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Kinokritik: Melancholia (Lars von Trier, 2011)

Lars von Trier. Schon der Name weckt viele Assoziationen, meist an ungewöhnliche Filme. Oder an Skandale. Oder an das Dogma-Manifest. Von Trier ist sicher einer der streitbarsten Regisseure der Gegenwart. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Ich bin irgendwo in der Mitte, zwischen stiller Bewunderung und maßvollem Abstand. Sein neuer Film „Melancholia“ lässt mich schon wieder unschlüssig zurück. Der schwierige Versuch einer kurzen Kritik.

(c) CONCORDE Filmverleih

Vorweg: Ich hatte dieses Mal weder einen Trailer gesehen, noch etwas mehr zum Inhalt des Filmes gelesen. Angeregt von guten Kritiken und dem guten Plakatmotiv im Kino meiner Wahl wollte ich den Film unbedingt im Kino sehen. Und zumindest der Kinobesuch sollte sich lohnen.

Lars von Trier beschreibt seinen neuen Film gerne als Katastrophenfilm. Und nichts anderes ist Melancholia im Kern. Ein Planet, eben jener „Melancholia“, rast auf die Erde zu und wird diese unvermittelt treffen und auslöschen. Klingt nach Armageddon im Programmkino, Go Bruce Go! Nun ja, ganz so ist es dann schließlich natürlich nicht, denn wir sind ja hier in einem Lars von Trier-Film. Also ist der Weltuntergang gleichzeitig Metapher und Ausdruck von Justines Depressionen. Justine (Kirsten Dunst), das ist der eine Part von zwei Schwestern, die den Film als Protagonisten tragen und jeweils einen Akt erhalten. Die andere ist Claire (von Trier-Darling Charlotte Gainsbourg), welche sich aufopfernd um die depressive Justine kümmert, und schließlich immer mehr selbst an ihren Ängsten zerbricht (während Justine konträr dazu im Laufe des Filmes immer zufriedener wird). Der Untergang der Welt ist zwar unvermittelt der Rahmen der Handlung, im eigentlichen Plot dreht und fällt die Geschichte mit dem Thema Depressionen.

Melancholia ist hier ganz typisch von Trier: sentimental, aufwühlend, und faszinierend erschreckend. Und all das in gekonnten, traumhaften (und traumartigen) Bildern. Allein für die wunderbaren Aufnahmen des ankommenden „Melancholia“ lohnt sich der Kinobesuch. Doch bei allen schönen Motiven und Metaphern (ein Psychologe hätte wohl an den vielen kleinen Details seine helle Freude) ist Melancholia auch etwas langatmig und zerrend. Obwohl der Cast herausragend ist und bis in die Nebenrollen hoch qualitativ ist (Die Hochzeitsgesellschaft ist absurd großartig und schlicht genial dargestellt!), schleppt sich der Film gerade im Mittelteil etwas vor sich hin – es fehlt mir hier an herausgearbeiteter Schärfe für die Krankheit Depression (Warum kann Justine nicht in eine Badewanne steigen, aber kurz später auf ein Pferd steigen und galoppieren?) und an Tiefgang in die einzelnen Charaktere (Was ließ Justine depressiv werden?, Warum ist Claire so verängstigt?etc.). In vielen Momenten ist mir der Film zu schwerfällig, zu selbstverliebt und zu wenig ergreifend.

Trotz dieser Schwächen offenbart Melancholia immer wieder phantastische Szenen, bei denen vor allem Kirsten Dunst als Justine herausragt. Wie ihr Charakter sich immer mehr einer Art Todessehnsucht nähert, umso näher der Weltuntergang bevorsteht – wunderschön im Kontrast zu ihrer Schwester – ist großartig, sowohl im Film als auch schauspielerisch. Und hier muss man dann auch wieder den Hut vor Lars von Trier ziehen: Er schafft es, menschliche Abgründe immer wieder hervorragend darzustellen, ohne dabei in Hollywood-typische Katastrophenfilm-Manier zu verfallen. Allein für die bombastische minutenlange Schlusssequenz mit Richard Wagner-Untermalung (die vom langen verstörenden Intro bis zum Ende immer wieder eingesetzt wird) ist der Film sehenswert, ansonsten gibt es von meiner Seite einige Abzüge. Etwas unschlüssig bin ich hin- und hergerissen, wie dieser Film bei mir abschneidet. Für ein langfristiges Urteil müsste ich Melancholia sicher ein zweites Mal schauen. Empfehlenswert, aber in keinem Falle ein neues Meisterwerk.

(PS: Kiefer Sutherland in einem ernsthaften Drama zu sehen, ist immer noch…nun ja… fast störend. Immer wieder spuckte der Gedanke „Denen kann ja gar nichts passieren, gleich legt John seine Tarnung ab, und Jack Bauer rettet mit beeindruckender Manier die Erde vor ihrem unvermeidlichen Untergang“ in meinem Kopf herum. Denn was ist schon „Melancholia“ für Jack Bauer.)

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