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Museumskampf: Mercedes-Benz vs. Porsche

In der schwäbischen Hauptstadt Stuttgart gibt es neben dem nationalen Dauerbrennpunkt „s21“ natürlich auch immer noch mehr zu sehen als Demonstranten, Baustellen und Baumfäller. Allen voran ist Stuttgart vielleicht die Autostadt Deutschlands schlechthin, und deshalb ließ ich es mir am vergangenen Wochenende nicht nehmen, gleich beide großen Auto-Museen der Stadt zu besuchen. Ein kurzer Vergleich und einige photographische Eindrücke.

Wenn in einer Stadt zwei solche Automobil-Konzerne um die Gunst von Museumsbesuchern werben, dann wird es spannend: Welches ist das bessere Museum? Welches bietet mehr? Für wen lohnt sich Porsche? Und natürlich: Sind die Museen gelungen?

Während es das Mercedes-Benz-Museum in Bad Cannstatt bereits seit 2006 gibt, wurde das Porsche-Museum in Zuffenhausen erst 2009 eröffnet. Mit Baukosten von 150 (Mercedes)  bzw. 100 (Porsche) Millionen € sind beide Museen sicherlich in der Oberliga anzusiedeln und bieten schon draußen spektakuläre archiktektonische Ansichten.  Hier geht der erste Punkt an Porsche, deren Design gewaltig und beeindruckend ist. Doch im Inneren unterscheiden sich die Konzepte der beiden Konzerne sehr. Beiden gleich ist die spektakuläre Art des Gebäudes auch von innen, der Audioguide am Knopf und der Preis (8€ normal, 4€ ermäßigt).

Stuttgart Mercedes Museum

Schon früh machen sich die Unterschiede bemerkbar: die Daimler-Benz-AG legt den größten Schwerpunkt auf Historie, die Firma Porsche auf den ehemaligen und aktiven Rennsport: Mercedes betont vor allem die Geschichte des Automobils und deren Entwicklung, Porsche wird als perfekte Rennsportmarke präsentiert.

Stuttgart Porsche Museum

Natürlich geht auch Porsche intensiv auf seine Geschichte und viele tolle Oldtimer ein, doch ist es Mercedes, die hier historisch-didaktisch sehr gut Zeitgeschichte zeigen: Mit einer nach unten fortlaufenden Chronik wird jeweilige Weltgeschichte präsentiert, jeder Audioguide hat einen Punkt „Zeitgeschichte“ und die ersten Autos stehen auch hier: Punkt für Mercedes-Benz.

Stuttgart Mercedes Museum

Das Benz-Museum punktet neben der tollen Geschichtsentwicklung vor allem mit der Vielfalt der gezeigten Fahrzeuge: Hier stehen Busse, Polizeiwagen, Rennsportfahrzeuge, Prominente-Taxis, Unimogs, Oldtimer, aktuelle Fahrzeugreihen und viele mehr. Klar: Daimler lieferte schon sehr früh Fahrzeuge jeder Art, vor allem Nutzfahrzeuge waren und sind ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens.

Stuttgart Porsche Museum

Porsche beeindruckt an dieser Stelle mit Authenzität und Nähe zu ihren Bauten. Vor allem der klassische 911er bekommt viel Platz innerhalb der Ausstelllung, was mir durchaus gut gefällt: Ist doch vor allem der 1973er 911er so etwas wie mein Lieblingsporsche. Über den Audioguide bekommt man sowohl technische Infos als auch Rennsportergebnisse des jeweiligen Wagens.

Stuttgart Mercedes Museum

In beiden Museen wird es nostalgisch: den Oldtimern wird viel mehr Platz zugesichert als aktuellen Baureihen – und das ist auch wunderbar so. Hier kann natürlich vor allem Mercedes-Benz mit seinen großartigen 20er-Jahre-Wagen glänzen, aber auch Porsche bietet vor allem mit den Rennsportklassikern wunderbare Oldtimer.

Stuttgart Porsche Museum

Das Porsche-Museum ist schön dran an den Wagen: Das Konzept passt hier sehr gut, die Faszination Auto (und Motorsport) wird hier lebendiger als im Benz-Museum. Mercedes beweist dafür didaktisches Geschick: Mit einem extra Audio-Guide-Punkt für Kinder bekommen die Kleinen die wichtigsten und zugänglichen Infos gut verpackt.

Im Mercedes-Benz-Museum ist es irgendwann fast zuviel des Guten: Infos über Infos, Videos, Bilder, Audio. Irgendwann ist leider Schluss mit der Aufnahmefähigkeit. Bei Porsche ist dies etwas reduzierter, hier stehen die Autos eher im Fokus. Während man sich bei Mercedes auch mit schlechten Zeiten, Mißerfolgen und der Rolle in der NS-Zeit beschäftigt, vermisst man dies alles etwas bei Porsche: Etwas zuviel Glanz.

Letztlich beeindrucken beide Museen sehr, und sind tolle Denkmäler für unser mobiles Zeitalter. Beide Museen sind empfehlenswert, auch der Eintrittspreis ist nicht zu hoch. Für Besucher ohne größere Autointeressen, sowie für Familien und Schulklassen bietet das Mercedes-Benz-Museum mehr Vielfalt: unterschiedliche Modelle, 4 variable Audio-Guides, sehr viel Geschichte, tolle Didaktik, mehr Platz und mehr Fahrzeuge. Für große Auto-Fans und insbesondere Motorsport-Interessierte lohnt sich der Weg nach Zuffenhausen vielleicht mehr: Hier lässt sich Rennsport gut anfassen. Oder man macht es wie ich: Man besucht gleich beide.😉

PS: Der letzte deutsche Kaiser fuhr übrigens Mercedes, und erhielt sogar seinen eigenen „Stern“:

Stuttgart Mercedes Museum

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