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Platten des Monats. Juli / August 2011.

Heute geht es weiter mit den regelmäßigen „Platten des Monats“. Ausnahmsweise mit einem 2-Monate-Special: Ich war viel unterwegs und gerade im Juli gabs nicht soviel Neues. Freut Euch nun auf viele neue tolle Alben, meine ganz persönlichen Lieblingsplatten der letzten Wochen. Und Achtung: elektronisch-dubstep-lastig. Unter anderem aus London, New York, Berlin und Island.

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Aka Aka & Thalstroem - Variete

Die beiden Berliner Aka Aka, welche man seit längerem in der Clubszene wahrnahm, haben mich mit ihrem ersten Album „Variete“ so positiv überrascht, dass es hier landet. Zusammen mit dem Trompeter und Instrumentalisten Thalstroem nahmen sie jetzt eine absolut vielfältige LP auf: Abwechslunsgreiche Clubhits, die ganz klar auf den Dancefloor schielen, stehen neben spährischen und ruhigen Titeln. Zwischendurch gibts auch mal ordentlich Blödsinn, und wie nebenbei gibt es als Einstieg ein Portishead-Cover mit der österreichischen Sängerin Betty Lenard.

Was gibts?

Ein elektronisches Sommeralbum. Raus auf die Wiese, Raus auf die Openairs. Hier sind viele schöne Stimmungen eingefangen in nicht langweilig werdenden Tracks. Facettenreicher Mainstream-Techno aus Berlin. Geht auch mal.

Anspieltipps:

Man will Beth Gibbons nicht zu nahe treten, aber das „The Rip“-Cover ist wunderschön, und kommt dem Original sehr nahe. Springtide ist ganz sicher der „kleine“ Hit der Scheibe, French Toast der vielleicht ungewöhnlichste, und Afterglow vielleicht mein geheimer Favorit. (Mehr Streams, Sets und Snippets hier.)

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Zomby - Dedication

Dubstep aus London? Bitteschön. Der britische Produzent Zomby schlägt in etwa die Kerbe, die man heutzutage so gerne unter Dubstep zusammenfasst. Ob dies nun schon Postdupstep, oder wieder was anderes ist, sollen andere beurteilen: Zomby selbst scheinen solche Begrifflichkeiten auch nicht zu stören. „Dedication“ erinnert mich jedenfalls sofort an burialsche Stimmungen, an dieses Gefühl „Hey, mit dieser Musik überall und nirgendwo“.

Was gibts?

Schlichtweg ein phantastisches Bass-Album. Mit Songs voller Ruhe und Entspanntheit, Tracks, die unter die Haut gehen. Wie auch immer man das in der Dub-Diskussion nun nennt: Es ist großartig.

Anspieltipps:

Der großartige Natalia’s song. Oder Mozaik. Oder… ach, es ist wie bei Burial: Das ganze Album ist toll, hörts Euch doch hier in voller Länge an.

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Balam Acab - wander / wonder

Machen wir weiter mit diesen undefinierbaren Alben, die mit einem Gemisch aus Geräuschen, Geräten oder exotischen Klängen faszinieren. Der 19(!)-jährige New Yorker Balam Acab alias Alec Koone veröffentlich unter Tri Angle nun sein Debütalbum „Wander / Wonder“. Die Presse bezeichnet solche Musik gerne als „Witch House“, vermutlich ähnlich wie beim Post-Dubstep einfach an Ermangelung echter Begriffe.

Was gibts?

Auf dem Cover eine Höhle, in fast jedem Track das Wasser, welches in dieser Höhle tropft. Es tropft, es rasselt, es schnauft, es knistert, es grummelt… kurzum: Eine endlose Aneinanderreihung von Geräuschen, die mehr auf Atmospähre und Klang setzen, als auf Beats und Bässe. Ein ehrlich erstaunliches Werk, welches man in den ruhigen Momenten des Lebens genießen sollte. Mit einem Glas gutem Rotwein zum Beispiel.

Anspieltipps:

Die LP funktioniert eher als Gesamtwerk, möchte man etwas herausreißen, dann vielleicht Oh why?, oder Apart. Drüben bei NPR gibts das ganze Album als Stream.

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sbtrkt - sbtrkt

Auf die Gefahr hin, dass es zuviel wird: Noch ein Album aus dem mittlerweile kaum zu überblickenden Feld des Dupsteps. sbtrkt (sprich „subtrakt“) mit seinem gleichnamigen Debütalbum. Der junge Londoner Aaron Jerome ist der Mann hinter der Maske, der Mann hinter dem so vielfältigen Projekt subtrakt, der schon unter anderem außergewöhnliche Remixe für Radiohead oder Goldie anfertigte. Nun kommt eine LP, bei der er auch hier eher im Hintergrund steht und die Gesangparts wechselnden Gastsängern überlässt. (Lediglich 3 Tracks ohne Gesang.)

Was gibts? 

Extrem viel Funk, Jazz und R’n’B, und trotzdem ein rundherum elektronisches Dub-Album. Sehr vielfältig, sehr intensiv, sehr einnehmend. Funktioniert am besten laut. (Interessant ist, dass jeder Track für sich toll ist, aber nicht wirklich im Ohr bleibt. Vlt. ein Luxusproblem dieses Albums.)

Anspieltipps:

Wildfire mit der schwedischen Band Little Dragon, Hold on mit Sampha (mit dem er auch tourt), und Go Bang, mein gesangsloser Favorit. Hier der komplette Albumstream.

