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Deutscher Film (5): Absolute Giganten (1999)

Das hier hat sich etwas aufgestaut: Ein neuer Eintrag zur Reihe „Deutscher Film“. Kleine oder große Filme aus Deutschland, die untergehen im Einheitsbrei, oder durch die Jahre vergessen sind. Heute geht es weiter mit einem Film aus den Neunzigern, dem wirklich großartigen „Absolute Giganten“ von Sebastian Schipper.

„Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. 

Und wenn’s so richtig scheisse ist, dann ist wenigstens noch die Musik da.

Und an der Stelle wo, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.“

.

An dieser Stelle bräuchte man nichts mehr schreiben. Dieses Zitat von Floyd in „Absolute Giganten“ ist so wahnsinnig wunderschön, dass es für sich steht. Für diesen wunderbaren Film. Für ein ganzes Leben voller Musik und Sehnsüchte. Für den tollen Soundtrack des Filmes, der zwischen T.Rex und Jimi Tenor, zwischen Egoexpress und Laurent Garnier pendelt, und zudem frische Songs von The Notwist erhalten hat. Dieses Zitat ist eigentlich Empfehlung genug den Film zu schauen – und immer wieder zu schauen. Aber ich möchte noch einige Gedanken loswerden.

…und du hörst immer nur diesen einen Moment.“ Floyd erzählt dies einer Bekanntschaft im Aufzug, fast nebenher, und doch steckt sowohl in seinen Worten, als auch in seinen Augen diese Hoffnung, diese tiefe Sehnsucht nach einem unwirklichen anderen Leben. Der Traum vom Weggehen, vom Aufbruch in ein neues Leben – wer hatte ihn noch nicht? Floyd träumt diesen Traum, und so beginnt der Film damit, dass er seinen besten Freunden „beichtet“, dass er am nächsten Tag ein Schiff in die Ferne nimmt. Dies ist der Aufbruch in eine lange Abschiedsnacht, in der die 3 Kumpels noch einmal zusammen feiern wollen, zusammen ausbrechen, zusammen leben. Immer auf dem Kick, immer auf der Suche nach noch mehr Abenteuer, nach noch mehr Spaß. Es beginnt eine Nacht voller Blödsinn, McDonalds-Sessions, wilden Clubbesuchen, und nicht zuletzt einem überragenden Kicker-Game.

Was ist das für ein Film, in dem drei junge Männer durch die Hamburger Nacht fahren? Um es kurz zu machen: Es ist ein großartiger Film. Man könnte Sebastian Schippers Spielfilm-Debüt auch Fehler vorwerfen, sicherlich. Zum Beispiel die unscharfe Charakterentwicklung oder die im Grunde fehlende Dramaturgie. Aber dies ist angesichts der positiven Seiten des Filmes nahezu zu vernachlässigen. Denn die Grundidee des Filmes ist gelungen, die Musik ist phantastisch, die Roadmovie-Szenen innerhalb einer Stadt (Hamburg!) witzig und einfallsreich, und dazu gibts ein sehr gut aufspielendes Hauptdarsteller-Trio: Florian Lukas als Ricco und Antoine Monot Jr. als Walter sind super, und spielen ihre Rollen äußerst authentisch. Herausragend ist aber Frank Giering als Floyd, der mit diesem Film wohl auch seinen Durchbruch als Schauspieler schaffte. Der im letzten Jahr viel zu früh verstorbene Giering schafft hier Großes: In jedem Moment authentisch, immer diesen einen, traurigen Blick in den Augen, hat man als Zuschauer das Gefühl dem jungen Floyd in die Seele zu schauen. Ein unglaubliches Gefühl, toll gespielt.

Die drei Jungs sind auf der Suche – nach was wissen sie selbst nicht genau. Nach einem besseren Leben, einer Sehnsucht hinterher, die sie treibt. Das Schöne an diesem Film ist auch: Man kann wunderbar sehen, dass die Jungs das Beste im Leben schon gefunden haben: ehrliche, tiefe Freundschaft. Und auch wenn sie in dieser einen Nacht sooft als vermeintliche Looser dastehen – viele würden einiges dafür geben, eine Nacht wie diese mit besten Freunden zu erleben. Deutlich wird dies unter anderem in der in Tischfußball-Kreisen legendär gewordenen Kicker-Szene. Hier huldigen Film und Kamera dem Kickersport in tollen Aufnahmen, unterlegt von The Notwist.

Absolute Giganten ist ein stiller, ergreifender und doch lustiger Film über die Freundschaft, das Leben, unsere Sehnsüchte und Träume. Ein kleiner deutscher Film, den jeder gesehen haben sollte.

Floyd: „Freundschaften sind wie Sehnsüchte. Toll, gross, absolut gigantisch. Und wenn sie dich erstmal gepackt haben, dann lassen sie dich nicht mehr los. Manchmal nie mehr.“

Und weil es so schön ist:

(Nochmal aufmerksam auf den Streifen wurde ich übrigens in den tollen Film-Bestenlisten bei Seite360.)

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In dieser Reihe habe ich bisher empfohlen:

Deutscher Film (4): Das Irakkriegs-Drama „Waffenstillstand“.

Deutscher Film (3): Das Gehörlosen-Melodram „Jenseits der Stille“.

Deutscher Film (2): Die bayrische Komödie „Wer früher stirbt ist länger tot“.

Deutscher Film (1): Das Schwarz-Weiß-Drama „Die Unberührbare“.

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