Kritik.

Johnny Depp und Angelina Jolie dürfen ihr Gesicht für die Massen hinhalten

 

Erst 2005 wurde „Anthony Zimmer“ in Frankreich gedreht und ausgestrahlt. Das französische Original von „The tourist“ (mit dem hübschen deutschen Titel „Fluchtpunkt Nizza“) war sicher kein Meisterwerk des Filmes, auch nicht des französischen. Dafür fehlte dem Plot letzten Endes jede sinnige Logik. Aber: „Anthony Zimmer“ des französischen Regisseurs Jérôme Salle hatte drei Punkte, die ihn sehenswert machten: Die unvergleichlich schönen Bilder der Cote d’ Azur, einen gewissen eigenen Charme und die wunderschöne, in jeder Szene atemberaubende Sophie Marceau.

Warum sich Florian Henkel von Donnersmarck nach 3 Jahren Drehbuch-Wälzen ausgerechnet für ein amerikanisches Remake entscheidet, kann wohl nur er selbst wissen. Es bleibt auch nach dem Kinobesuch (und trotz Interviews ) ein Rätsel. Ich bin grundsätzlich ein Gegner von Remakes, aber wenn man es schon macht, kann man es wenigstens etwas variieren. In „The tourist“ verändert sich gegenüber von „Fluchtpunkt Nizza“ nur der Ort: Wie sooft spielt der Großteil der Handlung in Venedig – scheinbar hat Hollywood an dieser Stadt seinen ganz persönlichen Narren gefressen.

Zur Geschichte kann man kaum etwas sagen, ohne schon zuviel verraten: Angelina Jolie spielt Elise, die Geliebte eines weltweit gesuchten Wirtschaftskriminellen (mit aufwendiger Gesichtsoperation), welche den unbedarften, leicht tölpelhaften Mathe-Lehrer Frank (Johnny Depp) benutzt, um die Polizei auf eine falsche Fährte zu führen. Soweit so gut, soweit spannend. Wenn man wie ich nun das Original schon kennt, kann man quasi das Kino verlassen, denn im Grunde genommen passiert NICHTS, was man nicht schon gesehen hat. Aber es kommt noch schlimmer: Angelina Jolie. Manch einer wird vielleicht das Schauspiel und das gute Aussehen der vielfachen Mutter lobend erwähnen, mich hat die übertriebene Darstellung schon nach der Eröffnungssequenz mehr als genervt. Wo Sophie Marceau entzückend sexy ist, ist Jolie einfach nur langweilig. Wo Marceau hinreißend blickt, ist bei Jolie die immer gleiche Maske – wie in Stein gemeißelt, wie ihr eigenes Denkmal, mit dem Kinn stets nach oben. (Wäre da wenigstens ein Hauch von Selbstironie, aber diese sucht man vergebens.) Das ist so brutal lächerlich – und letztlich schade, denn Jolie macht ihre Sache sonst ganz ordentlich. Auch Johnny Depp kann man nicht viel vorwerfen, sein leichter Tölpelblick ist ja mittlerweile Standard. In den Nebenrollen überzeugen vor allem Paul Bettany als ehrgeiziger Inspector, und Timothy Dalton (!) als dessen Chef.

Das klingt nun schlimmer als es ist: Es bleibt eine ingesamt bodenständige Actionkomödie mit guten Bildern, guter Kamera und überzeugender Ausstattung. Ab und zu gibt es was zu lachen, und der Clou des Filmes am Ende gelingt auch – so einigermaßen (lässt man außen vor, dass es wie im Original einfach jeglicher Logik entbehrt). Hätte Jolie den Charme Marceaus, hätte von Donnersmarck selbst auf die üblichen Klischees verzichtet, hätte man dem Film etwas mehr Breite und Tiefe gegönnt, hätte man vielleicht eine andere Story (oder zumindest überarbeitete) verwendet…dann, und nur dann, wäre ganz vielleicht ein guter Film herausgekommen. Hätte, wäre, wenn… So bleibt ein fader Nachgeschmack, viele verpasste Chancen, und die Erkenntnis, dass ich Angelina Jolie wirklich nicht mal mehr ansatzweise hübsch finde.

Von Donnersmarcks angedachte Star-Philosophie geht in „The tourist“ einfach nicht auf, dazu fehlt es an allen Ecken: Ironie, Ideenreichtum, Spaß. Man kann ihm fast nur wünschen, es wieder eine Nummer kleiner zu machen, wieder ein wenig deutscher. Ich habe genug von langweiligen, uninspirierten Hollywood-Remakes.

4 / 10 Elektro-Zigaretten.

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  1. Januar 2, 2011 um 10:11 pm

    Einen Oscar wird FHvD für seinen neuen Film sicher nicht erhalten, ein Anwärter auf die Goldene Himbeere ist er aber genauso wenig. Ich hätte dem Film 6 von 10 möglichen Punkten gegeben.

  1. Januar 6, 2011 um 7:03 am

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