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Jussi Adler-Olsen und die göttliche Erlösung

Man möchte innerlich jubilieren: Endlich – beim dritten Band der ungewöhnlichen Krimireihe um das Sonderdezernat Q in Kopenhagen von Bestsellerautor Jussi Adler-Olsen – hat der Übersetzer einen deutschen Titel getroffen, der mit einem präzisen Schlag beschreibt, wonach sich die Menschen in diesem Buch sehnen. Trotz der platten Stieg-Larson-Titel-Anlehnung ist es hier griffig, und das Buch ein erneutes starkes Stück. Eine kleine Buchkritik.

Die Krimireihe rund um den Ermittler Carl Mørck noch vorzustellen, ist eher müßig. Die Bücher sind sehr gut, bekannt, immer in den Bestsellerlisten und wurde beinahe überall gelobt. Auch ich schrieb über die ersten beiden Bände der Reihe (fast) nur positiv. Und um es kurz zu machen: Der dritte Band, im Original „Flaschenpost von P.“, ist nicht weniger gut – im Gegenteil: Die Personenkonstellationen des Dezernates werden sogar langsam noch besser, noch geheimnisvoller und interessanter.

Während andere Krimireihen und Thriller immer versuchen, die Geschichte nur aus dem Blickwinkel eines oder mehrerer Polizisten zu erzählen, um damit am Ende einen Mörder zu präsentieren, denn der aufmerksame Leser sowieso schon lange kennt, macht Adler-Olsen das zum dritten Male völlig anders: Noch mehr als in den ersten Bänden lässt er dem „Mörder“ viel Raum für seine Geschichte. Man lernt diesen Mann kennen, mit allen Motiven und Hintergründen. Und hier liegt schon der Knackpunkt dieses Krimis – und der ganzen Reihe. Vordergründig mögen die schrecklichen Fälle das Gerüst des Buches sein und für die nötige Spannung sorgen, aber den entscheidenden Part zu einem guten Buch liefern hier die Personen. Ich habe dies schon früher erwähnt und kann es jetzt nur nochmal wiederholen: Adler-Olsens Charaktere sind jede Seite wert. Es sind phantastische Beschreibungen von Macken, Neurosen und Stimmungen, dazu hat jede Person ihre Geheimnisse, Vorlieben und Abneigungen. Das ergibt ein wunderbares Gemisch aus nachvollziehbaren Charakteren, sogar die – weit von der Realität lebenden – Sektenmitglieder werden so annehmbar, verständlich und nicht nur zu plumpen Plotfüllern.

Die Sehnsucht nach göttlicher Erlösung ist der Trieb für fast alle kriminellen Handlungen in diesem Buch, mal aus Überzeugung, mal aus Hass auf die eingeprügelten Überzeugungen. Man kann diese Sehnsucht nach Erlösung auch auf die Ermittler beziehen: Mørck will erlöst werden von seinen Schuldgefühlen und seinem elenden Zuhause, und auch Assistent Assad hat ganz sicher solche Wünsche, doch bleiben diese – noch – im dunklen. (Erste Andeutungen gibt es, und in diese Richtung schielte ich schon bei Band 1).

Diese Konstellationen machen das Buch spannend und kraftvoll, und dies obwohl Adler-Olsen kein besonders filigraner Autor ist. Er weiß schlicht genau, wie er seine Worte einsetzen muss. Das Tempo gleitet gemächlich, bis es sich immer weiter steigert und am Ende wieder in einen schnellen Rhythmus des heißen Finales übergeht. Man kann es nicht anders sagen: Dieses Buch möchte man kaum aus der Hand legen. Wünschenswert wäre in einem nächsten Band sicher mal ein anderes Finale. Obwohl die letzten Seiten auch hier spannend und lesenswert waren, ähnelten sie doch sehr den Actionszenen in „Erbarmen“ und „Schändung“. Hier könnte Adler-Olsen mal nachbessern. Doch im Grunde freut man sich als Leser sowieso schon mehr auf das Ermittlerteam und ihre Geheimnisse, als auf den jeweiligen Fall.

Fazit: Beste Urlaubs- oder Sommerlektüre, die man in kürzester Zeit durchgelesen hat. Ein wunderbarer Krimi, der mit seinen interessanten Personen aus der unübersichtlichen Masse an (skandinavischen) Krimis herausragt.

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