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Mit Schirm, Charme und Kölsch: Das c/o pop Festival 2011

Nach vielen Jahren hat es geklappt: Ein Besuch auf der c/o pop in Köln – zumindest in Ansätzen. Neben privaten Feiern und Freunden gab es aber immerhin 5 Tage lang eine riesengroße Bandbreite an Musik zu entdecken. Ein Bericht über spannende, charmante Tage mit wenig Schlaf, Regen, und jede Menge Kölsch.

„Your troubles will be faded by the luck you will soon have.“ So warb das Festival um die Zuschauergunst. Und tatsächlich: Bei einem Programm wie der c/o pop werden Probleme nebensächlich, die Leichtigkeit des Seins gewinnt an Oberhand und man vergisst alles neben der Musik. Fünf Tage, 15 Locations und rund 46 Shows, das sind die HardFacts des achten c/o pop Festivals. Zwischen Newcomer und Topact versammelt sich eine illustre Schar zwischen Klassik und Techno, zwischen Jazz und Electronic, zwischen R’n’B und Indierock. Eben alles, was den Pop aktuell gut macht. Da das passende Programm auszuwählen, war gar nicht so einfach.

Der Einstieg mittwochs abends war schnell klar: es ging zu den äußerst verrückten, aber mindestens genauso sympatischen Dänen von whomadewho, die im Gloria-Theater aufspielten. Während ihr Support-Act Kiss Kiss Kiss etwas in schlechter Tonabmischung unterging und von ihrem eigenen Bassgebrei erstickt wurde, waren whomadewho schnell bei der Sache: Irgendwo zwischen Rock und Electronic, alles zwischen Tanzbarkeit und Poppigkeit. Die Dänen bewiesen, dass sie eine  exzellente Liveband sind, die sich äußerst witzig und begeisternd präsentierte.

Eine klassische Rockformation aus Drummer, Bassist und Gitarrist, die aber immer wieder in elektronische Sphären vorstößt und dabei keinen still stehen lässt. Super Einstand. Und übrigens: Nach langer Zeit mal wieder ein Konzert ohne LED-Wand gesehen, und irgendwie war das richtig sympatisch. (Anspieltipp.)

Kulturdeck Aachener

Kulturdeck Aachener

Aufgrund der unglücklichen Pollerwiesen-Verschiebung auf Sonntag ging es Donnerstags an den Aachener Weiher, zum Open-Air Kulturdeck, wo es das ganze Wochenende Musik von diversen Künstlern gab, organisiert von der alten Partyreihe „Playground Love“. Dort konnte man bei leider gemischtem Wetter auf dem Rasen liegen, den Klängen von DJs wie Jennifer Cardini lauschen, sich bei kühlem Kölsch austauschen und ausruhen. Ziemlich schön wars da. Der Abend war eigentlich gefüllt mit Top-Konzerten, doch bei uns war mal Pause angesagt. Den Auftritt von Owen Pallett (mit Apparat als Support!) in der Kölner Philharmonie verpasste ich – eines von vielen Konzerten, die bei der Qual der Wahl herunterfallen. (Darunter auch The Brandt Brauer Frick Ensemble oder Sizarr auf dem Dach des Museum Ludwig.)

Marius Sahdeeq

Freitag hatte ich endlich mal wieder die Möglichkeit das Spielraum-Kollektiv zu treffen und Hallo zu sagen: im „Scheuen Reh“, der Festival-Zentrale, gab es verschiedene Label-Showcases unter anderem von Spielraum selbst, Ki oder Niveous records. Während wir anfangs noch alleine da waren, füllte es sich überraschend bei Fabrizio Cammarata, einem Newcomer-Songwriter, der ehrliche, schöne Musik machte, aber im Kontext des Scheuen Rehs etwas deplaziert wirkte. Der Rest war natürlich überwiegend deep, detroit und danceable (Anspieltipp von Marquese!) und so störte lediglich der Faktor, dass das Wetter wieder nicht wirklich mitspielte, und auch aufgrund des Ordnungsamtes das geplante Openair hier zum Indoor-Event wurde. Nicht weiter schlimm, war das für uns ja nur der Startschuss in eine lange Nacht – am anderen Ufer bei Kompakt.

Dort wartete ein ganzes Dutzend toller Acts, von den isländischen Electropoppern GusGus bis zum dänischen Liveact Kölsch (ja, die heißen wirklich so!), von Veteranen wie Robag Wruhme bis hin zu Kompakt-Co Michael Mayer. Und es sollte eine großartige Nacht werden, trotz zwischenzeitlicher Müdigkeitserscheinungen. Wruhme spielte ein Listening-Set, quasi ein „Thora Vukk“-Spezial als Warmup. Auf der riesigen Bootshaus-Tanzfläche waren neben mir vlt. noch 5 andere am tanzen. Anschließend wurde es lauter, gewaltiger und poppiger: GusGus sorgten für eine doch ziemlich gute Show, auch wenn mir der Gesang nicht immer gefallen hat. Die Instrumental-Teile waren aber extraklasse, und zeigen, dass die Isländer sich immer mehr Richtung Club entwickeln. Sicherlich Geschmackssache wie so Vieles auf der c/o pop, die nun mal vordergründig nach neuen Wegen in der Musik sucht und viel Neues wagt, daher in meinen Augen äußerst gelungen. (Anspieltipp GusGus -live). Im Anschluss konnte man beruhigt tanzen und feiern gehen, bei Acts wie Sascha Funke und Superpitcher blieb kein Bein stehen. Eine Überraschung waren dann aber in der Tat KÖLSCH aka Ink and Needle live, die einen tollen Liveact auf die Bühne legten. Das überragende Highlight der Nacht – und auch des gesamten Festivals – spielte sich aber ab 6 Uhr morgens draußen ab: Kompakt-Aushängeschild Michael Mayer ließ uns Openair tanzen und irgendwann müde und platt aber glücklich ins Taxi steigen. Großartige Tracks, tolle Atmosphäre und draußen: mehr geht eigentlich nicht. (In diesem Zusammenhang: Mayers Compilation Immer 3 von 2010 ist für die Ewigkeit. Kauftipp!)

Samstag war ich auf einer privaten Feier eingeladen, das Festival musste also stoppen. Weiter gings erst Sonntag mit den Pollerwiesen im Jugendpark – und das schon vorneweg: Ich hätte es mir sparen können. Das Deck am Aachener hätte es hier auch getan.

Natürlich geplättet von den bisherigen Tagen waren wir irgendwann zu Pig & Dan im Geschehen und ließen uns von der erstmals am Wochenende scheinenden Sonne verwöhnen. Pig & Dan waren gewohnt gut, doch „Ersatzmann“ Tobi Neumann im Anschluss bot ein tolles Set mit ordentlich viel Bass und war damit der Star des Tages. Zumindest bei mir, denn es war klar, warum soviele Menschen den Jugendpark besuchten: Paul „Icke wieder“ Kalkbrenner kam angeflogen, und der Superstar-Wahnsinn um den einst so sympatischen Berliner kennt auch in Köln keine Grenzen. Als ich mich eine halbe Stunde vor Kalkbrenners Auftritt auf den Heimweg machte, kamen immer noch Leute an, die einfach mal nur PK sehen wollen, und dabei vergessen, dass die anderen Acts viel besser sind. Man kann lange darüber streiten und diskutieren, ob solche Acts nötig sind. Ich kann gerne und bewußt auf solche Massenware verzichten, und letztlich war Kalkbrenner der einzige Act, der nicht so richtig ins ausgewogene, teils experimentelle Lineup dieser Tage passen wollte – auch wenn er da wenig für kann. (Und so kommen dann Leute zu den Pollerwiesen, die auf ein Plakat mit „Richie Hawtin“ schauen und in die Runde fragen, wer das denn seie. Stellt Euch hier bitte einen verzweifelten hulza vor).

Fazit: Danke c/o Pop! Es war wunderbar, spannend und anstrengend. Ich hätte gerne noch viel viel mehr gesehen, und mehr gehört und erlebt, aber irgendwann ist auch mein Akku leer. Doch ich komme gerne wieder.🙂

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Bildnachweise: 1. Offizielles c/o pop-Festival Logo: http://www.c-o-pop.de/ – Alle anderen Photos von mir. Unter der by-CC-Lizenz frei verfügbar.

 

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