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Lieblingsplatten im Herbst. Teil II: Zwischen Berlin und Chicago

Es hat sich etwas angestaut: Die Lieblingsplatten der letzten Wochen sind seit August nicht mehr erschienen, deshalb gibt es hier ein Special aus zwei Paketen mit meinen liebsten Alben des Herbstes (September-November). In diesem zweiten Teil nun den großen Rest mit Musik zwischen Brasilien und Island, zwischen Berlin und Chicago. Viel Spaß nun mit meinen Tipps, wie immer äußerst subjektiv und ohne Gewähr.

Zum Teil I „Frauenpower“ im Herbst hier entlang.

Wilco - The Whole Love

Etwas überraschend ist mein Lieblingsalbum des Herbstes 2011 eines, was ich so nicht habe kommen sehen. Die US-Band Wilco hat mich mit ihrem neuen – zehnten (!) – Album etwas umgehauen.  In meinen bescheidenen Augen nichts weniger als ein neuer Meilenstein. Eine wunderbare LP für die kalte Jahreszeit, die mich vor allem unterwegs viel begleitet hat.

Was gibts?

Unglaublich intensive, und trotzdem (oder deswegen?) großartige Indiemusik. Es ist nicht mehr viel vom alten Country geblieben.

Anspieltipps:

Muss man eigentlich alles nennen, alle 12 Songs spielen in der ersten Liga. Doch für sich gestellt: Der moderne Opener Art of Almost, Dwaned On me und die 12-minütige wunderbare Endlosschleife One Sunday Morning (Song for Jane Smiley’s Boyfriend).

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Modeselektor - Monkeytown

Auf „Monkeytown“ hatte ich mich schon Ewigkeiten gefreut, und die Vorfreude sollte nicht allzuviel getrübt werden. Modeselektor bleiben sich treu und kreuzen alle Stile, die Ihnen vor die Geräte fallen, schleppen hochkarätige GastsängerInnen an die Mikros und schaffen wieder einmal ihr ganz eigenes Affen-Universum. (Dabei gefallen mir die Rap-lastigen Stücke natürgemäß am wenigsten.)

Was gibts?

Man ist geneigt zu sagen: eine wahnsinnige Ansammlung von Bässen, gemixt mit Techno, Dub, Pop und HipHop. Mdslktr treiben wie eh und je die Verschmelzung aller Genres voran. Innovation auf elektronisch.

Anspieltipps:

Sicherlich die Kollaborationen mit Radioheads Thom Yorke: Das gute Shipwreck und das grandiose This, aber natürlich auch das Moderat-Stück war cry mit dieser tollen Live-Steigerung.

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Apparat - The devil's walk

Von dem einen Teil von Moderat zum Anderen: Auch Apparat hat ein neues Album produziert, dieses lag schon in meiner imaginären „Nicht so dolle“-Schublade. Doch nach dem unglaublichen (!) BreakingBad-Finale ging es mir nicht mehr aus dem Kopf und langsam wuchs da etwas heran. Sascha Ring ist nun nicht mehr solo, sondern mit 4-köpfiger Band unterwegs, und das merkt man dem Album sehr an: Instrumentaler und vielschichtiger.

Was gibts?

Keine Frickel-Beats mehr, es geht hier schnurgeradeaus Richtung romantischer, atmosphärischer Song. Apparat dringt hier in elektronisches Songwriting vor, die Vorbilder Radiohead, Four Tet und Sigur Ròs sind herauszuhören. Manchmal zu kitschig.

Anspieltipps:

Walter White vor Augen beim düsteren, verzweiftelten Goodbye und ebenso nice: Black water.

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Gui Boratto - III

Der Brasilianer Gui Boratto ist ein gefragter DJ und Produzent. Mir war er bisher aber eher in den fröhlichen elektronischen Runden aufgefallen. Mit seinem dritten Album „III“ bringt er ein zielstrebiges, aktuelles und tolles Techno-Album raus. Denn mal wieder gefällt mir das Düstere hier besser als Fröhliches Rumgeeiere.

Was gibts?

Der klare Charakter des Albums ist Techno, aber Boratto spielt hier ganz offensichtlich auch mit wehleidigem Pop, was ich hier aber positiv meine. Insgesamt: Großartig!

Anspieltipps:

Favorit: Flying practice, Floorkiller: The Drill, Relaxing: Soledad.

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Extrawelt - In Aufruhr

Das Hamburger Duo Extrawelt ist berühmt-berüchtigt für energievolle Live-Shows und seine Klangwelten. Bei mir sind die beiden schon seit Soopertrack und 8000 (!) unter den Favoriten. Auf ein neues Album freue ich mich immer, und das Neue kann man getrost empfehlen.

Was gibts?

Minimal-Techno mit der ganz eigenen Spur „Extrawelt“. Ein Sound, der irgendwie einmalig ist und immer erkennbar bleibt: Ob in den ruhigen Stücken oder bei der Abfahrt.

Anspieltipps:

I like: Die Welt ist nicht genug, Swallow the leader und Blendwerk II.

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Sigur Rós - Inni

Und dann war noch Sigur Rós, diese eigenartig-bezaubernde Band aus Island, die zwar keine neue LP rausbrachten, dafür aber ihr überhaupt erstes Live-Album. „inni“ ist ein Mitschnitt des letzten Konzertes ihrer Welttournee 2008. Und was soll man sagen? Noch düsterer als manches Album, aber 100% großartig und unglaublich intensiv. Fehlen leider noch auf meiner Liste „Schon live gesehen“.

Was gibts?

Den absolut typischen Sigur Ròs-Sound – dieses Mal ohne Streicher-Begleitung. Mit allen Facetten.

Anspieltipps: 

Ný batterí oder etwas fröhlicher mit Hoppípolla.

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Das wars trotz zahlreicher weiterer Alben für meine Lieblingsplatten im Herbst. Wenn es Euch gefallen hat: Empfehlt es, Liked es und kommentiert und kritisiert gerne 😉 Bald geht es schon weiter mit den Jahresbestenlisten überall. Stay tuned.

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  1. Kugelll
    Dezember 11, 2011 um 12:01 pm

    Apparat finde ich jetzt nicht so mittelmäßig wie du. Das gefällt mir eigentlich ganz gut. Ganz besonders hat mir Ash Black Veil gefallen als Score zu The Art of Flight. Passt echt wunderbar zu diesem tollen Film!

  2. hulza
    Dezember 13, 2011 um 10:45 am

    @Kugell: Danke für deinen Kommentar. Bevor wir uns mißverstehen: Keine hier empfohlene Platte ist in meinen Augen mittelmäßig – davon gibts auch viel zuviele. Die hier vorgestellten Platten sollen also so etwas wie die Spitze sein, Hervorstechendes aus der großen Masse (auch wenn mir das natürlich nicht immer gelingt – und nicht immer gelingen kann.) Daher: „The devils walk“ ist durchaus toll, und „The art of flight“ muss ich auch noch sehen, Danke nochmal für die Erinnerung 😉

  3. Dezember 19, 2011 um 10:43 pm

    Netter Blog, gefaellt mir.

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