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Bad Lieutenant – Die One-man-show des Nicolas Cage

Vor knapp einem Jahr im Februar 2010 kam der neue Streifen von Werner Herzog ins deutsche Kino: „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“. Eine Anlehnung an Abel Ferarras korrupten Cop Harvey Keitel aus dem Jahre 1992. Herzog gelingt dabei ein ganz phantastischer Film – auch weil einer überragend aufspielt, der immer gerne unterschätzt wird: Nicolas Cage. Er ist Dreh-und Angelpunkt des Filmes, eine einzige One-man-show.

Werner Herzog ist ganz sicher einer der bedeutensten Regisseure Deutschlands, wenn nicht weltweit. Sein Autorenkino ist prägend gewesen, seine Zusammenarbeiten mit Klaus Kinski sind legendär. Er schaffte es immer wieder Kinski zu Großtaten hinzureißen, und vermutlich würde Herzog auch heute noch Kinski als Hauptrolle besetzen. Doch der ist seit nunmehr 20 Jahren tot, und da sucht sich Herzog ausgerechnet für einen Cop-Thriller einen der großen Stars aus: Nic Cage. Die Filmfreunde, die ich kenne, zucken bei solchen Namen zusammen. Cage steht für Hollywood-Blockbuster, Cage steht für einfache Unterhaltung, man könnte da auch Tom Cruise oder oder oder erwähnen. Doch meiner Meinung nach wird Nicolas Cage chronisch unterschätzt. Das Cage ein unglaublich talentierter Schauspieler ist, hat nun auch Herzog erkannt, und lässt ihn mit „Bad Lieutenant“ einen späten Karrieregipfel erklimmen.

Cage spielt den Polizisten Terence McDonagh, der nach einer Befreiungsaktion in New Orleans zwar den Lieutenant-Titel erhält, aber auch seit dem mit quälenden Rückenschmerzen zu kämpfen hat. Um den Schmerzen zu entgehen, stürzt er sich in die Welt der Drogen, und so kommt ein Stein ins Rollen: „One bad thing…to another“ (siehe Trailer oben). Auf der Suche nach neuem Stoff ist McDonagh alles recht, jüngere Cops werden mit reingezogen, Jugendliche auf offener Straße bloßgestellt (was mit einem Quickie auf der Motorhaube endet), und die Kunden seiner Prostituierten-Freundin Frankie (hinreißend: Eva Mendes) werden ausgebeutelt. Cage ist hier in seinem Element: Er darf fluchen, er darf an die Grenzen gehen, er darf sich ins Delirium koksen, er darf Leguane und tanzende Seelen sehen. Kurz und gut: Es ist DIE Paraderolle für Nic Cage und er erfüllt sie grandios. Er spielt den korrupten Cop, der immer tiefer in den dreckigen Moloch von New Orleans gezogen wird mit einer solchen Intensität, mit einer solchen hypnotischen Anziehungskraft, das es regelrecht begeistert dabei zuzuschauen – und dies, ohne dass die Filmfigur auch nur eine Sekunde sympatisch ist. Das ist genial.

Werner Herzog schafft es fast nebenbei, den Film trotz allem nicht zu sehr auf Cage festzufahren, spielt mit Metaphern (Leguane), und lässt die gesamte Geschichte trotz all ihrer Tragik immer mit einem Augenzwinkern zurück. Nie hat man das Gefühl, dass hier jemand mit der großen Moralkeule umherläuft. Das ist großartig, und macht den Film absolut sehenswert.

Manch einer wird Nicolas Cage in solchen Rollen Overacting vorwerfen, aber eigentlich ist es mehr als das: Es ist purer Genuß. Er hätte für seine Leistung hier alle Preise verdient gehabt – aber es gab nicht mal Nominierungen. Warum? Cage ist in einer Schublade drin, die so leicht nicht mehr auf geht: Zuviele Blockbuster an der Seite von Jerry Bruckheimer, darunter sehr gute Actionfilme wie Face Off, aber auch letztlich unfassbar schlechte Filme wie „Vermächtnis der Tempelritter“. Zuviel Schund wie in den letzten Jahren mit „Ghost Rider“, zuviel Blödsinn a la „Kick Ass“, und nun schon wieder ein „Bruckheimer-Film: Duell der Magier. Cage steht als Inbegriff für irgendwie merkwürdige Blockbuster in den „nuller Jahren“, und für groß angelegte Actionstreifen in den Neunzigern (z.B. „Con Air“, „8mm“, „Gone in 60 seconds“). Wer Nicolas Cage aber auf diese Rollen reduziert, tut ihm Unrecht: Diese Figuren waren zwar alle solide gespielt, aber richtig aufgedreht hat Cage immer erst in ernsteren Rollen, in kleineren Filmen. Überragend in Leaving Las Vegas, beeindruckend und großartig in Spike Jonzes Meisterwerk Adaption, facettenreich und zynisch zB in Lord of war, dem Waffenhändlerdrama. Nicht zuletzt natürlich als herrlich ängstlicher, witziger Stanley Go(o)dspeed – welch großer Name – in einem meiner liebsten 90er-Jahre-Streifen: „The Rock“ (mit Abstand der beste Bay-Film!)

In „Bad Lieutenant“ darf Cage vieler dieser Rollen verbinden, und am ganz am Ende auch wieder nur ein kleiner Mensch sein, der vollgekokst Fischen zuschaut. Weil Herzog hier wunderbar ruhig, ambivalent und frei seine Hauptfigur darstellt, und Nic Cage sie auch noch so imponierend spielt, ist hier ganz großes Kino entstanden. Danke dafür. Und Cage kann sich bei Herzog für einen späte, unerwartete Top-Leistung bedanken. Absoluter DVD-Tipp!

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Eine wunderbare Videomontage von Cages „Ausflipp“-Momenten hänge ich noch hintendran: Nic Cage losing his shit:

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  1. Januar 21, 2011 um 2:25 pm

    Kick-Ass als Blödsinn zu bezeichnen ist nicht weniger als Blasphemie. Schäm dich was!

    Ansonsten fehlt in der Aufzählung noch The Weather Man, finde ich. Seit ebendiesem (und seit Lord of War) habe ich Cage sehr gerne.

  2. Januar 25, 2011 um 7:46 pm

    Habe mir den Film nach der Kritik hier angesehen… Mr. Cage liefert wirklich ordentlich ab, Respekt! Nach Face/Off und Lord of War eine weitere Glanzleistung. Die schlechten filme dürften wohl mit seiner akuten Geldnot zu erklären sein, nach dem Motto: für ne Hand voll Dollar und ne warme Mahlzeit spielt(e) er alles 😉

    Btw:
    gestern Nacht tatsächlich eine LUSTIGE deutsche Komödie gesehen – ‚Leroy‘. Hier gibts den Vorläufer-Kurzfilm:
    http://download.stadtkind.net/leroy/

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