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Kinoreview: Eine dunkle Begierde (David Cronenberg, 2011)

Noch ein kleines Kinoreview hinterher. Diesmal mit David Cronenbergs „A dangerous method“, der die Psychoanalyse und deren wichtigsten Protagonisten Freud und Jung thematisiert. Trotz guter Ausstattung und guten Darstellern enttäuscht der Film letztlich etwas – vielleicht auch aufgrund zu hoher Erwartungen meinerseits.

Keira Knightley spielt Sabina Spielrein in "Eine dunkle Begierde".

David Cronenbergs Frühwerk, in denen er sich Horrorfilmen und der menschlichen Psyche widmete, ist mir kaum geläufig, aber mit „Spider“ (2002), „A History of Violence“ (2005) und vor allem „Eastern Promises“ (2007) hat er einige meiner absoluten Favoriten des vergangenen Jahrzehnts erschaffen – und damit meine persönliche Erwartungshaltung an seine Filme sehr hoch geschraubt. Dieses mal – gespickt mit hochklassigen Darstellern – vielleicht etwas zu hoch.

In Eine dunkle Begierde widmet er sich nun den Anfängen der sogenannten Psychoanalyse (Hach! Psychologie- & Pädagogik-Studenten träumen jetzt von ihren Einführungsseminaren…) und im besonderen ihrem biographischen und historischen Kontext. Dabei kommt es zu einer interessanten Dreiecksgeschichte zwischen Dr. Sigmund Freud (Viggo Mortensen), Dr. Carl Jung (Michael Fassbender) und deren Patientin Sabina Spielrein (Keira Knightley), an der Jung die Psychoanalyse erstmals anwendet. Aufgemischt wird das Dreick durch einen weiteren Patienten: Dr. Otto Groß (Vincent Cassel).

Cronenberg sind bei dieser Darstellung zwei Positionen sehr wichtig: Authenzität (schlägt sich sowohl in einer opulenten Ausstattung in nahezu allen Szenen und einer gründlichen Genauigkeit von Gesten, Mimik und Sprachform nieder) und Dialoge (Großteil des Filmes in Dialogform, Freud und Jung dürfen viel diskutieren). Dies gelingt ihm ganz vorzüglich, und verdient jede Anerkennung. Die Gespräche zwischen Mortensen als Freund und Fassbender als Jung sind durchaus gelungen, und gerade die Therapiegespräche zwischen Jung und Spielrein sind faszinierend, auch weil Knightley dabei sehr gekonnt an die Grenzen der Darstellung gelangt. Leider bleiben Mortensen und Fassbender darstellerisch eher blass, auch weil sich ihr Streit um die Anwendung der Psychoanalyse (Freud sieht sie nur als Erkenntnis, Jung dagegen will sie in der Praxis einsetzen um zu heilen) etwas  zu sehr in die Länge zieht bzw. nicht genug in die Tiefe geht. Die eigentliche Protagonistin des Films ist sowieso die unglückliche, psychisch erkrankte Spielrein. Knightley schafft es, sie meiner Meinung glaubhaft darzustellen und spielt mal wieder äußerst eindrucksvoll: Anfangs mit Mut zur Hässlichkeit (fast schmerzhaft für den Zuschauer), später die Wandlung zur Analytikerin.

Man merkt gerade an dieser Person, dass Cronenberg Figuren sehr wichtig sind, und deshalb ist „Eine dunkle Begierde“ in erster Linie auch eine klassische Biographie. Angereichert mit sehr geschliffenen Dialogen, einer Story, die uns in tiefe Begierden unserer Psyche führt und letztlich ganz gut zeigt, welche gesellschaftlichen Entwicklungen die Entdeckungen Freuds und Jungs möglich machten. Es bleibt aber leider dabei: Richtig möchte der Funke nicht auf mich als Zuschauer überspringen, zu lange sind manche Gespräche, zu sprunghaft dann doch die einzelnen Entwicklungsstufen der Hauptfiguren. Cronenbergs „A dangerous method“ ist gutes Darstellerkino mit vielen interessanten Szenen, enttäuscht aber letztlich etwas an meinen Erwartungen und muss sich irgendwie unter „ganz gut“ einordnen lassen.

Fazit: Makellose Bilder, interessante Geschichte und gute Dialoge – aber weder ein neues Meisterwerk noch ein Film, bei man das Kino gebannt verlässt. 6 von 10 Zigarren.

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