Startseite > Kino & TV > Serienreview: Homeland, season one (Showtime, 2011)

Serienreview: Homeland, season one (Showtime, 2011)

Eine neue Dramaserie vom amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime mischt die aktuelle Season auf: Golden Globe-Nominierungen für Serie und Darsteller, Bestenlisten wohin man schaut und nur lobende Worte seitens der Kritiker. Und auch ich kann mich da nur anschließen: Homeland season one ist großartige Serienunterhaltung auf höchstem Niveau und eine der besten Serien 2011.

Carrie Mathison ist eine taffe, unkonventionelle CIA-Agentin, die ihrem Job alles unterordnet, aber auch psychische Probleme hat, und aufgrund von unsauberen Aktionen nach Langley strafversetzt ist. Sergeant Nicholas Brody ist ein US-Marine, der seit dem Jahre 2003 im Irak als vermisst gilt. 8 Jahre später wird er durch eine Rettungsaktion aus seiner Gefangenschaft befreit und kehrt als Nationalheld zurück in die Staaten. Dort wird er gefeiert und verehrt. Außer von Carrie: Sie ist der festen Überzeugung, dass Brody ein Schläfer ist, ein von Al-Qaida umgepolter Terrorist. Um ihre eigene Überzeugung mit Beweisen zu unterlegen, ist ihr nahezu jedes Mittel Recht – und schreckt dabei auch nicht vor illegalen Überwachungsaktionen zurück. Das Problem: Keiner ihrer Vorgesetzten will ihr trauen, und auch der Serienzuschauer weiß nicht auf welcher Seite er stehen soll. Und genau dies ist großartig.

Das altbekannte Serienspiel „Gut“ und „böse“ wird hier schlichtweg aufgelöst. Es gibt ihn nicht, DEN Bösen, oder DIE Gute. Die Frage nach den „bösen Terroristen“ löst Homeland völlig anders als dies andere US-Produktionen machen. Man erinnere sich nur an 24, wo selbst in deren besten Staffeln Jack Bauer immer der strahlende Held ist, und die „Bösen“ foltert und am Ende alles gut geht. Homeland zeigt vielmehr das, was der Krieg im Irak aus allen Beteiligten gemacht hat: Die Marines, die Angehörigen, die Agenten, die Vorgesetzten, die AL-Qaida-Männer, die US-Politiker. Auch wenn die Serie nicht zu Ende ist: Gewinner gibt es hier keine. Jeder Protagonist hat an seiner Last zu tragen und der Krieg ist immer vor Augen, und das obwohl man ihn nie wirklich sieht.

Hauptdarsteller sind Damian Lewis und Claire Danes, die beide absolut glaubwürdig sind. Vor allem Danes ist zu ihrer Darstellung der Carrie gar nicht genug zu gratulieren: ihre bipolare, gestresste, besessene CIA-Agentin ist unglaublich großartig. (Ich würde ihr jeden Preis für diese Rolle gönnen!). Sie ist paranoid – und der Zuschauer wird durch sie auch paranoid. Oder ist sie es am Ende doch nicht? Man weiß es nicht, und genau dies macht den Reiz der Geschichte aus. In den Nebenrollen machen sich vor allem Mandy Patinkin als Carries direkter Vorgesetzter und die junge Morgan Saylor als Brodys Tochter mit guten Darstellungen verdient.

Die erste Season von Homeland überzeugt mit einer absolut gekonnten Irreführung des Zuschauers, hat grandiose Spannungsbögen und ist sehr dicht erzählt. Bei insgesamt wenig Action ist die Serie ein tolles, packendes Psycho-Drama. Wenig nervige Plotfehler und ein absolut würdiges Finale, in dem dann auch Lewis noch einmal richtig glänzen darf. Man darf sehr gespannt auf die 2. Staffel sein, die schon im Oktober bestellt wurde. Hält Homeland sein aktuelles Niveau könnte eine großartige Polit-Drama-Serie daraus erwachsen. Aktuell ist die erste Season in den USA gelaufen und es dauert erwartungsgemäß lange, bis sie hier ein deutscher Sender zeigt. Allen Serienfans ist Homeland nur ans Herz zu legen, ihr werdet es nicht bereuen.

Hier der Trailer zur ersten Staffel:

Leseempfehlung dazu: Die einzelnen Episodes-Reviews von Vladislav Tinchev auf serienjunkies.de.

Advertisements
  1. jp
    Januar 24, 2012 um 7:26 pm

    Ich bin zwar noch nicht durch die ganze Staffel durch, mich stört allerdings maßlos, dass schon ab der ersten Folge für den Zuschauer geklärt ist was es mit dem „umgedreht“ sein auf sich hat – das fand ich schade. So kommt es dann zu Szenen wie dem Beten in den Garage, wo es mir ganz sauer aufstößt. So bestätigt es Vorurteile gegenüber allem Fremden, auch wenn es die Paranoia der „Homeland Security“ perfekt abbildet. Fühle mich arg hin- und her gerissen.

    GAME OF THRONES fand ich überzeugender – dort kann man schlicht niemandem trauen… und ich bin etwas neidisch, dass du THE WIRE gerade erst kennen lernst. Das ist der heilige Serien-Gral.

  2. hulza
    Januar 25, 2012 um 1:09 pm

    Mein Tipp: Bleib dran 😉 ich empfand gerade das Spielen MIT den Klischees große Klasse, weil die Serie das nicht eindimensional macht. In meinen Augen wird gerade das „Umdrehen“ und das „Beten“ sehr plausibel erklärt. Finde ich durchaus gelungen.

    Mit GoT hast du natürlich recht, die Durchtriebenheit dieser Serie ist schon arg genial. Wir warten hier auch schon sehnsüchtig auf die 2. Season im April 😉

    • jp
      Januar 25, 2012 um 3:54 pm

      Klar bleib ich dran, sonst kann ich mir kein Urteil erlauben. Schwanke halt noch, aber mir gefällt auch Mandy Patinkin als Mentor hinter Claire Danes sehr gut, und da Damian Lewis was vom jungen Burt Lancaster hat, gucke ich auf jeden Fall die erste Staffel fertig.

  3. hulza
    Januar 25, 2012 um 4:07 pm

    Ich freue mich dann über ein abschließendes Urteil von dir 😉 Mandy Patinkin fand ich auch toll, hoffentlich ist der auch weiterhin dabei.

  4. März 22, 2013 um 2:42 pm

    Habe jetzt die ersten beiden Staffeln in nur zwei Wochen komplett geschaut und mich an deinen Artikel hier erinnert! Wirklich 1a und die zweite Staffel ist sogar noch spannender. Ich hätte niemals gedacht, dass da noch so viel Spannung aufkommen kann, aber die letzte Folge der zweite Staffel hat es dennoch geschafft!

    Für mich auch neben Breaking Bad eines der besten Serien der letzten Jahre!

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: