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Stummfilmkonzert mit Murnaus Nosferatu

Nach dem überwältigenden internationalen Erfolg von „The Artist“ rücken Stummfilme wieder etwas mehr in den medialen Blickpunkt. Ich selbst habe bisher viel zu wenige gesehen, unter anderem fehlte mir „Nosferatu“, Murnaus großes Werk aus den Zeiten der Weimarer Republik. In der Mainzer Altmünsterkirche gab es im perfekten Ambiente die Möglichkeit dies nachzuholen, und das Stummfilmkonzert mit dem Musiker Carsten-Stephan von Bother war in jeder Hinsicht großartig.

Die Altmünsterkirche ist voll besetzt, es ist dunkel und nur Kerzen beleuchten den großen, hohen Raum. Vorne dominiert eine überdimensionale Kinoleinwand. Für Friedrich Wilhelm Murnaus Draculafilm Nosferatu eine wunderbare, perfekte Atmosphäre. Denn obwohl der Film mittlerweile 90 Jahre auf dem Buckel hat, ist von seiner gruseligen Anziehungskraft nicht viel verloren gegangen.

Carsten-Stephan Graf von Bothmer ist vielleicht DER Stummfilmmusiker überhaupt in Deutschland, und mit „Nosferatu“ ist er gerade auf „World Tour“. In Mainz spielt er an der Kirchenorgel und hat sich spontan einen Chor zusammengestellt, welcher unglaublichweise nur zweimal vor dem Konzert probte – und dennoch sehr überzeugt. Bothmers Stummfilmmusik ist mal laut, mal zurückhaltend, mal impulsiv, mal gewaltig und berauschend. Perfekt passt sich die Musik den Szenen an, aus den stummen Bildern vor uns und der Live-Musik hinter uns entsteht eine großartige Symbiose, und man ist gebannt und gefesselt.

Oft erwische ich mich bei einem Lächeln, etwa wenn Murnau mit hilfstechnischen Mitteln arbeitet um Szenen zu verdeutlichen (zum Beispiel der Doppelbelichtung um einen geisterhaften Wald darzustellen.) In den Zwanzigern gewagt und sehr experimentell, heute sieht dies verspielt und witzig aus. Doch trotz dieser Momente packt Nosferatu mich, es gruselt einen: besonders Max Schreck als Graf Orlok bzw. Nosferatu himself ist wirklich großartig. Diese Darstellung, gerade weil sie stumm ist, lässt den „Horror“ wesentlich subtiler als heutige Horrorfilme erscheinen. Dies ist toll zu sehen – und letztlich ist es genau das, was den Stummfilm dann auch heute noch sehenswert macht: Die Möglichkeit, manche Situationen und Gestiken deutlicher auszudrücken als im Tonfilm.

In „Nosferatu“ lässt sich unglaublich viel entdecken, ich könnte hier sicher viel zu den Motiven und Themen des Filmes erzählen, aber das haben schon genügend andere diskutiert, außerdem könnt ihr das alles selbst entdecken. Deshalb  gibt es von mir einfach „nur“ die unbedingte Empfehlung sich eines der Konzerte von Stephan von Bothmer anzuschauen. Wunderbare Musik, großartiger Film, und insgesamt ein hervorragender Abend (mit Wein und Spundekäs abgerundet). Hier gibts alle kommenden Termine der Tour (u.a. mit Berlin, Essen und München).

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