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Red Bull Flugtag in Mainz – Absturz im Zollhafen

Pfingstmontag 2012, Sonne, Hitze und ein Menschenstrom vor meinem Fenster wie sonst höchstens an Rosenmontag. Was war passiert? Die Marketing-Spezialisten von Red Bull hatten ihren nächsten Flugtag im Mainzer Zollhafen anvisiert. Viel Werbung, das aktuelle Traumwetter und die gute Location in der Neustadt sorgten für einen riesigen Besucherandrang. 

Dass es voll werden würde, war bereits vorher klar. Doch wieviele Menschen wirklich zu dem Flug-Wahnsinn von Red Bull wollen, stelle ich erst morgens beim Aufstehen mit einiger Verwunderung fest: Auf der Straße bewegen sich tausende Menschen in einem nicht versiegenden Strom zwischen Bahnhof und Rhein. Es ist heiß, die Sonne knallt schon frühmorgens, es riecht überall nach Feierstimmung und Vorfreude. Der Flugtag im kleinen, beschaulichen Mainz? Schon eine kleine Sensation – war die große Red Bull Show rund um selbstgebastelte Flugobjekte doch bisher lediglich in deutschen Millionenstädten wie Berlin, Hamburg oder Köln statt.

Der Mainzer Zollhafen, der seit längerem eine Baustelle ist und in ein Wohn-und Lebeviertel umgebaut wird, war seit Tagen nicht wiederzuerkennen und zu einer einzigen großen Eventfläche verändert. Doch auch die weiten Flächen und Tribünen auf der Rheinallee-Seite waren nicht genug: Das Gelände war an diesem Tag leider 3 Nummern zu klein. Schon gegen 10 Uhr morgens warten Tausende auf den Einlass, bereits gegen kurz nach 11 wird das Gelände zum ersten Mal abgeriegelt. Drinnen beginnt der Kampf um Plätze, Tribüneneintritt und Getränke. Es herrscht ein wenig Rosenmontag-Stimmung, zusätzlich unterstützt durch das Moderatoren-Duo Klaus Hafner (Mainz05-Stadiosprecher) und Tobias Mann (Mainzer Karnevalist) mit ihren Helau-Rufen und „Laola“-Versuchen. Etwa eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start ist auf dem Gelände der sprichwörtliche Siedepunkt erreicht: Menschenmassen, Hitze und eine Menge Chaos.

Während sich nun, einen Tag später, Red Bull mit einem Tag der Superlative brüstet (150.000 Zuschauer, neuer Weltrekord und einer Stimmung wie beim Karneval), gibt eine Großzahl der Besucher schlechtes Feedback ab: zu voll, zu heiß, keine Plätze, zu wenige Getränke, schlechte Organisation, Chaos.  – Und ich frage ich mich ganz lapidar: Was denken sich Menschen bei solcher Kritik? Ja, ganz klar, auch wir waren anfangs not amused über die Tribünen-Situation, auch uns war heiß, auch wir mussten anstehen. Aber: Das Event war kostenfrei, man durfte sogar Getränke (selbst Bier!) und Essen mit hinein nehmen, und entgegen jeder Kritik waren Security und Ordner zwar bestimmt, aber freundlich und professionell. Nicht zuletzt: An den Gittern außen gab es kostenlos Trinkwasser im Becher, an einem solchen heißen Tag eine tolle Geste der Veranstalter.

Letztlich zählt für mich: Bei solchen Events muss man 1) früh aufschlagen 2) sich selbst um Verpflegung kümmern und 3) etwas vorausschauend denken (Dazu gehört zB auch keine Hunde oder Babys mitzunehmen). Alles andere macht nie Sinn, das zeigt doch die Erfahrung. Folglich sind all dies Probleme des Besuchers, nicht der des Veranstalters. Ein bisschen Denken schadet nie!

Den Veranstalter Red Bull kann man für andere Dinge rügen, soviel ist auch sicher: Langatmigkeit zwischen den Sprüngen und der Choreo, eine grenz-debile Co-Moderatorin („Doppel-D(esi)“), ein übermotivierter, letztlich überforderter Moderator Tobias Mann, eine vor allem anfangs schlechte Akkustik und nur eine einzige Videoleinwand. Doch trotz dieser Probleme kann ich da auch darüber lachen: Manchmal ärgerlich, aber das sind Premieren-Fehler in einer kleinen Stadt, wie sie einfach immer vorkommen. (Der Besucherandrang konnte in dieser Dimension in Mainz kaum erwartet werden.)

Bei aller Kritik muss man hier auch festhalten, dass dies alles eine einzige große Werbe-Veranstaltung ist und wir trotz allem einen schönen Vormittag/Mittag am Zollhafen hatten, es uns in der Sonne gut gehen ließen und viel Spaß mit den Choreos und den verunglückten Abstürzen in den Rheinhafen hatten. Viele toll aussehende Fluggeräte stürzten zwar viel zu schnell ab, aber eigentlich geht es doch genau darum: Spaß haben, der Sieg hier an diesem Tag ist nebensächlich. So verpassten wir auch leider den neuen Weltrekord, aufgestellt vom Wiesbadener Team „Rückkehr der Teichfighter“, weil wir noch weiter mussten, aber das ist doch alles halb so wild. Für einen Pfingstmontag nach einem langen, anstrengenden Wochenende war das genau das Richtige.

Fazit: Red Bull versteht es wie keine andere Marke der Welt, Werbung mit Freude, Spaß und Action zu verbinden. Auch in Mainz ist ihnen ein erinnerungswürdiges, riesiges Event geglückt, deren Premiere noch von einigen Fehlern und zu wenig Platz für zuviele Besucher begleitet wurde, aber gerne in den nächsten Jahren wieder stattfinden sollte. Eine Bereicherung für Mainz und den Hafen.

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  1. Jochen
    Mai 30, 2012 um 1:27 pm

    Das war mal ein gelungener Flugtag. Trotz des riesigen Anlaufs an Menschen, war es dennoch ein Event ohne Gleichen und war in seiner Gesamtheit herrlich erfrischend und abwechslungsreich. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr und wünsche mir dafür besser organisierte Sitzmöglichkeiten, was bei so einem Andrang eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.

    Die Flugobjekte waren allesamt Kunstwerke dessen „Abgang ins Tiefe nass“ ich mit einer gewissen Wehmut betrachtete 🙂

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