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Blut und Sex in der Arena – US-Serie Spartacus: Blood and Sand

In der noch recht jungen amerikanischen TV-Serie „Spartacus“ des Kabel-TV-Senders Starz geht es lose um den Sklavenaufstand im römischen Reich 71-73 v. Chr. unter dem Thraker Spartacus. Dabei konzentriert sich die Serie vor allem auf die Zeit vor dem Aufstand. Und hier geht alles: grobe Sprache, ungehemmter Sex in allen Lebenslagen, politische Intrigen und jede Menge Blut. Eine Rückschau.

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Mit ‚Game of thrones‘ war meine persönliche Messlatte für freizüzige Gewalt- und Sexszenen im amerikanischen Fernsehen der letzten Jahre schon hoch angelegt. Dies kannte ich so nicht aus den Staaten, und in einer Unterhaltung über eben jene explizite Gewalt- und Sexdarstellung wurde mir „Spartacus: Blood and Sand“ empfohlen: Meine Messlatte hat eine neue Serie gefunden.

In der ersten Staffel dreht sich alles um die Gladiatorenschule des Quintus Batiatus. In diese wird Spartacus (gespielt von Andy Whitfield) nach einer Gefangennahme durch die Römer verschleppt. Er soll in der Arena durch 4 Gladiatoren hingerichtet werden. Er überlebt und wird im Laufe von „Blood and Sand“ nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Anführer und besten Kämpfer von Capua. Es ist eine dreckige Welt voller roher Gewalt, in der Sklaven wie Tiere gehalten werden, und ein menschliches Leben nichts zählt.

Der eigentliche Hauptcharakter der Serie ist neben Spartacus sein „Dominus“, Quintus Batiatus (John Hannah). Der Zuschauer erlebt Fall und neuen Aufstieg des Hauses Batiatus, wird Zeuge der politischen Intrigen des Batiatus und seiner Frau (Lucy „Xena“ Lawless) und sieht ihre hemmungslose Machtbessenheit. Der Sittenverfall des römischen Reiches in seiner ganzen Blüte. In diesem moralischen Morast muss Spartacus um sein Leben kämpfen, gewinnt Freunde und Feinde – und gelangt an einen Punkt, wo er nur noch eines will: Rache.

Soweit gut, ist die Grundstory von „Spartacus“ nicht schlecht: Im Stil der Serie Rome wird das Bild eines kaputten, maroden Staates gezeichnet, in dem es nur um Macht, Lustspiele und Blut geht. Viel Blut. Hier darf alles an Körperflüssigkeiten spritzen, was man sich so vorstellen kann. Körperteile fliegen wild durch die Gegend, wenn gekämpft wird – oder es irgendwo wiedermal getrieben wird.

Der Stil der Serie ist dabei klar: Orientiert an der Erzählstruktur des Ridley Scott-Klassikers Gladiator und der Bildromantik – und Härte von Zack Snyders Spartaner-Spektakel 300. Das von „300“ bekannte Stilmittel der übertriebenen Darstellung von Einzelszenen wie Hinrichtungen oder Kämpfen wird hier auf die Spitze getrieben. Da spritzt das Blut sekundenlang über den Bildschirm, comicartig verfinstern sich Wolken und menschliche Stimmungen. Ich muss ganz ehrlich sein: Sowas habe ich bisher nicht gesehen – und manchmal wusste ich nicht recht, ob ich schlucken sollte oder einfach nur laut lachen. Denn das so harte Spiel mit Sex und Blut ist oftmals nah am Slapstick, nah an der Grenze zur Parodie. Über 13 Folgen entspannt die erste season ihre Geschichte, manchmal mit Überraschungen, insgesamt eher mit vorhersehbarem Ende und Strukturen.

Am faszinierendsten ist neben der sehr guten Darstellerriege sicherlich die Welt des Quintus Batiatus. Wie der kleine Emporkömmling um Macht und Anerkennung um jeden Preis kämpft, ist schlichtweg interessant und lässt die eigentliche Hauptrolle manchmal fast vergessen. Letztlich wird ähnlich wie bei „300“ alles der Ästethik, den muskelbepackten, feucht glänzenden Gladiatoren und den kraftvoll inszenierten Kampfszenen untergeordnet.

Taugt der amerikanische Serienhit nun etwas?

Nun ja, als „lustiges“ Gemetzel für zwischendurch und Trash-Serien-Unterhaltung ist Spartacus: Blood and Sand definitiv gelungen: Saubere Ästhetik, unglaubliche Kampf-Szenen, und Blut Blut Blut. Und Sex. Gerammelt wird immer, ob mit Sklaven oder ohne, ob untereinander oder mit anderen, als Lustspiel oder als politischer Akt. Die Serie ist ein kleiner Gewalt-Porno, und hat die FSK-18 seit langem mal wieder so richtig verdient. Dazu kommen aber leider auch viel zu viel Kitsch und ein Stil, der oft zuviel zeigt. Manch einer würde sicher laut „Schrott“ sagen. Als ernsthafte Serie sollte mal Spartacus nicht sehen, ich denke, das will sie selbst gar nicht sein. Wer auf anspruchsvolle Kost steht, sollte hier besser die Hände weglassen – und zum Beispiel zu parallel laufenden Serien wie „Homeland“, „Breaking Bad“ oder „Mad men“ schalten. Oder sich weiterhin von „Game of Thrones“ vormachen lassen, wie Gewalt und Sex beeindrucken statt einen grinsen zu lassen.

Seit dieser Woche läuft Spartacus kostenlos und völlig legal beim Videoportal myvideo. Das Ungewöhnliche daran: Ab 23 Uhr werden hier die ungeschnittenen Folgen gezeigt, und das sollte hier Pflicht sein. Außerdem kann man hier erstmals (?) zwischen deutscher und Original-Sprache wählen. Das sollte im deutschen TV-Bereich bitte Standard werden.

Ab Freitag, 20. April 2012 läuft Spartacus: Blood and Sand auf Pro 7.

PS: Der wirklich gute Hauptdarsteller Andy Whitfield verstarb im vergangenen Herbst an einem Krebsleiden. Er wurde nur 39 Jahre alt. Ab der zweiten Staffel wird die Hauptrolle von Liam McIntyre gespielt.

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