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Serienreview: Game of Thrones, season one (HBO, 2011)

Man nehme etwas „Herr der Ringe“, ein bisschen die alten Sagen der Griechen, ein wenig Mittelalter-Look, etwas politisches Geplänkel unserer Zeit und vermische es in einem Topf mit ordentlich viel Brutalität und explizit zur Schau gestellten Sexszenen: Heraus kommt die neue, großartige TV-Fantasy-Serie „Game of Thrones“ des für Serienfans legendären Senders HBO.

(c) HBO.

Winter is coming“ flüstern sich die Alten in den sieben Königreichen von Westeros zu. Winter ist nicht mit unserem Winter gleichzusetzen. Dieser Winter kommt nur alle paar Jahre, und nur die Älteren können sich überhaupt an einen richtigen Winter erinnern. Das eben jener nun wieder vor der Tür steht, ist die Rahmenhandlung der ersten Staffel von Game of Thrones, der Verfilmung der Fantasysaga Das Lied von Feuer und Eis (eine Staffel pro Band der Saga, bisher 5 Bücher). Diese Saga dreht sich um die fiktive Welt Westeros (ein bisschen wie Mittelerde im ungleich bekannteren HdR), ihre sieben Königreiche – und vor allem um die Machtspiele dieser Reiche untereinander. Die erste Staffel beginnt zu einem Zeitpunkt, als nach einigen friedlichen Jahren ein neuer Machtkampf entsteht, vor allem zwischen den mächtigen Adelsgeschlechtern Stark, Baratheon und Lannister. Die zahlreichen Konflikte zwischen diesen Reichen und anderen Adelshäusern lässt einen Bürgerkrieg hevorbrechen. Im Norden erwacht jenseits der gigantischen Schutz-Eiswand – unbemerkt von den machtbesessenen Fürsten – eine alte, gefährliche Macht.

Soweit so gut klingt dies nicht zuletzt nach herkömmlicher Fantasy-Literatur und -Handlung. Doch „Game of Thrones“ geht viel weiter als typische Fantasy: Hier geht es sprichwörtlich gesehen zur Sache. Ausufernde Sexszenen, generell viel Erotik, überbordende Brutalität, komplizierte politische Machtrankeleien, hervorragend herausgearbeitete Charaktere und ein Plot voller Wendungen, Überraschungen und Absurditäten. Im Gegensatz zum Beispiel zum weltberühmten „Herr der Ringe“ gibt es in der Welt von „Game of Thrones“ wenig Schwarz-Weiß-Schemata: Klar gibt es auch hier die Helden, die Guten und Weisen (zum Beispiel Ned Stark, die Hand des Königs und liebenden Familienvater, gespielt von Sean Bean), und auf der anderen Seite die Bösen und offenkundig Finsteren (die machthungrigen, vor nichts zurückschreckenden Lannisters, die ganz nebenbei untereinander Sex haben), aber jede Figur in der Serie ist vielschichtig, hat ihre eigenen Interessen und kann sich entsprechend wandeln. Das erzeugt viel Spannung, lässt viel Raum für Interpretationen und Deutungen und ist immer wieder witzig. Am besten auszumachen bei einem meiner Lieblingscharaktere: Tyrion „Dwarf“ Lannister. Der Zwerg ist schlau, durchtrieben, von sich überzeugt, neugierig – aber mit dem Herz am rechten Fleck: ganz sicher in jedem Maße unterhaltsam.

Aus dem gesamten Charaktere-Universum der Serie (das sind nämlich durchaus sehr viele Hauptpersonen) haben es mir neben dem Zwerg vor allem Jon „Bastard“ Snow und die sympatische kleine Arya, die Tochter von Ned Stark, dem Herscher von Winterfell, angetan. Mindestens ebenso faszinierend ist die attraktive Daenerys Targaryen, die spätestens mit der letzten Folge der ersten Staffel als „Drachenkönigin“ alle Zweifel wegwischt, ob sie für die Handlung interessant ist. Zwerge, Drachen, kämpfende Mädels, eine riesige Eiswand, Geschwisterliebe: klar, all dies klingt sicher hier in einem Review seltsam, doch hat „Game of Thrones“ in der Tat alles, was eine super Serie heute ausmacht: eine sehr komplexe Geschichte mit wunderbaren aktuellen Bezügen, ein tolles Ensemble, ein gutes Setting und einen phantastischen Spannungsbogen. Wir sind schlichtweg begeistert, können nur vor HBO unseren virtuellen Hut ziehen für solch glänzende TV-Unterhaltung, und freuen uns schon sehr auf die zweite Staffel. Diese beginnt wohl leider erst im April 2012. (In Deutschland startet die erste Staffel am 2.11 auf dem Digital-Sender TNT, und sonst gibt es sie wie üblich auf den bekannten Streaming-Portalen.)

Schnell noch den Trailer für die zehnteilige erste season:

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  1. November 2, 2011 um 10:49 pm

    Nachdem ich mittlerweile im vierten Band der Romanvorlage bin, kann ich nur sagen: Freut euch auf das, was noch kommt. Wenn die Qualität der Umsetzung weiterhin so hoch bleibt, ist die erste Staffel – mit Verlaub – Kinderkacke.

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