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GusGus - Arabian horse

Und nun was wirklich völlig anderes: Die Isländer GusGus sind schon ein lustiger Haufen an Menschen. Diese Band hatte über die Jahre ihrer Geschichte soviele Besetzungen, dass man diese gar nicht aufzählen kann, und die letzten Jahre waren eher so etwas wie der Tiefpunkt der Band. Doch mit „Arabian horse“ (auf Kompakt!) ziehen sie sich mit alten Gesichtern am Schopf daraus, werden deutlich clublastiger, und schaffen den einen oder anderen richtig guten Song. Und weil ich die einfach sehr sympatisch finde, und sie aus Island sind, hier zu Recht mit an Bord.

Was gibts?

Ein bisschen ‚back to the roots‘ könnte man sagen. Ein Dance-Pop-Album, welches manchmal retro wirkt, aber in anderen Momenten extrem modern und clubbig. Kompakt nennt es „Icelandic Hi-Tech Soul“. Synthesizer olè. Live machte das Album richtig Spaß, auch wenn mir persönlich die Instrumentalparts besser gefallen als die Gesangsteile.

Anspieltipps:

Der aktuelle Hit Over. Und das herrlich verschrobene Synthesizerstück Within you.

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The Rapture - In the grace of love

Und nochmal zurück nach New York. Auf James Murphys Label DFA liefern The Rapture ihr neues Werk „In the grace of your love“ ab, welches es auf den letzten Drücker in meine Lieblingsplatten des Monats geschafft hat, aber völlig zu Recht. The Rapture gelingt hier ein zeitloses Werk, schon perfekt angedeutet durch das Cover, ein zeitloses Bild eines Surfers, die Arme ausgebreitet und sorgenfrei.

Was gibts?

Mir fehlen die Worte, die Begriffe um diese LP richtig einzuordnen. Disko-House? Vielleicht am ehesten. The Rapture, die früher eher mit dem Disko-Punk in Verbindung gebracht wurden, schielen hier auf den House-Dancefloor, haben immer wieder Nu-Wave oder (Post-)Punk-Elemente im Spiel. Dabei darf fast jedes Instrument ran: Vor allem Piano, Saxofon – und Akkordeon.

Anspieltipps:

Der Überhit ist das unglaubliche intensive Pianostück How deep is your love?, welches bei der ND14 für Ausnahmezustand sorgte. Der irre Akkordeontrack Come back to me, und der Titeltrack In the grace of love.

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Was war sonst an Spannendem, oder Innovativem in der Musikwelt?

  • Die  neueste Ausgabe der Kompakt-Reihe Total ist perfekt. Mit wunderbaren Tracks wie Waiting for, oder Playground Coma. (Hätte mal einen eigenen Artikel verdient, we’ll see.)
  • John Tejadas Album „Parabolas“ ist sehr gelungen, insgesamt aber etwas zu eintönig für ein Lieblingsalbum. Der Opener „Farther and fainter“ ist jedoch wirklich klasse.
  • Mein Favorit des Jahres ist Robag Wruhme, denn neben einem unglaublich tollen Album haut er immer wieder gute, ungewöhnliche Mixe raus. Zum Beispiel diesen.
  • Und nochmal Gabor: Sein Edit von „Hier kommt die Sonne“ geht mir wochenlang nicht aus dem Kopf, ist mein Gute-Laune-Track der letzten Wochen. Nochmal Danke, Nachtdigital!
  • Das Friendly Fire-Album „Pala“ ist schon länger erschienen, war bei mir etwas untergegangen. Durch einen Bericht von flowmotion wieder für sehr gut befunden, und im September werden sie live begutachtet. Empfehlenswert: Das Live-Album vom iTunes-Festival.
  • Der ungewöhnlichste Track-Titel dieser Tage geht eindeutig an DJ Phono, und dann ist auch das dazugehörige Album noch ziemlich gut: knarhcslhük mi ttinhcsfua hcon ebah hci.
  • Radioheads Remixreihe zu King of Limbs ist nun abgeschlossen: 5 kleine EPs gab es, alles in allem gute Remixe und eine nette Bereicherung. Das Remix-Album erscheint im Oktober.
Und zum Schluss, wie immer ein Video. Für alle die es noch nicht kennen: Das Hype-Video der letzten Wochen, von den wie immer verrückten Ok Go, dieses mal in Muppet-Mission:
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Fast ein Jahr nach „Black City“ hat Slowdance von Matthew Dear ein Video. Wunderschön, genau wie der Song. Und das passt dann auch wirklich sehr gut zu dieser sehr elektronischen Ausgabe der besten Platten des Monats. Machts gut, und viel Spaß beim Entdecken guter Musik!

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  1. Ben
    August 31, 2011 um 3:34 pm

    Sehr schön geschrieben, Cousin! Ich glaube, ich habe das erste mal deine Kolumne gelesen jetzt, sehr gut, zwar viel Dubstep, na gut. Jedem das Seine! Habe vorletztes Wochenende Spektre erlebt, war ein Highlight! Am Freitag lege ich selber mit einem Freund hier m Nachbarort auf. Mach weiter so!
    P.S.: Wie läufts Studium?? : ) Spässche, Jonathan!!!

  2. Eisbär
    September 7, 2011 um 3:52 pm

    Hier kommt die Sonne in bessere Qualität http://soundcloud.com/robag_fm/hier-kommt-die-sonne

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