Startseite > Kino & TV > Serienreview: The Event [NBC, 2010-2011]

Serienreview: The Event [NBC, 2010-2011]

Im letzten Herbst startete die NBC eine neue Mystery-Serie, welche mit Action- und Verschwörungselementen an den Erfolg abgelaufener Serien wie „Lost“ oder „24“ anschließen sollte. Durch rückläufige Quoten gab es einen langen Winterbreak, so dass die erste Staffel erst diese Woche zu Ende ging. Weitere Staffeln wird es auch nicht geben, ein Review zu 22 Episoden ‚The Event‘.

Nachdem erst neulich entschieden wurde, aufgrund zu schlechter Quoten die Serie einzustellen, war klar, dass The Event keine neue Erfolgsgeschichte wie Lost geben würde. Dabei war das ursprünglich so nicht abzusehen: Der Pilot der Serie war nicht so schlecht, die Charaktere schienen interessant und der Plot verlief zwar nicht außergewöhnlich, aber zumindest spannend. Worum gehts überhaupt?

Sean Walker (Jason Ritter) ist ein stinknormaler junger Mensch (abgesehen von seinen genialen Hacker-Fähigkeiten), der mit seiner Freundin Leila auf einer Kreuzfahrt ist. Als Leila schließlich entführt wird, und niemand Sean glauben mag, überschlagen sich die Ereignisse und Sean gerät in einen unaufhaltsambaren Strudel aus Verschwörungen und politischen Intrigen. Und das Mysteriöse? Nun ja, man könnte das spurlose Verschwinden eines Flugzeuges im Piloten zum Beispiel erwähnen. All dies ist in Form von Flashbacks erzählt, und wird mit durchaus glaubwürdigen Darstellern besetzt. Insgesamt war diese erste Folge etwas zu hektisch und schnell, machte aber Lust auf mehr, ließ auf ein neues „Lost“ zumindest hoffen. Am Ende lief es aber eher auf ein neues „Flash Forward“ hinaus, aber der Reihe nach.

Im Laufe der nächsten Episoden werden zunehmend viele Handlungsstränge nebeneinander gesetzt: Das ist gerade anfangs gut, weil der Zuschauer etwas gefordert wird, die einzelnen Stränge für sich größtenteils interessant sind und man überlegt, wie dies alles zusammen passt. Für den Zuschauer agieren Sean und Leila mit ihrer hilflosen Art, immer weiter in den Ärger hineinzuschlittern, als tragende Charaktere. Für die Serie wichtiger sind aber Personen wie Präsident Martinez, Vize-Präsident Jarvis oder Sophia, die tonangebende Chefin der „Anderen“. Diese Anderen sind eine unbekannte Spezies, deren Heimatplanet stirbt. Eine Supernova wird 2,5 Milliarden umbringen, wenn es Sophia nicht schafft sie auf die Erde zu transportieren. Das dies bei der US-Regierung nicht gerade auf Zustimmung stößt, kann man sich denken. Ein harter Konflikt zwischen allen Beteiligten entsteht, in dem im Mittelpunkt die Frage nach dem Lebensraum steht.

Das alles klingt nicht wirklich neu – und das ist es auch nicht. Aliens hatte vermutlich jede 2. Mystery-Serie, Flashbacks hatten wir in der Serienlandschaft in den letzten Jahren mehr als genug, und mitverwickelte Politiker in eine Verschwörung sind spätestens seit „24“ an der Tagesordnung. Irgendwie schafft es „The Event“ – ähnlich wie anfangs auch Flash Forward – eine unterhaltsame Spannung aufzubauen. Fast hätte ich dennoch aufgegeben, als es zunehmend Logiklöcher gab, vor allem in den Folgen vor der längeren Pause. Doch zugegeben: Auch andere große Serien haben immer wieder Logikfehler – in einem Serienuniversum kann nicht alles stimmen, sonst fehlt es an jeglicher Spannung, hier lässt besonders 24 grüßen. Also schaute ich weiter. Man will schließlich auch wissen, was denn nun das vielzitierte „Event“ ist, wenn schon die Serie ihren Namen dort herzieht.

Leider ist genau dies die große Schwachstelle der Serie: Zuviele Handlungen, und leider auch der Plot rund um das eigentliche Event, werden nur angerissen, oder angefangen und später völlig vergessen. Da gibt es einige Episoden, die sich um einen alten, reichen Kauz namens Dempsey drehen, der kleine Kinder entführt und an ihnen medizinische Tests durchführt. Das wird in aller Breite erzählt, und ist letztlich auch gar nicht schlecht, weil der alte Mann von Hal Holbrook gespielt wird und einfach großartig ist. Und was passiert? Irgendwann erschiesst sich Dempsey und diese Handlung wird nie mehr angerissen, geschweige denn erklärt. Das ist schade, denn immer wieder, gerade in den letzten 6-8 Folgen der 22 Episoden, blitzt großes Potential auf: Es gibt sie immer wieder, die guten Momente, die starken Dialoge, die besonderen Twists – und im nächsten Augenblick passiert wieder etwas, wo man den Drehbuchautor gerne mal fragen würde, was er da geraucht hat.

Letztlich verschenkt NBC eine Serie mit viel Potential, was leider nicht ausgenützt wird. Trotzdem, und das möchte ich betonen, bleibt trotz aller  – erwartbarer und unfassbaren – Schwächen eine sehr unterhaltsame Serie, die man sich als Serienfan gut anschauen kann – zumindest, wenn man über die Plotfehler und das zu schnell herbeigeschusterte Ende hinwegsehen kann. Was bleibt an wirklich Positivem hängen? „The Event“ hatte einige ganz hervorragende Settings, einige wirklich gute Momente, spannende Episoden und einige doch bemerkenswerte Darsteller. Im Kopf bleiben werden wohl vor allem Zeljko Ivanek, der als CIA-Direktor eine tolle Figur macht, und die unglaublich attraktive Taylor Cole, die mich zwar anfangs nervte, sich aber irgendwann zu einer meiner Lieblingscharaktere mauserte.

Am Ende bleibt noch die Frage, was wäre wenn und hätte und überhaupt, wenn man der Serie 3-4 Staffeln Zeit gegeben hätte sich zu entwickeln. Wir werden es nie erfahren, und damit ist es mir nach „Flash Forward“ nun schon zum zweiten Mal passiert, eine Serie anzufangen, die während der Ausstrahlung dann gekippt wird. Schade drum. In Deutschland hat sich übrigens die RTL_Group die Rechte gesichert, wird wohl irgendwann mal im Nachtprogramm laufen. Ich werde mich wohl mehr den je erstmal mehr Serien widmen, sie schon über einen längeren Zeitraum Erfolg hatten.

Advertisements
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: