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Filmtipp: Wer ist Hanna? (Joe Wright, 2010)

Aktuell läuft in unseren Kinos ein Film, der in den sommerlichen Blockbusterzeiten trotz ausschließlich guter Kritiken etwas untergeht, und gerade deshalb noch einmal von mir besonders empfohlen sei: Hanna – oder der wieder einmal etwas dämliche deutsche Titel: „Wer ist Hanna?“ des britischen Regisseurs Joe Wright. Unbedingt anschauen heißt es hier.

Joe Wright hatte vor Hanna erst 3 Kinofilme, und mit zweien davon bereits kleine Meisterwerke erschaffen. Mit den beiden Buchverfilmungen „Pride and prejudice“ und „Atonement (Abbitte)“ waren ihm 2005 und 2007 zwei der besten Filmdramen der letzten Zeit gelungen. Man denke nur an die grandiose Dialogszene im Regen zwischen Keira Knightly und Matthew McFadyen, oder an die technisch brilliante 4-Minuten-Steadycam-Aufnahme aus Atonement. Nun packt Wright nach völlig klassischem Drama einen absolut skurillen Actionfilm an, dessen Geschichte so abstrus klingt wie der Film letztlich ist, total verrückt, aber mitreißend und großartig.

Hanna ist ein Teenager, die von ihrem Vater, einem Ex-CIA-Agenten, in der Wildnis von Finnland zu einer Art Super-Mädchen trainiert wird: Sprachen, Kampftechniken, Überlebenskampf, Jagd. Warum sie dies alles so gut kann oder können soll? Weiß Hanna selbst nicht. Als sie schließlich von Finnland weggeht, beginnt auch für Hanna eine neue Zeit: Sie muss sich selbst entdecken, dabei um ihr Leben rennen und sich gleichzeitig in einer ihr fremden Welt zurecht finden. Dabei muss sie nicht nur gegen sich selbst, sondern gegen CIA, skrupellose Bösewichte und nicht zuletzt verblüffende Enthüllungen ihrer eigenen Existenz kämpfen. Dies alles schmeckt auf den ersten Blick nach einfachem  Familien-Actionkino. Doch Wright gelingt es keinen plumpen Actionfilm zu machen, sondern lässt Hanna einen Roadmovie der besondern Art durchstehen. Dabei verliert der Film zwar nie sein Ziel aus den Augen, aber kommt immer wieder mit Momenten aus völlig anderen Genres: allen voran Märchenfilm-Elementen, welche mit einer Bösen Hexe aufwarten, und schließlich in einem märchenhaften, alten Freizeitpark ihren Höhepunkt finden.

Hanna ist Filmkunst, weil Wright es schafft, einen absolut unterhaltsamen Blockbuster zu machen, der aber eben nicht nur einfach unterhält, sondern auf verschiedensten Ebenen zu gefallen weiß, und darüber hinaus noch über zwei ganz wesentliche Elemente verfügt: Auf der einen Seite einen hervorragenden Cast rund um Eric Bana und Cate Blanchett, und natürlich die herausragende Saoirse Ronan als Titelfigur. Ronan ist unfassbar präsent und dürfte mit ihrer Art Charaktere darzustellen (man erinnere sich auch hier an Abbitte!) ein riesen Star werden. Auf der anderen Seite einen Soundtrack zum niederknien: Niemand geringeres als die Chemical Brothers lassen es hier krachen, und zeigen mal eben ohne großes Tralala Daft Punk den Stinkefinger: So schaut ein toller OST aus. Ganz nebenbei gibt es jede Menge wunderbare Original-Drehorte, unter anderem in Berlin (und zwar im richtigen Berlin: dunkle Hintergassen, Plattenbauten und dreckige Ubahn-Stationen) oder auch in Marokko.

Man kann es kaum glauben, aber diese ungewöhnliche Geschichte ist ein humorvoller, skuriller, temporeicher Mix aus diversen Genres geworden, der Wright einmal mehr als tollen Regisseur zeigt. Ganz ausgezeichneter Film, für den sich ein Kinobesuch jederzeit lohnt.

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