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„Cloud Atlas“ im Kino

David Mitchells Roman „Cloud Atlas“, der sich mit der menschlichen Willenskraft beschäftigt, galt seiner Erzählstruktur wegen lange Zeit als unverfilmbar. Tom Tykwer („Lola rennt“) und die Wachowskis („The Matrix“) haben es dennoch versucht – und dabei tatsächlich großes Kino erschaffen.

 

Ein Mammutprojekt mit gleichzeitig stattfindenden Drehs. Sechs verschiedene Zeiten und Geschichten, sechs verschiedene Genres. All dies in einem Film? Dazu: Der teuerste europäische Film aller Zeiten. Ein bekanntes Schauspielerensemble gespickt mit Stars und obendrein noch drei(!) erfolgreiche Regisseure. Kann so etwas gut gehen? Ist ein solches Projekt, in dem alleine Tom Hanks sechs verschiedene Rollen spielt, möglich?

Es ist gut gegangen, um dies vorweg zu nehmen. Das man nach einem 3-stündigen Blockbuster nicht ernüchtert, sondern erstaunt und fasziniert nach Hause geht, passiert nicht häufig. Wie ist dies „Cloud Atlas“ gelungen? Aus sechs Geschichten setzt sich der Film zusammen, sechs Geschichten, die völlig unterschiedlich sind, und die doch vieles gemeinsam haben: In jeder von ihnen stemmt sich der freie Wille gegen das Schicksal, und obwohl meistens dennoch das Böse siegt, gibt es Hoffnung. Hoffnung auf bessere Zeiten, Freiheit, und ein gemeinsames Miteinander.

Im Jahr 1849 ist der Amerikaner Ewing im Pazifik auf einem Segelschiff unterwegs, der Komponist Robert Frobisher ist 1936 auf der Suche nach sich selbst und einer weltumfassenden Komposition, die Journalistin Luisa Rey ermittelt 1973 in einem Energie-Konzern, 2012 landet ein chaotischer Verleger in einem geschlossenen Altersheim, in der relativ nahen Zukunft 2144 wird eine Duplikantin verhört, die ein Mensch werden wollte und in einer post-apokalyptischen Zeit in 2346 wird ein einfacher Hirte auf Hawai’i zum Helden.

Und natürlich kann man so etwas schon im Ansatz verreißen. Auch ich könnte es tun: Kitschig? Ja, und wie. Sinnlose Dialoge und Plot-Szenen? Na klar. Hanebüchene Klamauk-Ausreißer? Ja, besonders in der 2012-Geschichte. Mainstream und vielleicht doch zu sehr Hollywood? Ganz klar, beispielsweise hätte ich mir bei einer deutschen Produktion mehr deutsche Schauspieler gewünscht. Die Einzel-Storys für sich? Eher langweilig. Am besten noch: 1973.

Aber: „Cloud Atlas“ überzeugt als ein unglaublich beeindruckendes visuelles Gesamtwerk, welches sich nicht auf einzelnen Storylines ausruht, oder gar auf einzelnen Gesichtern. Die opulente Reise durch die Zeitgeschichte nimmt einen mit auf ein ganz großes Abenteuer, ist dabei intelligent und philosophisch (Zerstörung des Menschen, Zivilisation, Gewalt, Machtmißbrauch, freier Wille, etc.), und verbindet mehr als geschickt nicht nur verschiedene Orte und Zeiten, sondern auch Genres, und dies so flüssig, dass man es kaum wahrnimmt, und irgendwann im Kinosaal nur noch die Verbindungen der Geschichten sucht. Herausragend neben all diesen Punkten: die Maske. Was hier geleistet wird, ist schlicht großartig. Wenn Schauspieler über Altersgrenzen und Hautfarben hinweg kaum wiederzuerkennen sind, macht dies einfach sehr viel Spaß. Die Besetzung ist sowieso schon gelungen, allen voran die Nebenrollen wie Jim Broadbent, Jim Sturgess oder Hugo Weaving. Alleine schon Hugh Grant verdient sich hier Extrapunkte durch 6 unterhaltsame unterschiedliche Rollen.

„Cloud Atlas“ könnte durch seine besondere und faszinierende Erzählstruktur einer der Filme des Jahres sein. Trotz aller Schwächen bleiben die positiven Seiten bei mir in Erinnerung und zeigen dabei, dass auch das Mainstream-Kino noch überraschen kann. Anschauen lohnt sich – und die Überraschungen im Abspann, wer welche Rollen gespielt hat, sollte man sich nicht entgehen lassen.

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  1. ausfriestria
    November 26, 2012 um 11:38 am

    Ich habe den Film am Wochenende gesehen (anstelle vom Skyfall) und es nicht bereut, obwohl ich eher durchwachsene Meinungen im Freundeskreis gehört habe. Definitiv ein Film zum zwei Mal anschauen.

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