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Kinoreview: Mission: Impossible – Phantom Protokoll

Kurz vor dem Jahreswechsel war ich schließlich zum ersten Mal in 2011 in einem echten Blockbuster, in einem der großen Ketten-Kinos und mitten unter Popcorn-essenden Mainstreamschauern – und das Resultat war dennoch super. Der vierte Teil der „Mission: Impossible“-Reihe „Phantom Protokoll“ ist ziemlich grandios (und sponsored by BMW).

Die Mission: Impossible-Reihe hat mehrere Probleme: 1) Die Achtziger-Jahre Serie ist charmant, witzig und einfallsreich. Dies muss erst einmal getoppt werden. 2) Teil 2 der Filmreihe ist unterirdisch schlecht, Teil 3 nur halbswegs gelungen. 3) Tom Cruise.

Cruise ist einer dieser Schauspieler, die man eigentlich nie mag. Vielleicht ein bisschen der Til Schweiger Hollywoods. Dieser etwas arrogante Blick, immer gleich schauend, dazu seine Scientology-Zugehörigkeit und obendrein seine Filmauswahl: Viel unsympatischer geht kaum. Cruise war und ist immer nur dann richtig gut, wenn er extreme Rollen spielt (Jerry Maguire, Magnolia) oder sich schon fast selbst karrikiert (Tropic Thunder). Doch im 4. Teil der Filmreihe um den IMF-Agenten Ethan Hunt wirkt Cruise nahezu sympatisch und glaubwürdig. Woran das liegt? Am guten Drehbuch: Denn „Phantom Protokoll“ ist witzig, selbstironisch und gar nicht mal so doof.

Regisseur Brad Bird (Die Unglaublichen) schafft es, diesen vierten Teil der Reihe nun endlich wieder in eine Richtung zu lenken, die Spaß macht, trotzdem vor gelungener Action strotzt und zudem optisch herausragend ist. Der Reihe nach: Während Teil 3 kaum humorloser sein könnte, ist der neue Streifen schon alleine durch die Anwesenheit von Simon Pegg witzig. Seine Art zu spielen ist ja schon per se großartig, die herrlichen Dialoge zwischen ihm und Cruise sind Slapstick pur: Die Szene mit dem Einbruch in den Kreml ist unglaublich lustig. Obwohl die Action natürlich das Herz dieses Filmes ist und sein muss, der klasse Humor auf über 2 Stunden ist die Seele des Streifens. Die Action ist teils atemberaubend, wenn Cruise aka Hunt zum Beispiel am höchsten Gebäude der Welt herumklettert, und immer perfekt choreographiert. Technisch ist der Film sowieso auf aktuellem Höchstniveau, Kamera und Ton überzeugen auch. Dazu kommt ein völlig neues Gespür für Dramaturgie und Timing, wie man es in der M:I-Reihe sicher noch nie gesehen hat (Zu nennen wäre hier vor allem die Übergabe der Diamanten in Dubai). Und deshalb hat der Film alles, was einen guten Blockbuster ausmacht: Spannung, Action, Tempo, Witz, den Hauch Altmodisches, eine große Portion Selbstironie und eine unglaubliche Technik.

Einen Makel gibt es dann allerdings doch – und letztlich ist dies sehr schade, weil es ohne diesen zu einem großartigen Film gereicht hätte. Michael Nyquist bleibt als Bösewicht und Widersacher viel zu blass. Das liegt nicht mal an ihm, sondern an der verpassten Chance, die „Bösen“ vielfältig und gründlich auszuleuchten. Da gibts zu wenig Tiefe, zu wenig wirklich „Böses“. Typische blasse Bond-Schurke aus den Sechzigern.

Davon abgesehen bleibt ein guter Blockbuster, in dem ein bisschen zu oft die Marke BMW vorfährt. Das Duo Bird und Cruise schaffen es, die M:I-Reihe wiederzubeleben und erschaffen so den sicher besten Action-Film des Jahres. Der nächste Bond-Film wird es schwer haben, dies alles zu toppen. Man darf gespannt sein. M:I 4 ist ein perfekter Popcorn-Spaß-Film, für den auch mal wieder das Mainstream-Kino lohnt. (Mal unabhängig von 45 (!) Minuten Werbung vor dem Film.) 8 von 10 Diamanten.

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