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Kinoreview: Der Gott des Gemetzels

Im völligen Kontrast zum Mission-Impossible-Blockbuster noch mein Review und meine Empfehlung für Polanskis Gott des Gemetzels. Ein Film, der in seiner Einfachheit kaum zu schlagen ist, mehr Theater als Film, und dennoch einer der Highlights im Kinojahr 2011 sein dürfte.

Vier der großartigsten Schauspieler unserer Generation, ein zwar zweifelhafter, aber unbestreitbar genialer Regisseur, ein tolles Theaterstück und nur eine Wohnung in New York: Das ist die Grundidee von „Der Gott des Gemetzels“.  Vier Menschen mittleren Alters, zwei Großstadt-Ehepaare, finden zusammen in der Wohnung des einen Ehepaares um dort den Streit ihrer Söhne zu klären. Was anfangs harmlos und gutmütig beginnt, endet in einem Desaster. Die Fassade der vier Protagonisten brökelt schnell, und der unterschwellige Hass breitet sich aus.

Daniel Sander schreibt bei SpOn zutreffend, und daher zitierfähig: „Das Wohnzimmer im Bohème-Intellektuellen-Stil wird bald ein Schlachtfeld sein, bedeckt von Scherben, zerpflückten Tulpen und Nancys Kotze. Das ist die Welt und das Weltbild in „Der Gott des Gemetzels“, und das wäre alles sehr, sehr deprimierend. Wenn es nicht so wahnsinnig lustig wäre.“

Wahnsinnig lustig, das ist es. Lustig, wie sich Menschen gegenseitig an den Kragen gehen können. Lustig, wie selbst zivilisierte Menschen irgendwann die Fassung verlieren, und völlig den Boden unter den Füssen verlieren. Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und die doch am Ende ganz nah beieinander sind, in ihrer Verzweifelung, in ihrem Hass, in ihrer primitiven Einfachheit des Streites, des Saufens und des Vorwerfens.

Penelope ist dabei vielleicht die Schlimmste. Sie ist eine diese „ach so tollen“ Frauen, engagiert, motiviert, moralisch integer und überfreundlich. Jodie Foster spielt sie mit einer solch verachtenswerten Art, dass sogar Fosters Halsschlagadern förmlich explodieren. Ihr Gegensatz ist Alan, der tüchtige, schwer arbeitende Geschäftsmann, immer am telefonieren, immer beschäftigt. Keine Zeit für Familie, Kinder und die Probleme der anderen. Christoph Waltz zeigt auch hier, wie großartig er besondere Charaktere darstellen kann, sein grunzendes Lachen ist so phantastisch und gleichzeitig eklig, dass es einen schüttelt. John C. Reilly (der zu Unrecht viel zu oft unterschätzt wird! Magnolia!) spielt den unterschwellig einfachen, netten Mann von Penelope, der sich aber auch schließlich als Choleriker und Hamstermörder herausstellt. Rein darstellerisch gefällt mir persönlich Kate Winslet am besten: Ihre Nancy, gelangweilt und genervt, ist so großartig scheisse, dass man immer wieder innerlich jubilieren möchte. Sie könnte die vielleichte beste Besoffen- und Kotzperson seit langem im Kino gewesen sein.

Da sind sie also nun, vier erwachsene, völlig normale Menschen, und wenige Stunden in einem Wohnzimmer reichen aus, um die tiefsten menschlichen Abgründe aufzuzeigen. Wie unsere Fassaden bröckeln. Wie unsere Masken fallen, und wir unter der Oberfläche doch alle gleich sind. Das Beste hierbei: Großartige Dialoge, unterschwellige Gags am Fließband („Ich habe Jane Fonda, ihre Freundin, im Fernseher gesehen und hatte direkt Lust darauf, einen Ku-Klux-Klan-Poster an meine Wand zu kleben!“), und ein punktgenaues Ende. Durch die sehr kurze Spielzeit bleibt der Film kurzatmig, verliert nie den Faden und könnte dank seiner vier phantastischen Darsteller sicher noch den ein oder anderen Preis ergattern.

Ambitioniertes Darstellerkino,  zwar konventionell gefilmt und ohne größere Überraschungen, aber dafür mit herausragenden Dialogen, großartigen Darstellern und wunderbaren Szenen. 8,5 von 10 Birnekuchen.

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  1. Januar 16, 2012 um 1:04 am

    Toller Blog, ich komme jetzt oefter

  2. April 17, 2012 um 1:52 pm

    Ja, das stimmt. Ich schaue hier öfter vorbei. Wenn ich ins Kino gehen will, suche ich hier Filmempfehlungen, die meistens sehr getroffen sind.

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