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Referees at work: „Wir sind nicht Gott“

Zwei bemerkenswerte, schon etwas ältere Dokumentationen über Schiedsrichter sind online anzusehen und zu bestaunen. Ein tiefer Einblick in das Leben von Profischiedsrichtern und den Umgang mit Fehlern. Für Fußball-Fans Pflicht, für alle anderen höchst sehenswert.

Cover der Dokumentation referees at work, Howard Webb, etcSchon viele Jahre fällt mir der allzu harte Ton gegenüber Schiedsrichtern auf. Sei es beim Fußball-Schauen vor dem TV, beim eigenen Kicken oder als Fan live im Stadion: Irgendeiner schimpft immer über die Leistung des Schiedsrichters, irgendeiner provoziert, früher oder später fallen Schimpfwörter – ganze Niederlagen werden immer mehr auf den Schiedsrichter geschoben. Zuletzt beim EM-Spiel der deutschen Mannschaft im Halbfinale gegen Italien: Verdient ausgeschieden, und trotzdem ist das Web voll von Aussagen wie „Scheiss Schiri“ oder „Total verpfiffen worden„.

Schiedsrichter haben in dem durchkommerzialisierten Fußballgeschäft den vielleicht schwierigsten Job überhaupt: Als einzigem Akteur auf dem Platz lässt man Ihnen keinen Spielraum für Fehler, ein einziger Fehler kann über ganze Karrieren entscheiden. Die Dokumentation „Referees at work“ durfte erstmals – von der UEFA unterstützt – Schiedsrichter während einem großen Turnier, der Euro 2008, aufnehmen, Blicke hinter den Kulissen zeigen, ganz einfach: Die Mensch hinter dem Schiedsrichtergespann zeigen. (Und so wird aus dem eher grimmigen Howard Webb ein sympatischer Brite, mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde.)

Als absolutes Highlight der Dokumentation durften die Produzenten die Funkgespräche während der Spiele aufzeichnen: Dies bietet unglaublich gute Einblicke in die Arbeit eines Schiedsrichtergespannes – und lässt Fehler oder strittige Entscheidungen oft in anderen Augen erscheinen. „Was fühlen Schiedsrichter, wenn sie durch eine einzige Fehlentscheidung den massiven Druck der Öffentlichkeit, Verunglimpfung in den Medien oder gar Morddrohungen erleiden müssen? “ Das sind die Fragen, denen sich die Doku stellt, ohne nur ein einziges Mal auf einen Off-Kommentar zurückzugreifen.

Eine ganz phantastische Dokumentation, die in voller Länge online ist, und nur darauf wartet, von Euch angesehen zu werden: Referees at work – Schiedsrichter im Fokus.

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Ganz passend dazu auch ein weiterer, kürzerer Film, der sich um Martin Hansson dreht. Hansson? Genau, der schwedische Schiedsrichter, der Henrys „Hand Gottes“ übersah, und Irland die WM-Teilnahme „kostete“. Die Doku begleitete den Referee schon das ganze Jahr, und so wird besonders deutlich, wie sich ein einziger Fehler auf einen Menschen auswirken kann. „The Referee“, hier auch komplett:

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Wir müssen akzeptieren, dass Schiedsrichter genauso Fehler machen wie die Spieler!“. Wie jeder Mensch. Wie wir alle. Dies sollten wir immer im Hinterkopf, wenn wir uns mal wieder zu sehr über eine Fehlentscheidung aufregen. Im Stadion, vor dem Fernseher, erst Recht in Medien – und auch in der Kreisklasse auf dem Ascheplatz am ArschderWelt bei dem älteren Herrn der Spiele aus dem Stand pfeifft.

(via TrainerBaade.)

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