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Kinoreview: The King’s speech (Tom Hooper, 2010)

Was noch schreiben zu einem Film, der überall rezensiert wurde, der überall besprochen wurde, und der jetzt schon denkwürdig viele Preise eingeheimst hat und mit 12 (!) Nominierungen für die morgige Oscar-Nacht als Favorit gilt? Zumindest eine weitere Lobhudelei auch meinerseits sollte es für Tom Hoopers zweiten Film „The King’s speech“ dann doch geben, denn ich bin äußerst beeindruckt.

 

Historische Stoffe im Kino werden zumeist als epische Abenteuer oder große Action-Pathos-Streifen verpackt. Dass es auch anders geht, beweist mal wieder das britische Kino. Nach „Elisabeth“ und „The Queen“ gibt es wieder ein hervorragendes (Charakter-)Drama aus dem Kreise der britischen Königsfamilie. Es geht um die historisch wahre Anekdote rund um King George VI, der als Prinz Albert „Bertie“ Herzog von York seit seiner Kindheit stottert und alles versucht um diese „Krankheit“ in den Griff zu bekommen. Schließlich landet er mit Hilfe seiner Ehefrau (heute bekannt als „Queen Mum“) beim unkonventionellen Sprachtherapeuten Lionel Logue, der es tatsächlich schafft Albert zu helfen.

Dies ist eigentlich nicht gerade der Stoff für große Kinomomente, denkt man sich. Doch falsch gedacht: „The King’s speech“ ist über die gesamte Länge phantastisch. Dabei geht es nur am Rande um die historischen Rahmenbedingungen oder die königlichen Aufgaben zu Beginn eines Weltkrieges. Der Film dreht sich um seine Hauptfigur, deren Stotterproblem und die massive Angst damit öffentlich aufzutreten. Eine solche Rolle fällt oder steht in einem Film mit der Glaubwürdigkeit des Schauspielers. Und was Colin Firth hier leistet, ist absolut beeindruckend: Nicht nur, dass er perfekt stottert und diese Probleme hervorragend zeigt – er schafft es auch die Unsicherheit Alberts, die komischen Momente und die peinlichen Augenblicke des Stotterns glaubwürdig auszudrücken. Innerhalb von einem Wimpernschlag verändern sich Mimik und Gestik, aus ruhig wird wütend: Firth ist hier einfach großartig und zeigt die wohl beste Leistung seiner Karriere. Ganz nebenbei darf er eine der wohl schönsten Fluch-Schimpfwort-Tiraden der jüngsten Kinogeschichte von sich sich geben. In jeder Sekunde denkt man, er würde tatsächlich stottern.

Helena Bonham Carter spielt Elisabeth, die fürsorgliche Ehefrau, mit einem tollen Charme und einer ganz prägenden britischen Art. Wundervoll. Völlig zu Recht nominiert als „Beste Nebendarstellerin“. Dass sie hier dennoch etwas untergeht als Hauptdarsteller ist Geoffrey Rush zu verdanken. Er verkörpert Lionel Logue so derart hinreißend, witzig und skurill, dass jeder Auftritt eine reine Freude ist. Dabei hat Rush im Grunde genommen neben Firth die zweite Hauptrolle, er ist in fast jeder Szene präsent (Daher ist seine Nominierung als Nebendarsteller ein schlechter Witz!). Die Sprachübungen-Szenen zwischen Firth und Rush sind trotz ihrer Tragik so derart lustig, dass man den beiden stundenlang zuschauen könnte. So schafft es „The King’s speech“ Historie und Unterhaltung unter einen Hut zu bringen, und nur sehr selten gibt es etwas langgezogene Momente, wo dem Film etwas Tempo gut getan hätte. Als Charakterstudie ist der Film umwerfend, und alle drei Hauptdarsteller hätten hier den Oscar verdient, bei Colin Firth bin ich mir seit gestern auch sehr sicher, dass er ihn gewinnt.

Obwohl der Film plottechnisch kaum Überraschungen beinhaltet, dafür ist der Weg von „Bertie“ einfach zu offensichtlich, wird „King’s Speech“ nie langweilig. Und wenn König George am Ende des Streifens seine erste Kriegsrede hält, ist es schlußendlich auch ergreifend. Grandioses historisches Schauspielkino, witzig und geistreich. Ich bin begeistert! (Und freue mich, wenn es morgen heißen sollte: „…and the oscar goes to… Colin Firth, Geoffrey Rush and for best picture king’s speech“.)

PS: Leider läuft der Film hier in Mainz nur in der deutschen Fassung, eine OmU-Version wäre hier sicherlich toll. Andererseits ist die deutsche Synchronisation außerordentlich gut gelungen, Chapeau! Die Originalfassung hole ich noch nach… Hier noch der tolle Original-Trailer in HD:

 

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  1. Februar 26, 2011 um 5:08 pm

    …aber meiner Ansicht sind die vielen Oscar-Nominierungen schon etwas übertrieben. Von einem Meisterwerk ist KINGS SPEECH doch etwas entfernt, auch wenn Colin Firth wirklich großartig ist.

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