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RIFF – Reykjavík International Film Festival

Die letzten Tage in Island verbrachten wir in der „Metropole“ Reykjavík, der winzigen Hauptstadt dieses wunderbaren Landes. Durch Bekannte und Connections hatten wir hier das Glück weniger ausschließlich Touristen zu sein, sondern vielmehr in dieser Stadt zu leben. Dazu gehörte auch der Besuch des internationalen Filmfestivals, kurz RIFF, einem charmanten Kino-Festival mit herausragendem Programm.

Das RIFF ist ein seit 2004 jährlich stattfindendes Film-Festival, dessen Schwerpunkt dabei vor allem auf jungen, aufstrebenden Filmmachern und dem neuen , modernen Kino liegt. Qualität und Originalität sind wichtiger als Erfolge. In diesem Jahr liefen über 100 Spielfilme und Dokumentationen, darunter auch einige deutsche Filme, beispielsweise „Barbara“ von Christian Petzold, „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid, oder „Vergiss mein nicht“ von David Sieveking.

Das Programm des RIFF 2012 war buntgemischt, mit Filmen aus über 40 Ländern (dabei laufen alle Filme im Original mit engl. UT bzw. bei englischsprachigen Filmen mit isländischem UT), und so fällt die Auswahl auf einige Filme umso schwerer. Wir selbst waren ja nur am letzten Wochenende des Festivals vor Ort, viele Filme waren schon nicht mehr im Programm, doch gibt es zu fast jeder zeit noch Highlights zu entdecken. Uns fällt direkt auf, wie international das Festival ist: Nicht nur die Filme, sondern auch die Gäste sind multikulturell, nicht zuletzt treffen wir auch andere Deutsche hier. Vielleicht ist dies auch ein Grund für den Charme unserer Kino-Besuche, denn alle waren sie in einer netten Umgebung, man fühlte sich direkt wohl hier (wie eigentlich immer in Island).

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Unser erster Film behandelt ein schwieriges Thema: In „Stillleben“ (2011) vom jungen Wiener Regisseur Sebastian Meise bezahlt ein Vater Prostituierte dafür, seine Tochter nachzuspielen. Das brisante Thema der Pädophilie wird in diesem fiktiven Spielfilm zu einem großartigen Kammerstück mit tollen Darstellern.

 

Stillleben ist ein toller Titel, der diesen Streifen perfekt trifft: Das stille Leben der Familie, besonders nachdem herauskommt, dass der Vater (neben einer Alkoholkrankheit) Vorzüge für seine nun erwachsene Tochter hat. Die Stille der Schuldzuweisung, die Sprachlosigkeit der Familienmitlieder, das Verdrängen und Verschweigen der Probleme. Überhaupt wird in diesem Film kaum geredet, die Bildersprache drückt alles aus, womit auch der letzte Aspekt des Titels treffend ist: Der Ausdruck der „Stillleben“ in der Kunst für das Vergängliche, den Tod oder die Sehnsucht passt sehr gut. Wie Meise und seine Darsteller hier in einem doch kurzen Film die Eindrücklichkeit des Themas rüberbringen, ist bemerkenswert. 77 sehr bedrückende, aber auch großartige Minuten Kino. (plus Soap & Skin als Darstellerin und ihr toller Voyage Voyage-Song, das verdient Extrapunkte.)

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In „Persepolis“ (2007) verarbeitet Regisseurin Marjana „Marji“ Satrapi ihre eigene besondere Lebensgeschichte mit Kindheit in Teheran während der Islamischen Revolution. In knackigem schwarz-weiß gehaltenen, künstlerisch ambitionierten Animationsstil erzählt der Film ihren Lebensweg und dabei fast wie nebenbei zeichnet er ein Bild der Situation im Iran.

Persepolis zeigt dabei einerseits eindrücklich die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft, andererseits aber auch gerade das Absurde solcher Situationen besonders im Privatleben. So hat der Film durchaus seine komischen, witzigen Momente, auch wenn er über seine gesamte Spielzeit natürlich bedrückend bzw. aufwühlend ist. Durch die Animationen können Emotionen und Gefühle besser dargestellt werden, und so bekommt man gute Einblicke in die Psyche der Protagonistin und versteht ihre Sorgen, ihren Kummer und ihre Zuneigungen. So ist „Persepolis“ schließlich ein guter, intelligenter biographischer Film, der bewegt und nicht zuletzt auch gute Unterhaltung.

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Unser dritter und auch letzter Film während des Festivals war der merkwürdigste, lustigste und traurigste zugleich: die niederländische Dokumentation „Meet the Fokkens“ von Gabrielle Provaas und Rob Schröder zeigt das Leben von Martine & Louise Fokkens, einem Zwillingspaar aus Amsterdam, die seit über 50 (!) Jahren Prostituierte im Amsterdamer Rotlicht-Viertel sind.

Selten haben wir bei einer Doku soviel gelacht: Die Fokkens haben eine solche urkomische Art, dass das ganze Kino oft am Boden lag vor Lachen: Hilarious. Andererseits zeigt der Film die offensichtlichen Fehler ihres Lebens und den traurigen Weg zu einem Leben mit der Prostitution. So ist „Meet the Fokkens“ in der Nachbetrachtung schwierig: einerseits unglaublich lustig, doch letztlich auch nur eine neue traurige Huren-Geschichte. Die Dokumentation bleibt aber sicher absolut sehenswert, alleine schon wegen dem charmant-sympatischen Zwillingspaar. Applaus im Kino nach dem Abspann – gibt’s ja auch nicht all zuoft.

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Sicherlich hätten wir gerne noch viele weitere Filme gesehen, doch Reisen und Urlaub sollte ja nicht zu kurz kommen, daher mussten wir uns mit diesen dreien, allesamt empfehlenswerten, Filmen begnügen. Das Festival bleibt uns dabei sicherlich in guter Erinnerung: großartiges Programm, einfache Organisation, charmante Umgebung und natürlich tolle Filme.P

Mehr zu unseren Erlebnissen in Island bald, dann auch eigene Photos von der Tour und aus Reykjavík selbst.

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