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Florence and the Machine live in Frankfurt

Erst zwei Alben und schon gefühlt ein Weltstar. Florence Welch ist schon jetzt eine Marke, und sie kann damit mittlerweile auch bei uns größere Hallen füllen. Ein Bericht vom wundervollen Konzert am 2.12.2012 in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Live in Frankfurt, Jahrhunderthalle

Miss Welch ist gerade 26 Jahre alt, doch wenn sie in ihren Kleidern Kostümen auf der Bühne erscheint, wenn sie ihre Stimme durch die Hallen peitscht, wenn sie eine rundum perfekte Show abzieht, denkt man sie wäre eine wesentlich ältere Dame. Erst wenn sie immer wieder hüpft und springt und schreit und animiert, kommt der jugendliche Wahnsinn etwas durch. Dann ist Florence in ihrem Element, dann reißt sie ein ganzes Publikum bis zu den letzten Plätzen mit. Dass Florence and the Machine wahnsinnig gute Shows abliefern, wusste ich schon von Freunden – und natürlich auch von anderen Aufzeichnungen, wie hier beim Glastonbury. Also wurde es Zeit, und glücklicherweise war das Ende der European-Tour fast vor der Haustür*. (*in Konzertsprache: weniger als eine Stunde Anfahrt.)

Den Support übernehmen – wie bei allen Konzerten der Tour – Spector, eine britische Indie-Band, die schon vor ihrem Debüt-Album in die Ehren der Auswahl der BBC-Acts des Jahres kamen. Und gar nicht mal zu Unrecht: Guter Sound, interessante Lead-Stimme (erinnerte uns etwas an Editors-Frontman Tom Smith), und wirklich gefälliger Gitarrenrock. Das ist in der Tat eine nette Vorband, der man gerne zuhört. In ihr Debüt-Album  aus dem August muss ich dringend mal länger reinhören.

Danach herrscht eine ungewöhnlich lange Umbau-Pause, die manch quengeliger Fan gar schon mit Pfiffen quittiert, doch als die ersten Klänge von Only if for a night erklingen, ist dies vergessen. Denn Florence and the Machine sind von der ersten Sekunde voll da. Das Publikum braucht etwas länger, aber spätestens mit dem zweiten Song What the water gaves me sind alle mit dabei. Frau Welch steht am Bühnenrand, und singt, ja manchmal möchte man fast schreien sagen. Aber das ist es nicht: nichts bei ihr klingt gepresst. Ihre Stimme ist selbst bei den unangenehmen Höhen und Längen ausgeglichen. Beeindruckend. Immer wieder rennt sie von einer Seite der Bühne zur anderen, animiert die Gäste bis zu den letzten Sitzplätzen auf der Tribüne, tanzt ausgelassen – nur um im nächsten Augenblick wieder still zu stehen und die ruhigen, magischen Momente des Konzertes beinahe andächtig hervorzuheben, wie beispielsweise in der Piano-Version von Leave my Body.

Das ist vielleicht das Großartige an Florence and the Machine. Die Mischung aus gnadenlos ausuferndem Pop-Song, tanzbaren Stücken und etwas so Stillem wie hier zu hören. Und schon eine Sekunde später ist sie mit ihrem Radio-Hit Shake it Out schon wieder auf Durchdreh-Modus. Zwischendurch fordert sie bei Rabbit Heart (Raise it up) alle auf sich gegenseitig auf die Schultern zu nehmen, bei der ewig langen Zugabe The dog days are over schreit sie in die Menge und springt anschließend mit dem Publikum um die Wette. Das Schöne an all dem: Man merkt der Band, den Sängerinnen und ihr den Spaß auf der Bühne an. Und das überträgt sich schnell auf alle. Das sind die Konzerte, welche einem später in positiver Erinnerung bleiben. You’ve got the Love ist da nur eines von vielen schönen Highlights.
Ziemlich genau 1:45 h war die Band auf der Bühne incl. aller Zugaben, und die hatten es sowohl zeitlich als auch stimmungsvoll in sich. Spectrum war toll, und dog days are over dann die großartige Krönung eines sehr guten Konzertes.

Die ganze Setlist des Konzertes:

1. Only If for a Night  2. What the Water Gave Me 3. Drumming Song  4. Cosmic Love  5. Bird Song (Intro) 6. Rabbit Heart (Raise It Up) 7. You’ve Got the Love  (The Source cover) 8. Lover to Lover  9. Heartlines  (acoustic) 10. Leave My Body (piano version) 11. Shake It Out  12. No Light, No Light

Zugabe: 13. Sweet Nothing  14. Spectrum 15. Dog Days Are Over

Gar nichts zu meckern? Eigentlich nichts, aber nun ja: Der Ton in der Jahrhunderthalle war leider alles andere als optimal. Mehr als einmal sehr übersteuert. Da erwarte ich mir als Konzertbesucher einfach etwas mehr Professionalität – kann aber auch Wunschdenken sein.

Ansonsten großes Lob: wunderbarer Abend mit dieser wahnsinnigen Frau auf der Bühne. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Florence and the Machine gesehen habe.

  1. Missy
    Dezember 17, 2012 um 1:42 pm

    Sehr schönes Review vom Konzert! Kann das nur bestätigen! Die Atmosphäre war gigantisch! Atemberaubend!

  2. Britta
    Dezember 17, 2012 um 11:46 pm

    Wirklich toller Beitrag über ein noch tolleres Konzert🙂 Das war magisch !

  3. Marcel R.
    Januar 10, 2013 um 2:48 am

    Vielleicht bringt sie bei Tour-Konzerten einfach mehr Leistung. Hab sie schon zwei Mal beim Southside gesehen und war beide Male nicht wirklich überzeugt, weil sie die Powerparts auch gern mal tief oder leise singt… Bin dann immer wieder überrascht, wenn ich beispielsweise die Royal Albert Hall Show sehe.

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