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Netzkultur-Tipp 3: Aktion Libero

Jeden Tag werde ich mit tausenden Links und Artikeln bombadiert, hauptsächlich sind dies aber die immer gleichen „Leitmedien“ und sowieso schon bekannten Blogs. Daher habe ich mich entschlossen, hier öfter mal kleine Projekte und Blogs im Internet vorzustellen, welche mehr Besucher verdient haben. Für Euch als Tipp, aber auch für mich als Erinnerung. Denn Netzkultur ist lebendig, besonders in diesen kleinen, unbekannten Formaten. Teil 3 heute mit einer tollen, groß angelegten Aktion der deutschen Sportblogger, der „Aktion Libero“.

Immer noch – trotz vielfacher andersartiger Äußerungen u.a. von Herrn Zwanziger – spielt offene Homophobie im Fußball eine große Rolle. In den letzten Wochen wurde dies wieder besonders deutlich, als Arne Friedrich sich öffentlich vom „schwul sein“ distanzierte. Auch Ende 2011 scheint es keine Chance für homosexuelle Fußballer zu geben, damit „normal“ zu leben. Es bleiben Vorurteile, tiefgreifende Ressentiments und grundlegende Ablehnung. Was kann man überhaupt dagegen tun? Nun, zumindest klare Meinungen präsentieren und dabei eine positive Haltung zeigen. Genau dies versucht nun die begrüßenswerte Aktion Libero. Sie möchte sich gegen das intolerante Klima in Deutschland stellen, dieses sensibilisieren und gibt ein deutliches Statement dazu ab:

„Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.“

Nun, ich schreibe hier nie selten über Sport oder meinen geliebten Fußball, aber so ist dieser kaum aus unserem kulturellen Leben wegzudenken (zumindest meinem!), und so kann ich mich der Aktion meiner sportlich bloggenden Kollegen nur zu 100% anschließen. Auch ohne Sportblogger zu sein: Gegen Homophobie. Und dies sollte man vielleicht auch öfter mal sagen. „Libero“ regt zum Nachdenken an, und zu einem bewußteren Umgang. Für diesen Anstoß bin ich der Aktion Libero selbst dankbar. Seit Mittwoch morgen ist die Aktion – nach wochenlanger Geheimniskrämerei – gestartet und seitdem gibt es schon unglaublich viele teilnehmende Sportblogs (manchen dieser Blogs habe ich erst durch diese Aktion kennengelernt!). Unterstützung erfährt das Projekt durch einige Prominente wie z.B. Thees Uhlmann oder Maria Furtwängler.

Viele der Blogger haben sich auch noch neben dem Statement um individuelle Texte bemüht, darunter finden sich viele interessante Gedanken, schöne Worte und gute Interviews, wie hier bei SPOX (wie wichtig das Thema ist, zeigen auch genau die Kommentare unter jenem Interview). @heinzkamke fragt: „Ist das alles?“ und schreibt: „Ich brauche übrigens auch kein anonymes Interview mit einem schwulen oder auch, dann eher nicht anonym, nicht schwulen Fußballspieler, der die möglichen Folgen eines Outings skizziert, um zu wissen, dass da noch verdammt viel im Argen liegt…“. Dem Münchner @Stadtneurotiker ist „das ja egal“  und @freitagsspiel formuliert schön: „Gemein­sam mit Ande­ren zu leben als jemand, der man nicht ist; unter Ande­ren zu sein und gleich­zei­tig auf ele­men­tare Weise alleine zu blei­ben: Eine grö­ßere Ein­sam­keit kann ich mir kaum vor­stel­len. Das fällt mir ein, wenn ich an schwule Pro­fi­fuß­bal­ler denke.“ Auch @LizasWelt hat wieder spannende Ansichten. Ebenso lesenswert: Der Kommentar von @dogfood zur Aktion und der derzeitigen Situation in der NHL.

Die Zeit scheint reif zu sein. Lasst uns eine offene, tolerante Gesellschaft schaffen. Das Netz kann dies schaffen. Ach ja, für Neuigkeiten folgt @AktionLibero.

Noch ein Veranstaltungstipp, an dem ich leider nicht teilnehmen kann: Aktuell ist im Mainzer Bruchwegstadion die Ausstellung „Tatort Stadion“, in der es um Diskriminierung unter Fußball-Fans geht. Und genau heute (!) abend ist eine Diskussionsrunde zum Thema Homophobie.

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  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. November 17, 2011 um 2:29 pm

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