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Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte

Die Erfinder des Techno sollen sie sein, ein Mythos mit einem einzigartigen Sound: Fraktus aus Brunsbüttel. Ein Kinofilm geht diesem Phänomen auf den Grund. „Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ läuft seit dem 8.11. in unseren Kinos. Es ist vielleicht der lustigste Film des Jahres.

Rückblick: Im Sommer 2007 tanze ich wie so häufig beim Melt!-Festival. Jan Delay ist gerade fertig, als wir mal wieder bei der Main-Stage vorbeischauen. Wir bekommen noch mit, wie er einen „special guest“ ankündigt, „die Techno-Erfinder“, „den Ursprung der elektronischen Musik“. Das Ganze mittendrin in der Show von Deichkind, die später um 6 Uhr morgens noch Snap auf die Bühne holten und damit viele Lacher ernteten. Doch zurück zu „Fraktus“, die zu großer Lichtshow auf die Bühne ziehen. 3 Männer in schwarzen Anzügen, wilde banale Texte zu Elektrotrash. „Affe sucht Liebe“.  „Are you ready to rock? Ohoheheheo…“. Schon nach wenigen Minuten gibt es Buh-Rufe, es fliegen Becher und andere Gegenstände auf die Bühne. Es kommt zur Eskalation, das Publikum beschimpft Fraktus, Fraktus beschimpfen das Publikum und verlassen mit Stinkefinger Richtung Menschenmasse die Bühne.

Doch all dies war nur gespielt, und wir machten schön mit. Deichkind-Sänger „Das Bo“ hatte kurz vorher erklärt, dass hier für einen Kinofilm gedreht würde, und wir den Akt „so richtig, richtig scheisse“ finden sollen. Nichts leichter als das, alle hatten viel Spaß. Das die Herren Schamoni und Strunk mit an Bord waren, bekam ich noch irgendwie mit, doch mit der Zeit und den Jahren vergaß ich Fraktus…

…bis in diese Tage, wo die drei altgewordenen Männer in Fernsehshows Interviews geben und sich dabei regelrecht zerfleischen. Es geht natürlich um das große Comeback, den aktuellen Kinofilm und die dazu gehörige Tournee.

Das „Studio Braun“ entwirft mit der Geschichte von Fraktus einen herrlich fiktiven Dokumentarfilm, der die (elektronische) Musikszene wunderbar persifliert. Fraktus, das sind Bernd Wand (Jacques Palminger), Dirk „Dickie“ Schubert ( Rocko Schamoni) und Thorsten Bage (Heinz Strunk). Ihr größter Hit: „Affe sucht Liebe“. (Persönlicher Favorit aber: All die armen Menschen!). 25 Jahre nach ihrem letzten Konzert versucht der Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) die Band wieder zusammen zu führen, um ein Comeback anzuleiern. So führt der Weg der Dokumentation von Brunsbüttel nach Ibiza und schließlich nach Hamburg.

Palminger, Strunk und besonders Schamoni gehen derart in ihren fiktiven Figuren auf, dass es eine reine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Die Auftritte und Interviews zahlreicher echter Stars der elektronischen Musikszene (von Westbam bis DJ Hell, von Yello bis Daft Punk) sind überaus witzig und verleihen dem Ganzen den nötigen Touch Selbstironie. Die Pointen sind absolut treffend, der Film pendelt zwar gefährlich nah an der Grenze zum Klamauk, ist dabei aber glücklicherweise immer clever, detailversessen und voller bösem Humor. Die zahlreichen Anspielungen auf Musikszene und Techno sind für jeden Fan ein irrer Spaß und so ist „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ ein wohltuend ironischer, herrlich lustiger Film geworden.

Das neu aufgenommene Album „Millenium Edition“ mit den „alten“ Songs könnte nun durchaus Kult-Potential erreichen. Die Titel sind natürlich weder spannend noch besonders gut, aber mit Liebe zum Detail (gemeinsam mit Erobique) dem 80er Sound nachempfunden und durch ihre Trash-Fertigkeit sicherlich der Renner dieses Winters und auf der Tour Anfang 2013. Mich würde es kaum wundern, wenn im nächsten Jahr „Affe sucht Liebe“ oder ähnliches Fraktus-Material der nächste heiße „Shit“ wäre. In diesem Sinne: Oweeeeyoo.

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