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Kinokritik: Restless (Gus van Sant, 2011)

Nach langer Kinopause ging es gestern in die Vorpremiere von „Restless“, dem neuen Werk von Gus van Sant. Die Geschichte um zwei sich verliebende Teenies, die sich beide mit dem Thema Tod auseinandersetzen, hat viele tolle Szenen, kann aber schlußendlich nicht völlig überzeugen.

(c) Sony Pictures

Enoch (gespielt von Dennis Hoppers Sohn Henry, der hier in seiner ersten Filmrolle durchaus überzeugt) ist ein todessehnsüchtiger Teenie, der regelmäßig auf Beerdigungen von Fremden vorbeischaut. Er hat seine Eltern bei einem Autounfall verloren, sieht nur wenig Sinn in seinem Leben. Sein Freund ist der Geist eines japanischen Kamikazefliegers aus dem Zweiten Weltkrieg. Er ist der einzige, mit dem er über Gott und die Welt plaudern kann, bis ihm die hübsche, jungenhafte Annabelle (Mia Wasikowska) begegnet. Annabelle ist an Krebs erkrankt und hat nur noch 3 Monate zu leben. Die beiden unterschiedlichen, und doch so ähnlichen Jugendlichen verlieben sich und werden ein Paar. Es entwickelt sich eine zaghafte, wunderschöne Liebesgeschichte – doch je näher Annabelles Tod kommt, umso schwieriger wird es für Enoch damit umzugehen und die harte Realität zu verdrängen…

Gus van Sants („Milk„, „Good will hunting“ oder „Forrester„) neuestes Werk ist kein ganz einfaches Werk, niemals nur romantische Liebeskomödie. Es geht um den Tod, den Krebs, unsere Beziehungen untereinander, und auch um unsere Einstellung zum Leben und dem Tod. Van Sants Geschichte dreht sich vollständig um seine beiden Protagonisten und deren Darsteller. Hopper und Wasikowska geben ein glaubwürdiges Pärchen ab, die Chemie zwischen beiden stimmt und besonders Wasikowska („Alice im Wunderland“) kann hier sehr überzeugen. Ihre charmante Spielweise der intelligenten Annabelle, die sich mit ihrem Tod abgefunden hat, ist durchaus beeindruckend. Der Film lebt daher von seinen Hauptdarstellern, die ihre Schwierigkeiten gut umsetzen. Zwei Menschen, die sich gegenseitig Halt geben und zusammen wundervolle Momente genießen. Momente, die auch für mich als Betrachter wunderhübsch anzusehen sind. Es sind diese Szenen, die den Film gut machen: Wenn die beiden auf der Strasse nebeneinander liegen, wenn sie zusammen in einem Forsthaus sind und später im Wald herumlaufen, wenn sie gemeinsam Annabelles Tod nachspielen. Hier entstehen tolle Filmszenen, die gut gespielt sind und vor allem gut photographiert sind.

Auf der anderen Seite schafft es „Restless“ nicht mich wirklich zu berühren. Woran das liegt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Zu nüchtern ist Annabelle, um bei ihrem Tod mich schluchzen zu lassen. Zu weit weg ist Enochs Schmerz, um einen Kloß davon zu bekommen. Die Geschichten der beiden ist anrührend, doch nicht beklemmend. Soll es vielleicht ja auch gar nicht, denke ich mir, denn am Ende bleibt eigentlich eine optimistische Auffassung im Raum stehen: Das Leben ist immer lebenswert und der wahren Liebe kann der Tod nichts anhaben. Das ist schön, und ist auch das, was ich aus solchen Filmen mitnehmen kann. Nicht die Länge, sondern die Intensität unseres Lebens ist entscheidend. Das ist durchaus tröstlich zu sehen.

Es bleibt ein schlußendlich schöner, leise Töne anschlagender Indie-Teenie-Film, bei dem man etwas traurig sein darf, der auch mit toller Musik (beispielsweise von Danny Elfmann, Sufjan Stevens oder Bon Iver) begeistert, und mit einigen schönen Szenen glänzt. So der richtig große Wurf gelingt Gus van Sant nicht, das ist aber verschmerzbar, weil dies auch das Leben zeigt. Es muss nicht immer alles spektakulär sein, und es muss nicht immer alles direkt berühren. Beim Thema Leben und Tod gefiel mir 2011 zum Beispiel Beginners (Mike Mills, 2010) besser. (Gewidmet ist „Restless“ übrigens Henrys Vater Dennis Hopper, der ja bekanntlich selbst im vergangenen Jahr an Krebs starb.)

Wie man den Film vielleicht völlig anderes betrachtet, wenn man zum Beispiel selbst einen Krebskranken Menschen kennt und/oder verliert, beschreibt Rüdiger Suchsland bei Negativ-Film sehr eindrücklich.

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